Die Wirtschaft der Ukraine. Standorte, Investitionshemmnisse und Entwicklungspotentiale


Hausarbeit, 2016
23 Seiten, Note: 1,1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Problemstellung und Zielsetzung der Untersuchung

2. Methodisches Vorgehen

3. Forschungsstand

4. Beweisführung und Analyse
4.1 Vorgehensweise bei Auslandsmarktbearbeitung
4.2 Investitionsklima in der Ukraine
4.2.1 Wirtschaftliche Rahmenbedingungen
4.2.2 Politische Rahmenbedingungen
4.2.3 Rechtliche Rahmenbedingungen
4.3 Ausländische Direktinvestitionen in der Ukraine
4.3.1 Entwicklung und Struktur von FDIs in der Ukraine

5. Conclusion

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Entscheidungsbaum der Marktbearbeitung nach Dunning

Abb. 2: Wachstum des realen BIPs von 1990 bis 2014 in der Ukraine

Abb. 3: In\lationsrate in der Ukraine 2006 - 2016

Abb. 4: FDI Zu\luss 1998 - 2016

Abb. 5: FDI Zu\luss nach EU-Ländern

1. Problemstellung und Zielsetzung der Untersuchung

Der Anteil der Entwicklungs- und Schwellenländer am Welthandel wächst stetig. Eine lokale Präsenz in diesen Märkten ist daher für viele Unternehmen von strategisch wichtiger Bedeutung. Wer mit dem Gedanken an eine Direktinvestition im Ausland spielt, wird sich zunächst fragen: „Was erwartet mich vor Ort?“. Die Antwort auf diese Frage beruht nicht nur auf wirtschaftlichen, politischen und rechtlichen Gegebenhei- ten, sondern auch auf einer Analyse der gesamtwirtschaftlichen Entwicklungstenden- zen im avisierten Zielland. Denn nicht zuletzt ist es auch das Wachstumspotential ei- ner Ökonomie, von dem die Erfolgschancen einer Investition abhängen.1

Der Wirtschaftsstandort Ukraine wird in der internationalen Presse und Öffentlich- keit sehr unterschiedlich eingeschätzt: Günstige Produktionsmöglichkeiten, ein nied- riges Lohnniveau bei gleichzeitig hohen Qualitätsstandards, ein Absatzmarkt von fast 46 Millionen Verbrauchern und eine strategisch günstigen Brückenposition zwischen der EU und Asien - all dies sind für viele Investoren Gründe, in Form von ausländi- schen Direktinvestitionen (FDI) in der Ukraine zu investieren. Chancen bietet zudem das vertiefte und umfassende Freihandelsabkommen (DCFTA) der EU mit der Ukrai- ne, welches seit 1. Januar 2016 vorläu\ig angewendet2,3 wird und die beiden Märkte für machen ca. 40% des BIP aus. Die wichtigsten Handelspartner nach Gesamtvolumen des Warenaustauschs sind dabei Russland, China, und Deutschland.4

Auf der anderen Seite ist die Ukraine eine wenig diversi\izierte und stark modernisie- rungsbedürftige Volkswirtschaft. Mit einem Pro-Kopf-Einkommen von rund 3.560 US- Dollar (2014) gehört sie in der Kategorisierung der Weltbank zu den „lower middle income countries“ und damit zu den ärmsten Ländern Europas.5 Zwar konnte in den Jahren bis hin zur Wirtschaftskrise um 2009 die Armutsrate deutlich gesenkt werden, dennoch herrscht nach wie vor ein starkes Einkommensgefälle zwischen der Hauptstadt Kiew und übrigen Landesteilen. Trotz hoher Wachstumsraten bis 2008 ging die Transformation der ukrainischen Wirtschaft nur schleppend voran. Viele Vorhaben, die seit 2010 zur Verbesserung des Investitionsklimas in Angriff genommen wurden, (darunter Agrarreform, Rentenreform, Justizreform, Verwaltungsreform) sind wegen der innenpolitischen Instabilität und der stark von Einzelinteressen geleitete Politik noch immer nicht hinreichend implementiert.6

