LTTE - Nationaler Terrorismus in Sri Lanka


Seminararbeit, 2005

18 Seiten, Note: 2,0


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INHALT

Einleitung

1. Nationaler Terrorismus
1.1. Begriffsdefinition
1.2. Nationaler Terrorismus in Asien

2. Geschichte Ceylons / Sri Lankas
2.1. Ceylon / Sri Lanka vor Gründung der LTTE
2.2. Diskriminierung der tamilischen Minderheit

3. Die LTTE
3.1. Motivation und Zielsetzung der LTTE
3.2. Entstehung der LTTE
3.3. Splitterorganisationen
3.4. Aufbau und Organisation
3.4.1. Aufbau
3.4.2. Villupilai Prabhakaran
3.4.3. Blacktigers und der „Cyanide War“
3.5. Entwicklung der LTTE seit ihrer Gründung
3.5.1. Aktivitäten der LTTE
3.5.2. Die LTTE und Indien
3.6. Aktuelle Lage und Ausblick

Zusammenfassung der Ergebnisse

Literaturverzeichnis und Quellennachweis

Einleitung

Der Bürgerkrieg in Sri Lanka hat mittlerweile über 60.000 Menschenleben gefordert. Ursache dieses Konflikts sind die andauernden ethnischen Spannungen zwischen der singhalesischen Mehrheit und tamilischen Minderheit auf Sri Lanka. Die LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) hat in diesem Konflikt der singhalesischen Regierung den „Krieg“ erklärt. Seit ihrer Gründung 1972 versucht sie ihre Forderungen nach einem unabhängigen Staat der Tamilen auf Sri Lanka durch terroristische Anschläge durchzusetzen. In wie weit die LTTE in den bestehenden Terrorismusdefinitionen eingeordnet werden kann, ist Ziel und Aufgabe dieser Arbeit. Insbesondere soll der Zusammenhang zwischen den Auswirkungen des Postkolonialismus und der Bildung von terroristischen Organisationen aufgezeigt werden.

Das Thema Terrorismus wird heute aktueller denn je in den Medien und der Wissenschaft diskutiert. Dabei werfen Journalisten und Korrespondenten nur so mit „Fachbegriffen“ um sich. Transnationaler Terrorismus, Al Quaeda, Freiheitskämpfer oder Guerilleros – alltäglich überschlagen sich die Berichterstattungen.

Jedoch wissen dabei die meisten Menschen nicht, dass es bis heute keine einheitliche Definition des Wortes Terrorismus gibt. Die internationale Staatengemeinschaft konnte sich auf keine einheitliche Begriffsdefinition einigen, da des einen Terrorist eben oft des anderen Freiheitskämpfer ist. Eine Trennlinie zwischen den beiden zu ziehen, ist oft schwer. Außerdem hat sich der Begriff des Terrorismus auch insoweit fortentwickelt

„von einem Einzelphänomen subnationaler Gewalt zu einem unter mehreren Elementen – oder zu einem Teil eines breiter angelegten Musters – von nichtstaatlichen Konflikten.“[1]

Was hier Bruce Hoffmann beschreibt, ist die Weiterentwicklung des traditionellen „konventionellen“ Terrorismus zum aktuellen transnationalen Terrorismus, der v.a. von Al-Quaeda und Osama bin Laden vertreten wird. Unter diesen Gesichtspunkten muss die LTTE als eine nationale / ethnisch separatistische terroristische Gruppe definiert werden, die dem traditionellen, nationalen Terrorismus zuzuordnen ist.

Daraus ergibt sich auch der Aufbau dieser Arbeit. Als erstes wird versucht, den Begriff des nationalen Terrorismus zu definieren und diesen vor allem in der Region Asiens aufzuzeigen. Darauf folgt der Hauptteil, in dem Entstehung und Aufbau der LTTE in Bezug zur Geschichte Sri Lankas erläutert wird. Als Schlussteil wird die aktuelle Lage auf Sri Lanka mit einem Ausblick dargestellt.

An entsprechender Literatur zu diesem Thema mangelt es nicht. Seit dem Anschlag auf das World Trade Center beginnt eine wahre Flut von Fachliteratur und Expertenmeinungen. In dieser Hausarbeit beschränke ich mich auf die einschlägige Literatur, die mir im Proseminar nahegelegt wurde.

1. Nationaler Terrorismus

1.1. Begriffsdefinition

„ [...] wenn Terroristen innerhalb ihres Staates Gewalt gegen andere Bürger ausüben, d.h. Täter und Opfer sind Angehörige des gleichen Staates oder unterliegen zumindestens der gleichen staatlichen Autorität.“

Ulrich Schneckener

Nun könnte man diese Definition, wenn man den Begriff „Terrorist“ weglassen würde, auch als Beschreibung eines bürgerkriegsähnlichen Zustandes verstehen. Innerhalb der Terrorismusforschung hat sich jedoch die oben angeführte Definition des nationalen Terrorismus weitgehend durchgesetzt. Allgemein kann über Terrorismus im Gegensatz zum staatlichen Terror gesagt werden, eine Gewaltstrategie nicht-staatlicher Akteure zu sein, die ihre eigenen, politischen Ziele durchsetzen wollen. Terroristen zielen darauf ab, das Verhalten von Regierungen, Gesellschaften oder einzelnen sozialen Gruppen zu verändern und deren Wertesystem zu beeinflussen. Der Terrorist versucht dieses Ziel durch planmäßig vorbereitete Anschläge zu erreichen, die aus dem Untergrund erfolgen. Die Anschläge sollen überraschend eintreten, um die terroristische Organisation als unberechenbar erscheinen zu lassen. Ebenso ist Terrorismus immer eine Kommunikationsstrategie. Ziele und Opfer sind meist symbolische Würdenträger oder kulturell relevante Objekte. Mit dem Anschlag auf diese Objekte soll eine intendierte Botschaft der Terroristen transportiert werden. Es soll erreicht werden, durch Angst und Schrecken das Vertrauen der Bürger in den Staat zu untergraben. Der angegriffene Staat soll zu einer Überreaktion den Terroristen gegenüber provoziert werden. Das Ziel der Terroristen ist dann erreicht, wenn der Bürger vom Staat entfremdet wird auf Grund der staatlichen Gegenmaßnahmen. Die Botschaft soll aber auch an potenzielle Sympathisanten des Regimes geschickt werden zur Solidarität mit den Terroristen.

