Die Transaktionsanalyse nach Eric Berne. Grundlagen, Persönlichkeitsinstanzen und psychologische Hintergründe


Hausarbeit, 2016
17 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlegung
2.1 Grundannahmen
2.2 Ziele

3 Persönlichkeitsinstanzen
3.1 Kind-Ich
3.2 Erwachsenen-Ich
3.3 Eltern-Ich

4 Transaktionen
4.1 Parallele Transaktion
4.2 Überkreuzte Transaktion
4.3 Verdeckte Transaktion

5 Psychologische Spiele

6 Resümee

Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Modelle der Ich-Zustände

Abb. 2: Parallele Transaktionen

Abb. 3: Beispiel Parallele Transaktion

Abb. 4: Überkreuzte Transaktionen

Abb. 5: Beispiel 1 Überkreuzte Transaktion

Abb. 6 Beispiel 2 Überkreuzte Transaktion

Abb. 7: Verdeckte Transaktionen

Abb. 8: Beispiel Verdeckte Transaktion

1 Einleitung

Im Rahmen der Vorlesung „Kommunikation und Personalführung“ befasst sich die folgende Hausarbeit mit der Transaktionsanalyse (TA) von Eric Berne. Dieses Thema besitzt seine Relevanz für den Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen aus dem Grund, dass in der Arbeitspraxis Konfliktmanagement betrieben und Verhandlungen geführt werden. Die TA hilft dabei, Handlungsalternativen zu erkennen und kritische Situationen zu klären. Durch das Verstehen der TA ist es außerdem möglich, ein bewussteres und autonomes Verhalten zu entwickeln, was wiederum zur Entwicklung der ganzen Persönlichkeit beitragen kann.

Ich habe das Thema TA gewählt, da ich die Vorstellung von verschiedenen Bewusstseinszuständen, aus denen heraus wir handeln, schon in der Theorie der Psychoanalyse sehr interessant fand. Die Fragestellung, ob diese Zustände schon fest durch unsere Erlebnisse in der Kindheit geprägt sind, oder ob diese sich noch durch aktuell Erlebtes und aktives Handeln verändern lassen, möchte ich mit dieser Ausarbeitung beantworten.

Erkennen zu können, aus welchem Zustand heraus der Gegenüber gerade kommuniziert und „richtig“ darauf reagieren zu können, scheint mir persönlich sehr nützlich zu sein, um Konflikte zu vermeiden. Ich selbst finde in meinem Umfeld eine verfahrene Konfliktsituation vor, die ich mir durch die Behandlung dieses Themas erhoffe verstehen und dann vielleicht auch lösen zu können.

2 Grundlegung

Die Transaktionsanalyse ist eine relativ junge Psychotherapierichtung. Sie ist vor allem von Eric Berne, einem Psychiater mit psychoanalytischer Lehrtherapie, Mitte der 50er Jahre entwickelt worden. Sie entstand aus einer Unzufriedenheit über die bestehenden Teile der Psychoanalyse heraus. Insbesondere die Behandlungsdauer von Patienten führte dazu, dass Berne eine Methodik entwickelte, welche nicht die völlige Neustrukturierung der Persönlichkeit zum Ziel hatte, sondern punktuell nach Problemlösungen suchte und für den Laien verständlich war.[1]

Häufig erkennt man bei spontanen Aktivitäten, dass Menschen plötzlich und unlogisch wechselnde kommunikative Verhaltensweisen an den Tag legen. Die TA soll bei der Aufklärung dieser Phänomene behilflich sein. Sie vertritt die Ansicht, dass diese Phänomene Ausdruck verschiedener „Ich-Zustände“ eines Menschen sind, die verschiedene Gedanken- und Verhaltensmuster innehaben. Unter dieser Annahme analysiert die TA die Kommunikation zwischen diesen verschiedenen „Ich-Zuständen“.[2]