2. Methodisches Vorgehen

In der folgenden Arbeit soll methodisch deduktiv vorgegangen werden. Anhand des eklektische Paradigmas von John H. Dunning, welches in Kapitel 3 ausführlich erläu- tert wird, sollen die Bestimmungsgründe von Direktinvestitionen im Ausland auf den Wirtschaftsstandort Ukraine bezogen werden. Dazu wird das Investitionsklima mit seinen wirtschaftlichen, politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen aus Sicht von Investoren analysiert, um im Anschluss auf die Struktur und Entwicklung Auslän- discher Direktinvestitionen in der Ukraine einzugehen. Meine Fragestellung ist, wie attraktiv der Standort Ukraine angesichts der aktuellen politischen Situation ist und wie sich diese auf das Investitionsverhalten ausländischer Unternehmen auswirkt.

Die vorliegende Hausarbeit basiert auf einer ausgiebigen Literaturrecherche, die mit der Auswertung von Sekundärstatistiken ergänzt wird.

3. Forschungsstand

Dem eklektischen Paradigma von Dunning7 zufolge, werden Art und Umfang der Auslandsmarktbearbeitung eines Unternehmens durch das Zusammenspiel von drei zentralen Faktoren bestimmt:

(1) Eigentumsvorteile (Ownership Advantages),
(2) Standortvorteile (Location Advantages) und
(3) Internalisierungsvorteilen (Internalization Advantages).8

(1) Eigentumsvorteile ergeben sich aus den Eigenschaften der Unternehmens selbst wie zum Beispiel bestimmtes technologisches oder unternehmerisches Know-how, etablierte Markennamen oder Patente.
(2) Location Advantages sind Standortvorteile des Gastlandes gegenüber dem Hei- matland des potenziellen Investors. Darunter zählen auf der Angebotsseite u.a Roh- stoffvorkommen, gute Infrastruktur, günstige Löhne für Fachkräfte. Auf der Nachfra- geseite ist die Größe des Gastlandes und Nähe zum Absatzmarkt am wichtigsten.
(3) Internalisierungsvorteile entstehen durch Marktunvollkommenheiten. Für Unter- nehmen ist es manchmal günstiger, den \irmenspezi\ischen Vorteil unternehmensin- tern zu verwerten, um Unsicherheiten und hohe Transaktionskosten zu reduzieren. Zur Beibehaltung der Produktionsqualität und zum Schutz des technologischen oder unternehmerischen Know-hows, neigen international tätige Unternehmen stärker dazu, eigene Produktionsstätte im Ausland zu errichten, als ihren Wettbewerbsvorteil über Lizenzvergabe zu verwerten.9,10,11

Das eklektische Paradigma von Dunning macht deutlich, dass Internationalisierungsmuster keinesfalls zufällig verfolgt und auf mehrere Ursache zurückgeführt werden können. Zwar konnten viele empirische Studien die zentralen Aspekte des Modells untermauern, jedoch \inden sich in der Literatur auch viele Kritikpunkte.12

So weist eine Reihe von Autoren darauf hin, dass bei den Markteintrittsformen eine zu geringe Differenzierung erfolgt und, dass in der Praxis verschiedene Marktbearbei- tungsformen parallel realisiert werden. Kooperative Formen der Marktbearbeitung werden so nicht beachtet und lassen sich aus Dunnings Modell heraus auch nicht ab- leiten. Außerdem nimmt der Ansatz eine überwiegend statische Perspektive ein, so sind Kursänderungen bei der Internationalisierungsstrategie nicht mehr möglich.13,14,15

Auch das aus dem Ansatz zugrundeliegende Menschenbild des homo oeconomicus wird in der Literatur kritisiert. Die Annahmen gingen soweit an der realen Situation internationaler Unternehmen vorbei, dass „darauf au\bauend kaum nutzbringende Aussagen möglich sind“.16

Infolge der Kritik und begründet mit der Notwendigkeit, nichtökonomische Variablen zur Erklärung des Wachstums und Mustern der Internationalisierung heranzuziehen, hat Dunning sein Paradigma in späteren Arbeitern um weitere Forschungsansätze er- gänzt. Konkret betrifft dies Aspekte der externen Umwelt (Politik, Recht, Kultur) und interne Erfolgspotenziale des Unternehmens (Management, Marketing, Finanzen).17,18