Im Vergleich zu dem mit der Entführung des israelischen „El Al“ Flugzeugs 1968 durch die PLO oder dem Anschlag auf israelische Sportler bei den Olympischen Sommerspielen 1972 in München einsetzenden Begriff des internationalen Terrorismus, unterscheidet sich der nationale Terrorismus durch folgende Merkmale: zum einen werden die innerstaatlichen Probleme eines Landes nicht über die Grenzen des jeweiligen Landes hinausgetragen. Terrorismus im traditionellen Sinn wird zwar weiterhin durch die symbolhafte Auswahl von Zielpersonen, bzw. Institution durchgeführt, während jedoch diese Attentate nicht mehr national, sondern international erfolgen. Hierbei steht die Kommunikationsstrategie des Terrorismus im Mittelpunkt, da durch internationale Attentate größere Medienwirksamkeit erzielt wird.

Bei der LTTE handelt es sich jedoch klar um einen separatistischen, ethnischen Terrorismus, der dem traditionellen, nationalen Terrorismus zuzuordnen ist.

1.2. Nationaler Terrorismus in Asien

„Terrorismus scheint sowohl als typische Komponente postkolonialer Konflikte signifikant zu sein, wie auch als Komponente von Bruchlinienkonflikten, die sich nach der Implosion quasi-staatlicher Ordnungs- und Legitimationsrahmen manifestieren.“[2]

Neben Afrika, in dem heute noch die Auswirkungen des Postkolonialismus gesehen werden kann, litt Asien am meisten unter dem Ende des British Empire, was sich im ethnischen / nationalistischen Separatismus manifestiert hat. Schon vor dem Zerfall des British E mpire waren solche separatistischen Bewegungen im untergehenden Osmanischen Reich oder im geschwächten Habsburger Reich sichtbar.

Jedoch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nahm dieses Phänomen globale Ausmaße an. Vor allem in Asien ist die Eroberung Singapurs 1942 durch Japan ein markantes Datum, da dort das British Empire seine schlimmste Niederlage erlitt. Gefolgt wird dies durch die französische Niederlage 1954 in Dien Bien Phu, die zum Rückzug Frankreichs aus Indochina, später zum Vietnamkrieg führte. Infolgedessen eroberte Japan Indonesien, Burma und das französische Indochina. Somit wurden die jeweiligen britischen, französischen, niederländischen und amerikanischen Kolonialreiche zerstört.

Die Ursachen der nationalen separatistischen Bewegung sind in den nicht-eingehaltenen Versprechungen der Atlantic Charta 1941 zu suchen. Vor allem die durch Franklin D. Roosevelt und Winston Churchill formulierten Nachkriegsziele, die später bei den Vereinten Nationen aufgenommen wurden, sollten zu den späteren regionalen Konflikten führen. Im zweiten Punkt der Atlantik Charta sicherten sie den „befreiten“ Völkern zu, „[...] territoriale –Veränderungen, die nicht mit dem frei geäußerten Wünschen der beteiligten Völker übereinstimmen [zu missbilligen]“ und im dritten Punkt sprachen sie die Verpflichtung aus „[...] das Recht jedes Volkes [zu respektieren], sich die Regierung, unter der es leben will, selbst zu wählen.“ Wie schon bei Wilsons 14 Punkten sollten hier politische Theorie und Praxis nicht der politischen Realität entsprechen. Hierbei ist in Asien aufzuzeigen, dass den dortigen Völker mit diesen Versprechungen Hoffnungen auf eine Selbstbestimmung ihrer Regierung und ethnischen Grenzsetzungen gemacht wurden. Deshalb versuchten sie diese auch in ethnisch / nationalistischen Separatismusbewegungen durchzusetzen. Manche auf friedlichem Weg, manche auf dem Weg der Gewalt und des Terrorismus.

Was soll nun neben dem Begriff des nationalen Terrorismus man unter dem Begriff des Bruchlinienkonflikts verstehen? Klaus Lange versteht unter einem Bruchlinienkonflikt Folgendes:

Fazit: Die Kehrseite von Globalisierung sind Abkoppelungsprozesse, die ihrerseits bei auseinandergehender Entwicklungsschere zu Prozessen von Entstaatlichung führen. Entstaatlichung kann fast als Synonym für Implosion staatlicher Ordnungsrahmen verwendet werden. Dabei wird Struktur und Funktion solcher Ordnungsrahmen liquidiert und die grundlegenden Komponenten von Gesellschaft – Gruppen und Individuen – ordnen sich, wie Eisenfeilspäne den magnetischen Kraftlinien, vor staatlichen Identifikationsrahmen zu: z.B. Familie, Großfamilie, Clan, Stamm etc. [...]“[3]

Dieselbe Entwicklung durchlief auch Sri Lanka als ein postkoloniales Land mit einer durch die Briten indoktrinierten Staatsform. Den ethnischen Konflikt zwischen Tamilen und Singhalesen, den wir heute beobachten können, ist durch Klaus Langes Definition eines Bruchlinienkonfliktes zu erklären. Um jedoch die Ursachen und Auswirkungen des ethnischen Konflikts auf Sri Lanka zu verstehen, muss man zuerst die Geschichte Sri Lankas in Betracht ziehen.

