Mediatisierung der Politik - Sprache und Medien der Politik


Seminararbeit, 2003
15 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung – Problemstellung und Zielsetzung

2. Begriffsdefinition „Mediatisierung“

3. Das Verhältnis Medien – Politik allgemein
3.1. Das Mediokratie-Modell
3.2. Das Bottom-Up-Modell
3.3. Das Top-Down-Modell
3.4. Das Symbiose-Verhältnis zwischen Medien und Politik

4. Streben nach Kontrolle
4.1. Gate-Keeping und Agenda-Setting
4.2. Symbolische Politik

5. Exkurs: Kriegsberichterstattung

6. Zusammenfassung

7. Bibliographie

1) Einleitung

Where is the life we have lost in living?

Where is the wisdom we have lost in knowledge?

Where is the knowledge we have lost in information?

T. S. Eliot

Ob Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft oder Politik – zahlreiche Medienformen bieten der modernen, zivilisierten Gesellschaft für diese Bereiche den Zugang zu mehr Wissen.

„Mehr Wissen oder lediglich mehr Information?“, womit ich an das Zitat des Schriftstellers

T. S. Eliot anknüpfen möchte und bereits bei den zentralen Kernfragen dieser Arbeit bin:

Ist es dem „modernen“ Individuum noch möglich, sich aus der Fülle der Informationen ein reales Bild der Wirklichkeit zu machen?

Und auf Seiten der Medien: inwieweit beeinflussen sie direkt oder indirekt diesen Wirklichkeitsausschnitt, den sie an ihre Rezipienten weitergeben? Kann man vor allem im politischen Bereich von einer lückenlosen, objektiven und unabhängigen Berichterstattung sprechen?

Brisant ist insbesondere die letzte Frage, mit der ich mich schließlich unter Punkt 5, „Kriegsberichterstattung“, näher beschäftigen werde.

2 ) Begriffsdefinition Mediatisierung

Gerade die Möglichkeit, zu einer unendlichen Informationsfülle Zugang zu haben, lässt unsere heutige Gesellschaft als eine „Mediengesellschaft“ erscheinen. Massenmedien sind längst zur wichtigsten Vermittlungsinstanz von Wirklichkeit geworden. Sie reduzieren durch Selektion der „wichtigsten“ Ereignisse, Themen und Probleme die Komplexität der Verhältnisse auf ein konsumierbares Maß und bestimmen Prioritäten[1]. Sie spielen für das Alltagswissen eines Individuums, seine Gefühle, Erfahrungen und für seine Entscheidungsfindung in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft eine entscheidende Rolle[2]. Vor diesem Hintergrund sprechen Informationswissenschaftler wie Dr. Ilse Harms von einer stattfindenden „Mediatisierung“, welche laut Harms zu verstehen ist als einen „Prozess [...], in dem der Mensch seine Wirklichkeit immer stärker von den Erfahrungen her definiert, die in den Medien generiert werden. [...]“[3].

3) Verhältnis Medien – Politik allgemein

Das gesellschaftliche Leitmedium ist trotz der starken Internetpräsenz nach wie vor das Fernsehen, das den Betrachter durch seine Bildwelt überzeugt und ihm somit eine Spiegelung der Realität suggeriert. Für einen Großteil der Öffentlichkeit ist es die wichtigste Informationsquelle insbesondere für politische Ereignisse. Gerade in der politischen Meinungsbildung ist das enorme Wirkungspotential des Mediums deshalb nicht zu unterschätzen.

3.1) Das Mediokratie-Modell

Auf diesen Aspekt weisen unter anderem die Publizistikprofessoren Dr. Heinrich Oberreuter und Dr. Hans Mathias Kepplinger hin, die in ihren Abhandlungen sogar von den Medien als der vierten Staatsgewalt sprechen.

Heinrich Oberreuter: „Die Mediatisierung der Politik bedeutet, dass die Medien, das Fernsehen voran, die Politik weiterhin ihren Eigengesetzlichkeiten unterworfen haben“[4]. Die Mediatisierung der Politik hat nach Oberreuter zur Folge, dass Medien die politische Agenda gegenüber den Politikern und dem Publikum bestimmen können.

In seinem „Mediokratie-Modell“, d.h. dem Modell der „Medienherrschaft“, legt er deren Tendenz dar, zu einer Art Übergewalt zu werden, welche auch in einem Artikel von Bernd Guggenberger in DIE ZEIT angedeutet wird. Bernd Guggenberger schreibt darin:

„Die Visualisierung der Politik ist im vollen Gange. [...] Die Medien wirken wie ein Vergrößerungsglas. Sie bescheren der Politik der Volksparteien eine so zuvor nie gekannte Aufmerksamkeit und Verbreitungsgeschwindigkeit. Diese neue Extensität aber wird bezahlt mit Intensitäts- und Treueverlusten sowie einem Beständigkeits- und Berechenbarkeitsschwund, der sich unter anderem auch in der drastischen Zunahme der Wechselwähler ablesen lässt. Die Medien sind ebenso machtvolle wie unkontrollierbare Beschleuniger und Trendverstärker. [...] Jetzt gilt es nicht mehr bloß: Nichts ist so erfolgreich wie der Erfolg, sondern: Nichts ist so erfolgreich wie die Suggestion des Erfolges. Das Medium erschafft die Wirklichkeit, die abzubilden es vorgibt.“[5]

Warum den Medien ein derart hohes Einflusspotential zugeschrieben werden können, erläutert Dr. Elisabeth Noelle-Neumann in ihrer Theorie der „Schweigespirale“. So bestehe nach Noelle-Neumann ein enger Zusammenhang zwischen der öffentlichen Meinung und deren Kommunikationsbereitschaft. Ob jemand sich öffentlich zu Wort melde oder nicht, hänge von der „perzipierten öffentlichen Mehrheitsmeinung“ ab. „Wer sieht, dass seine Meinung zunimmt, ist gestärkt, redet öffentlich, lässt die Vorsicht fallen. Wer sieht, dass seine Meinung an Boden verliert, verfällt in Schweigen“[6].

In Bezug auf das TV-Duell, welches im September 2002 zu Wahlkampfzwecken veranstaltet wurde, lassen sich nach Noelle-Neumanns Theorie folgende Konsequenzen ableiten:

Der Auftritt der Politiker wird unter persönlichen Gesichtspunkten vom Zuschauer als gut oder schlecht bewertet. Er bildet sich eine Meinung. Meinungsforschungsinstitute wie das Institut „Forsa“ erfassen diese einzelnen Meinungen in der Öffentlichkeit und geben sie statistisch ausgewertet an die Medien weiter. Diese wiederum berichten von der vorherrschenden öffentlichen Meinung, was nach der „Schweigespiralen-Theorie“ wiederum zur Folge hat, dass diese sich als Mehrheitsmeinung in der Gesellschaft etabliert. Wer sich der Mehrheitsmeinung nicht anschließen kann, wird theoretisch keine Meinung äußern und demzufolge auch nicht wählen. Der Sieg würde an denjenigen gehen, der bereits beim TV-Duell die Gunst des Publikums für sich gewinnen konnte.

Einzuwenden ist bei der Theorie, überträgt man sie wie hier in die Praxis, dass sie viele weitere Faktoren der Meinungsbildung nicht berücksichtigt. Es ist zu bezweifeln, dass die Meinung einer Person, ihr freier Wille und ihre spontanen Entscheidungen derart einfach gestrickt, berechenbar und kontrollierbar sind.

Ich werde mich nun von dem Mediokratie-Modell abwenden, welches den Medien eine bedeutend große Macht zuspricht, und zwei andere Modellen vorstellen, dem „Bottom-Up-Modell“ und dem „Top-Down-Modell“

3.2) Das Bottom-Up-Modell

Das „Bottom-Up-Modell“ beschreibt ein demokratisches Idealbild, in dem die politische Agenda von dem Publikum bestimmt wird. Die Medien stellen hier nur die Plattform oder auch „das Sprachrohr“ da, um die Politiker zu erreichen. Realisierte Politik wäre demnach die Konsequenz des Bürgerwillens. Die Rolle der Medien und spezifisch der Journalisten beschreibt ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts in dem „SPIEGEL-Urteil“ aus dem Jahre 1966 näher:

„Soll der Bürger politische Entscheidungen treffen, muss er umfassend informiert sein, aber auch die Meinungen kennen und gegeneinander abwägen können, die andere gebildet haben. Die Presse hält diese ständige Diskussion in Gang; sie beschafft die Information, nimmt selbst dazu Stellung und wirkt als orientierende Kraft in der öffentlichen Auseinandersetzung. In ihr artikuliert sich die öffentliche Meinung; die Argumente klären sich in Rede und Gegenrede, gewinnen deutliche Konturen und erleichtern so dem Bürger Urteil und Entscheidung.“[7]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Vgl. Niklas Luhmann: Öffentliche Meinung. In: Politische Vierteljahresschrift (11) 1970, S.2-28

[2] Vgl. Siegfried J. Schmidt: Die Wirklichkeit des Beobachters. In: Klaus Merten, Siegfried J. Schmidt, Siegfried Weischenberg (Hg.): Die Wirklichkeit der Medien. Opladen / Wiesbaden 1994, S.3-19.

[3] Ilse Harms, Heinz-Dirk Luckhardt: „Die Mediatisierung“. URL: http://is.uni-sb.de/studium/handbuch/kap5.php In: Virtuelles Handbuch Informationswissenschaft. URL: http://is.uni-sb.de/studium/handbuch/index.php Saarbrücken 2002.

[4] Vgl. Heinrich Oberreuter: Mediatisierte Politik und politischer Wertewandel. In: Frank E. Böckelmann (Hrsg.): Medienmacht und Politik. Mediatisierte Politik und politischer Wertewandel, Berlin 1989, S.31-41. Elisabeth Noelle-Neumann: Die Schweigespirale. Öffentliche Meinung – unsere soziale Haut, München 1980. Hans Matthias Kepplinger: Voluntaristische Grundlagen der Politikberichterstattung. In: Frank E. Böckelmann (Hrsg.): Medienmacht und Politik. Mediatisierte Politik und politischer Wertewandel, Berlin 1989, S.59-83.

[5] Bernd Guggenberger: Das Verschwinden der Politik. In: DIE ZEIT Nr.41 vom 07.10.1994, S.65 f.

[6] Elisabeht Noelle-Neumann: Die Schweigespirale. Öffentliche Meinung- unsere soziale Haut. München / Zürich 1980, S.8

[7] BverfGE 20, 162 – Spiegel. C.1. (35) URL: http://www.oefre.unibe.ch/law/dfr/bv020162.html

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Mediatisierung der Politik - Sprache und Medien der Politik
Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)  (Institut für Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
Interkulturelle Germanistik I/II - Orientalismus
Note
1,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
15
Katalognummer
V36444
ISBN (eBook)
9783638360685
Dateigröße
613 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mediatisierung, Politik, Sprache, Medien, Interkulturelle, Germanistik, I/II, Orientalismus
Arbeit zitieren
Rebecca Utz (Autor), 2003, Mediatisierung der Politik - Sprache und Medien der Politik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36444

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Mediatisierung der Politik - Sprache und Medien der Politik


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden