Stalins Deutschlandpolitik von 1944 bis zur Gründung der DDR


Hausarbeit, 2004
19 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Ziele der Alliirten bei Kriegsende
2.1 Ziele der Sowjetunion
2.2 Ziele der USA

3 Alliierte Deutschlandpolitik bis zum Bruch 1947
3.1 Weichenstellung auf der Potsdamer Konferenz
3.2 Minimal- und Maximalziele
3.3 Die Rolle der SED
3.4 Die sowjetische Reparationspolitik und das Verhältnis zur deutschen Bevölkerung
3.5 Die Bizone
3.6 Der Marshall Plan als endgültiges Scheitern der Allianz

4 Vom Bruch bis zur Gründung der zwei Staaten 1949
4.1 Berlin als Druckmittel
4.2 Die Gründung der DDR

5 Fazit

1 Einleitung

Mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 nahm der Zweite Weltkrieg formal ein Ende. Hitler war geschlagen, der Osten Europas größtenteils von den Russen besetzt und Westeuropa mit der Hilfe der USA und Großbritanniens befreit worden.

In Deutschland trafen das Einflussgebiet der Westalliierten und das der Sowjetunion aufeinander. Im Frühjahr 1945 waren die Russen von Osten her nach Deutschland vorgedrungen und hatten Ostdeutschland inklusive Berlin besetzt. Am 30. April 1945 beging Hitler in den Trümmern Berlins Selbstmord und entzog sich so der Verantwortung.[1] Der Westen Deutschlands fiel in die Verantwortlichkeit der Großbritanniens, Frankreichs und der USA. Deutschland wurde in vier Besatzungszonen, Berlin in Sektoren aufgeteilt. Die Grenze zwischen der sowjetischen und der westalliierten Besatzungszonen verlief somit quer durch Deutschland. Damit trafen in Deutschland nicht nur vier Weltmächte sondern auch zwei völlig unterschiedliche Gesellschaftssysteme, der Sozialismus und der Kapitalismus zusammen.

Für die deutsche Bevölkerung, die das Kriegsende überwiegend mit Erleichterung aufgenommen hatte, bedeutete diese geteilte Besatzung eine große Unsicherheit. Die Zukunft des Landes hing nun davon ab, ob die Alliierten trotz ihrer unterschiedlichen Gesellschaftsmodelle und Weltanschauungen zur Kooperation bereit und in der Lage sein würden.

Die Westmächte strebten bereits zu Kriegszeiten ein zukünftiges Gesamtdeutschland an. Die Einheit Deutschlands wäre die optimale Grundlage für ihre wirtschaftlichen und politischen Ziele in Europa gewesen. Sie verfolgten ihr Ziel konstant, bis die Zusammenarbeit mit der Sowjetunion aus ihrer Sicht gescheitert war. Erst dann errichteten sie mit der Gründung der BRD einen westdeutschen, demokratischen Staat.

Bei der Sowjetunion fällt es deutlich schwerer das Konzept für Deutschland zu rekonstruieren. Die wechselnden Anordnungen Stalins und die zum Teil widersprüchlichen Entscheidungen machen es schwierig einen einheitlichen Kurs sowie vorrangige Ziele zu erarbeiten. Daher gibt es verschiedene Interpretationen der sowjetischen Nachkriegsplanung.

Wilfried Loth vertritt die These, die deutsche Einheit sei stets Stalins oberste Priorität gewesen. Seiner Meinung nach strebte Stalin einen gesamtdeutschen Staat unter gemeinsamer Verwaltung der Siegermächte an.[2]

Andere Historiker, unter anderem Helmut Altrichter und Norman M. Naimark glauben an das Modell der wechselnden bzw. mehrgleisigen Deutschlandpolitik Stalins.[3] [4]

In dieser Analyse soll nun erörtert werden, ob die Schaffung eines gesamtdeutschen Staates tatsächlich von Beginn an Stalins wichtigstes Bestreben war und wenn ja, warum es dennoch zur deutschen Teilung kam.

Dazu sollen Stalins Zielsetzungen und deren Weiterentwicklung, sowie die wichtigsten Entscheidungen der Sowjetführung vom Kriegsende bis zur Gründung der DDR untersucht werden.

2 Die Ziele der Alliierten bei Kriegsende

Bei Kriegsende hatte jede der Besatzungsmächte mit den Folgen des Krieges zu kämpfen. Diese waren in jedem Land unterschiedlich ausgeprägt und führten zu den individuellen Zukunftsplänen für Deutschland. Da in den folgenden Verhandlungen zwischen den Alliierten die USA und die UdSSR als Hauptakteure auftraten, soll sich hier auf deren Ziele beschränkt werden.

