"El sí de las ninas" von Moratín und "L'Ecole des femmes" von Molière im Vergleich


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

13 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Vergleich
1. Thematik
2. Personen
2.1. Don Diego
2.2. Don Carlos
2.3. Doña Irene
2.4. Doña Francisca
3. Form und Sprache
4. Mädchenerziehung
5. Stellung der Frau und Ehe

III. Resümee

IV. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts sind alle literarischen Gattungen in Spanien noch sehr von postbarocken Einflüssen geprägt. Doch ab der zweiten Hälfte bildet sich eine neue literarische Epoche, der Neoklassizismus. Diese Strömung orientiert sich an den Prinzipien der Antike und Vorbildern aus Frankreich, wobei besonders Jean-Baptiste Poquelin, genannt Molière hervorzuheben ist. Doch den Theoretikern und Aufklärern des neoclasicisimo gelang es nicht das religiöse und profane Theater des Spätbarocks von den Bühnen Spaniens zurückzudrängen. Schließlich setzte sich aber das neoklassizistische Theater durch und daran war maßgeblich Leandro Fernández de Moratín mit seinem Stück “La comedia nueva o el café“ (1792) beteiligt. Er strebte danach, mit seinen Theaterstücken möglichst viele Menschen zu erreichen und dem Publikum die Ideen der Aufklärung zu verdeutlichen. In seinem Erfolgsstück “El sí de las niñas“ behandelt er die sehr aktuellen und kontroversen Themen Mädchenerziehung und freie Partnerwahl.[1] Molière ist Frankreichs bedeutendster Komödienautor und Moratíns großes Vorbild. Das Phänomen Molière befasst sich in seinen Stücken mit Themen, die im Frankreich des 17.Jahrhunderts einmalig sind, wie z.B. die Mädchenerziehung in “L’Ecole des femmes“. Moratín übersetzt nicht nur mehrere Werke von ihm ins Spanische, sondern wird vor allem hinsichtlich seiner Technik zu einem „spanischen Molière“[2].

II. Vergleich

II. 1. Thematik

Die Thematiken der beiden Stücke weisen bestimmte Gemeinsamkeiten auf, bei genauerem Betrachten stößt man jedoch auch auf signifikante Unterschiede. Im Allgemeinen befassen sich beide Stücke mit der Mädchenerziehung und der Rolle der Frau im jeweiligen Zeitalter. Moratín beabsichtigt mit seinem Stück die Menschen zu unterhalten und gleichzeitig auch zu erziehen bzw. zu moralisieren. “L’Ecole des femmes“ ist zwar ein belustigendes Stück, Molière möchte die Menschen aber mit ironischen Demonstrationsvorgängen auf der Bühne ernsthaft zum Nachdenken anregen.[3] Schließlich plädieren sowohl Molière als auch Moratín für das Recht der Frauen auf Liebe, sprich die freie Wahl des Ehepartners und prangern die zeitüblichen Konventionsehen an. Des Weiteren sprechen sich beide gegen die heuchlerische Klostererziehung und die übertriebene Autorität der Eltern aus.

Das Stück “L’Ecole des femmes“ erzählt von Agnès, einem 16jährigen Mädchen, das auf Veranlassung ihres Ziehvaters Arnolphe in völliger Isolation von der realen Welt aufwächst. Der 57jährige Arnolphe plant Agnès zuheiraten und er ist der Auffassung, dass nur eine dumme und ihrem Mann absolut gehorsame Frau kann eine treue Ehefrau sein. Als Agnès den jungen Horace kennen lernt, verlieben sich die beiden ineinander. Die durch die Isolation kindlich-naiv gebliebene Agnès, erzählt Arnolphe von ihrem Verehrer und auch Horace, der nicht weiß, dass Arnolphe sein Rivale ist, spricht mit ihm über seine Angebetete und bittet ihn sogar ihm zu helfen Agnès von ihrem unmoralischen Ziehvater zu befreien. Da Arnolphe seine Identität nicht preisgeben will spielt er mit, hofft aber bis zum Ende des Stücks sein Schicksal noch wenden zu können. Als Horaces Vater auftaucht und ihn mit der Tochter des Enrique verheiraten will, stellt sich heraus, dass ausgerechtet Agnès diese Tochter des Enrique ist. Schließlich bleibt Arnolphe als wütender Verlierer übrig.

Moratíns “El sí de las niñas“ handelt von der ebenfalls 16jährigen Doña Francisca, die auf Verlangen ihrer Mutter mit dem 59jährigen Don Diego verheiratet werden soll. Doña Fancisca ist jedoch in den jungen Don Carlos verliebt, der gleichzeitig Don Diegos Neffe ist. Als Don Diego erfährt, dass es nicht der Wille des Mädchens ist ihn zu heiraten und sie einen anderen liebt, sagt er die Hochzeit ab und belehrt die Mutter in Sachen Mädchenerziehung. Die Vernunft veranlasst Don Diego der Liebe zwischen Doña Francisca und Don Carlos seinen Segen zu geben.

Insofern kann man sagen der Inhalt der beiden Stücke unterscheidet sich vor allem in den Charakteren der einzelnen Figuren und wie sie mit der Tatsache umgehen, dass das Mädchen den alten Herr nicht heiraten will. Daher bildet die vergleichende Analyse der wichtigsten Figuren der beiden Dramen den Anfang dieser Hausarbeit.

II. 2. Figuren

2. 1. Don Diego

Don Diego ist ein wohlhabender 59jähriger Mann, er hat Landbesitz und ein prunkvolles Haus in Madrid. Er hat Freunde in den akademischen Kreisen von Alcalá und versorgt seinen Neffen Don Carlos großzügig mit Geld. So liegt man wohl richtig in der Annahme, dass Don Diego der oberen Ebene der clase media angehört.[4] Er hat mit Molières Arnolphe gemein, dass er dem Adel angehört und in einer gewissen Machtposition steht. Beide wollen ein junges Mädchen heiraten, sie verhalten sich jedoch völlig unterschiedlich. Denn Don Diego stellt keineswegs wie Arnolphe einen „tyrannischen Vormund“[5] dar, sondern verkörpert ein aufgeklärtes Erziehungskonzept. Er setzt sich für eine Erziehung ein, die den Mädchen beibringen soll sich offen zu ihren Bedürfnissen zu bekennen und nicht bedingungslos ihren Eltern gehorchen zu müssen, insbesondere hinsichtlich der Wahl des Ehepartners. Arnolphe dagegen versucht das Mädchen vor jeglichen Verlockungen der Welt fernzuhalten und sie in kindlicher Naivität und Ehrfurcht vor ihrem zukünftigen Gatten zu halten.[6] Denn er will auf keinen Fall zu den Männern gehören, die er so belächelt, weil ihre Frauen anderen Männern schöne Augen machen. Diese diktatorische Erziehungsmethode steht jedoch im Gegensatz zu seinem sonst wohlwollenden und humanen Charakter[7], den er wieder mit Don Diego gemein hat.

[...]


[1] Vgl. Stenzel 2001: s. 149-150

[2] Vgl. Wittschier 1993: S.183

[3] Vgl. Wittschier 1988: S.58

[4] Vgl. Rien 1982: S.103

[5] Vgl. Mahrenholtz 1883: S.89

[6] Vgl. Mahrenholtz 1883: S.90

[7] Vgl. Mahrenhotz 1883: S.90

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
"El sí de las ninas" von Moratín und "L'Ecole des femmes" von Molière im Vergleich
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Romanistik)
Veranstaltung
Spanisches Theater des 18.Jahrhunderts
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
13
Katalognummer
V36315
ISBN (eBook)
9783638359788
Dateigröße
500 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Moratín, Ecole, Molière, Vergleich, Spanisches, Theater, Jahrhunderts
Arbeit zitieren
Claudia Otto (Autor), 2005, "El sí de las ninas" von Moratín und "L'Ecole des femmes" von Molière im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36315

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