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Die Drogenproblematik in den US-lateinamerikanischen Beziehungen am Beispiel der Drogenpolitik der USA gegenüber Bolivien

Title: Die Drogenproblematik in den US-lateinamerikanischen Beziehungen am Beispiel der Drogenpolitik der USA gegenüber Bolivien

Seminar Paper , 2002 , 24 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Georg Ismar (Author)

Politics - Region: Middle and South America
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Drogenkonsum, Drogenhandel und Drogenproduktion stellen eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts dar. Dabei verschwimmen zunehmend die Grenzen zwischen den Produzentenländern im Süden und den Drogenkonsumenten im Norden. So ist Pakistan mittlerweile der größte Heroinkonsument der Welt. Seit Ende der 80er Jahre versuchen die USA ihren war on drugs verstärkt in den Produzentenländern zu führen, um die Ursprünge der Drogenproblematik wirksamer bekämpfen zu können. Dieser martialische Ausdruck verdeutlicht, welchen Stellenwert die Drogenproblematik in der US-amerikanischen Gesellschaft hat und welcher Druck auf der jeweiligen Administration lastet, erfolgreich gegen die Expansion der Drogenökonomie zu kämpfen. Auf der anderen Seite sind Entwiklungsländer wie Bolivien erheblich von der Drogenproduktion abhängig. Ausgelöst durch den Kokaboom der 70er Jahre wurde die Kokawirtschaft für viele Bauern hier zu einer Überlebensgarantie, da die Kokapflanze einfach zu kultivieren ist, viermal im Jahr geerntet werden kann und ein Vielfaches der Einkünfte anderer agrarischer Produkte bringt. Durch die starke der Einflussnahme der USA geraten Länder wie Bolivien unter doppelten Druck. Einerseits müssen US-amerikanische Eradikationsforderungen in Bezug auf die Hektaranzahl an Kokapflanzungen erfüllt werden. Andererseits gilt es, innenpolitische Unruhen gerade unter der indigenen Bevölkerungsmehrheit aufgrund einer zu restriktiven Anti-Koka-Politik zu vermeiden. Hinzu kommen wirtschaftliche Aspekte. Es gibt weltweit keine zweite Volkswirtschaft, in der die Drogenproduktion eine ähnlich große sozioökonomische Bedeutung hat wie in Bolivien. In dieser Arbeit wird dieses Spannungsverhältnis in den US-bolivianischen Beziehungen aus historischer und aktueller Perspektive beleuchtet.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die Drogenpolitik der USA gegenüber Bolivien

1. Historische Entwicklung der Koka-Problematik in Bolivien

1.1. Die Auswirkungen der Verwicklung der Militärdiktaturen in den Drogenhandel

1.2. Legitimation des traditionellen Kokaanbaus als Zugeständnis an die kulturelle Identität

1.3. Das Gesetz zur Regelung von Koka und kontrollierter Stoffe (Ley 1008)

2. Drogenpolitische Forderungen und Maßnahmen der USA in bezug auf Bolivien

2.1. Der „going to the source-Ansatz“ als Antwort auf das Ende des Ost-West-Konflikts

2.1.1. Kompensationsleistungen zur Unterstützung der alternativen Entwicklung

2.1.2. Auswirkungen der „going to the source“-Politik im militärischen Bereich

2.1.3. Aktuelle Entwicklungen der Andeninitiative der USA in Bolivien

3. Auswirkungen der US-Drogenpolitik und aktuelle drogenpolitische Zielsetzungen

3.1. Auswirkungen der Verweigerung der Certification in Bolivien im Jahre 1995

3.2. Cero Coca-Politik der Regierung Banzer/Quiroga

3.2.1. Innenpolitische Auswirkungen der Cero Coca-Politik

4. Alternativen in der Amerikanisch-Bolivianischen Anti-Drogen-Politik

4.1. Behinderung der Alternativen Entwicklung durch den Agrarprotektionismus der USA und der EU

4.2. Notwendigkeit der Unterstützung von Entwicklungsprogrammen in den Herkunftsgebieten der Kokabauern

4.3. Legalisierung der Kokapflanze als falsche Alternative

III. Fazit und Schlussbetrachtung

IV. Literaturverzeichnis

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit analysiert die Drogenpolitik der USA gegenüber Bolivien unter Berücksichtigung historischer Entwicklungen und sozioökonomischer Rahmenbedingungen. Das primäre Ziel besteht darin, die Auswirkungen repressiver Anti-Drogen-Maßnahmen auf das bolivianische Staatswesen zu untersuchen und alternative Ansätze aufzuzeigen, die eine Destabilisierung durch Konfrontation vermeiden können.

  • Historische Verflechtungen zwischen Militärdiktaturen und der bolivianischen Drogenökonomie.
  • Die Auswirkungen der US-amerikanischen Politik der "doppelten Konditionierung" auf die nationale Souveränität Boliviens.
  • Die sozioökonomische Bedeutung des Kokaanbaus für die indigene Bevölkerung und den ländlichen Raum.
  • Kritische Analyse der "Alternativen Entwicklung" und der Rolle des internationalen Agrarprotektionismus.
  • Der politische Machtzuwachs der Kokabauernbewegung infolge repressiver Eradikationspolitik.