2.1 Die Ziele der Sowjetunion

Von den Siegermächten hatte die Sowjetunion am meisten unter den Folgen des Krieges zu leiden. Die Rote Armee war bei dem deutschen Angriff 1941 nur knapp einer Niederlage entgangen und bei Kriegsende hatte die UdSSR die stärksten Verluste auf dem europäischen Kontinent zu verzeichnen. Mindestens 20 Millionen Sowjets waren im Krieg ums Leben gekommen, das entsprach mehr als zehn Prozent der sowjetischen Bevölkerung.[5] Die finanziellen Verluste beliefen sich auf über 100 Milliarden Dollar. Die Sowjetunion war somit dringender als ihre Kriegspartner auf deutsche Reparationen zum Wiederaufbau angewiesen. Angesichts der enormen Verluste waren Reparationen in Höhe von 10 Milliarden Dollar, die Stalin erstmals im Februar 1945 auf der Konferenz von Jalta forderte noch relativ bescheiden. Stalin war sich durchaus bewusst, dass er Reparationen in dieser Höhe nicht allein aus seinem Besatzungsgebiet entnehmen konnte. Er war auf Lieferungen aus dem Ruhrgebiet und somit aus der Besatzungszone der Westmächte angewiesen. Um ein sehr wichtiges Ziel, den Wiederaufbau der Sowjetunion sicherzustellen, war Stalin also auf die Zusammenarbeit mit dem Westen angewiesen.[6]

Dies war nicht der einzige Punkt, der von Stalins Seite für eine Kooperation der Kriegsallianz sprach.

Der Angriff der Deutschen und der lange Krieg hatten die Sowjetunion an die Grenzen ihrer Kräfte gebracht. Alle Maßnahmen mussten nun auf einen raschen Wiederaufbau und die Sicherung der inneren Stabilität der UdSSR gerichtet werden. Dazu musste zunächst sichergestellt werden, dass von deutscher Seite keine Gefahr mehr drohte. Einem weiteren Angriff hätte die Sowjetunion nicht mehr Stand halten können. Stalin war sich bewusst, dass nur die Zusammenarbeit mit den Westalliierten die Sowjetunion dauerhaft vor einem deutschen Angriff schützen konnten. Gegenüber dem polnischen Premierminister äußerte er: ”Wir sind davon überzeugt, dass sich die Gefahr von seiten Deutschlands wiederholen wird. Aus diesem Grund sind die Gespräche, die gegenwärtig in Washington über die kollektive Sicherheit geführt werden, so dringend. Ich selbst bin für jede mögliche und

unmögliche Unterdrückungsmaßnahme gegenüber Deutschland.”[7]

2.2 Ziele der USA

Die Vereinigten Staaten waren von den Kriegsfolgen weitgehend verschont geblieben. Zwar hatten auch sie Opfer zu beklagen und der Krieg hatte viele Gelder verschlungen, aber die Kämpfe hatten auf einem anderen Kontinent stattgefunden. Die Probleme der USA betrafen die Zukunft.

Bei einer Umstellung der Kriegs- auf Friedenswirtschaft war eine erhebliche Überproduktion zu erwarten. Um diese aufzufangen mussten neue Absatzmärkte erschlossen werden. Das verarmte Europa bot sich an.

Stalin erkannte diese Entwicklung. Er musste nun verhindern, dass ein großer Teil Deutschlands oder sogar Gesamtdeutschland von den Westmächten vereinnahmt wurde.[8]

Die USA wollten im Gegenzug eine weitere Ausbreitung des Sozialismus verhindern. Zu diesem Zweck sollte Deutschland als Handelspartner erhalten bleiben und ein Gegengewicht zur Sowjetunion auf dem europäischen Kontinent bilden.[9]

Ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung sowie einige amerikanische Politiker (z.B. George F. Kennan) hatten direkt nach dem Krieg für eine deutsche Teilung plädiert, weil eine langfristige Kooperation mit der UdSSR unmöglich schien.[10]

Die politische Führung der USA war jedoch bereit, die deutsche Einheit zu erhalten, jedoch nicht um jeden Preis.

Die Situation bei Kriegsende war somit noch völlig offen. Stalins Ziele führten nicht zu einem festen Kurs und so beschloss er, sich noch nicht auf eine Strategie festzulegen , um sich alle Wege offen zu halten. Diese Haltung verschaffte den USA einen großen Handlungsspielraum bei der Gestaltung der deutschen Nachkriegsordnung.[11]

[...]


[1] Mastny, V.: Moskaus Weg zum Kalten Krieg. München 1980. S. 327-328.

[2] Loth, W.: Stalins ungeliebtes Kind - Warum Moskau die DDR nicht wollte. Berlin 1994. S. 10.

[3] Naimark, N. M.: Die Russen in Deutschland – Die sowjetische Besatzungszone 1945 bis 1949. Berlin 1997. S.18.

[4] Altrichter, H.: Ein- oder mehrdeutig? Ziele und Konzeptionen sowjetischer Deutschlandpolitik 1945/46. –In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. Sondernr.: Erobert oder befreit?: Deutschland im internationalen Kräftefeld und die Sowjetische Besatzungszone (1945/46). München 1998. S. 47-49.

[5] Loth, W.: Die Teilung der Welt. Geschichte des Kalten Krieges 1941-1955. München 2002.

S. 47-48.

[6] Loth, W.: Stalins ungeliebtes Kind. S. 15-16.

[7] Ebd. S.14.

[8] Ebd. S. 15-16.

[9] Benz, W.: Deutschland unter alliierter Besatzung 1945-1949/55. Berlin 1999. S. 215.

[10] Loth, W.: Stalins ungeliebtes Kind. S. 39.

[11] Loth, W.: Die Teilung Deutschlands. S. 68-69.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Stalins Deutschlandpolitik von 1944 bis zur Gründung der DDR
Hochschule
Universität Trier
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
19
Katalognummer
V36288
ISBN (eBook)
9783638359559
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stalins, Deutschlandpolitik, Gründung
Arbeit zitieren
Daniel Kipper (Autor), 2004, Stalins Deutschlandpolitik von 1944 bis zur Gründung der DDR, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36288

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