2. Geschichte Ceylons / Sri Lankas

2.1. Ceylon / Sri Lanka vor Gründung der LTTE

Ceylon oder Sri Lanka ist eine tropische Insel an der südöstlichen Küste Indiens. Das Gebiet der Insel kann klimatisch in zwei Regionen eingeteilt werden, in einen trockenen, für Landwirtschaft nicht geeigneten Norden und in den tropisch feuchten Süden der Insel. Schon bevor die Portugiesen und Holländer im 16./17. Jahrhundert mit der Kolonisierung Sri Lankas begannen, bewohnten zwei ethnische Gruppen die Insel: Tamilen und Singhalesen. Die buddhistischen Singhalesen betrachteten sich als Nachfahren der Arier Nordindiens und ihre Sprache ist mit der Sprachfamilie des Indogermanischen verwandt. Die Tamilen finden in den Hindus in Südindien ihre Herkunft. Ihre Religion ist der Hinduismus. Diese zwei Kulturen, die durch das Inseldasein eigene Kulturen, Religionen und Sprachen entwickelten, lebten friedlich in drei separaten Königreichen auf der Insel. Ein Teil der Tamilen siedelte sich im 13. Jahrhundert in der heutigen indischen Provinz „Tamil Nadu“ an und fühlt sich heute den einheimischen Tamilen gegenüber nicht mehr verwandt. Auch als Portugiesen und Holländer Sri Lanka kolonisierten, ließen diese europäischen Mächte das allgemein vorherrschende Verwaltungssystem bestehen.

Der Ursprung des heutigen ethnischen Konflikts beginnt im 19. Jahrhundert, als das damalige Ceylon zur britischen Kronkolonie wird. Die britischen Kolonialherren schafften die drei bestehenden Königreiche ab und richteten nach ihren Maßstäben neun zu verwaltende Provinzen ein. Außerdem siedelten sie viele Singhalesen in die im Norden gelegenen, von Tamilen bewohnten Provinzen um. Da die Tamilen im trockenen Norden Sri Lankas wohnten, und somit keine Agrarkultur entwickeln konnten, versuchten die Tamilen Arbeitsplätze in der britischen Kolonialregierung zu bekommen, indem sie Englisch lernten und höhere Schulen besuchten. Dies führte dazu, dass die Tamilen ein höheres Einkommen als die singhalesische Mehrheit hatte. Hinzu kam, dass 1830 indische Tamilen auf Sri Lanka angesiedelt wurden, die für die Arbeit auf singhalesischen Teeplantagen gebraucht wurden.

1920 wurde auf die Initiative der britischen Kolonialregierung die Institution des CNC (Ceylon National Congress) eingerichtet, die als gemeinschaftlich nationale Organisation gedacht war. Die jedoch im Kongress vertretene singhalesische Mehrheit zwang die Abgeordneten der Tamilen, den Kongress zu verlassen.

1948 erlangte Ceylon seine Unabhängigkeit. Ein demokratisches Regierungssystem wurde eingerichtet, in der die Singhalesen den meisten Teil der Abgeordneten stellten, während die Tamilen nicht zur Mitsprache kamen. 1972 wird die Republik von Sri Lanka gegründet.

2.2. Diskriminierung der tamilischen Minderheit

„Sinhalese extremists have used the historical relationships between the two groups to exploit the political situation in various ways.“[4]

Auch heute noch stellt die singhalesische Regierung alle Tamilen als Terroristen dar. Nach der Website der singhalesischen Regierung sei Sri Lanka „zu klein“ für beide ethnische Völkergruppen. Außerdem sei die Mehrheit der tamilischen Bevölkerung gegen die radikale Unabhängigkeitsbestrebungen der LTTE.

Nachdem Ceylon seine Unabhängigkeit erlangt hatte, begannen die ersten Diskriminierungsmaßnahmen gegen die Tamilen. 1948 trat der sog. „Citizenship Act“ in Kraft, der Tamile in zwei Kategorien von Staatsbürgern einteilte. Zum einen die Tamilen, die auf der Insel einheimisch waren, zum anderen die damals von Indien stammenden tamilischen Plantagenarbeiter, deren Zahl sich damals auf mehr als 800.000 belief.[5] Diesen wurde ihre ceylonesische Nationalität aberkannt. Um gegen das nun entstandene Problem der heimatlosen Tamilen entgegenzuwirken, trat 1964 der Bandaranaike–Shastri Pakt in Kraft. Der Pakt war ein Abmachung zwischen Ceylon und Indien, dass Ceylon 375,000 der indischen Tamilen ihre Staatsbürgerschaft anerkennen würde. Indien im Gegenzug dazu verpflichtete sich, 425,000 der indischen Tamilen in ihr Land aufzunehmen. Somit wurden fast eine halbe Millionen Tamilen, von denen die Mehrheit auf Ceylon geboren waren, von der singhalesischen Regierung zur Auswanderung gezwungen.

Mit dem „Sinhala-Only-Act“ von 1956 sollte ein weiteres diskriminatorisches Gesetz gegen die tamilische Minderheit in Kraft treten. Das Singhalesische wurde als offizielle Regierungs- und Verwaltungssprache auf Ceylon eingeführt. Tamilen mit Arbeitsstellen in der Verwaltung Ceylons wurde eine 3 Jahres Frist eingeräumt, um Singhalesisch zu lernen. Ansonsten würden sie ihren Arbeitsplatz verlieren.