2.1 Grundannahmen

In der TA gibt es Grundüberzeugungen zur Einstellung zum Menschen und zum Leben an sich. Die Wichtigste von Ihnen ist „Die Menschen sind in Ordnung“. Das bedeutet, dass man sich selbst so akzeptiert, wie man ist und man auch andere so akzeptiert wie sie sind. Als Mensch haben alle denselben Wert, auch wenn sich ihre Leistungen, Äußerlichkeiten etc. unterscheiden. Dies ist jedoch nicht mit dem Verhalten des Menschen zu verwechseln; Man akzeptiert den Gegenüber, aber nicht unbedingt das, was er tut.[3]

„Jeder hat die Fähigkeit zum Denken“[4], deshalb trägt auch jeder die Verantwortung für seine Entscheidungen und sein Tun, sofern er nicht körperlich beeinträchtigt ist.[5]

Der Mensch kann nicht nur eigene Entscheidungen treffen, sondern ist auch in der Lage diese später wieder zu ändern. Schon in der Kindheit hat man selbst in der Hand wie man sich entwickelt. Man hat sich für Strategien entschlossen, die für das Überleben in der von einem wahrgenommenen Welt sorgten. Eltern können einen zwar unter Druck setzen, doch ob man diesem nachgibt, sich gegen ihn auflehnt oder ihn ignoriert, liegt bei einem selbst. Gleiches gilt auch für Erwachsene. Das Umfeld kann nicht bewirken, dass jemand etwas Bestimmtes fühlt oder in bestimmter Weise handelt, dafür ist jeder selbst verantwortlich. Nachdem man sich für ein Verhaltensmuster entschieden hat, kann man dieses durch aktives Entscheiden immer wieder ändern.[6]

In der TA-Praxis sind noch zwei weitere Prinzipien von Bedeutung. Zum einen müssen sich Transaktionsanalytiker und Klient ihrer Aufgaben in dem Veränderungsprozess des Klienten bewusst sein. Sie schließen einen Vertrag über die Festlegung ihrer Verantwortung. Der Analytiker bringt so gut es ihm möglich ist sein fachliches Können ein und der Klient gibt preis, was er ändern will und bereit ist dafür zu tun.[7]

Zum anderen muss die Kommunikation vollkommen frei und offen sein. Das bedeutet der Klient gewährt dem Analytiker Einblick in seine Persönlichkeit und dieser wiederum macht den Klienten mit der TA-Theorie vertraut. Nur so können beide Parteien gleichberechtigt am Veränderungsprozess teilnehmen.[8]

2.2 Ziele

Oberstes Ziel der TA ist die Erreichung von Autonomie. Das bedeutet, dass für das eigene Denken, Handeln und Fühlen die Verantwortung übernommen wird. Berne sah in der TA die Möglichkeit als autonomer Mensch Bewusstheit, Spontanität und Intimität zu leben. Dazu gehört es, die Wirklichkeit so zu sehen, wie sie wirklich ist und sein Handeln entsprechend daran anzupassen, aber auch sich selbst zu erkennen, wie man wirklich ist, um daraufhin bewusster mit sich selber und anderen umgehen zu können.[9]

Infolge dessen sollte der Mensch nun angemessen reagieren, echte Gefühle zeigen und anderen aufrichtig begegnen können. Er entscheidet, was ihm wichtig ist und gestaltet dementsprechend seine Lebensumstände bewusster.[10]

3 Persönlichkeitsinstanzen

Ich-Zustände sind Bewusstseinszustände. Berne definiert diese als in sich geschlossene Muster von Fühlen und Erleben, welche in direktem Zusammenhang mit einem Verhaltensmuster stehen. Berne fand heraus, dass wir in der Kommunikation mit anderen zwischen diesen verschiedenen Zuständen wechseln. Deutlich wird dies durch die Wortwahl, dem Tonfall, der Mimik, Gestik, Körpersprache und auch dem Inhalt dessen, was wir sagen. Durch bestimmte Trigger (Schlüsselreize) werden diese Ich-Zustände bei den Menschen ausgelöst. Der Mensch wird so an den wirklichen Menschen, die wirkliche Zeit, den wirklichen Ort, wirkliche Entscheidungen und wirkliche Empfindungen erinnert und lässt diese in dem Moment neu aufleben.[11]