Auszug aus dem Buch

1. Historische Entwicklung der Koka-Problematik in Bolivien

Die Koka hat in Bolivien einen mehrfachen Funktionswandel durchgemacht. Im traditionellen Anbaugebiet, dem Bergregenwald der Yungas im Departement La Paz wird Koka seit vorkolonialer Zeit in Terrassenkulturen angebaut. Von einem multifunktionalen Mittel der Integration in den traditionellen andinen Gesellschaft hat die Koka einen Funktionswandel zu einem Ausdruck und Katalysator gesellschaftlicher Desintegration und sozialer Misere in ihrer Eigenschaft als Grundstoff der illegalen Kokaindustrie durchgemacht. Während das Kokablatt noch heute gerade in den Minenregionen als Hilfsmittel gegen Erschöpfung, Höhenprobleme, Hunger und Schmerzen gebraucht wird, hat der Kokaboom der 70er Jahre zu einem rasanten Anstieg illegaler Kokaflächen in der tropischen Region des Chapare geführt.

In der Militärdiktatur unter Hugo Banzer von 1971-78 war während der Baumwolleuphorie 1972/73 eine massive Kreditvergabe zur Förderung des Baumwollprodukts erfolgt. Bereits 1974 überstiegen die Produktionskosten die Einnahmen und Banzer musste neue Einnahmequellen finden. Eine Analyse der Struktur und des Vermarktungssystems des bolivianischen Drogenhandels sollte die staatlichen Verdienstmöglichkeiten in diesem illegalen Ökonomiezweig ausloten. Eva Dietz skizziert die Bedeutung dieser Analyse wie folgt: „Dies war die Basis, auf der eine äußerst effizient arbeitende Planungsgruppe Banzers das militärisch-zivile Projekt der Kokainproduktion verwirklichen konnte. Es war zugleich der Versuch, den illegalen Kokainhandel in eine staatlich kontrollierte Parallelökonomie umzustrukturieren. Die Koka war damit zur neuen Rohstoffquelle, die Kokainproduktion zum nationalen Rettungsanker geworden.“

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des internationalen Drogenhandels ein und erläutert den US-amerikanischen "War on Drugs" sowie das Instrument der doppelten Konditionierung als Rahmen der bolivianischen Drogenpolitik.

II. Die Drogenpolitik der USA gegenüber Bolivien: Dieses Kapitel beleuchtet den historischen Hintergrund der Koka-Problematik, die Rolle der Militärdiktaturen sowie die spezifischen US-Initiativen und ihre Auswirkungen auf das bolivianische Staatssystem.

III. Fazit und Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Problematik des repressiven Vorgehens zusammen und plädiert für einen kooperativen Ansatz zur Alternativen Entwicklung unter Einbindung multilateraler Akteure.

Schlüsselwörter

Drogenpolitik, USA, Bolivien, Kokaanbau, Alternative Entwicklung, Militarisierung, Zertifizierung, Chapare, Drogenökonomie, Sozioökonomie, Indigene Bevölkerung, Agrarprotektionismus, Evo Morales, Anti-Drogen-Kampf, Konditionierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der US-amerikanischen Anti-Drogen-Politik und den sozioökonomischen Realitäten in Bolivien, mit Fokus auf die Konsequenzen der Eradikationspolitik.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zu den zentralen Themen gehören die historischen Wurzeln der Kokawirtschaft, die Auswirkungen der US-amerikanischen "doppelten Konditionierung" und die Herausforderungen der "Alternativen Entwicklung" für die Kokabauern.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie eine repressive Drogenpolitik die demokratische Stabilität in Bolivien gefährdet und welche alternativen Lösungswege zukünftig möglich wären.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Analyse der historischen Entwicklung, der Auswertung politischer Dokumente und der kritischen Reflexion aktueller drogenpolitischer Strategien der USA im Andenraum.

Was steht im Hauptteil der Untersuchung im Mittelpunkt?

Der Hauptteil analysiert die konkreten Maßnahmen der US-Drogenpolitik, insbesondere den "Going-to-the-source"-Ansatz, die "Cero Coca"-Politik und die Auswirkungen der Zertifizierung auf die bolivianische Regierung.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind unter anderem Koka-Diplomatie, Parallelökonomie, Eradikation, bilaterale Abkommen und sozioökonomische Destabilisierung.

Warum wird die Politik der "doppelten Konditionierung" so kritisch bewertet?

Die Politik wird kritisiert, da sie unilaterale Forderungen stellt, die an finanzielle Hilfen geknüpft sind und die Souveränität des betroffenen Landes untergraben, ohne langfristige soziale Lösungen anzubieten.

Welche besondere Bedeutung hat das Dekret 24615 für die Konflikteskalation?

Das Dekret von 2002 führte zur Schließung illegaler Kokamärkte, was die Spannungen zwischen den Kokabauern und dem Staat massiv verschärfte und den politischen Aufstieg von Evo Morales maßgeblich begünstigte.

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Details

Title
Die Drogenproblematik in den US-lateinamerikanischen Beziehungen am Beispiel der Drogenpolitik der USA gegenüber Bolivien
College
University of Cologne  (Seminar für politische Wissenschaften)
Course
Proseminar: Washingtons Traum: Von Alaska bis Feuerland. Stand und Perspektive der US-Lateinamerukanischen Beziehungen
Grade
1,0
Author
Georg Ismar (Author)
Publication Year
2002
Pages
24
Catalog Number
V36422
ISBN (eBook)
9783638360555
ISBN (Book)
9783638772341
Language
German
Tags
Drogenproblematik US-lateinamerikanischen Beziehungen Beispiel Drogenpolitik Bolivien Proseminar Washingtons Traum Alaska Feuerland Stand Perspektive US-Lateinamerukanischen Beziehungen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Georg Ismar (Author), 2002, Die Drogenproblematik in den US-lateinamerikanischen Beziehungen am Beispiel der Drogenpolitik der USA gegenüber Bolivien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36422
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