Nicht nur auf der sprachlichen Ebene wurden die Tamile diskriminiert, sondern durch die sog. „Standardisierung“ von 1970 wurde ihnen der Zugang zu den Universitäten erschwert. Von tamilischen Schüler wurden bessere Noten verlangt als von singhalesischen, um einen Studienplatz zu erhalten. Auch wirtschaftlich subversiv diskriminierte die Regierung die Tamilen. Tamilische Gebiete wurden von allen staatlichen Maßnahmen zur Wirtschaftsförderung ausgeschlossen.

Um so mehr missbrauchte die singhalesische Regierung den PTA (Prevention of Terrorism Act) 1975 dazu, Tamilen willkürlich, teilweise jahrelang ohne Gerichtsverfahren zu inhaftieren.

Der kumulative Effekt dieser multi-dimensionalen Unterdrückung verschlimmerte und verschärfte gravierend den bestehenden ethnischen Konflikt. Durch diese Maßnahmen der singhalesischen Regierung wurden weitere Vermittlungen oder eine friedlich Koexistenz der beiden erheblich erschwert, wenn nicht für immer unmöglich gemacht. Als Reaktion auf diese Diskriminierungen und auch durch das Versagen einer politischen Lösung durch die TULF (Tamil United Liberation Front) wurde die LTTE gegründet.

3. Die LTTE

3.1. Motivation und Zielsetzung der LTTE

Ziel der LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) ist die Errichtung eines eigenen tamilischen Staates namens „Eelam“ in den nordöstlichen Gebieten Sri Lankas. „Eelam“ ist in der tamilischen Sprache das alte Wort für „Ceylon“. Innerhalb der LTTE gibt es auch Stimmen, die einen Zusammenschluss mit der Provinz Südindiens „Tamil Nadu“ fordern, diese konnten sich aber bis jetzt noch nicht durchsetzen. Die LTTE forderte anfangs als Staatsform für ihr angestrebtes „Tamil Eelam“ eine sozialistisch / kommunistische Verfassung. Dies lässt sich vielleicht dadurch erklären, dass Tamilen Hinduisten sind. Insofern stellt sich die LTTE mit ihrer Entscheidung für den Sozialismus gegen das hinduistische Kastensystem. Da jedoch später die konkurrierenden Splitterorganisationen auch eine marxistisch / kommunistische Ideologie übernahmen, nahm die LTTE in ihren späteren Jahren diese Forderung zurück.

Die Mitglieder der LTTE sehen sich als unverstandene Freiheitskämpfer und vermeiden die Selbstbezeichnung mit dem negativ besetzten Begriff des Terroristen. Sie bevorzugen eher den Begriff des Guerillakämpfers. Insgesamt bezeichnen aber all diese Begriffe eine terroristische Organisation. Die LTTE rechtfertigt ihre militante Organisation mit der Begründung, dass nachdem friedliche Demonstrationen für ihre Unabhängigkeit gescheitert wären, ihre einzige Möglichkeit zur Durchsetzung ihrer Rechte im Einsatz von Gewalt und Terror bestünden.

3.2. Entstehung der LTTE

Die LTTE ist die größte terroristische Organisation neben diversen Splitterorganisationen in Sri Lanka. Die Organisation wurde nach dem Scheitern einer friedlichen Lösung des ethnischen Konflikts gegründet. Das offizielle Gründungsjahr der LTTE ist 1976. Entwickelt hat sie sich aus der 1972 von Villupillai Prabhakaran gegründeten Organisation der TNT (Tamil New Tigers).

3.3. Splitterorganisationen

In der Fachliteratur wird von den sog. „Tamil Five“ gesprochen, ein Konglomerat von den größten Terrorismusgruppen neben den anderen zahlreichen Splitterorganisationen der LTTE. Darunter versteht man die Organisationen der TELO (Tamil Eelam Liberation Organisation), EROS (Eelam Revolutionary Organisation of Students), PLOTE (People’s Liberation Organisation of Tamil Eelam) und der EPRLF (Eelam People’s Revolutionary Liberation Front). Alle diese Gruppen sind marxistisch orientiert und ebenfalls paramilitärisch aufgebaut. Vor allem die PLOTE strebt nicht nur nach einem nationalen Marxismus, sondern vertritt auch dessen Internationalisierung. Sie soll auch mit der kommunistischen Partei Sri Lankas JVP (Janatha Vimukht Peramuna / People’s Liberation Front) zusammengearbeitet haben, die 1967 einen missglückten Staatsstreich auf Sri Lanka inszenierte. Diese Splitterorganisationen konkurrieren untereinander, in der vor allem die PLOTE zu einem der Hauptkonkurrenten der LTTE wurde.

Neben diesen Hauptgruppen existieren auch noch andere kleinen Gruppen, wie z.B. „The Cobras“, „Tamil Eelam Extremists“ und die „Tamil Liberation Party“. Von diesen kann man jedoch sagen, dass sie eher Gruppen Kleinkrimineller sind, die von Waffen- und Drogenhandel leben.

3.4. Aufbau und Organisation

3.4.1. Aufbau

“Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) is the armed rebellion organisation fighting for the independence of Tamil Eelam. It is a unique organisation in the world in the following aspects.

