Schulz von Thuns Kommunikationsmodell. Möglichkeiten der Klärung bei Störungen auf den vier Ebenen


Hausarbeit, 2017

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Kommunikationsmodell Schulz von Thun
2.1 Der Schnabel des Senders
2.2 Das Ohr des Empfängers

3. Mögliche Störungen und Klärungen
3.1 Sachebene
3.2 Selbstoffenbarungsebene
3.3 Appellebene
3.4 Beziehungsebene

4. Zusammenfassung und Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die vier Seiten einer Nachricht

Abbildung 2: Sender und Empfängermodell

1. Einleitung

Eines der Handlungsformen des menschlichen Verhaltens sind Dialoge. Ein Gespräch soll dem gegenüber die eigenen Überlegungen übermitteln, um einen Austausch von Informationen zu ermöglichen.[1]

„Gut kommunizieren macht glücklich“ heißt es in einem Artikel der Zeit. Wenn ein Mensch kommuniziert, dann ist nicht nur der Sachliche Aspekt von Bedeutung, sondern auch wie etwas gesagt wird.[2] Es ist wichtig, welche verschiedenen verbalen Signale, also das gesprochene Wort und nonverbalen Signale, welche durch unter anderem die Körpersprache ausgedrückt werden, übermittelt werden sollen. Dabei müssen nicht immer alle Zeichen der Kommunikation bewusst geäußert werden.[3]

Jede Botschaft beinhaltet vier Ebenen die sowohl durch den Sender als auch den Empfänger bewusst oder unbewusst geäußert werden. Ein Sen- der ist der, der die Nachricht in einer Kommunikation formuliert und der Empfänger der, der die Nachricht erhält. Dieses Modell der Kommunikation auf vier Ebenen hat der Psychologe Friedemann Schulz von Thun entwi- ckelt. Er ist vor allem bekannt durch seine Werke „Miteinander reden“. Die Anatomie einer Nachricht besteht aus vier verschiedenen zu übertragenen Inhalten: Sachinhalt, Appellinhalt, Selbstoffenbarungsinhalt und Bezie- hungsinhalt.[4]

Schulz von Thun weist in seiner These darauf hin, dass Missverständnisse aufgrund der Struktur des Models fast unvermeidlich sind. Dabei können sich Störungen in der Kommunikation entwickeln, welche durch unter- schiedliche Wahrnehmungen entstehen. Der Sender sendet also eine Nachricht auf einer der vier Ebenen und erhält ein Feedback vom Empfän- ger, welches ebenfalls mit einem Inhalt der Ebenen bestückt ist. Sendet der Sender eine Nachricht nun auf einer anderen Ebene als der Empfänger diese empfängt, so besteht eine inkongruente Wahrnehmung der beiden Gesprächsteilnehmer, welches zu Störungen auf den verschiedenen Ebe- nen führen kann.[5]

Sodass eine Kommunikation „glücklich macht“, müssen Missverständnisse beziehungsweise Störungen beseitigt werden.

2. Das Kommunikationsmodell Schulz von Thun

Der Begriff „Kommunikation“ kommt aus dem lateinischen „Communicare“ und heißt „etwas gemeinsam machen, den anderen an etwas teilhaben lassen oder etwas miteinander teilen“. In der heutigen Zeit wird unsere Ge- sellschaft oft als Kommunikationsgesellschaft tituliert, welches die Bedeu- tung von Kommunikation unterstreicht. Ursprünglich wurde eine Kommuni- kation auch „Termini“ genannt und als reinen Übertrag von Informationen gesehen. Oft sind dabei Situationen z.B. zwischen Lehrer und Schüler oder Vorgesetzter und Mitarbeiter gemeint, die eine Art „Unterweisung“ beinhal- ten. Erst später erkannte man, dass eine Kommunikation nicht nur eine reine Informationsweitergabe ist, sondern, dass auch die Verarbeitung von Informationen eine Rolle spielt. Der ehemals dogmatische Prozess des Kommunizierens wird nun von mehreren Seiten betrachtet und kalkuliert die persönlichen Wissensstände der beteiligten Personen ein. Eine Kom- munikation wird nun vielmehr als Verfahren bzw. Handlung gesehen.

Um das Jahr 1940, mit der Entdeckung des Computers, wurde die „Kom- munikationswissenschaft“ geschaffen und mit dieser einige Modelle in der Kommunikation entwickelt. Diese beschäftigen sich mit der Weitergabe von Informationen, in Form von rechnerischen, vergleichbaren und einheitlichen Daten.

Im Jahre 1960 wurde durch die Erweiterung der bereits bestehenden Kenntnisse, ein Modell der Kommunikation entwickelt, welches in seeli- schen Heilungsmaßnahmen Zuspruch fand. Die Theorie nennt sich „die Transaktionsanalyse“ und wird heute in der Wirtschaftspsychologie ange- wendet.[6]

Durch Paul Watzlawick wurde 1969 die Kommunikationstheorie revolutioniert.[7] Watzlawick beschreibt die Kommunikation, durch die Formulierung seiner Axiome, als eine Interaktion. „Wer kommuniziert - interagiert gleichzeitig. Wer interagiert - kommuniziert gleichzeitig“.[8]

Die Tatsache, dass eine Kommunikation mehr als eine Seite hat, wird hier erstmals festgehalten. Schulz von Thun wollte aufbauend auf dieser These, ein praktisches Kommunikationsmodell entwickeln, welches alle zu berück- sichtigenden Seiten einer Interaktion beachtet. Nach der Herausstellung von verschiedenen Problembereichen, entstand 1977 das Modell „Vier Sei ten der Nachricht“.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Die vier Seiten einer Nachricht in Anlehnung an Schulz von Thun (2016), S. 15

In der Abbildung 1 sind die vier Seiten, die durch eine Nachricht codiert werden dargestellt. Der Sachaspekt, soll Informationen einfach und struk- turiert vermitteln. Wie die Kommunikation gestaltet wird und wie das Ver- halten auf andere wirkt, wird im Beziehungsaspekt dargestellt. Der Selbstoffenbarungsaspekt beschreibt, dass jeder Kommunikationspartner auch etwas von sich selbst aussagt. Jedes Individuum möchte durch die Interaktion auch etwas herbeiführen. Das ist der sog. Appellaspekt.

Um eine Konversation verbessern zu können, bezieht sich Schulz von Thun auf drei unterschiedliche Ansatzpunkte. Eine Möglichkeit ist der An- satz am Individuum, welcher die Verhaltensweisen an sich selbst entwickelt und auf andere projizieren soll. Da nicht nur Aspekte der einzelnen Person berücksichtigt werden sollten, wurde der „Ansatz an der Art des Miteinan- ders“ konstruiert.[9] Diese Theorie platziert die Problematik der Ausdrucks- weise nicht am Individuum, sondern der Gemeinschaft.[10] Durch die Er- kenntnis, dass Verhaltensweisen vorgegeben werden, entwickelte sich ein letzter Ansatz, welcher gesellschaftliche bzw. institutionelle Bedingungen berücksichtigen soll. Rückschlüsse dabei sind der Ansatz an einem selbst, wenn etwas verändert werden soll und die zusätzliche Weitergabe an das eigene Umfeld.[11]

2.1 Der Schnabel des Senders

Der Ablauf einer Kommunikation ist Grundsätzlich immer gleich. Dabei sendet der „Sender“ eine Information an den „Empfänger“. Die Information nennt sich dabei „Nachricht“. Die sog. Nachricht wird vom Sender verschlüsselt und vom Empfänger wieder entschlüsselt, sodass der Inhalt der Information verstanden werden kann. Der Adressat gibt dem Absender eine Reaktion auf das gesendete. So erhält der Absender eine Rückkopplung, ob die Nachricht beim Adressaten konkludent ankam.[12]

Mit dem Schnabel des Senders ist eine Unterteilung des gesprochenen in die vier verschiedenen Ebenen gemeint. Mit dem „Sachschnabel“ wird der sachliche Anteil einer Information transferiert.[13] Auf der Sachebene geht es vorrangig, um den nüchternen Inhalt des Übermittelten. Worüber möchte der Sender den Empfänger informieren? Eine sachliche Information kann ein Faktum, ein Standpunkt, eine Unstimmigkeit oder auch eine Mitteilung zu einem festgelegten Gedanken sein.