Man unterscheidet drei Ich-Zustände: Das Kind-Ich, das Erwachsenen-Ich und das Eltern-Ich. Vereinfacht dargestellt verhält man sich z.B. aus dem Kind-Ich gegenüber dem anderen Menschen so, wie ein Kind sich gegenüber einem Erwachsenen verhält. Das Erwachsenen-Ich verhält sich demgegenüber problembezogen rational und wohlüberlegt. Aus dem Eltern-Ich heraus verhält man sich gegenüber einem anderen Menschen so, wie Eltern sich gegenüber einem Kind verhalten.[12]

Berne beschreibt diese Zustände als Teile des Ichs und greift damit Freuds Strukturmodell der Psyche wieder auf. Hier gibt es große Ähnlichkeiten zwischen dem Über-Ich, dem Ich und dem Es.[13]

Folgendes Beispiel beschreibt den Ich-Zustands-Wechsel im Zusammenspiel bestimmter Trigger: Lisa steuert ihren Wagen durch den dichten Verkehr. Plötzlich überholt sie ein Wagen und zieht knapp an ihr vorbei. Sie erschreckt sich und reagiert, indem sie in ihren Rückspiegel schaut, ob alles frei ist und dann vorsichtig bremst, sodass ein Zusammenstoß vermieden werden kann. Sie ist die ganze Zeit im Erwachsenen-Ich geblieben, da der Schreck eine angemessene Reaktion auf die Gefahr war und sie dieser im Hier und Jetzt rasch reagieren lassen hat. Daraufhin schüttelt sie den Kopf und sagt vor sich hin „So etwas gehört aus dem Verkehr gezogen!“. Damit ist Lisa in ihren Eltern-Ich-Zustand gewechselt. Als sie noch klein war, hat sie oft neben ihrem Vater im Auto gesessen und miterlebt, wie dieser sich kopfschüttelnd über andere Autofahrer ärgerte. Sie fährt weiter zur Arbeit und bemerkt, dass sie zu einem Termin mit ihrem Chef spät dran ist. Sofort pocht ihr Herz und sie bekommt Panik. Diesmal ist Lisa in das Kind-Ich gewechselt, da alte Erinnerungen in ihr hochgekommen sind, in denen sie zu spät zur Schule kam und Angst vor einer Strafe vom Lehrer hatte.[14]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Modelle der Ich-Zustände

Quelle: Nach Schmidt (1987), S.15

Alle drei Ich-Zustände sind wertvoll und gehören zu einer vollwertigen Erwachsenen Persönlichkeit. Es ist wichtig die Grenzen zwischen den Ich-Zuständen zu klären und sich bewusst zu machen, wann welcher Bewusstseinszustand in der Kommunikation sinnvoll ist. Jeder Bewusstseinszustand hat positive und negative Ausprägungen und kann somit den Fluss der Kommunikation stärken oder behindern.[15]

3.1 Kind-Ich

Der Kind-Ich-Zustand ist ein aus der Kindheit beibehaltenes Verhaltensmuster, das im Laufe unseres gesamten Lebens immer wieder als „Kind im Manne/in der Frau“ zum Vorschein kommt. Hier befinden sich vor allem Wünsche, Bedürfnisse und Gefühle. In diesem Zustand handeln, denken und fühlen wir so wie wir es in unserer gesamten Kindheit getan haben. Im funktionalen Modell wird in drei Zuständen unterschieden:[16]

Im angepassten Kind-Ich befindet man sich im Wesentlichen, wenn man sich daran hält, was von einem erwartet wird. Das bedeutet, man ist zurückhaltend, fühlt sich schuldig, fürchtet sich und hält sich an vorgegebene Regeln.[17]

Das rebellische Kind-Ich hingegen tut genau das, was nicht von ihm gewünscht wird. Es ist egoistisch, trotzig und versucht seine eigenen Wünsche rücksichtslos durchzusetzen.[18]

Das freie Kind-Ich ist das natürliche Kind, das spielt, neugierig, spontan und direkt ist. Es verhält sich ganz unabhängig von den Wünschen anderer.[19]

3.2 Erwachsenen-Ich

Im Erwachsenen-Ich sind alle Erfahrungen abgespeichert, die man selbst bewusst erlebt und Konsequenzen daraus gezogen hat, ähnlich wie eine Datenbank in der sich alle sachlichen Informationen befinden. Es reagiert überlegt, sachbezogen, eher gefühlskalt und ist unter anderem nützlich bei Problemlösungen und Diskussionen. Wir ordnen dem Erwachsenen-Ich das Verhalten zu, dass auf die Situation im Hier und Jetzt reagiert und bei dem alle Möglichkeiten der Kommunikation eingebracht werden, die der Betreffende überhaupt hat. Diese werden letztendlich logisch abgewogen.[20]

3.3 Eltern-Ich

Das Eltern-Ich beinhaltet die Erinnerungen, die bis zu unserem fünften oder sechsten Lebensjahr von außen durch Eltern bzw. deren Stellvertretern, wie z.B. Großeltern, älteren Geschwistern, Lehrern herangetragen wurden. Im funktionalen Modell wird in zwei Zuständen unterschieden:[21]

Im kritischen Eltern-Ich sind alle Aufzeichnungen von ungeprüften übernommenen Normen, Geboten, Verboten, Prinzipien und auch Vorurteile mit den damit zusammenhängenden Ereignissen enthalten und tadelt dementsprechend oft.[22]

Das fürsorgliche Eltern-Ich ist sehr menschlich. Es fühlt mit, ermutigt und ist sehr hilfsbereit, was aber auch in übertriebener Fürsorge münden kann.[23]

[...]


[1] vgl. Henning/Pelz (21999), S.10f

[2] vgl. Eichler/Pankau (o.J.), Kap. 1.9

[3] vgl. Stewart/Joines (122014), S.28; Barrow/Newton (2004), S.Xf

[4] Stewart/Joines (122014), S.29

[5] vgl. Stewart/Joines (122014), S.29; Henning/Pelz (21999), S.14

[6] vgl. Stewart/Joines (122014), S.29; Henning/Pelz (21999), S.13f

[7] vgl. Stewart/Joines (122014), S.30; Henning/Pelz (21999), S.14

[8] vgl. Stewart/Joines (122014), S.30; Henning/Pelz (21999), S.14

[9] vgl. Henning/Pelz (21999), S.14

[10] vgl. Rautenberg, Werner/Rogoll, Rüdiger (202011), S.283

[11] vgl. Stewart/Joines (122014), S.39; Berne: Transactional Analysis (1961), S.30; Barrow/Newton (2004), S.14

[12] vgl. Schmidt, Rainer (1987), S.14; Barrow/Newton (2004), S.14

[13] vgl. Henning/Pelz (21999), S.28

[14] vgl. Stewart/Joines (122014), S.36

[15] vgl. Stewart/Joines (122014), S.52f

[16] vgl. Schmidt, Rainer (1987), S.21

[17] vgl. Schmidt (1987), S.21

[18] vgl. Schmidt (1987), S.21f

[19] vgl. Schmidt (1987), S.22f

[20] vgl. Schmidt (1987), S.19f

[21] vgl. Schmidt (1987), S.16f

[22] vgl. Schmidt (1987), S.17

[23] vgl. Schmidt (1987), S.17

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Transaktionsanalyse nach Eric Berne. Grundlagen, Persönlichkeitsinstanzen und psychologische Hintergründe
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
17
Katalognummer
V364697
ISBN (eBook)
9783668445628
ISBN (Buch)
9783668445635
Dateigröße
760 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Transaktionsanalyse, Eric Berne, Kommunikationsmodell, Ich-Zustände, Psychoanalyse
Arbeit zitieren
Sharina Alves (Autor), 2016, Die Transaktionsanalyse nach Eric Berne. Grundlagen, Persönlichkeitsinstanzen und psychologische Hintergründe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/364697

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