Seit Jahren bestimmen der Klimawandel, die zunehmende Erschöpfung der natürlichen Ressourcen und die Umweltzerstörung die politische Agenda auf nahezu allen Ebenen. Die Umweltproblematik ist zwar ein viel diskutiertes Thema, zu einer wirksamen Lösung dieser Probleme trägt das aber nicht zwangsläufig bei. In der Politikwissenschaft besteht ein großes Interesse daran, zu erkunden, auf welche Art das Erreichen umweltpolitischer Ziele am erfolgreichsten gelingen kann. Hierbei kommt der Ansatz der Ökonomisierung der Umweltpolitik ins Spiel, die bewusst eingesetzt wird, um eine effizientere Umsetzung politischer Ziele zu erreichen.
In der Umweltökonomie wird seit jeher darüber diskutiert, welches die richtigen umweltpolitischen Instrumente zur Lösung umweltpolitischer Aufgaben sind. Diese Arbeit bezieht sich dabei auf zwei theoretische Konzepte. Zum einen auf die von Arthur C. Pigou begründete Theorie der externen Kosten und die daraus hervorgehende Pigousche Steuerlösung, zum anderen auf das vielzitierte Werk „The Problem of Social Cost“ von Ronald Coase.
Der zweite Ansatz, das sogenannte Coase-Theorem, ist von besonderer Bedeutung für das Erkenntnisinteresse dieser Arbeit. Es sollen Beispiele untersucht werden, in denen die beiden vorgestellten Konzepte in der praktischen Umweltpolitik Anwendung finden. Hierzu werden zwei marktorientierte umweltpolitische Instrumente anhand ausgewählter Kriterien bewertet und miteinander verglichen. Zum einen die Ökologische Steuerreform in Deutschland (Öko-Steuer) zum anderen der EU-Emissionszertifikatehandel (EU-ETS). Diese beiden umweltpolitischen Instrumente eignen sich für einen Vergleich, weil es sich um zwei unterschiedlich konzipierte Lösungsansätze zur Internalisierung externer Kosten und einer stärkeren Kopplung der Umweltnutzung an den Markt-Preis-Mechanismus handelt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Problemstellung: Umwelt als öffentliches Gut
2.1 Umweltschäden aufgrund von Marktversagen
2.2 Das Entstehen von externen Effekten und ihre Folgen
3. Lösungsansätze zur Internalisierung externer Effekte
3.1 Coase-Theorem
3.1.1 Reziprozität
3.1.2 Annahmen
3.1.3 Zuweisung der Eigentumsrechte
3.1.4 Effizienz von Verhandlungen
3.2 Pigou`sche Steuerlösung
4. Fallbeispiele und Kriterien zur Beurteilung
4.1 Der EU-Emissionszertifikatehandel (EU-ETS)
4.2 Die Öko-Steuer in der Bundesrepublik Deutschland
4.3 Kriterien zur Beurteilung der Effizienz
5. Analyse der Fallbeispiele
5.1 Kriterium der Effizienz
5.2 Dynamische Anreizwirkung
5.3 Ökologische Treffsicherheit
6. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht, inwiefern die Art der Preissetzung einen Einfluss auf die Effizienz umweltpolitischer Instrumente hat. Dabei wird eine qualitative Analyse durchgeführt, um zu prüfen, ob marktorientierte Instrumente nach dem Coase-Theorem zu einer effektiveren Zielerreichung führen als Ansätze, die ohne diesen Mechanismus auskommen.
- Analyse des EU-Emissionszertifikatehandels (EU-ETS) als marktorientiertes Instrument
- Untersuchung der Öko-Steuer in der Bundesrepublik Deutschland
- Gegenüberstellung theoretischer Konzepte nach Pigou und Coase
- Bewertung anhand der Kriterien Effizienz, dynamische Anreizwirkung und ökologische Treffsicherheit
- Diskussion über das Potenzial von Instrumenten-Mixen in der Umweltpolitik
Auszug aus dem Buch
3.1 Coase-Theorem
Mit seinem 1960 erschienenen Essay „The Problem of Social Cost“ hat der Nobelpreisträger Ronald H. Coase für Aufsehen gesorgt. Im Gegensatz zu den bis dahin gängigen Lösungsansätzen, in denen der Staat Maßnahmen zur Internalisierung externer Effekte ergreifen soll, schlägt Coase eine Lösung des Externalitätenproblems auf dem Verhandlungsweg vor. Sein Lösungsvorschlag beinhaltet eine freiwillige Internalisierung. Diese soll dezentral durch private Verhandlungen zwischen Schädiger und Geschädigtem erfolgen und somit fehlende Märkte ersetzen und die Ressourcen pareto-effizient verteilen. (vgl. Balks 1995: 10) Es gibt sicherlich einige offensichtliche Probleme bei der Anwendung des Coase-Theorems in der umweltpolitischen Praxis, dennoch sind seine Ideen heutzutage ein wichtiger Bestandteil der Umweltökonomie und gelten als „Nukleus moderner Klimarettung“.(vgl. Klöckner 2013) Somit scheint es auch angebracht, das in die Jahre gekommene Coase-Theorem im Folgenden vorzustellen und im weiteren Verlauf dieser Arbeit hinsichtlich der Effizienz seiner Anwendung in der Umweltpolitik zu untersuchen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problematik des Klimawandels und Darlegung des Erkenntnisinteresses, die Effizienz marktorientierter Umweltinstrumente anhand der Theorien von Pigou und Coase zu vergleichen.