Bei der Selbstoffenbarung, gibt der Absender etwas von sich selbst kund. Er sendet sozusagen einen Teil seiner Persönlichkeit mit. Maßgeblich sind hierbei, die Gestaltung des gesagten, die Wortwahl und die unterstützende Körpersprache.[14] Erkennen lässt sich beispielsweise im Selbstoffenbarungsanteil, welche Sprache die Person spricht, wie die Situation konkret wahrgenommen wird oder Fakten wie, dass die Person wach und aufnahmefähig ist. Was durch die Selbstoffenbarung offen gelegt wird, kann sowohl bewusst als auch unbewusst passieren.

Durch die eingesetzte Wortwahl zeigt der Sender wie er zum Empfänger steht und was voneinander gehalten wird. Im Gegensatz zur Selbstoffenba- rung wird im Beziehungsaspekt die Rolle der Gemeinsamkeiten erklärt. Es geht hier primär darum, wie die Gesprächspartner miteinander umgehen. Z.B. ob sich die Kommunikationsmitglieder überhaupt kennen. Die Appellebene hingegen möchte den Empfänger zu einer Handlung be- wegen. Jede Mitteilung hat die Aufgabe eine Wirkung auf den Adressaten zu nehmen. Die Beeinflussung kann vom Sender bewusst, oder auch un- bewusst geschehen. In vielen Fällen ist es so, dass die Beziehungsebene zur „Manipulation“ zum Erreichen der Vermittlungsziele mit einbezogen wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Sender und Empfängermodell in Anlehnung an Schulz von Thun (2016), S. 15

Die Abbildung 2 zeigt die Verbindung aller vier Teile einer Nachricht. Der Zusammenhang kann unterschiedlich betrachtet werden.[15] In der These von Bühler (1943), werden der Selbstoffenbarungsaspekt, der Sachaspekt und der Appellaspekt gemeinsam, als die „Aspekte der Sprache“ beschrie- ben.[16] Watzlawick (1969) differenziert in seiner These hingegen, die Bezie- hung- und die Inhaltsebene. Unter die Kategorie Beziehung fallen der Be- ziehungsaspekt, der Selbstoffenbarungsaspekt und der Appellaspekt. Hin- gegen beinhaltet die Inhaltsebene, den Sachaspekt einer Nachricht.[17] Da die Nachricht in den genannten Modellen nicht als ganzes gesehen wird, sondern in verschiedene mögliche Problembereiche gegliedert wird, kann eine einfachere Gestaltung von Lösungsansätzen passieren.[18]

Eine Nachricht besteht aus unzähligen unterschiedlichen Meldungen oder Botschaften, deren Umfang nicht definiert ist. Eine Nachricht kann also sowohl eine lange Erklärung sein, als auch aus einem kurzen Wort beste- hen. Eine Botschaft unterscheidet sich durch explizite und implizite Inhalte. Explizite Nachrichten sind solche, die eindeutig umschrieben werden, wäh- rend implizite Nachrichten, nur indirekt ausgedrückt werden. Außerdem werden Mitteilungen nicht nur durch die Sprache selbst übermittelt, sondern auch durch Elemente der nonverbalen Kommunikation. Gegenstand der nonverbalen Anteile einer Nachricht ist bspw. die Artikulation, der Tonfall, die Stimmlage und die Körpersignale wie der Gesichtsausdruck oder das Verhalten. Die verbalen und nonverbalen Signale eines Gespräches kön- nen einander entgegnen (inkongruent), oder bestätigen (kongruent).[19] Durch das Modell von Wazlawick, wurde bestätigt, dass immer eine Kommunikation stattfindet. Die Aussage „Man kann nicht nicht kommunizieren“ belegt, dass selbst bei Schweigen eines Gesprächspartners etwas übermit- telt wird.[20]

