Theophanu, coimperatrix und augusta. Eine Frauenherrschaft im 10. Jahrhundert


Hausarbeit, 2012

18 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Heirat - Bündnis zwischen Ost- und Westrom
2.1. Herkunft Theophanus und ihre Bedeutung für den ottonischen Herrschaftsbereich
2.2. Brautwerbung und Bündnis

3. Wirkungsfelder
3.1. Theophanu als coimperatrix
3.2. Theophanu als Regentin

4. Theophanu und Adelheid
4.1. consortium regni
4.2. Interventionen als Mittel zur Einflussnahme
4.3. Gemeinsame Regentschaft Vormundschaftsherrschaft für Otto III

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Kaiserin Theophanu - eine Griechin auf dem deutschen Kaiserthron. Die Bündnisehe, die zu fortdauernder Anerkennung des weströmischen Herrschaftsapparates als gleichrangiges Kaisertum neben dem oströmischen Kaisertum gedacht war, wurde für Theophanu zu einer unvergleichlichen Herausforderung. Sie musste sich nicht nur sehr schnell an den ihr unbekannten Kulturkreis und das ihr ebenfalls unbekannte Reisekönigtum gewöhnen und gegen die dominierende Schwiegermutter Adelheid durchsetzen, sondern war nach dem unerwarteten und frühen Tod ihres Gatten Otto II. für den Machterhalt ihres Sohnes Otto III. als Vormundschaftsregentin eingesetzt. Doch zuvor sollen die Umstände für die Brautwerbung diskutiert werden, die zur Rückkehr Geros von Köln mit der „falschen Braut“1 geführt haben. Unmittelbare Quellen und Zeugnisse zu Kindheit und Leben am byzantinischen Kaiserpalast sind nicht bekannt.2 Ebenso gibt es keine byzantinischen Quellen, die nach der erfolgreichen Brautwerbung und Verschickung Theophanus’ Stellung beziehen oder auf ihre direkte verwandtschaftliche und familiäre Vergangenheit Bezug nehmen.3 Zum Wirken Theophanus ist die Quellenlage größer und auch die Beschäftigung mit Theophanu als eine der bedeutendsten Kaiserinnen in der ottonischen Zeit wird vor allem an der Herausgabe von Aufsätzen zum 1000-jährigen Todestag der Kaiserin deutlich.4

Für die Forschungsdiskussion ist besonders der Werdegang Theophanus von einer außergewöhnlichen Bedeutung, denn sie kam als puella5 an den deutschen Kaiserhof und war nicht die erwartete Purpurgeborene. Sie wurde als einzige deutsche Kaiserin in den Stand der coimperatrix erhoben und es wurde ihr in der Dotalurkunde Ottos II. die Teilhabe am Kaisertum zugesichert. Die nach byzantinischem Vorbild angefertigte Heiratsurkunde zeigt sowohl durch ihre äußere prunkvolle Gestaltung, als auch durch die in ihr festgehaltenen zahlreichen Landschenkungen und der Vergabe von umfangreichen Herrschaftsrechten wie sehr versucht wurde, dem Vorbild Ostroms nachzueifern und wie viel Otto I. daran gelegen war, die fehlende direkte Abstammung Theophanus aus einer kaiserlichen Familie wieder gutzumachen und den Status der jungen Braut zu steigern.6 Im Fokus dieser Hausarbeit soll Theophanu als ottonische Kaiserin stehen. Damit steht die Beschäftigung mit den Grundzügen der ottonischen Regentschaft sowie den Handlungsspielräumen als coimperatrix sowie der späteren Regentschaft als Vormund für ihren Sohn Otto III., die sie zeitweise gemeinsam mit ihrer Schwiegermutter Adelheid führte, im Mittelpunkt. Vergleichend und auszugsweise soll die Kaiser- und Schwiegermutter Adelheid zur Untersuchung herangezogen werden. Das mehrfach in der Forschungsliteratur als „angespannt“ bezeichnete Verhältnis der beiden Kaiserinnen soll dabei ebenso untersucht werden wie etwaige Gemeinsamkeiten und Unterschiede beziehungsweise Schwerpunktsetzungen in der Herrschaftsausübung.7

2. Heirat - Bündnis zwischen Ost- und Westrom

Die Verknüpfung von Heiratsvermittlungen und Bündnispolitik zur Festigung und Sicherung von Herrschaftsrechten und Ausdehnung des Machtbereichs wurde bereits von den Ahnen der Ottonen genutzt. Daniela Müller-Wiegand ordnet diese Wechselwirkung dem Aufgabenbereich des „Vermittelns“ zu, der sich sowohl „in politisch-diplomatischer“, aber auch „in kultureller, sozialer und rechtlicher Hinsicht zeigte“.8 Durch die Heirat mit einer byzantinischen Prinzessin wollte man nicht nur die Herrschaftslegitimation im eigenen Reich stärken, sondern auch die Anerkennung des westlichen Kaisertums durch Byzanz erlangen. Daher galt das besondere Augenmerk, in Bezug auf ein durch Heirat geschlossenes Bündnis, dem byzantinischen Kaiserhaus, welches in der Vergangenheit allerdings bereits mehrfach fehlschlug. Da sich durch die Krönung Otto I. zum Kaiser und der Beanspruchung von Teilen Süditaliens, die dem byzantinischen Reich zugehörig waren, der Konflikt zwischen Ostrom und Westrom zuspitzte, sollte diesmal eine Bündnisheirat zwischen seinem Sohn Otto II. und der purpurgeborenen Prinzessin Anna aus dem byzantinischen Kaiserhaus den Herrschaftsanspruch des deutschen Kaisers in Westrom legitimieren und damit das Zweikaiserproblem entschärfen. Zusätzlich würde eine Heirat die Gleichrangigkeit des deutschen Kaisertums gegenüber dem byzantinischen Kaisertum verdeutlichen.9

2.1. Brautwerbung und Bündnis

Die Brautwerbung galt der purpurgeborenen Prinzessin Anna, Tochter Romanos II. und seiner Ehefrau Theophanu. Um seiner zukünftigen Braut gleichrangig entgegentreten zu können wurde Otto II. 967 zum Kaiser gekrönt.10

Zusätzlich erhielt er den Titel eines coimperators. Hans K. Schulze vermutet in der Adaption des byzantinischen Mitkaisertums sowohl eine Festigung des westlichen Kaisertums, als auch die Klarstellung der Gleichwertigkeit mit dem östlichen Kaisertum11 Johannes Tzimiskes war angesichts seiner den Thron überschattenden Machterlangung sowie der nahenden Bedrohung durch die Sarazenen und den russischen Fürsten Swatoslaw um Diplomatie bemüht und daher an einer Beilegung des Konfliktes um die Apenninhalbinsel interessiert.12 Allerdings wurde auch diesmal der Brautwerbung für die purpurgeborene13 Prinzessin Anna nicht entsprochen. Stattdessen trat Theophanu an ihre Stelle.

2. 2. Herkunft Theophanus und ihre Bedeutung für den ottonischen Herrschaftsbereich

Zur Herkunft Theophanus und zu den familiären Strukturen in denen sie aufwuchs, gibt es viele Spekulationen, aber nur wenige aussagekräftige und nachweisbare Quellen. Byzantinische Quellen erwähnen Theophanu mit keinem Wort. Ebenso ist ein genaues Geburtsdatum nicht belegt.14 Die Vermutung liegt nahe, dass Theophanu im Alter von zwölf oder dreizehn Jahren verheiratet wurde. Diese These stützt sich zum Einen auf die Erwähnung Theophanus als puella in einem zeitgenössischen Bericht des Widukind von Corvey15, was soviel wie „Mädchen im zarten Alter“ bedeutet und auf dessen Erklärung sich Ekkehard Eickhoff16 und Hans K. Schulze17 stützen.

Die Namensvergabe an ihre Töchter lässt Rückschlüsse über ihre Abstammung mütterlicherseits zu. Üblich war es, die erste Tochter nach der Großmutter väterlicherseits zu benennen und die zweite Tochter nach der Großmutter mütterlicherseits. Die älteste Tochter wurde Adelheid, nach der Kaisermutter, benannt und ihre zweite Tochter erhielt den Namen Sophia.18. Dieser Name ist im ottonischen Namensgebrauch untypisch und lässt zusätzlich zur Regel zur Vergabe der Namen auf einen familiären Hintergrund Theophanus schließen.19 Ebenfalls kommt hinzu, dass sie in der Heiratsurkunde von 972 als „neptis“20 des Kaisers Johannes bezeichnet wird. Das breitere Umfeld in der Forschungsdiskussion über die verwandtschaftlichen Verhältnisse ist sich einig, dass Theophanu die Nichte des Johannes Tzimiskes ist und stellt so die Verbindung zum kaiserlichen Hof her21, die ausschlaggebend für die bündnisorientierte Heirat war. Diese Zuordnung beruht auf der Annahme, dass es nicht üblich war, eine Angehörige, die nicht zur jeweiligen herrschenden Schicht gehörte als Friedensgarant wegzuschicken.22 Die Hochzeit Theophanus mit Otto II. fand am 14.April 972 in Rom statt und wurde zum „Staatsakt hochstilisiert“.23 Der Bedeutungsgehalt der Heiratsurkunde ist vielschichtig und zeigt nicht nur anhand der außergewöhnlichen äußeren Form, die an die kunstvollen byzantinischen Urkunden und Handschriften angelehnt ist24, dass hier ein Bündnis mit dem oströmischen Reich erfolgt ist und der Gleichrangigkeit Ausdruck verliehen wird, sondern verweist inhaltlich auf umfassende Besitzvergaben, die zum einen auf die Größe des ottonischen Reiches verweisen sollten und zum anderen durch derart großzügige Schenkungen und Ehrungen die fehlende direkte kaiserliche Abstammungslinie kompensieren sollten.25 Zusammenfassend kann man sagen, dass Theophanu mehr als ein Friedenspfand für die Ottonen war. Sie war sicherlich nicht die erhoffte Purpurgeborene, brachte aber nicht nur eine prunkvolle, und umfangreiche Mitgift mit, sondern nach Hiltrud Westermann- Angerhausen auch die Möglichkeit eines „mitgeführten Hofstaates“26, und damit die Möglichkeit kulturellen Transfer zu ermöglichen und künstlerische Einflüsse zu verbreiten. Kommt man zurück auf den Aufgabenbereich des „Vermittelns“ von Daniela Müller-Wiegand, trifft dieser durch das Einheiraten Theophanus in die Herrscherfamilie der Ottonen im diplomatisch-politischen Bereich zu; da ein Friedensbündnis für die streitigen Landgebiete Süditaliens erzielt wurde und gleichzeitig der ottonische Herrschaftsanspruch gefestigt wurde, sowie wie die angestrebte Anerkennung des westlichen Kaisertums durch Byzanz erfolgte.27 Gleiches gilt für die kulturellen Einflüsse, die durch Theophanus Herkunft und Erziehung begründet, Einzug ins ottonische Reich hielten. Beispielhaft erwähnt werden sollen die in der Mitgift enthaltenen byzantinischen Handschriften28 sowie prunkvolle und bestickte Gewänder.29

[...]


1 Hans K. Schulze: Die Heiratsurkunde der Kaiserin Theophanu. Die griechische Kaiserin und das römisch deutsche Reich 972-991. Hannover: Verlag Hahnsche Buchhandlung 2007. S.18.

2 Vgl. ebd.

3 Gunther Wolf: Vom Kaiserpalast in Byzanz zum Valkhof in Nimwegen. In: ders.: Kaiserin Theophanu. Prinzessin aus der Fremde - Des Westreichs große Kaiserin. Hg. v. Gunther Wolf. Köln: Böhlau Verlag GmbH & Cie 1991. S.19-24.

4 Die Begegnung des Westens mit dem Osten. Kongreßakten des 4. Symposions des Mediävistenverbandes in Köln 1991 aus Anlass des 1000. Todesjahres der Kaiserin Theophanu. Hg. v. Odilo Engels und Peter Schreiner. Sigmaringen: Jan Thorbecke Verlag 1993. Kaiserin Theophanu. Begegnung des Ostens und Westens um die Wende des ersten Jahrtausends. Gedenkschrift des Kölner Schnütgen-Museums zum 1000.Todestag der Kaiserin. Hg. v. Anton Euw und Peter Schreiner. Bd.1. Köln: Schnütgen-Museum. 1991.

5 Vgl. Gunther Wolf: Nochmals zur Frage: Wer war Theophanu? In: Kaiserin Theophanu. Prinzessin aus der Fremde - Des Westreichs große Kaiserin. Hg. v. Gunther Wolf. Köln: Böhlau Verlag GmbH & Cie 1991. S.61.

6,Schulze: Die Heiratsurkunde der Kaiserin Theophanu. S. 39.

7 Alja Payer: Kaiserinnen machten Kirchengeschichte: Helena, Pulcheria, Eudokia, Theodora I., Eirene, Theodora II., Theophanu. Hg. v. Gottfried Glaßner. Thaur bei Innsbruck: Druck- und Verlagshaus Thaur 2002. S.146.

8 Daniela Müller-Wiegand. Vermitteln - Beraten - Erinnern, Funktionen und Aufgabenfelder von Frauen in der ottonischen Herrscherfamilie (919-1024). Kassel: kassel university press GmbH 2005. S.44.

9 Payer: Kaiserinnen machten Kirchengeschichte. S.139.

10 Odilo Engels: Die westliche Kaiserin aus dem Osten. In: Die Begegnung des Westens mit dem Osten. Kongreßakten des 4. Symposions des Mediävistenverbandes in Köln 1991 aus Anlass des 1000. Todesjahres der Kaiserin Theophanu. Hg. v. Odilo Engels und Peter Schreiner. Sigmaringen: Jan Thorbecke Verlag 1993. S.16.

11 Schulze: Die Heiratsurkunde der Kaiserin Theophanu. S.16.

12 Payer: Kaiserinnen machten Kirchengeschichte. S.140. Schulze: Die Heiratsurkunde der Kaiserin Theophanu. S.17.

13 Vgl. Wolf: Vom Kaiserpalast in Byzanz zum Valkhof in Nimwegen. S.22; Die „Porphyra“ war die Geburtsstätte der legitimen Kaiser und Kaiserinnen. Die dort geborenen Nachkommen nannte man „Porphyrogennetoi“, d.h. „Purpurgeborene“.

14 Hans K. Schulze: Kaiserin Theophanu 972-991. Eine junge Frau zwischen Orient und Okzident Magdeburg: Cuno Druck Calbe 2001.

15 Wolf: Nochmals zur Frage: Wer war Theophanu? S.61.

16 Ekkehard Eickhoff: Theophanu und der König: Otto III und seine Welt. Stuttgart: Klett-Cotta 1996. S.31.

17 Schulze: Die Heiratsurkunde der Kaiserin Theophanu. S. 42.

18 Heike Hawicks: Theophanu. In: Die Kaiserinnen des Mittelalters. Hg. v. Amalie Fößel. Regensburg: Verlag Friedrich Pustet 2011. S.60.

19 Wolf: Nochmals zur Frage: Wer war Theophanu? S.59f. Schulze: Die Heiratsurkunde der Kaiserin Theophanu. S.41f.

20 zur Wortbedeutung der neptis: Wolf: Nochmals zur Frage: Wer war Theophanu? S.63.

21 Franz Tinnefeld: Die Braut aus Byzanz - Fragen zu Theophanus Umfeld und gesellschaftlicher Stellung vor ihrer abendländischen Heirat. In: Kaiserin Theophanu. Prinzessin aus der Fremde - Des Westreichs große Kaiserin. Hg. v. Gunther Wolf. Köln: Böhlau Verlag GmbH & Cie 1991. S.253. Payer: Kaiserinnen machten Kirchengeschichte. S.140. Eickhoff: Theophanu und der König: Otto III und seine Welt. S.31. Heike Hawicks: Theophanu, S.60f.

22 Engels: Theophanu - Die westliche Kaiserin aus dem Osten. S.17.

23 Schulze: Die Heiratsurkunde der Kaiserin Theophanu. S.19.

24 Hawicks: Theophanu. S.63.

25 Schulze: Kaiserin Theophanu 972-991. S.10. Hawicks: Theophanu. S.63.

26 Hiltrud Westermann Angerhausen: Spuren der Theophanu in der ottonischen Schatzkunst? In: Kaiserin Theophanu. Prinzessin aus der Fremde - Des Westreichs große Kaiserin. Hg. v. Gunther Wolf. Köln: Böhlau Verlag GmbH & Cie 1991. S.264.

27 Müller-Wiegand: Vermitteln - Beraten - Erinnern. S.44.

28 Chryssanthi Mavropoulou-Tsioumis: Handschriften zur Zeit der Kaiserin Theophano. In: Byzanz und das Abendland im 10. und 11. Jahrhundert. Hg. v. Evangelos Konstsntinou. Köln: Böhlau Verlag GmbH & Cie 1997. S.293.

29 Eickhoff: Theophanu und der König: Otto III und seine Welt. S.36.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Theophanu, coimperatrix und augusta. Eine Frauenherrschaft im 10. Jahrhundert
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Geschichte und Gegenwart Alteuropas)
Veranstaltung
Geschichte und Anthropologie: Vormoderne Lebenswelten
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
18
Katalognummer
V364693
ISBN (eBook)
9783668444768
ISBN (Buch)
9783668444775
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Theophanu, consortium regni, Augusta, Ottonen, Otto II, Otto III, Kaisertum, Ostrom, Westreom, Byzanz, Heiratsurkunde, coimperatrix
Arbeit zitieren
Antje Klünder (Autor), 2012, Theophanu, coimperatrix und augusta. Eine Frauenherrschaft im 10. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/364693

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Theophanu, coimperatrix und augusta. Eine Frauenherrschaft im 10. Jahrhundert



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden