Einführung
Es ist nicht schwer, die Berechtigung dieser Hausarbeit über das Thema Arbeitszeugnis in der Germanistik zu finden, denn es handelt sich hierbei um eine grundlegende Textsorte des Arbeitslebens. Sie wurde von Rolf (1993) innerhalb der deklarativen Textsorten in die personendimensionierenden, leistungsbezogenen Textsorten eingeordnet. Aber nicht nur für die Wissenschaft im Allgemeinen und für die Linguistik im Besonderen ist das Arbeitszeugnis ein beliebtes Thema, sondern auch für alle Menschen, die im Arbeitsleben stehen. Zum einen, weil sie Arbeitgeber sind und selbst solche Zeugnisse ausstellen müssen, zum andern, weil sie Arbeitnehmer sind und einen gesetzlichen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis haben. Deshalb möchte ich zunächst auf die Bedeutung des Arbeitszeugnisses eingehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Bedeutung des Arbeitszeugnisses
3. Rechtliche Grundlagen
4. Grundsätze
5. Form des Arbeitszeugnisses
6. Inhalt des Arbeitszeugnisses
6.1 Zeugnisarten
6.1.1 Einfaches Zeugnis
6.1.2 Qualifiziertes Zeugnis
6.2 Formulierung
6.3 Zeugniscode
7. Muster
7.1 Zeugnisse aus früherer Zeit
7.2 Muster einfacher Zeugnisse
7.3 Muster qualifizierter Zeugnisse
8. Literatur
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Arbeitszeugnis als eine zentrale Textsorte des beruflichen Alltags und analysiert dessen rechtliche Rahmenbedingungen, formale Gestaltungsvorgaben sowie die linguistischen Besonderheiten der Zeugnissprache. Ziel ist es, ein tiefgreifendes Verständnis für die Bedeutung, den Aufbau und die implizite Codierung dieser wichtigen Personalunterlage zu vermitteln.
- Rechtliche Grundlagen und gesetzlicher Anspruch auf ein Arbeitszeugnis
- Methodische Anforderungen an die inhaltliche Gestaltung (Wahrheit, Klarheit, Vollständigkeit)
- Formale Kriterien bei der Ausstellung von Zeugnissen
- Differenzierung zwischen einfachen und qualifizierten Arbeitszeugnissen
- Analyse des "Zeugniscodes" und der Interpretation verschlüsselter Formulierungen
Auszug aus dem Buch
6.3 Zeugniscode
Bei dem so genannten „Zeugniscode“ oder auch „Geheimcode“ handelt es sich um besondere Zeugnisfloskeln, denen eine konkrete negative Aussage zugemessen wird. Ihre Interpretation ist nicht aus dem Wortlaut ersichtlich, denn es werden an sich positive Formulierungen verwendet, um kritische Punkte nicht zu erwähnen. Für Laien sind die Auslegungsmöglichkeiten nicht erkennbar (vgl. auch Prollius 1998).
Die Ursache für die Verwendung dieser speziellen Zeugnissprache liegt laut Haas und Müller (1997) in der Diskrepanz, die entsteht, wenn sowohl die Wohlwollens- als auch die Wahrheitspflicht erfüllt sein will.
Viele Autoren (u. a. Prollius 1998; Huber 1994) warnen davor, solche standardisierten Zeugnisformulierungen zu verwenden, da der Aussteller Schadenersatzansprüche riskiert, wenn ein neuer Arbeitgeber die dadurch verschlüsselte Warnung nicht versteht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung verortet das Arbeitszeugnis als bedeutende Textsorte der Personaldimensionierung innerhalb der germanistischen Linguistik.
2. Bedeutung des Arbeitszeugnisses: Hier wird die Doppelfunktion des Zeugnisses für Arbeitnehmer als Beurteilungsmaßstab und für Arbeitgeber als Entscheidungshilfe bei der Stellenbesetzung erläutert.
3. Rechtliche Grundlagen: Dieses Kapitel behandelt den gesetzlichen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis gemäß Bürgerlichem Gesetzbuch und Gewerkschaftsordnung.
4. Grundsätze: Es werden zentrale Prinzipien wie Wahrheit, Vollständigkeit, Klarheit und das Gebot des verständigen Wohlwollens bei der Zeugniserstellung diskutiert.
5. Form des Arbeitszeugnisses: Hier werden formale Aspekte wie das verwendete Papier, die Gestaltung und die Unterschrift des Ausstellers beleuchtet.
6. Inhalt des Arbeitszeugnisses: Das Kapitel differenziert zwischen dem einfachen und qualifizierten Zeugnis und widmet sich zudem der speziellen Zeugnissprache und deren Codierung.
7. Muster: Ein Überblick über verschiedene Zeugnismuster aus unterschiedlichen Epochen und Berufsfeldern dient der praktischen Illustration.
8. Literatur: Das Verzeichnis listet die für die Arbeit herangezogenen Fachquellen und rechtlichen Grundlagen auf.
Schlüsselwörter
Arbeitszeugnis, Zeugnissprache, Qualifiziertes Zeugnis, Einfaches Zeugnis, Zeugniscode, Personalwesen, Wohlwollenspflicht, Wahrheitspflicht, Arbeitsrecht, Textsortenanalyse, Leistungsbeurteilung, Sozialverhalten, Arbeitslebenslauf, Beurteilungsmaßstab.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen und rechtlichen Analyse des Arbeitszeugnisses als einer grundlegenden Textsorte im Berufsleben.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Kernbereichen gehören die rechtlichen Anforderungen an Zeugnisse, die Grundsätze der Zeugnisformulierung sowie die Praxis der verschlüsselten "Zeugnissprache".
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Aufbau und die inhaltlichen Komponenten des Arbeitszeugnisses zu erläutern und ein Verständnis für die impliziten Aussagen ("Zeugniscode") zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine strukturierte Analyse von Fachliteratur sowie rechtlichen Bestimmungen, ergänzt durch die Untersuchung von Textmustern aus verschiedenen Berufsfeldern.
Was genau wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die formale und inhaltliche Differenzierung von Zeugnisarten sowie eine detaillierte Erörterung der Formulierungskunst und der Interpretation codierter Aussagen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Arbeitszeugnis, Zeugniscode, Wohlwollenspflicht, Wahrheitspflicht, Qualifiziertes Zeugnis und Textsortenanalyse.
Was ist der maßgebliche inhaltliche Unterschied zwischen einem einfachen und einem qualifizierten Zeugnis?
Das einfache Zeugnis dokumentiert lediglich Art und Dauer der Tätigkeit, während das qualifizierte Zeugnis zusätzlich eine Beurteilung der Leistung und des Sozialverhaltens des Arbeitnehmers enthält.
Warum nutzen Arbeitgeber beim Ausstellen von Zeugnissen einen sogenannten "Geheimcode"?
Der Code wird verwendet, um die Diskrepanz zwischen der gesetzlichen Wahrheitspflicht und dem Gebot des verständigen Wohlwollens zu überbrücken und negative Sachverhalte diskret zu formulieren.
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- Anna Badstübner (Author), 2004, Das Arbeitszeugnis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36362