Eine zusätzliche These erweitert dieses Modell und beschreibt die Bot- schaften als Zusammenstellung einzelner Elemente auf der Inhalts- und der Beziehungsebene. Die Nachrichten werden in unterschiedliche Berei- che qualifiziert. Es kann eine Qualifizierung durch die Situation, durch den Wortlaut, die Körpersprache oder die Artikulation erfolgen. Zudem wird in diesem Modell verdeutlicht, dass eine Nachricht unterschiedliche nicht übereinstimmende Signale senden kann und damit den Empfänger irritiert. Zusammengefasst gibt es viele mögliche Wege eine Nachricht zu verfas- sen und deren Inhalt zu bestimmen. Der Sender teilt sachliche Informatio- nen mit, es findet eine Art Selbstdarstellung statt, die Beziehung zum Emp- fänger wird offen gelegt und in der ein oder anderen Weise wird Einfluss auf das Verhalten des Adressaten genommen.[21]

2.2 Das Ohr des Empfängers

Da der Sender womöglich alle vier Seiten einer Nachricht bedient, also vier unterschiedliche Botschaften sendet, muss Empfänger in der Lage sein, die Inhalte zu kategorisieren und entsprechend reagieren zu können. Der Emp- fänger hat vier Ohren, mit denen er differenzierte Informationen wahrneh- men kann. Das Sachohr versucht den sachlichen Bestandteil der Mitteilung zu erfassen. Durch das Selbstoffenbarungsohr, stellt sich heraus was der Sender vom Empfänger hält. Welche Beziehung die Gesprächspartner wiederum zueinander haben, wird durch das Beziehungsohr offen gelegt. Wie der Empfänger die Informationen bewertet und was er daraus schließt, wird durch die Appellseite erklärt. Da der Adressat nicht immer alle Ohren zusammen einsetzen kann, werden einige der Botschaften verstärkt wahr- genommen, andere vernachlässigt. Dieser Effekt erschwert die menschli- che Kommunikation erheblich. Der Empfänger kann eine Botschaft so fil- tern, dass er nur das wahrnimmt, was für ihn notwendig ist und damit un- eingeschränkt darauf antworten. Das führt zu Störungen, wenn die Mittei- lung anders wahrgenommen wird, als sie gemeint war. Um dieses Phäno- men zu entkräften, müssten alle vier Botschaftsseiten in Summe berück- sichtigt werden.

[...]


1 Vgl. Schenk & Schenk (1998): S. 1

2 Vgl. Zeit (2016)

3 Vgl. Argyle (2013): S. 13- 15

4 Vgl. Schrameier (2015): S. 13- 14

5 Vgl. Janneck (2007) S. 44- 47

[6] Vgl. Ternes (2008), S. 20

[7] Vgl. Schulz von Thun (2016), S. 13

[8] Vgl. Watzlawick, P. (2016), Online

[9] Vgl. Schulz von Thun (2016), S. 14 f. Hervorhebung durch den Autor dieser Arbeit

[10] Vgl. Richter (1970)

[11] Vgl. Schulz von Thun (2016), S. 21 f.

[12] Vgl. Schulz von Thun (2016), S. 27 f.

[13] Vgl. Pöhlmann/Roethe (2004), S. 18 f.

[14] Vgl. Wahren (1987), S. 96

[15] Vgl. Schulz von Thun (2016), S. 33

[16] Vgl. Bühler (1934)

[17] Vgl. Watzlawick/ Beaven/ Jackson von Huber (1969)

[18] Vgl. Schulz von Thun (2016), S. 33

[19] Vgl. Schulz von Thun (2016), S. 37 f.

[20] Vgl. Watzlawick/ Beaven/ Jackson von Huber (1969)

[21] Vgl. Schulz von Thun (2016), S. 37 f.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Schulz von Thuns Kommunikationsmodell. Möglichkeiten der Klärung bei Störungen auf den vier Ebenen
Hochschule
Fachhochschule Südwestfalen; Abteilung Meschede
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
18
Katalognummer
V364712
ISBN (eBook)
9783668444904
ISBN (Buch)
9783668444911
Dateigröße
618 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kommunikation, Motivation, Führung, Schulz von Thun, Störungen, Kommunikationsmodell, Vier Ebenen, Vier Ohren, Vier Schnäbel, Klärung
Arbeit zitieren
Vanessa Frankmann (Autor), 2017, Schulz von Thuns Kommunikationsmodell. Möglichkeiten der Klärung bei Störungen auf den vier Ebenen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/364712

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Schulz von Thuns Kommunikationsmodell. Möglichkeiten der Klärung bei Störungen auf den vier Ebenen



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden