Einführung
In der vorliegenden Arbeit beschäftige ich mich mit der Bewertung von Fremdwörtern in der Sprachgeschichte des Deutschen. In Anlehnung an Gardt (2001) habe ich eine Vorgehensweise gewählt, die sich nicht chronologisch orientiert, sondern sich auf unterschiedliche „Diskurse“ (Gardt, 2001, 30), unterschiedliche Herangehensweisen bezieht. Schon seit der frühen Neuzeit können diese Diskurse in der Bewertung von Fremdwörtern angetroffen werden. Auch die Geschichte des Neuhochdeutschen wird durch die Diskussion über den Einfluss fremder Sprachen geprägt. So gibt es auch heute noch Vertreter für die verschiedensten Argumente, die innerhalb dieser Diskurse ausschlaggebend sind. Bevor ich auf die Diskurse im Einzelnen eingehe, möchte ich zunächst noch einige allgemeine Bemerkungen zum Thema voranstellen. Die Geschichte einer Sprache wird stets maßgeblich durch die Einstellungen ihrer Sprecher beeinflusst (vgl. Gardt, 2001). Die Bewertung von Fremdwörtern wurde im Laufe der Geschichte „von Grammatikern, Rhetorikern, Sprachtheoretikern und auch Ideologen“ (ebd., 31) vorgenommen. Entsprechend der jeweiligen Überzeugung fiel die Definition des Begriffs „Fremdwort“ unterschiedlich aus. Bei der Bewertung von Fremdwörtern wurden nicht nur die Merkmale des Sprachsystems beschrieben, gleichzeitig wurde das System auch normierend beeinflusst. Unter den Punkten zwei bis fünf werde ich mich mit verschiedenen Diskursen beschäftigen, die sich auf unterschiedliche Dimensionen des Fremdwortbegriffs beziehen. Dazu gehören der sprachstrukturelle, der sprachideologische, der sprachpädagogische und -soziologische und der sprachkritische bzw. sprachpflegerische Fremdwortdiskurs. Es ist nicht möglich, eine klare Abgrenzung unter ihnen vorzunehmen, da sie sich überlappen und jeweils eine Mischung verschiedener Aspekte darstellen. Wenn nicht anders vermerkt, beziehe ich mich auf die Ausführungen von Gardt (2001).
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Der sprachstrukturelle Fremdwortdiskurs
2.1 Die Ausdrucksseite
2.2 Die Inhaltsseite
3. Der sprachideologische Fremdwortdiskurs
3.1 Gemäßigter vs. radikaler Sprachpurismus
3.2 Kennzeichen des Sprachpurismus
3.3 Der Sprachpurismus in der Geschichte der deutschen Sprache
4. Der sprachpädagogische und -soziologische Fremdwortdiskurs
5. Der sprachkritische bzw. sprachpflegerische Fremdwortdiskurs
5.1 Stilistische Urteile
5.2 Kommunikationsspezifische bzw. ethische Urteile
6. Zusammenfassung und Schlusswort
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bewertung und Einordnung von Fremdwörtern in der Geschichte des Deutschen anhand verschiedener Diskurse. Ziel ist es, die unterschiedlichen Herangehensweisen – von der sprachstrukturellen Analyse bis hin zur ideologischen und sprachpflegerischen Debatte – aufzuzeigen, anstatt eine rein chronologische Betrachtung zu verfolgen.
- Strukturelle und lexikalische Aspekte des Fremdwortgebrauchs
- Die historische Entwicklung des Sprachpurismus
- Ideologische Verbindungen zwischen Sprache und nationaler Identität
- Sprachpädagogische und soziologische Dimensionen der Fremdaufnahme
- Stilistische und ethische Beurteilungskriterien der Sprachkritik
Auszug aus dem Buch
Die Ausdrucksseite
Die Ausdrucksseite äußert sich in Aussprache, Schreibung, Wortbildung und Beugung. Schwierigkeiten in diesem und anderen Bereichen traten zu jeder Zeit hauptsächlich bei den Sprechern auf, die keine oder nur wenige Fremdsprachenkenntnisse besaßen und besitzen (vgl. Zabel, 1987).
Bis zum 15. Jahrhundert, zur Zeit der Völkerwanderung, also zu den Anfängen der deutschen Sprachgeschichte, war die Sprache geprägt durch eine fast ausschließlich mündliche Verwendung (Munske, 2001). In dieser Zeit gab es hauptsächlich direkte Entlehnungen, die heute als integriert gelten und „in keiner Weise mehr als ‚fremd’ empfunden“ werden (ebd., 12), da sie an den Lautwandelprozessen des Deutschen teilgenommen haben. Der Grad der Integration auf Seiten von Aussprache, Schreibweise und Flexion kennzeichnet die Unterscheidung von Fremdwörtern und Lehnwörtern.
Das 17. Jahrhundert war geprägt durch die Forderung nach deutscher Aussprache, Schreibung und Flexion. Im Gegensatz dazu stand die Auffassung, Schreibung und Lautung sollten beibehalten werden, die sich im 18. Jahrhundert etablierte. Die jeweiligen Kriterien bezogen sich unter anderem auf die Art der Ausgangssprache oder den Wohlklang des entsprechenden Wortes.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Es wird die methodische Herangehensweise dargelegt, die Fremdwörter nicht chronologisch, sondern anhand verschiedener Diskurse untersucht.
2. Der sprachstrukturelle Fremdwortdiskurs: Dieses Kapitel fokussiert auf grammatische und lexikalische Fragen sowie die Unterscheidung zwischen Fremd- und Lehnwörtern.
3. Der sprachideologische Fremdwortdiskurs: Die Ausführungen behandeln die Entwicklung und die Merkmale des Sprachpurismus im Kontext der deutschen Sprachgeschichte.
4. Der sprachpädagogische und -soziologische Fremdwortdiskurs: Hier wird die Rolle von Fremdwörtern hinsichtlich Bildung, Wissensvermittlung und sozialer Integration erörtert.
5. Der sprachkritische bzw. sprachpflegerische Fremdwortdiskurs: Das Kapitel analysiert stilistische sowie ethische Urteile, die gegen die Verwendung von Fremdwörtern angeführt werden.
6. Zusammenfassung und Schlusswort: Die Ergebnisse werden gebündelt und die anhaltende Aktualität der Fremdwortdebatte betont.
Schlüsselwörter
Fremdwort, Sprachgeschichte, Sprachpurismus, Deutsche Sprache, Sprachkritik, Sprachwissenschaft, Lehnwort, Integration, Sprachgesellschaften, Sprachideologie, Sprachpädagogik, Fremdwortdiskurs, Sprachpflege, Anglizismen, Sprachwandel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bewertung von Fremdwörtern in der deutschen Sprachgeschichte und den damit verbundenen Diskursen.
Welche thematischen Schwerpunkte werden gesetzt?
Die Schwerpunkte liegen auf sprachstrukturellen, ideologischen, pädagogischen und kritischen Perspektiven auf den Gebrauch von Fremdwörtern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine systematische Einordnung der verschiedenen Argumentationsmuster, die den Umgang mit fremdsprachlichen Elementen im Deutschen seit Jahrhunderten prägen.
Welche methodische Vorgehensweise wurde gewählt?
Die Arbeit folgt einer diskursanalytischen Methode in Anlehnung an Gardt, die auf verschiedene Herangehensweisen statt auf eine rein chronologische Abfolge setzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in vier zentrale Diskurse: den sprachstrukturellen, den sprachideologischen, den sprachpädagogisch-soziologischen und den sprachkritisch-pflegerischen Fremdwortdiskurs.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Zentrale Begriffe sind Fremdwort, Sprachpurismus, Integration, sprachliche Identität und Sprachkritik.
Welche Rolle spielt der Sprachpurismus im Text?
Der Sprachpurismus wird als sprachideologische Strömung analysiert, die unter anderem aus nationalistischem Bewusstsein heraus den Schutz des Deutschen vor fremden Einflüssen forderte.
Wie wird das Verhältnis von Fremdwörtern und gesellschaftlicher Bildung im Text bewertet?
Der Text hebt hervor, dass Fremdwörter einerseits als Chance für neue Wissensbestände gesehen werden, andererseits aber auch soziale Wissensbarrieren erzeugen können.
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- Anna Badstübner (Author), 2004, Das Fremdwort in der deutschen Sprachgeschichte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36265