Konversationelle Implikaturen bei Grice


Seminararbeit, 2002

12 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung oder Gesagtes und Gemeintes

2. Das Kooperationsprinzip und die Konversationsmaximen

3. Die konversationelle Implikatur
3.1 Die Begriffe Implikatur und implikatieren
3.2 Die konversationelle Implikatur einer Äußerung

4. Implikaturentests
4.1 Rekonstruierbarkeit
4.2 Kontextabhängigkeit
4.3 Streichbarkeit

5. Typen konversationeller Implikaturen

6. Schluss oder Kritik an der Griceschen Theorie
6.1 Kritik an den Konversationsmaximen
6.2 Kritik an der gesamten Implikaturentheorie

7. Literatur

1. Einleitung oder Gesagtes und Gemeintes

Nicht immer geht aus der wörtlichen Bedeutung einer sprachlichen Äußerung hervor, was der Sprecher tatsächlich meint. Stattdessen ist im Gesagten oft nicht enthalten, was gemeint ist. Es wird also mehr ausgedrückt als in der wörtlichen Bedeutung enthalten ist. Wie aber ist es möglich, etwas anderes zu sagen als man meint, und woher nimmt der Sprecher die Sicherheit zu wissen, vom Hörer richtig interpretiert zu werden (vgl. Keller 1995)?

Der Sprachphilosoph Herbert Paul Grice hat mit seiner Theorie der konversationellen Implikaturen versucht, allgemeine Prinzipien des Gebrauchs von Sprache zu formulieren, anhand derer erklärt werden kann, wie der Hörer einer Äußerung das vom Sprecher Gemeinte rekonstruieren und erkennen kann. Grice (nach Thimm 1995) unterscheidet das Gesagte – den logischen Inhalt – und das Implikatierte. Unter Kommunikation versteht Grice kooperatives, rationales Handeln – Interaktion –, bei der es darum geht, Verständigung zu erlangen (vgl. Grice 1975; Linke, Nussbaumer & Portmann 1996; Schneider 2001; Wunderlich 1972). Da die Verständigung zwischen den Gesprächspartnern eine Grundvoraussetzung von Kommunikation ist, kann Kommunikation ohne ein wenigstens minimales gemeinsames Interesse also nicht zustande kommen (vgl. Linke, Nussbaumer & Portmann 1996).

2. Das Kooperationsprinzip und die Konver-sationsmaximen

Grice formuliert ein allgemeines Prinzip, von dem er annimmt, dass „dessen Beachtung (...) von allen Teilnehmern erwartet wird“ (Grice 1975)[1]. Dieses Prinzip lautet: Gestalte deinen Gesprächsbeitrag genau so, wie es der Punkt der Konversation, an dem er erfolgt, erfordert, wobei das, was erforderlich ist, durch den Zweck oder die Richtung des Gesprächs, in dem du dich befindest, bestimmt ist (vgl. Meibauer 1999; Grice 1975). Grice nennt es das Kooperationsprinzip (Grice 1975)[2]. Dieses abstrakte Prinzip besagt also, dass sich die am Gespräch beteiligten Personen kooperativ verhalten, indem sie ihre Äußerungen entsprechend gestalten, es beschreibt jedoch noch nicht, wie diese Äußerungen konkret gestaltet sein müssen, um den Zweck des Kommunikationsaktes zu erreichen (vgl. Schneider 2001). Daher wird es von Grice in die vier Kategorien Quantität, Qualität, Relevanz und Modalität entfaltet, unter die die so genannten Maximen (Grice 1975)[3] fallen. Diese lauten folgendermaßen[4]:

1. Maximen der Quantität: (a) Mache deinen Beitrag so informativ, wie es der Kommunikationsakt erfordert.

(b) Mache deinen Beitrag nicht informativer als notwendig.

2. Maximen der Qualität: Versuche, einen wahren Beitrag zu geben.

(a) Sage nichts, was du für falsch hältst.

(b) Sage nichts, für dessen Wahrheit dir angemessene Beweise/Gründe fehlen.

3. Maxime der Relevanz: Sei relevant.

4. Maximen der Modalität: Sei klar.

(a) Vermeide Dunkelheit des Ausdrucks.
(b) Vermeide Mehrdeutigkeit.
(c) Vermeide unnötige Weitschweifigkeit.
(d) Verwende die richtige Reihenfolge.

Diese eben genannten Maximen können keinesfalls als moralische Normen, die zu richtigem Kommunikationsverhalten anleiten, verstanden werden. Vielmehr stellen sie laut Grice Regeln rationalen Verhaltens dar, die für jeden Gesprächsteilnehmer gelten sollen (vgl. Meibauer 1999; Wagner 2001; Levinson 1994). Ohne die Konversationsmaximen ist Konversation nicht vorstellbar, sie sind daher Postulate, die zwar theoretisch nicht zu beweisen sind, deren Geltung aber handlungspraktisch unterstellt wird (Glück 2000). Grice nimmt an, dass sie für Sprecher und Hörer von allgemeiner Gültigkeit sind, jedoch von den Gesprächsteilnehmern unterschiedlich beachtet und bewertet werden, und dass sie das Zustandekommen der konversationellen Implikaturen erklären (Linke, Nussbaumer & Portmann 1996; Wunderlich 1972).

[...]


[1] In: Meggle 1993, S.248; übersetzt von A. Kemmerling

[2] In: Meggle 1993, S.248; übersetzt von A. Kemmerling

[3] In: Meggle 1993, S.249ff.; übersetzt von A. Kemmerling

[4] vgl. u.a. Grice 1975; Meibauer 1999; Lohnstein 2001; Meggle 1999; Thimm 1995; Schneider 2001; Wunderlich 1972

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Konversationelle Implikaturen bei Grice
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Sprachliches Handeln im Kontext
Note
1,5
Autor
Jahr
2002
Seiten
12
Katalognummer
V36326
ISBN (eBook)
9783638359870
Dateigröße
589 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konversationelle, Implikaturen, Grice, Sprachliches, Handeln, Kontext
Arbeit zitieren
Anna Badstübner (Autor), 2002, Konversationelle Implikaturen bei Grice, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36326

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