4. Beweisführung/ Analyse

4.1 Vorgehensweise bei Auslandsmarktbearbeitung

Neben der Zusammenfassung der wichtigsten Antriebsfaktoren für Auslandsinvesti- tionen versucht Dunning die Art der Auslandsmarktbearbeitung mithilfe von drei Vor- teilskategorien zu untersuchen.19 Abbildung 1 zeigt, welche Internationalisierungs- strategie bei welcher Kombination der Vorteilskategorien jeweils realisiert wird.

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Entscheidungsbaum der Marktbearbeitung nach Dunning

Eigene Darstellung nach Welge, Holtbrügge (2003)

Grundvoraussetzung für jede Form der Internationalisierung sind Eigentumsvorteile. International agierende Unternehmen nutzen diese, um die Anfangsbarrieren eines Auslandsengagement, wie etwa die fehlende Markterfahrung oder die noch begrenzte Vertrautheit mit dem sozio-kulturellen Umfeld zu kompensieren.20 Trotzdem reichen Eigentumsvorteile allein nicht aus, um den Weg ins Ausland zu gehen. Verfügen Un- ternehmen zwar über Eigentumsvorteile, können jedoch keine Internalisierungsvor- teile realisieren, so wählen sie als Markteintrittsstrategie internationale vertragliche Vereinbarungen etwa in Form von Lizenzvergabe. Fehlen Standortvorteile, wählt ein Unternehmen meist Exporte. Nur wenn alle drei Vorteilskategorien vorhanden sind, internationalisiert ein Unternehmen seine Geschäftsaktivitäten, indem es auf dem Zielmarkt Direktinvestitionen tätigt.21,22

4.2 Investitionsklima in der Ukraine

Das Investitionsklima ist das Bündel standortspezi\ischer Faktoren, die die Möglichkeiten und Anreize für Unternehmen prägen, produktiv zu investieren, Arbeitsplätze zu schaffen und zu expandieren.23 Das Investitionsklima gibt Aufschluss über Investitionshemmnisse und Entwicklungspotenziale in einem Land. Ob eine Direktinvestition getätigt wird, hängt in erster Linie von den wirtschaftlichen, politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen des jeweiligen Anlagelandes ab.

4.2.1 Wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Unter dem Aspekt der Risikominimierung beachtet ein Investor bei seiner Standortentscheidung maßgebliche gesamtwirtschaftliche Aspekte des avisierten Ziellandes.24 Im Folgenden werden makroökonomische Kennzahlen betrachtet, die Aussagen über den wirtschaftlichen Rahmen der Ukraine ermöglichen.

Wirtschaftswachstum

Als Wirtschaftswachstum wird die Zunahme der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft meist gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) bezeichnet.25 Abbildung 2 zeigt die jährlichen relativen Zuwachsraten des BIP von 1990 - 2014 in der Ukraine.

Die ukrainische Wirtschaft weist seit der Unabhängigkeit keine stetigen Zuwachsra- ten auf. Während Nachbarland Polen sein reales BIP seit 1989 verdoppeln konnte, ist das der Ukraine heute in etwa wieder auf dem Stand der frühen 1990er Jahre. Die ers- te Dekade der Unabhängigkeit war ähnlich verheerend wie in anderen ehemaligen Sowjetrepubliken. Eine dauernde Rezession von bis zu 23% (1994) verbunden mit einem Mangel an dringend nötigen Investitionen in Infrastruktur trug zu einer langfristigen Rückständigkeit der ukrainischen Wirtschaft bei.

[...]


1 Vgl. Kudert, S. (2006). Wirtschaftsstandort Ukraine: Rechtliche und wirtschaftliche Rahmenbedin- gungen für ausländische Investoren. S. 16f.

2 Vgl. Stahlkopf, N. (2010): Deutsche Direktinvestitionen in der Ukraine seit 1990: Entwicklung, wirt- schaftliche und wirtschaftspolitische Determinanten, Volkswirtschaftliche Diskussionsbeiträge, S. 1f.

3 Vgl. Auswärtiges Amt. Quelle: http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laen- derinfos/Ukraine/Wirtschaft_node.html, Zugriffsdatum: 04.05.2016.

4 Vgl. AHK. Quelle: http://ukraine.ahk.de/landesinfo/wirtschaftsstandort-ukraine/kurzcharakterisie- rung-der-wirtschaft/, Zugriffsdatum: 04.05.2016.

5 Vgl. World Bank. Quelle: http://databank.worldbank.org/data/reports.aspx?source=2&series=NY.GN- P.PCAP.CD&country=UKR, Zugriffsdatum: 09.05.2016.

6 Vgl. AHK.

7 Das Modell ist aufgrund der Anfangsbuchstaben der Vorteilskategorien auch als „OLI-Paradigma“ be- kannt.

8 Vgl. Dunning, J.H. (1993): Multinational Enterprises and the Global Economy, S. 8f.

9 Vgl. Dunning (1993), S.8f.

10 Vgl. Groberlny, M. (2008). Auswirkungen ausländischer Direktinvestitionen auf den Arbeitsmarkt in den mittel- und osteuropäischen Ländern. S.5f.

11 Vgl. University of Oxford (n.a.). URL: http://users.ox.ac.uk/~econ0211/papers/pdf/fdiprinceton.pdf, Zugriffsdatum: 23.06.2016.

12 Vgl. Scherm, E. und Süß, S. (2001). Internationales Management. S.92f.

13 Vgl. Hauser, C. (2009): Außenwirtschaftsförderung für kleine und mittlere Unternehmen in der Bun- desrepublik Deutschland: Eine empirische Analyse auf der Basis der ökonomischen Theorie des Föderalismus, S. 42f.

14 Vgl. Itaki, M. (1991): A Critical Assessment of the Electric Theory of Multinational Enterprise, S. 61f.

15 Vgl. Gilroy, B. M. (1993): Book Review: John H. Dunning Multinational Enterprises and the Global Economy.

16 Scherm, Süd (2001), S. 92.

17 Vgl. Dunning, J. (2000): The eclectic paradigm as an envelope for economic and business theories of MNE activity, S.1f.

18 Vgl. Verlag Dr. Kovac (Hrsg). URL: http://www.verlagdrkovac.de/volltexte/0428/II._Theoreti- sche_Ansaetze_zur_Erklaerung_der_institutionellen_Marktanpassung.pdf, Zugriffdatum: 01.07.2016.

19 Vgl. Groberlny (2008), S.5f.

20 Vgl. Hauser (2009). S. 41f.

21 Vgl. Welge, M. und Holtbrügge, D. (2003). Internationales Management: Theorien, Funktionen, Fall- studien. S. 67f.

22 Vgl. Hauser (2009), S. 42.

23 Weltbank (2005). URL: https://www.openknowledge.worldbank.org/bitstream/handle/ 10986/5987/WDR%202005%20-%20German.pdf?sequence=4&isAllowed=y, Zugriffsdatum: 24.06.2016.

24 Vgl. Torregrosa, R. (2007). Die historischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Mexiko unter besonderer Berücksichtigung der deutschen Direktinvestitionen, S. 76.

25 bpb (2013). URL: http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/lexikon-der-wirtschaft/21136/wirt- schaftswachstum, Zugriffsdatum: 25.06.2016.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die Wirtschaft der Ukraine. Standorte, Investitionshemmnisse und Entwicklungspotentiale
Hochschule
Hochschule Ruhr West
Note
1,1
Autor
Jahr
2016
Seiten
23
Katalognummer
V364577
ISBN (eBook)
9783668444126
ISBN (Buch)
9783668444133
Dateigröße
797 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wirtschaft, ukraine, standorte, investitionshemmnisse, entwicklungspotentiale
Arbeit zitieren
Ariane Holz (Autor), 2016, Die Wirtschaft der Ukraine. Standorte, Investitionshemmnisse und Entwicklungspotentiale, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/364577

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