Musik und Sprache sind in Deutschland zu einer gemeinsamen Einheit verschmolzen. Man kann sogar noch weiter gehen und sagen, dass in Deutschland Musik zum Leben mit dazugehört. Dieter Thomas Heck, einst Moderator der legendären „ZDF-Hitparade“, sprach in einem Interview sogar davon, dass in Deutschland Musik mit „zum Lebensstandart“ und deswegen „unverzichtbar“ sei. Musik verbindet Generationen und lässt stets an einem bestimmten Lebensgefühl teilhaben. Und genau diese Verbindung von Generationen, der Ausdruck eines bestimmten Lebensgefühls und die Vermittlung von Botschaften geschieht in der Musik über die Sprache. Sprache hat sich mehr und mehr in der Musik eine Verbreitungsform erschaffen, auf die viele Personen hören und sie zugleich auch bewusst wahrnehmen.
Als „Sprachrohr“ hat sich in Deutschland ebenfalls in den letzten Jahrzehnten der Deutsche Schlager entwickelt, da in den entsprechenden Liedern nicht auf englisch, sondern in Deutscher Sprache Botschaften, Liebesbekundungen und Friedensaufrufe erörtert werden. Während die englische Popmusik in Deutschland eher Jugendliche anspricht, so gibt es beim Deutschen Schlager einen generationsübergreifenden Zuhörerstamm, der zu einer Altersstruktur von fünf Jahren bis hundert Jahren führen kann.
Die Sprache im Deutschen Schlager hat sich im Laufe der einzelnen Jahrzehnte verändert, sich den in den einzelnen Dekaden politischen und gesellschaftlichen Ereignissen angepasst und auch neue Worte kreiert. Die vorliegende Arbeit soll diesen Sprachwandel in Deutschsprachiger Musik aufzeigen und bewerten. Deswegen wird zunächst eine historische Entwicklung aufgezeigt, um dann anhand von Beispielen den Sprachwandel und die sprachlichen Besonderheiten zu klären.
Inhaltsverzeichnis
1.) Einleitung
2.) Definition des Begriffs „Schlager“
3.) Die sprachliche Entwicklung in Deutschen Schlagern in der Zeit von 1970 bis heute
4.) Titelbeispiel I: „Null-Null-Sieben“ – Olaf Henning
5.) Titelbeispiel II: „Dein Hexenhäuschen brennt“ – Michael Wendler
6.) Fazit und Schlussbewertung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel der sprachlichen Gestaltung in deutschen Schlagern im Zeitraum von 1970 bis 2003 und analysiert, wie sich die Verwendung von Fach- und Sondersprachen sowie metaphorischen Elementen in den Texten entwickelt hat.
- Historische Entwicklung der deutschen Schlagermusik und ihre sprachlichen Merkmale
- Wandel von trivialen Texten zu komplexeren, metaphernreichen Strukturen
- Einfluss von modernen Subgenres wie dem "Pop-Schlager" auf den Wortschatz
- Analyse konkreter Textbeispiele hinsichtlich ihrer sprachlichen Besonderheiten und Anspielungen
Auszug aus dem Buch
4.) Titelbeispiel I: „Null-Null-Sieben“ von Olaf Henning
Olaf Henning kann als Gründer des „Neuen Deutschen Schlagers“ (NDS) bezeichnet werden. Im Jahre 1997 flog er zusammen mit seinem Freund und Manager Detlef Bruglemans nach Mallorca, um dort selbstgebrannte CDs mit seinem ersten Titel „Ich bin nicht mehr Dein Clown“ an die auf der Insel ansässigen Kneipiers und Discjockeys zu verteilen. Der Song, der ebenfalls sehr metaphorisch aufgebaut ist, entwickelte sich auf der Baleareninsel zu einem wahren Hit und wurde durch heimkehrende Deutsche Touristen auch hierzulande zum großen Erfolg. Olaf Henning bekam erste Auftritte in Discotheken, Radio- und TV-Sendungen und wurde immer mehr mit einer „neuen Form des Schlagers“ in Verbindung gebracht. Weitere große Erfolge des Sängers folgten, und heute gehört Olaf Henning mit zu den erfolgreichsten Schlagersängern in Deutschland. Dabei ist er seiner Linie, stets moderne und sehr bildreiche Texte zu verwenden, treu geblieben.
Der nun vorgestellte Titel „Null-Null-Sieben“ stammt aus dem Jahre 2001 und verdeutlicht die sehr metaphorische Sprache des Künstlers. Zunächst einmal folgt nun der Text des Liedes:
„Ich schick’ Dir Liebesgrüße aus Moskau,
denn man liebt ja schließlich nur einmal!