2. Problemstellung: Umwelt als öffentliches Gut: Theoretische Herleitung der Umwelt als öffentliches Gut und Erklärung, warum Marktversagen zu einer Übernutzung natürlicher Ressourcen führt.
3. Lösungsansätze zur Internalisierung externer Effekte: Vorstellung der theoretischen Konzepte zur Internalisierung, insbesondere das Coase-Theorem und die Pigou`sche Steuerlösung.
4. Fallbeispiele und Kriterien zur Beurteilung: Vorstellung des EU-Emissionszertifikatehandels und der Öko-Steuer sowie Definition der drei zentralen Bewertungskriterien.
5. Analyse der Fallbeispiele: Empirische Untersuchung und Vergleich der beiden Instrumente hinsichtlich ihrer Effizienz, Anreizwirkung und ökologischen Treffsicherheit.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Instrumente mit dem Ergebnis, dass der EU-ETS aufgrund des Preismechanismus effizienter abschneidet als die Öko-Steuer.
Schlüsselwörter
Umweltpolitik, Marktversagen, Externer Effekt, Coase-Theorem, Pigou-Steuer, EU-Emissionszertifikatehandel, EU-ETS, Öko-Steuer, Effizienz, Klimawandel, Nachhaltigkeit, Marktorientierte Instrumente, Umweltökonomie, CO2-Emissionen, Internalisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert den Einfluss verschiedener Preissetzungsmechanismen auf die Effizienz von umweltpolitischen Instrumenten im Kampf gegen den Klimawandel.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind die ökonomische Theorie der Internalisierung externer Effekte, der Vergleich zwischen Emissionshandel und Umweltsteuern sowie die Evaluierung umweltpolitischer Praxis.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es herauszuarbeiten, ob eine unterschiedliche Preissetzung Einfluss auf die Effizienz eines umweltpolitischen Instruments hat, insbesondere im Vergleich zwischen Coase'scher Verhandlungslösung und Pigou'scher Besteuerung.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine qualitative, vergleichende Analyse zweier Fallbeispiele (EU-ETS und Öko-Steuer) auf Basis wirtschaftstheoretischer Kriterien und bestehender Literatur durchgeführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Einbettung, die detaillierte Beschreibung der Fallbeispiele sowie deren vergleichende Bewertung anhand der Kriterien Effizienz, dynamische Anreizwirkung und ökologische Treffsicherheit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Schlüsselwörtern zählen Internalisierung externer Effekte, marktorientierte Instrumente, Emissionshandel, Öko-Steuer und wirtschaftliche Effizienz.
Warum wird der EU-ETS im Fazit positiver bewertet als die Öko-Steuer?
Der EU-ETS wird als erfolgreicher eingestuft, da er durch den marktgesteuerten Preismechanismus bei Zertifikaten stärkere Anreize für Innovationen und langfristige Effizienz bietet als die durch Ausnahmeregelungen geschwächte Öko-Steuer.
Welche Rolle spielt der sogenannte Leakage-Effekt bei der Bewertung?
Der Leakage-Effekt beschreibt, dass nationale oder regionale Umweltauflagen zur Verlagerung von Emissionen ins Ausland führen können, was die ökologische Treffsicherheit beider untersuchten Instrumente einschränkt.
- Quote paper
- Janik Horstmann (Author), 2016, Effizienz umweltpolitischer Instrumente: Hat die Art der Preissetzung Einfluss auf die Effizienz eines umweltpolitischen Instruments?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/364743