Propaganda im 1. Weltkrieg. Welchen Inhalt hatten die Rekrutierungsposter in Großbritannien?

Eine Analyse an verschiedenen Beispielen des Parliamentary Recruiting Committee PRC


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016

25 Seiten, Note: 2,7

B. R. (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Propaganda - eine Annäherung an den komplexen Begriff
1.1 Die Ausprägungsformen von Propaganda

2 Organisation von britischer Propaganda im 1. Weltkrieg

3 Welchen Inhalt hatte die britische Rekrutierungspropaganda auf PRC-Plakaten?
3.1 The Hun als Stereotyp britischer Propaganda
3.2 Die Rekrutierungspropaganda an verschiedenen Beispielen

4 Fazit

5 Literatur

Einleitung

Als mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien am 28. Juli 1914 der Erste Weltkrieg begann, rechneten Regierungen und Militärs der beteiligten Staaten mit einer kurzen militärischen Auseinandersetzung. Es war zu diesem Zeitpunkt noch nicht abzu- sehen, dass dieser Krieg alle bisherigen Dimensionen der Kriegsführung sprengen und neu definieren würde. Dieser Krieg bietet für den Historiker eine Vielzahl an hochinte- ressanten Forschungsgebieten. Die Kriegsschuldfrage, die Entwicklungen auf dem Schlachtfeld oder aber auch die verschiedenen technischen Erneuerungen bieten Stoff für Analysen und Untersuchungen aller Art. Doch im Kopf bleiben vor allem die Bilder die- ses grausamen Stücks der Geschichte. Doch wie kam es dazu dass so viele Männer teil- weise euphorisch auszogen um auf dem Schlachtfeld den Tod zu finden? Eine nicht un- erhebliche Rolle hat dabei die massive Kriegspropaganda gespielt. In allen beteiligten Ländern wurde durch eine geschickte Propagandapolitik versucht, die breite Masse von der Notwendigkeit des Kriegs zu überzeugen. Laut Jeisman „fungierte die Propaganda in Europa 1914-1918 als Instrument, daß [sic!] die Völker durch gegenseitige Entfrem- dung in ihrem nationalen Selbstwertgefühl stärkte, in dem sich diese selbst als eins und gleich begriffen.“1 Dies war natürlich nur eine der Aufgaben und Ziele, welche diese persuasive Form der Werbung übernahm. Der hohe Propagandaaufwand im Krieg um die Köpfe resultiert aus der Bedeutung, die die öffentliche Meinung als ein bestimmender politischer Faktor seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts erlangt hat.2 Aufgrund der zahlreichen Quellen ist die Kriegspropaganda des Ersten Weltkriegs heute sehr gut er- forscht. Diese Arbeit legt ihren Fokus auf die britische Kriegspropaganda, genauer gesagt auf den Inhalt der Rekrutierungsplakate und ihren Wandel während des Krieges. Versucht wird also aufzuzeigen, ob und wie sich die Inhalte der Poster während des Ersten Welt- kriegs gewandelt haben. Grundlage dafür war neben zahlreichen anderen Monographien zum einen das Werk von Philip Taylor und M.L. Sanders mit dem Titel Britische Propa- ganda im Ersten Weltkrieg 1914-1918 und für die graphischen Darstellungen die Website des National Army Museum in London.

1 Propaganda - eine Annäherung an den komplexen Begriff

Der Begriff Propaganda wird heutzutage hauptsächlich mit den beiden Weltkriegen oder allgemein totalitären Regimen in Verbindung gebracht. In Wirklichkeit existiert die Form der Massenmanipulation schon zu Zeiten von Alexander dem Großen.3 Der Terminus als solcher taucht jedoch erst im 17. Jahrhundert erstmals auf. Das Wort kommt aus dem lateinischen (propagare: ausstreuen, ausbreiten, fortpflanzen) und wird erstmals in einem religiösen Zusammenhang verwendet. Papst Gregor XV. benutzt es im Jahre 1622 in der Institution „Sacra Congregatio de propaganda fide”. Dieses Kollegium kämpfte gegen die drohende Gegenreformation und hatte sich als Ziel gesetzt, die Missionstätigkeiten zu professionalisieren. Für den Bereich der Kommunikation wird hier erstmalig der Begriff verwendet.4 Durch diese Verbindung zur katholischen Kirche wurde die Bezeichnung in katholischen Gebieten positiv, in protestantischen Regionen negativ gesehen. Zu Zeiten der Französischen Revolution erfuhr die Kommunikationstechnik Propaganda eine Auf- wertung, denn sie wurde von Seiten der Jakobiner als Möglichkeit gesehen, die Idealvor- stellungen der Revolution auch in andere Länder zu exportieren. Diese ambivalente, je- doch vornehmlich negative Konnotation wandelte sich einige Jahre später. Die demokra- tische Opposition des Vormärz machte Propaganda zu einem politischen Aktionsbegriff mit positivem Gehalt. Der Terminus trennte sich langsam von seiner engen Bindung an bestimmte Institutionen oder politische Gruppierungen und wurde ein allgemein einge- setztes Instrument zur Popularisierung politischer Interessen.5 So fand die Propaganda auch Einzug in die bürgerlichen Kreise und von dort in den wirtschaftlichen Bereich.

ÄNahezu synonym zum Begriff ‚Reklame' tauchte kurz vor 1900 zusätzlich die Bezeich- nung ‚Propaganda' als geläufiger Terminus der Geschäftssprache auf.”6 Auch in „Mey- ers Großes Konversations-Lexikon“ wird festgehalten, dass ÄDer Ausdruck P. ist neuer- dings auch in die Geschäftssprache übergegangen [ist] und bedeutet hier die Gesamtheit der zur Verbreitung von Erzeugnissen (Waren, Schriften) erforderlichen Mittel (Anzei- gen, Reklame etc.).”7 Erst seit 1930 lässt sich in Deutschland eine strikte Unterscheidung der Begriffe Propaganda und Werbung erkennen, auch weil die Nationalsozialisten den Begriff exklusiv für ihre politischen Ziele reserviert haben wollten. Eine der neuesten Definitionen beschreibt Propaganda wie folgt: ÄPropaganda wird […] als unidirektionale, persuasive Kommunikation definiert, für die wahrheitsgemäße Information untergeordnet oder bewusst ausgeklammert wird, die in der Regel mit einfachen Kommunikationsmitteln (Bsp.: starke Durchdringung, häufige Wiederholungen, einfache Stereotype, klare Wertungen, Vermischung von Information und Meinung), häufig emotionalisiert und mit Feindbildern arbeitet […].8

1.1 Die Ausprägungsformen von Propaganda

Freilich gibt es in der Forschung verschiedenen Ansichten, wie viele unterschiedliche Formen von Propaganda existieren. Grob lassen sich jedoch vier Ausprägungen dieser persuasiven Kommunikationsform unterscheiden, auch wenn es innerhalb der Katego- rien, besonders zu Zeiten des Ersten Weltkriegs, zu Überschneidungen kommen kann.

Kriegspropaganda: Sie kommt direkt vom Militär und ist somit ein Teil der Kriegsfüh- rung. Hauptziele sind die Stärkung der eigenen Kampfmoral und gleichzeitig die Schwä- chung der gegnerischen Kriegsteilnehmer beziehungsweise Streitkräfte. Dadurch ist sie zeitlich auf Periode der Kampfhandlungen begrenzt. Kriegspropaganda ist die am genau- esten und besten erforschte Form von Propaganda. Laut dem Politikwissenschaftler Harold D. Lasswell hat sie die Aufgabe, die Kampfmoral in der Heimat möglichst hoch- zuhalten, die Beziehungen zu verbündeten Ländern zu pflegen und den Gegner propa- gandistisch zu bekämpfen.9

Auslandspropaganda: Hiermit ist die Außendarstellung von Demokratien aber auch Dik- taturen auf internationaler Ebene gemeint. Mittlerweile setzt sich hier der Begriff Public Diplomacy mehr und mehr durch. Gemeint sind damit Maßnahmen die ein Staat ergreift, um eigenen Sicherheitsinteressen und strategische sowie ökonomische Ziele international zu kommunizieren.10

Soziologische Propaganda: Sie bezieht sich vor allem auf totalitäre Regime, kommt aber in abgemilderter Form auch in Demokratien im Rahmen der politischen Bildung vor. Ziel ist es durch eine omnipräsente Propaganda die vorherrschende Ideologie abzusichern und so den Herrschaftsanspruch zu untermauern. Es soll somit ein „neuer Mensch“ nach den Idealen der politischen Ansichten geschaffen werden. Zurück geht diese Theorie auf den Propagandaforscher Jaques Ellul.11

Politische Propaganda in Demokratien: Hier handelt es sich um eine umstrittene Form, da der Begriff Propaganda hier wieder mehr den Werbungscharakter für bestimmte Par- teien innehat. Kurz gefasst ist bei dieser Ausprägungsform der gezielte persuasive Ver- such gemeint, in Wahlkampfzeiten die Wähler für eine politische Ausrichtung der Par- teien zu gewinnen. Insofern handelt es sich hier um eine Erscheinung von der nahezu jeder wahlberechtigte Bürger betroffen ist. Inwiefern es sich dabei wirklich um Propa- ganda handelt ist umstritten.12

Man kann also erkennen dass durchaus mehr Formen von Propaganda existieren als nur die allseits bekannte Kriegspropaganda. Die genauen Abgrenzungen sind jedoch fließend und nicht einheitlich definiert. Diese Arbeit beschäftigt sich jedoch ausschließlich mit der Kriegspropaganda während des Ersten Weltkriegs, genauer gesagt mit Propaganda der britischen Regierung.

2 Organisation von britischer Propaganda im 1. Weltkrieg

Nach diesem kurzen begriffsgeschichtlichen Exkurs soll nun der Bogen zur eigentlichen Fragestellung geschaffen werden, die da lautet „Was war der Inhalt der britischen Pro- paganda“? Zunächst muss natürlich zwischen den Adressaten der Propaganda unter- schieden werden. Denn selbstverständlich unterscheiden sich sowohl die Methoden, als auch die Verbreitungsformen je nachdem ob im In- oder Ausland operiert wird. Hier ist außerdem wichtig sich einen Überblick zu verschaffen, wie genau die Propagandapolitik überhaupt organisiert war. Da den politischen Führungskräften Großbritanniens die Macht der Propaganda schnell bewusst war, versuchten sie ihren amtlichen Propaganda- Apparat stetig zu verbessern und interne Querelen möglichst gering zu halten. Dies kann man auch gut an der Strukturveränderungen während des Kriegsverlaufs erkennen.

Abbildung 113

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

Abbildung 214

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Abbildung 315

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

[...]


1 Jeismann, Michael: Propaganda. In: Hirschfeld, Gerhard (Hrsg.): Enzyklopädie Erster Weltkrieg, Paderborn 2009, S. 198-209, hier S. 200.

2 Kestler, Stefan: Die deutsche Auslandsaufklärung und das Bild der Ententemächte im Spiegel zeitgenös- sischer Propagandaveröffentlichungen während des Ersten Weltkrieges. Frankfurt a. M. 1994, S. 359.

3 Jowett S. Garth/O´Donnell Victoria: Propaganda and Persuasion. Fifth Edition. London 2012, S. 54-55.

4 Schieder, Wolfgang/Dipper, Christoph: Propaganda. In: Otto Brunner/Werner Conze/Reinhart Kosseleck (Hgg.): Geschichtliche Grundbegriffe. Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland, Stuttgart 1984, Bd. 5, S. 69-112.

5 Vgl. ebd., S. 78.

6 Lamberty, Christiane: Reklame in Deutschland 1890-1914. Wahrnehmung, Professionalisierung und Kritik der Wirtschaftswerbung. Berlin 2000, S. 19.

7 http://www.zeno.org/Meyers-1905/A/Propaganda (aufgerufen am 1.08.16).

8 Bentele, Günter: Propaganda. In: Bentele, Günter (Hrsg.): Lexikon Kommunikations- und Medienwissenschaft, Wiesbaden 2013, S. 280.

9 Lasswell, Harold, D. Propaganda Technique in the World War. London 1927, Reprint Cambridge, Mas-

sachusetts. 1971, S. 47-55. Online einsehbar: https://babel.hathit-

rust.org/cgi/pt?id=mdp.39015000379902;view=1up;seq=68 (aufgerufen am 1.08.16).

10 Bussemer, Thymian: Propaganda. Konzepte und Theorien. Bochum 2005, S. S. 36.

11 Bussemer, Thymian: Propaganda. Konzepte und Theorien. Bochum 2005, S. S. 37.

12 Pratkanis, Anthony/Aronson, Elliot: Age of Propaganda. The Everyday Use and Abuse of Persuasion. New York 1992, S. 25-32.

13 Sanders, M.L./Taylor, Philip M.: Britische Propaganda im Ersten Weltkrieg 1914-1918, Berlin 1990, S. 216.

14 Sanders, M.L./Taylor, Philip M.: Britische Propaganda im Ersten Weltkrieg 1914-1918, Berlin 1990, S. 218.

15 Ebd., S. 221.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Propaganda im 1. Weltkrieg. Welchen Inhalt hatten die Rekrutierungsposter in Großbritannien?
Untertitel
Eine Analyse an verschiedenen Beispielen des Parliamentary Recruiting Committee PRC
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
2,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
25
Katalognummer
V364520
ISBN (eBook)
9783668440012
ISBN (Buch)
9783668440029
Dateigröße
2096 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
propaganda, weltkrieg, welchen, inhalt, rekrutierungsposter, großbritannien, eine, analyse, beispielen, parliamentary, recruiting, committee
Arbeit zitieren
B. R. (Autor), 2016, Propaganda im 1. Weltkrieg. Welchen Inhalt hatten die Rekrutierungsposter in Großbritannien?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/364520

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