Kinderfernsehen - Eine (nicht mehr) neue Form zur Vermittlung von Kinderwissen?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Einleitung

2.) Die Entwicklung des Kinderfernsehens

3.) Vorstellung traditioneller Kindersendungen
3.1) „Die Sesamstraße“
3.2) „Die Sendung mit der Maus“

4.) Vorstellung neuerer Kindersendungen
4.1) „Wissen macht Ah“
4.2) „Logo“

5.) Schlussbemerkungen

6.) Literaturverzeichnis

1.) Einleitung

Fernsehen für Kinder ist heutzutage mehr als nur eine Marktlücke. Kinder gehören für die Fernsehsender und für die Werbeindustrie schon seit einigen Jahren mit zum wichtigsten Zuschauerkreis, da „Kinder durch teilweise irreführende Fernseh-Werbung zum Kaufen angeregt werden“[1] und somit für die Werbeindustrie ein wichtiges Kundenklientel sind. Auch wenn dem Kinderfernsehen ursprünglich eine ganz andere Aufgabe zuteil wurde, nämlich den kleinen Zuschauern die Zeit zu verteiben, so ist es doch auffallend, wie stark in den letzten Jahren der Anteil am Fernsehprogramm für Kinder zugenommen hat. Fernsehsender wie „ProSieben“, in seiner ursprünglichen Programmstruktur ein ausgewiesener Spielfilmsender[2], „Kabel 1“ oder sogar das „Deutsche Sportfernsehen“, besser bekannt unter der Abkürzung „DSF“, welches kürzlich eine Zeichentrickserie über eine Fußballmannschaft[3] ins Programm genommen hat, haben die Nische „Kinderfernsehen“ für sich entdeckt. Dabei ist jedoch eindeutig zwischen verschiedenen Kindersendungen zu unterscheiden. Einige Serien sollen lediglich unterhalten und „die Zeit totschlagen“[4], andere sollen Wissen vermitteln und die Kinder „neugierig auf die Welt machen“[5].

Hier soll nun diese Arbeit ansetzen und einige Kinderfernsehsendungen untersuchen. Dabei soll besonders auf die Sprache, also wie das Wissen den kleinen Zuschauern vermittelt wird, geachtet werden. Zudem werden zwei „traditionelle“ Kindersendungen und zwei neuere TV-Formate vorgestellt und analysiert werden. Abschließend soll der Versuch unternommen werden, eine möglichst kritische Auseinandersetzung mit der Wissensvermittlung im Fernsehen zu unternehmen.

Bei dieser Arbeit werden an einigen wenigen Stellen Zitate des TV-Moderators Uwe Hübner, bekannt aus Sendungen wie die „ZDF-Hitparade“ oder dem Kinderquiz „Klasse!“, eingebunden sein. Leider gibt es von diesen Zitate allerdings keine Verschriftlichung, da der Verfasser dieser Arbeit mit dem genannten Moderator seit Jahren eng befreundet ist und somit viele Aussagen über das Fernsehen aufgenommen hat, ohne diese jetzt einem präzisen Datum zuordnen zu können. Jedoch wird versichert, dass es sich bei den Zitaten von Uwe Hübner um tatsächlich erwähnte Sätze handelt und der Sinn vollständig und richtig wiedergegeben wird. Zudem hat sich Herr Hübner diese Arbeit vor Abgabe durchgelesen und die Richtigkeit seiner Zitate bestätigt.

2.) Die Entwicklung des Kinderfernsehens

Als sich Mitte der 1950er Jahre das Fernsehen in Deutschland immer mehr etablierte und es als „chic“ galt, sich einen Fernsehapparat zuzulegen, war zunächst an Fernsehsendungen für Kinder überhaupt nicht zu denken. Lediglich für die Erwachsenen gab es verschiedene Formate wie Sportsendungen, Nachrichten, Spielfilme und erste Spielshows. Kinder schauten, wenn überhaupt, bei den Eltern zu. Vereinzelt zeigte die ARD damals Formate für Kinder, die jedoch kaum einen pädagogischen Anspruch hegten. Ein weiterer Grund für diese Entwicklung ist zudem die Tatsache, dass es bis Mitte der 1950er Jahre mit der heutigen ARD, den Allgemeinen Rundfunkanstalten Deutschlands, nur einen Fernsehsender gab. Erst mit dem Eintreten des Zweiten Deutschen Fernsehens, kurz ZDF, wurden die Möglichkeiten größer und auch die Kinder als TV-Zuschauer entdeckt.[6]

In den 1960er Jahren erschienen dann die ersten Kindersendungen auf dem Bildschirm, die sich vor allen Dingen an den „biederen und klassischen pädagogischen Werten“[7] wie Disziplin, Ordnung und Gehorsamkeit der damaligen Zeit orientierten. Erst zu Beginn der 1970er Jahre wagte man sich, auch einmal über den Tellerrand hinaus zu blicken und sendete erstmals, nach langen Diskussionen mit Pädagogen und Soziologen, eine Ausgabe des amerikanischen Format „Sesame Street“, heute allen Kindern bekannt als „Die Sesamstraße“. Da dieses TV-Format in Kapitel 3 noch ausführlich vorgestellt wird, wird an dieser Stelle nicht weiter darauf eingegangen.

Ein weiterer Trend im Kinderfernsehen machte sich ebenfalls in den 1970er Jahren breit: „Wissensvermittlung und Unterhaltung“[8], wie es Hans-Dieter Erlinger bezeichnet. Ein sehr gutes Beispiel hierfür sind die „Lach- und Sachgeschichten“, heute besser bekannt unter dem Titel „Die Sendung mit der Maus“. Auch diese Sendereihe wird in Kapitel 3 noch ausführlich vorgestellt und untersucht werden.

Das Kinderfernsehen entdeckte in den 1970er Jahren allerdings noch einen weiteren Trend: Japanische Zeichentrickserien zu Kinderbuch-Klassikern. Die Serien „Heidi“, die sich auf den gleichnamigen Roman von Johanna Spyri stützte, „Nils Holgersson“, in Anlehnung an Selma Lagerlöffs Kinderbuch „Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen“, „Die Biene Maja“, entnommen aus Waldemar Bonsels´ Kinderbuchklassikern „Die Abenteuer der kleinen Biene Maja“ und „Himmelsvolk“, sowie „Tao Tao – Der kleine Pandabär“ und „Alice im Wunderland“, frei nach dem Kinderbuch von Lewis Carroll, wurden in japanischen Fernsehstudios in Trickfilme umgesetzt und mit zu den erfolgreichsten Kinderserien in den 1970er und 1980er Jahren. Bis zu eine Million Zuschauer[9] konnte das ZDF beispielsweise bei der Erstaustrahlung der Fernsehserie „Nils Holgersson“ im November 1978 feststellen. Das Geheimnis des Erfolgs dieser Serien basieret laut Hans-Dieter Erlinger in der „nahezu perfekten Mischung aus niveauvoller Unterhaltung, sinnvoller Wertevermittlung und nicht für die Kinder offensichtlich vermittelten Wissen“[10]. Beispielsweise wird den Kindern in der Folge „Die Libelle Schnuck“ aus der Serie „Die Biene Maja“ während der gesamten Zeit gezeigt, wie schmerzhaft es für eine Libelle sei, wenn man ihr die Flügel ausreist. Diese „Pädagogik ohne Zeigestock“[11] ist „bis heute bei Kindern immer noch sehr beliebt und erklärt den Erfolg von ‚Biene Maja’, ‚Heidi’ und ähnlichen Formaten“[12].

[...]


[1] Vgl.: Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: Merkblatt zum Fernsehverhalten von Kindern,

Köln 2003

[2] www.prosieben.de - Motto des Fernsehsenders „We love to entertain you mit den neuesten

Kinofilmen“

[3] Die Rede ist hier von der Serie „Kickers – Die Fußballstars von morgen“, ausgestrahlt im August

und September 2004

[4] Meder, Norbert: „Fernsehen für Kinder“ in: „Spektrum Freizeit, Ausgabe 1/2002“, Bielefeld 2002

[5] von Hentig, Hartmut: „Ach, die Werte – Über eine Erziehung für das 21. Jahrhundert“, Wien 1999

[6] Vgl.: Erlinger, Hans-Dieter: „Handbuch des Kinderfernsehens - Von der Entwicklung des Kinder-

fernsehens in der BRD und der ehemaligen DDR“, Siegen 1996

[7] Erlinger, Hans-Dieter: A.a.O.

[8] Erlinger, Hans-Dieter: A.a.O.

[9] Vgl.: ZDF Einschaltquotenentwicklung in den 80er Jahren unter www.zdf.de

[10] Erlinger, Hans-Dieter: A.a.O.

[11] Erlinger, Hans-Dieter: A.a.O.

[12] Bachmair, Ben: „TV-Kids“, Ravensburg 1993

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Kinderfernsehen - Eine (nicht mehr) neue Form zur Vermittlung von Kinderwissen?
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Die Sprachen des heutigen Kinderwissens
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
19
Katalognummer
V36379
ISBN (eBook)
9783638360296
ISBN (Buch)
9783638761925
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kinderfernsehen, Eine, Form, Vermittlung, Kinderwissen, Sprachen, Kinderwissens
Arbeit zitieren
Jörn Finger (Autor), 2005, Kinderfernsehen - Eine (nicht mehr) neue Form zur Vermittlung von Kinderwissen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36379

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