1. Every cadre wear a cyanide capsule around the neck and commit suicide to avoid divulging vital information.
2. LTTE is the only rebel organisation which has naval and air wings known as Sea Tigers and Air Tigers respectively.
3. All the cadre wear uniform.” [6]

Die LTTE ist nach dem Vorbild einer paramilitärischen Organisation aufgebaut. Die Größe der LTTE ist nicht genau zu ermitteln und umstritten. Die Website der Tamilen spricht von 20.000 Guerillakämpfern, während die Website der singhalesischen Regierung von nur 4.500 spricht. Realistisch geschätzt wird es sich wohl um ca. 10.000 Mitglieder der LTTE handeln, von denen zwischen 3.000 und 6.000 für den Terrorismus ausgebildet sind.

Ihre Geldquellen bezieht die LTTE aus illegalem Drogen- und Waffenhandel in Europa. Interpol spricht hierbei von 1,5 Tonnen konfiszierten Drogen, die in Europa durch Tamile verkauft wurden.[7] Ferner ist sie in illegalen Handel mit Edelholz in Asien verwickelt. Daneben finanziert sich die LTTE von „freiwilligen“ Spenden der tamilischen Bevölkerung.

Aufbau und Struktur sind paramilitärisch ausgerichtet. Neben ihrer eigenen Land- und Luftmachtstreitmacht (Air Tigers), besitzt die LTTE sogar eine eigene Seestreitmacht, die Sea Tigers. Besonders bekannt ist die LTTE für die Black Tigers, deren Mitglieder ausgebildete Selbstmordattentäter sind. Amnesty International zu Folge rekrutiert die LTTE auch Kindersoldaten aus tamilischen Familien. Dies geschähe teilweise auch gegen den Willen der Familien, da die LTTE die Regel „ein Kind je Familie“ aufgestellt hätte. Ebenso sind auch Ausschreitungen gegen die eigene tamilische Zivilbevölkerung bekannt, die nicht mit der LTTE kooperieren will. Einen Hauptteil der Mitglieder der LTTE wird aus der unteren Kaste der tamilischen Gesellschaft bezogen, die dann ein rigoroses Guerillatraining durchläuft.

3.4.2. Villupillai Prabhakaran

“We are not politicians, we are freedom fighters.”[8]

Auf der Website der LTTE und in tamilischen Interviews wird Villupillai Prabhakaran als charismatischer, durchsetzungsfähiger und rechtschaffender Führer der LTTE dargestellt, der ein besonderes Talent für den Guerillakampf hätte. Außerdem sei er sehr wählerisch bei der Rekrutierung von neuen Mitgliedern der LTTE.

Villupillai Prabhakaran wurde 1954 im Norden Ceylons in Jaffna als Sohn eines Regierungsangestellten geboren. Mit 16 brach er die Schule ab, um die terroristische Organisation TNT zu gründen. Seine erste terroristische Tat ereignete sich im Jahr 1973, als er den tamilischen Bürgermeister von Jaffna erschoss, nur weil er ein Mitglied der singhalesischen Partei SLFP (Sri Lanka Freedom Party) war. Danach sollen er und seine Organisation angeblich eine Posterkampagne in Jaffna begonnen haben, in der er propagierte, er würde alle Tamilen töten, die gegen ihn und seine Organisation wären. Wer Mitglied in der LTTE werden will, muss nicht auf die Organisation, sondern ihm gegenüber einen persönlichen Treueschwur ableisten.

Im Gegensatz dazu sieht ihn die singhalesische Regierung als einen skrupellosen, machtgierigen Führer einer terroristischen Organisation. Im Vergleich mit Hitler würde er die tamilischen Jugendlichen mit ihrer rassischen „Überlegenheit“ indoktrinieren.

In dem kürzlich erst erschienenen Buch „ INSIDE AN ELUSIVE MIND Prabhakaran: The First Profile of the World’s Most Ruthless Guerrilla Leader” werden ihm Titel wie der schon im Buchtitel auftauchende Begriff des „the World’s Most Ruthless Guerrilla Leader“ angedichtet, auf den Rücken des Buches wird vom „One of the most wanted men in the world“ gesprochen. Im Buch wird er dann beschrieben als ein „[…] Genius of Terror who perfected the use of suicide bombers as a tool, long before al Qaeda or al Aksha or Hamas hit upon its efficancy”[9]

Inwieweit diese Mythen- und Legendenbildungen der Realität entsprechen, ist im Rückblick nur schwer zu ergründen. Hinzu kommt, dass Villupillai Prabhakaran auch seinen persönlichen Kult in der LTTE pflegt und versucht, diesen weiter auszubauen. Das einzige, was man mit Sicherheit über den Führer der LTTE sagen kann, ist, dass er erfolgreich eine gefährliche terroristische Gruppe gegründet hat und das, obwohl er niemals eine militärische Ausbildung durchlief.

3.4.3. Blacktigers und der „Cyanide War“

„Auf dem letzten Foto vor dem Anschlag, das Dhanus Gesicht zeigt, sieht man eine schüchterne junge Frau mit weißen Schleifen im schwarzen Haar und gehüllt in ein weißes Kleid. Darunter trägt sie eine Weste aus Jeans-Stoff, in der sechs je 80 Gramm schwere Splittergranaten vom Typ C4 RDX, Sprengstoff, ein Zünder und eine Mikro-Batterie stecken. Dhanu nähert sich am 21.Mai 1991 Indiens Premierminister Rajiv Gandhi, beugt sich hinab, um ihm, wie es Brauch ist, die Füße zu küssen. Er will sie aufrichten. In diesem Moment zündet ihr rechter Zeigefinger die Bombe, die ihn, Dhanu und 16 weitere Menschen zerreißt.“[10]

Die LTTE ist eine der wenigen terroristischen Gruppierungen der Welt neben der Hisbollah, Hamas und PKK, die ihre eigene Selbstmordattentätereinheit unterhält. Außerhalb der vom Islam geprägten Welt dürfte wohl keine andere Bewegung so viele Selbstmordanschläge verübt haben wie die LTTE. Fakt ist auch, dass die Anzahl der Opfer der LTTE die der HAMAS übersteigt. Erschreckenderweise ist die LTTE nach terroristischen Organisationen wie der Narodnaya Wolya, die Zar Alexander I. ermordete, und der Schwarzen Hand, die das Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand durchführte, die einzige heutige Terrorismusgruppe, die je „Erfolg“ darin hatte, führende politische Persönlichkeiten, in diesem Fall den Premierminister von Indien Rajiv Gandhi 1991 und den Premierminister von Sri Lanka Premadasa 1993, zu ermorden. Die Statistik der Selbstmordattentäter zählt über 300 Tamil Tigers. Davon starben 200 durch das Einnehmen ihrer Zyankalikapsel.[11] Jedoch, was macht die Black Tigers so einzigartig?

Kittu, ein Mitglied der Führungselite der LTTE, erklärte in einem Interview mit The Sunday Telegraph 1986 den Erfolg der Black Tigers folgendermaßen:

„Cyanide capsules are the secret of our success. We know that no human being can stand up to torture, so our full-time members are issued with them. If they are captured, they undertake to swallow the poison. As a result not one of them has been taken alive, and our organisations’s secrets are intact”[12]

Viel zum internationalen Ruf der Black Tigers hat die mit ihr eingehende Glorifikation beigetragen, die durch Propagandamaßnahmen ihre gefallenen Helden ehrt und so auch neue Mitglieder anwirbt. Zum Beispiel feiert die LTTE am 5. Juli den „Black Tigers Day“, an dem Grabkerzen auf dem Friedhof in Jaffna vor den verstorbenen Selbstmordattentätern angezündet und die Eltern der Verstorbenen geehrt wurden. Als 1995 die Armee von Sri Lanka Jaffna erobert, war eine ihrer ersten militärischen Aktionen, diesen Friedhof der Black Tigers zu zerstören.

Ebenfalls werden die meisten Black Tigers als Leiter von militärischen Aktion der LTTE eingesetzt, besonders bei Attacken auf Soldatenlager der singhalesischen Armee. Die „Erfolgsrate“ der Black Tigers ist sehr hoch. Neben der PKK und tschetschenischen terroristischen Gruppen, sind sie die einzige Organisation, die Frauen zu Selbstmordattentätern ausbilden. Weibliche Black Tigers machen rund ein Drittel der Black Tigers aus. Bemerkenswert ist außerdem noch, dass im Gegensatz zu religiös oder politisch motivierten Selbstmordattentätern, die LTTE keine übergeordnete Staatsideologie für ihre Selbstmordattentate benötigt.

3.5. Entwicklung der LTTE seit ihrer Gründung

3.5.1. Aktivitäten der LTTE

In dem Zeitraum von der Gründung der LTTE 1972 bis 1981 behauptete ein Sprecher, dass sie in diesem Zeitraum bereits 20 Polizisten, 5 Politiker und 5 Informanten getötet hätten.[13] Seit den Juli-Aufständen 1983 in Sri Lanka und den damit verbundenen pogromartigen Übergriffen auf die im Süden wohnhaften Tamilen und auf die in der Hauptstadt Colombo wohnenden Tamilen, war ein offener Bürgerkrieg zwischen Singhalesen und Tamilen ausgebrochen. Zu dieser Zeit war bereits die Führungselite der LTTE nach Madras in der Provinz Tamil Nadu geflohen. Diese kehrten aber ab 1987 wieder nach Sri Lanka zurück, um die LTTE vor Ort zu befehligen.

Hier ein Auflistung der Attentate der LTTE seit 1985:

1985 Anuradhapura Massaker, 70 Tote

1986 Bombenattentat auf den Flughafen von Colombo, 16 Tote Bombenattentat in einer Telefonzelle, 11 Tote

1987 Good Friday Massaker, 127 Tote
Bombenattentat auf eine Bushaltestelle in Colombo, 110 Tote
Massenselbstmord von Tamilen durch Zyankali

1991 Ermordung des indischen Premierministers Rajiv Gandhi

1993 Ermordung des Premierministers von Sri Lanka Premadasa

Während dieser Zeit beseitigten die Führer der LTTE auch innere Konkurrenz und bekämpften die andere Splitterorganisationen der Tamilen.

1995 erobert die Armee von Sri Lanka Jaffna. In Reaktion darauf überrannte die LTTE ein singhalesisches Soldatenlager und tötete 1.200 Soldaten. 1999 eroberte die LTTE fast alle Gebiete zurück, die ihnen die Armee in den letzten vier Jahren genommen hat.

Aus diesen Daten wird die Entwicklung der LTTE verdeutlicht. Anfangs ähnelte ihr Aufbau eher einer Guerillaorganisation, heute hat sie die Ausmaße einer ganzen Armee angenommen. Diese schnell zu verzeichnende Entwicklung konnte die LTTE größtenteils durch ihrer Spezialeinheit der Black Tigers erreichen.

3.5.2. Die LTTE und Indien

Die indische Regierung stand am Anfang des Bürgerkriegs ambivalent zu den Tamilen. Einerseits ließ sie die Tamilen im indischen Bundesstaat Tamil Nadu Waffenstützpunkte und Flüchtlingslager aufbauen. Andererseits verurteilte sie die LTTE als eine terroristische Organisation. Die frühere Premierministerin Indiens Indira Gandhi unterstützte die Tamilen in ihrem Freiheitskampf durch Waffenlieferungen und gestattete den flüchtenden Tamilen, nach Tamil Nadu umzusiedeln. Sie verfolgte diese Politik, um die singhalesische Regierung einzuschüchtern.

Diese Politik sollte sich jedoch in der Amtsperiode ihres Sohnes Rajiv Gandhi ändern. Dieser änderte die Außenpolitik Indiens, da er befürchtete, dass die indische Provinz Tamil Nadu ebenfalls nach Unabhängigkeit streben würde. Als neutrale Vermittlungs- und Ordnungsmacht versuchte die indische Regierung 1987 in den Konflikt einzugreifen. Unter Rajiv Gandhi wurden ca. 10.000 Soldaten der Indian Peace Keeping Force (IPKF) nach Sri Lanka geschickt, um dort die Waffen der LTTE zu konfiszieren. Nach der Verzehnfachung der Truppenstärke der indischen „Friedenssoldaten“, musste die indische Regierung jedoch einsehen, dass sie gegen den „Heimvorteil“ und die Guerillataktiken der Tamilen keine reale Chance hatte. 1991 eskalierte der Konflikt in der Ermordung Rajiv Gandhis durch die Selbstmordattentäterin Dhanu. Heute wird die LTTE offiziell von der Internationalen Gemeinschaft als terroristische Organisation bezeichnet.

War nun der Anschlag auf Rajiv Ghandi ein Zeichen des beginnenden internationalen Terrorismus der LTTE? Denn dieser Anschlag passt nicht in das Schema des nationalen Terrorismus. Sicher war der Anschlag wie bei jeder terroristischen Organisation auf eine Kommunikationsstrategie ausgelegt. Jedoch scheint dies der einzige Fall in der Geschichte der LTTE zu sein, in der der Konflikt internationalisiert wurde. Es wurden nicht wahllos Zivilisten als Zielopfer, sondern im traditionellen Sinne ein symbolischer Macht- und Würdenträger ausgewählt. Insofern, wenn man die Rolle Indiens im Konflikt betrachtet und dass viele Tamilen in Tamil Nadu wohnen, handelt es sich hierbei um nationalen Terrorismus.

3.6. Aktuelle Lage und Ausblick

„Alle Terroristen haben jedoch eine gemeinsame Eigenschaft: Sie leben in der Zukunft, leben für jenen fernen – doch unvorstellbar nahen – Zeitpunkt, da sie mit Sicherheit über ihre Feinde triumphieren und ihre politische Bestimmung endgültig erreichen werden.“[14]

Nach dem Regierungswechsel auf Sri Lanka mit dem Wahlsieg der UNP (United National Party) kam es 2002 zu einem durch die norwegische Regierung vermittelten Waffenstillstand zwischen der LTTE und der Regierung in Colombo. Jedoch scheiterten die Friedensverhandlungen, da sich die Führer der LTTE weigerten, die Waffen niederzulegen. Im März 2004 hat sich ein führender Kommandeur von der LTTE losgesagt. Grund dafür sind interne Machtkämpfe zwischen den östlichen und nördlichen Tamilen. Dem Kommandeur unterstanden zuvor ein Drittel der LTTE-Kämpfer. Villupillai Prabhakaran gilt nach wie vor als unangefochtener Führer der LTTE.

Viele Tamilen sind mittlerweile aus Sri Lanka ausgewandert und leben verstreut in Diaspora in allen Teilen der Welt. Diejenigen, die sich nicht in Tamil Nadu niedergelassen hatten, sind heute größtenteils in Norwegen, Großbritannien, auch in Deutschland zu finden. Dort versuchen sie sich durch Lobbys international ein Gehör für ihre Forderungen zu verschaffen.

Ich persönlich denke nicht, dass der Konflikt zu einem Ende kommen wird, bis die Tamilen ihren eigenen Staat errichtet haben werden. Die Gewaltspirale dreht sich schon zu lange und der gegenseitige Hass auf beiden Seiten ist zu groß, um noch zu einer friedlichen Verständigung zu gelangen. Die aktuellen Ereignisse in Sri Lanka lassen auf keine Besserung der Ereignisse schließen, und da jetzt gerade durch die eingetretene Flutkatastrophe soviel Schaden in Sri Lanka verursacht wurde, sind die Voraussetzungsbedingungen umso ungünstiger geworden. Auch die Hoffnung, dass man durch die Flutkatastrophe und in der gemeinsamen Not ein vereinendes Element sehen könnte, sind nicht gegeben. Laut den deutschen Nachrichtenagenturen weigerten sich Tamilen und Singhalesen selbst unter diesen Umständen, sich gegenseitig Hilfe zu leisten. Zieht man noch die sog. „war-economy“ in Betracht, also das Waffenlieferanten in Indien und die Drogenorganisationen aus wirtschaflichten Interesse nichts daran gelegen ist, dass der Konflikt endet, wird der Konflikt wohl in naher Zukunft nicht zu einer friedlichen Lösung kommen.

Zusammenfassung der Ergebnisse

Die LTTE ist ein typisches Beispiel von nationalem Terrorismus in einer Bewegung von ethnisch, nationalem Separatismus. Ursachen für diese Bewegung sind im kolonialen Zeitalter Sri Lankas zu suchen. In dieser Zeit wurde der Grundstein für die auftretenden Bruchlinienkonflikte auf Grund der aufgezwungenen Staatsform gelegt. Die Auswirkungen im postkolonialen Zeitalter ist die traditionelle Ausrichtung an der vorzeitlichen Staatsform, dem Clan oder Stamm. Um diesen Ursprungszustand wiederzuerlangen, versucht die LTTE, ihre Forderungen nach einem unabhängigen Tamil Eelam durchzusetzen. Ein weiterer Motivationsgrund der LTTE ist die geschichtliche, konsequente Diskriminierung der tamilischen Minderheit auf Sri Lanka.

Durch den Führer der LTTE Villupillai Prabhakaran und die ausgebildete Selbstmordattentäter-Einheit der Black Tigers hat die LTTE eine Entwicklung von einer kleinen Guerillagruppe zu einer pseudo staatlichen, paramilitärischen Terrorismusorganisation durchlaufen, die sich durch illegalen Drogen- und Waffenhandel in Asien und Europa finanziert.

Ein Ende des Konflikts ist in nächster Zeit nicht zu erwarten, da der Hass auf beiden Seiten zu tief ist und keine Partei bereit ist, die Waffen niederzulegen.

Literaturverzeichnis

Internetseiten:

http://www.ltteps.org (offizielle Website des Friedenssekretariats der LTTE)

http://www.sinhala.com (Website der singhalesischen Regierung)

http://www.eelamweb.com (inoffizielle Website der LTTE)

Literatur:

FRANK, Hans / Hirschmann, Kai (Hrsg.): Die weltweite Gefahr: Terrorismus als internationale Herausforderung. Berlin, 2002.

HELLMANN-RAJANAYAGAM, Dagmar: The Tamil Tigers. Stuttgart, 1994.

HOFFMANN, Bruce: Terrorismus – Der unerklärte Krieg. Hoffmann, Bruce: Terrorismus – Der unerklärte Krieg. Neue Gefahren politischer Gewalt. Frankfurt am Main, 2001.

MANOGARAN, CHELVADURAI: Ethnic conflict and reconciliation in Sri Lanka. Honolulu, 1987.

NARAYAN SWAMY, M.R.: INSIDE AN ELUSIVE MIND Prabhakaran: The First Profile of the World’s Most Ruthless Guerrilla Leader”’. Fremont, CA. 2003.

O’BALLANCE, Edgar : The Cyanide War – Tamil Insurrection in Sri Lanka 1973 – 88. London, 1989.

SALOMON, Jean-Claude: Two Typical “degenerate guerrilla groups”: The Liberation Tigers of Tamil Eelam and The Kurdistan Worker’s Party. Paris, 1996.

SPENCER, JONATHAN (Hrsg.): Sri Lanka – History and the Roots of the Conflict. London, 1990.

[...]


[1] Hoffmann, Bruce: Terrorismus – Der unerklärte Krieg. Hoffmann, Bruce: Terrorismus – Der unerklärte Krieg. Neue Gefahren politischer Gewalt. Frankfurt am Main, 2001. S. 34

[2] Lange, Klaus: Terrorismus als Folge regionaler Konflikte. In: Frank, Hans / Hirschmann, Kai (Hrsg.): Die weltweite Gefahr – Terrorismus als internationale Herausforderung. Berlin, 2002. S. 108.

[3] Lange, Klaus: Terrorismus als Folge regionaler Konflikte. In: Frank, Hans / Hirschmann, Kai (Hrsg.): Die weltweite Gefahr – Terrorismus als internationale Herausforderung. Berlin, 2002. S. 106/7.

[4] Manogaran, Chelvadaurai: „Ethnic Conflict and Reconciliation in Sri Lanka. Honolulu, 1987. S. 2

[5] vgl. O’Ballance, Edagar: The Cyanide War – Tamil Insurrection in Sri Lanka 1973 –88. London, 1989.

[6] FAQ on Tamil Eelam. http://www.eelamweb.com/faq/ (1.1.2005)

[7] Vgl. Salomon, Jean-Claude: Two Typical “degenerate guerrilla groups”: The Liberation Tigers of Tamil Eelam and The Kurdistan Worker’s Party. Paris, 1996. S. 14

[8] Reflection of Tamil Eelam National Leader V. Prabakharan. http://www.eelamweb.com/leader/quotes/ (1.1.2005)

[9] Narayan Swamy, M.R.: “Inside an elusive Mind Prabhakaran: The First Profile of the World’s Most Ruthless Guerrilla Leader”’. Fremont, CA. 2003. S.252

[10] Kuckilch, Christopf/Luczak, Hania/Reuter, Christopfer: “Selbstmordattentäter: Die Macht der Ohnmächtigen. In: Frank, Hans / Kai Hirschmann (Hrsg.): Die weltweite Gefahr: Terrorismus als internationale Herausforderung. Berlin, 2002.

[11] Vgl. O’Ballance, Edgar: The Cyanide War – Tamil Insurrection in Sri Lanka 1973 – 88. London, 1989. S.111

[12] O’Ballance, Edgar: The Cyanide War – Tamil Insurrection in Sri Lanka 1973 – 88. London, 1989. S.67

[13] vgl. O’Ballance, Edgar: The Cyanide War – Tamil Insurrection in Sri Lanka 1973 – 88. London, 1989. S.18

[14] Hoffmann, Bruce: Terrorismus – Der unerklärte Krieg. Hoffmann, Bruce: Terrorismus – Der unerklärte Krieg. Neue Gefahren politischer Gewalt. Frankfurt am Main, 2001. S.225

18 von 18 Seiten

Details

Titel
LTTE - Nationaler Terrorismus in Sri Lanka
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Insitut für Geschichte)
Veranstaltung
PS Terrorismus - Eine historische Analyse
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
18
Katalognummer
V36333
ISBN (Buch)
9783640858385
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
LTTE, Nationaler, Terrorismus, Lanka, Terrorismus, Eine, Analyse
Arbeit zitieren
Janna Nilson (Autor), 2005, LTTE - Nationaler Terrorismus in Sri Lanka, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36333

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