Und im Angesicht Deiner Liebe,
sag ich niemals nie!
Ich bin der Mann mit dem goldenen Colt!
Ich hab immer nur Dich gewollt,
nur Dich, nur Dich, allein!
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung von Musik und Sprache als verbindendes Element in Deutschland ein und skizziert die historische Rolle des Schlagers als Sprachrohr.
2.) Definition des Begriffs „Schlager“: Dieses Kapitel kritisiert bestehende lexikalische Definitionen des Schlagers als unzureichend und stellt den Wandel der textlichen Qualität sowie die gestiegene Bedeutung origineller Textstrukturen heraus.
3.) Die sprachliche Entwicklung in Deutschen Schlagern in der Zeit von 1970 bis heute: Hier wird der historische Abriss der Schlagermusik analysiert, von den simplen Liebesliedern der 70er über den Einfluss der Neuen Deutschen Welle bis hin zum metaphorischen "Pop-Schlager" der 90er.
4.) Titelbeispiel I: „Null-Null-Sieben“ – Olaf Henning: Dieses Kapitel analysiert Olaf Hennings Lied als Beispiel für die Integration filmischer Fachsprache und metaphorischer Anspielungen auf die James-Bond-Reihe.
5.) Titelbeispiel II: „Dein Hexenhäuschen brennt“ – Michael Wendler: Diese Analyse zeigt auf, wie Michael Wendler klassische Märchenmotive mit moderner, jugendlicher Sprache kombiniert, um eine neue Form der bildhaften Liedgestaltung zu etablieren.
6.) Fazit und Schlussbewertung: Das Fazit fasst zusammen, dass die Entwicklung des Schlagers weg von der Trivialität hin zu einer komplexen, von Metaphern und Fachsprache geprägten Struktur zu einer neuen Vielfalt in der deutschsprachigen Musik geführt hat.
Schlüsselwörter
Deutscher Schlager, Sprachwandel, Pop-Schlager, Metaphern, Fachsprache, Sondersprache, Neue Deutsche Welle, Liedtexte, Olaf Henning, Michael Wendler, Textanalyse, Musikgeschichte, Unterhaltungsmusik, Generationsübergreifend, Sprachgestaltung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der sprachlichen Entwicklung innerhalb der deutschen Schlagermusik und untersucht den Wandel der Liedtexte über mehrere Jahrzehnte hinweg.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die Rolle des Schlagers als "Sprachrohr", die Veränderung von Liedtexten von trivialen Inhalten hin zu metaphorischen Textstrukturen und die Einflüsse politischer sowie gesellschaftlicher Ereignisse auf die Sprache.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den Sprachwandel in der deutschsprachigen Schlagermusik von 1970 bis 2003 aufzuzeigen, zu analysieren und zu bewerten, wie Künstler Fach- und Sondersprachen in ihre Werke integrieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive und analytische Methode, bei der historische Entwicklungen geschildert und durch spezifische Fallbeispiele aus den 1990er Jahren (z.B. Olaf Henning und Michael Wendler) illustriert und gedeutet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung der Schlager-Entwicklung, die Definition des Begriffs Schlager sowie die detaillierte Analyse von zwei spezifischen Liedtiteln auf Basis ihrer sprachlichen Besonderheiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem deutscher Schlager, Sprachwandel, Metaphern, Pop-Schlager sowie die Analyse von Fach- und Sondersprachen in der Unterhaltungsmusik.
Wie beeinflussen Filmtitel die sprachliche Gestaltung in Olaf Hennings „Null-Null-Sieben“?
Der Interpret nutzt geschickt Filmtitel aus der James-Bond-Reihe, die er leicht abwandelt, um dem Song eine metaphorische Ebene zu geben, die auch ohne direkte Kenntnis der Filmvorlagen als in sich schlüssiger Text funktioniert.
Inwiefern nutzt Michael Wendler märchenhafte Elemente in seinen Liedern?
Michael Wendler greift bei „Dein Hexenhäuschen brennt“ auf bekannte Motive aus dem Märchen „Hänsel und Gretel“ zurück, interpretiert diese jedoch mit einer saloppen, modernen Sprache neu, um sie als "modernes Märchen" für sein Publikum aufzubereiten.
- Quote paper
- Jörn Finger (Author), 2004, Fach- und Sondersprache in deutschen Schlagern unter besonderer Berücksichtigung der Zeitspanne zwischen 1990 und 2003, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36378