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Konzeptionalisierung des dritten Geschlechts. Die Hijras in Indien

Title: Konzeptionalisierung des dritten Geschlechts. Die Hijras in Indien

Term Paper (Advanced seminar) , 2014 , 16 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Sinja Lange (Author)

Ethnology / Cultural Anthropology
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Das Modell des dritten Geschlechts ist ein schon lange diskutierter Versuch, Personen, die weder Mann noch Frau sind, aus ihrem marginalisierten Status zu befreien. In Indien kämpft vor allem die Hijra-Gemeinschaft für die institutionelle Anerkennung ihrer Rechte. Sie zählen seit 3000 Jahren zur Kaste der Unberührbaren. Die Gesellschaft duldet sie zwar, doch ihnen wird keine Möglichkeit gewährt, gleichwertiges Mitglied dieser zu werden. Körperlich sind sie zumeist männlich, doch sie geben sich weibliche Namen und Verwandtschaftsbezeichnungen.

Eine Mischung aus beiden Geschlechtern ist wohl auch die naheliegendste Erklärung für das Erscheinungsbild der Hijras. Eine indische Kulturgemeinschaft alternativer Sexualität mit einer Tradition, die fast 3000 Jahre in die vedische Zeit zurückreicht. So lange gibt es ein Bewusstsein für marginalisierte Geschlechtsidentitäten und erst jetzt wird die institutionelle Anerkennung diskutiert? Was hat oder musste sich in diesem Zeitraum verändern?

Bevor ich diesen Fragen nachgehe, muss erst einmal geklärt werden, wer die Hijras eigentlich sind. Was zeichnet sie aus? Kann man sie mit unseren Intersexuellen vergleichen? Oder sind sie alle Eunuchen, wie man es in der Literatur des Kolonialismus liest? Passen unsere westlichen Konzepte, die das dritte Geschlecht hier konstituieren sollen, überhaupt auf die indische Definition ihrer Kategorie "Others"?

Zunächst werde ich also auf die Terminologie zur Beschreibung des dritten Geschlechts eingehen müssen, um auf dieser Grundlage die Geschichte und das Wesen der Hijra-Gemeinschaft schildern zu können. Hier werde ich auf die indische Mythologie eingehen, um die Wurzel des indischen Verständnisses zu verdeutlichen. Ich werde aufzeigen wie extrem die Differenz zwischen dem kolonialen Verständnis und unserem heutigen, postkolonialen und auf Subalternität bedachten Blickpunkt ist.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das dritte Geschlecht

2.1 Indische Ontologie und Mythologie

3. Definitionsversuch nach westlichen Kategorien

3.1 Koloniale Kategorisierung

3.2 Kategorien der Moderne und Queer- Studies

4. Narrative der Hijras

4.1 Eigenbezeichnung

4.2 Das Leben als Hijra allgemein

4.3 Gegenwärtige Individualitätsaspekte

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht das soziokulturelle Phänomen des dritten Geschlechts in Indien am Beispiel der Hijra-Gemeinschaft, analysiert die Diskrepanz zwischen westlichen Kategorisierungen und indischen Traditionen und hinterfragt die Rolle von Geschlechtsidentität im Kontext binärer Gesellschaftsmodelle.

  • Historische und mythologische Grundlagen der Hijra-Identität in Indien
  • Kritische Analyse kolonialer vs. moderner westlicher Fremdzuschreibungen
  • Die Bedeutung von Performanz, Askese und Initiationsriten für das Gemeinschaftsleben
  • Individuelle Narrative und die Herausforderungen der Identitätsfindung
  • Der gesellschaftliche Status und der Kampf um Anerkennung als marginalisierte Gruppe

Auszug aus dem Buch

2. Das dritte Geschlecht

Alle diejenigen Menschen, die sich weder als Frau noch als Mann identifizieren wollen oder können, haben die Möglichkeit sich zum dritten Geschlecht zu zählen. Karl Heinrich Ulrichs prägte diesen Begriff durch seine Konzeptionalisierung des Urnings, dessen weibliche Seele im männlichen Körper gefangen sei (Lautmann, S. 32-38). Im ausgehenden 20. Jahrundert wurde der Ausdruck für "Menschen nicht-westlicher Gesellschaften, deren biologisches und soziales Geschlecht weder männlich noch weiblich ist" neu eingeführt. "Ethnologische Feldforschungen zum Thema 'Geschlecht' in fremden Kulturen" ergaben, dass es in einigen Kulturkreisen Geschlechtsmodelle gebe, die offen mit den individuellen Präferenzen der Drittgeschlechtler umgehen. Sie spielen eine "besondere kulturelle Rolle" und übernehmen wichtige soziale Funktionen (Vgl. Kämmerer 2011, S. 44). Beispiele findet man überall auf dem Globus, von den nordamerikanischen Two-Spirits bzw. Berdache und den thailändischen Kathoey bis zu den albanischen Schwur-Jungfrauen bzw. Burrnehsha und omanischen Canith.

Das Konzept vom dritten Geschlecht ermöglicht den fließenden Übergang zwischen den starren Dichotomien Mann und Frau, weiblich und männlich, heterosexuell und homosexuell, und hat eine wichtige identitätsstiftendende Funktion für diejenigen, die sich nicht diesen Kategorien zuordnen können. Unser dominantes Paradigma des Zweigeschlechtermodells wird durch die Kategorie des dritten Geschlechts relativiert. Es gibt allerdings im zeitgenössischen wissenschaftlichen Diskurs keine exakte Definition für das dritte Geschlecht, sondern nur einzelne Bezeichnungen für verschiedene Andersartigkeiten4.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des dritten Geschlechts ein, erläutert die marginalisierte Situation der Hijra-Gemeinschaft und verknüpft diese mit dem Diskurs um Section 377 sowie queer-theoretische Ansätze.

2. Das dritte Geschlecht: Dieses Kapitel konzeptualisiert den Begriff des dritten Geschlechts jenseits binärer westlicher Modelle und ordnet ihn als kulturell vielfältiges Phänomen ein.

2.1 Indische Ontologie und Mythologie: Es wird die traditionelle indische Sichtweise auf das dritte Geschlecht beleuchtet, die tief in der hinduistischen Mythologie und Ikonografie verwurzelt ist.

3. Definitionsversuch nach westlichen Kategorien: Hier erfolgt eine Analyse der Schwierigkeiten, Hijras mit westlichen Begriffen wie Transvestit oder Intersexuell adäquat zu erfassen.

3.1 Koloniale Kategorisierung: Der Abschnitt dokumentiert, wie koloniale Zensus-Befragungen und Zuschreibungen die Wahrnehmung der Hijras als Eunuchen-Kaste prägten.

3.2 Kategorien der Moderne und Queer- Studies: Die Untersuchung hinterfragt, inwieweit moderne Queer-Studies-Begriffe wie "Transgender" zur Identität der Hijras passen oder sie erneut in westliche Schemata zwängen.

4. Narrative der Hijras: Dieses Kapitel stellt die Selbstsicht der Gemeinschaft in den Vordergrund und analysiert, wie diese ihre Identität konstruieren.

4.1 Eigenbezeichnung: Hier werden die spezifischen Selbstdefinitionen der Hijras, wie die "Nicht-Mann, nicht-Frau"-Identität, thematisiert.

4.2 Das Leben als Hijra allgemein: Der Werdegang eines Hijra, vom Initiationsritual bis zum alltäglichen Leben in der Gemeinschaft, wird detailliert dargestellt.

4.3 Gegenwärtige Individualitätsaspekte: Es wird diskutiert, wie moderne Hijras zwischen traditioneller Askese und einem selbstbestimmten, oft diskursiv spannungsreichen Leben navigieren.

5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Hijras eine notwendige Repräsentation für multiple Geschlechtsidentitäten bieten und ein Beispiel für einen notwendigen Paradigmenwechsel in der Geschlechterdiskussion darstellen.

Schlüsselwörter

Hijra, drittes Geschlecht, Gender, Queer-Studies, Indien, Mythologie, Kastration, Identität, Zweigeschlechtermodell, Marginalisierung, soziale Rolle, Performanz, Transgender, Intersexualität, Askese

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit behandelt die soziokulturelle Rolle und Identität der Hijra-Gemeinschaft in Indien als ein authentisches Beispiel für ein drittes Geschlecht, das jenseits binärer westlicher Konzepte existiert.

Welche zentralen Themenfelder werden in der Untersuchung adressiert?

Die zentralen Themen sind das indische Geschlechterverständnis, die Geschichte der Hijra-Kultur, die methodische Einordnung durch westliche Wissenschaftsdiskurse und die Bedeutung von Performanz und Ritualen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie das Modell des dritten Geschlechts die starren Dichotomien des westlichen Zweigeschlechtermodells relativiert und welche Bedeutung dies für die gesellschaftliche Anerkennung und Selbstidentität der Hijras hat.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?

Die Arbeit stützt sich primär auf die Auswertung ethnologischer Literatur, historischer Dokumente, Zensus-Berichte der Kolonialzeit sowie das theoretische Konzept von Judith Butler zur Geschlechtsidentität.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der mythologischen Wurzeln, die Kritik an kolonialen und modernen westlichen Kategorisierungen sowie eine detaillierte Darstellung der Lebensrealitäten, der Eigenbezeichnungen und der Initiationsriten der Hijras.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Hijra, drittes Geschlecht, Performanz, Marginalisierung, Askese und die kritische Auseinandersetzung mit dem Zweigeschlechtermodell charakterisiert.

Warum werden Hijras oft als "Eunuchen" bezeichnet?

Diese Bezeichnung entstammt primär kolonialen Zensus-Berichten des 19. Jahrhunderts, die den westlichen Blick auf indische soziale Gruppen projizierten, was der komplexen kulturellen Identität der Hijras jedoch nicht gerecht wird.

Welche Bedeutung hat das Kastrationsritual für die Hijra-Gemeinschaft?

Das Ritual (Nirvana) dient der religiösen Legitimierung durch die Göttin Bahuchara Mata, der Entsexualisierung und der Befreiung von niederen Trieben, was den Hijras eine spirituelle Sonderstellung innerhalb der indischen Gesellschaft verleiht.

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Details

Title
Konzeptionalisierung des dritten Geschlechts. Die Hijras in Indien
College
University of Leipzig
Grade
1,0
Author
Sinja Lange (Author)
Publication Year
2014
Pages
16
Catalog Number
V364789
ISBN (eBook)
9783668445109
ISBN (Book)
9783668445116
Language
German
Tags
Geschlecht Sexualität Hijra Indien Intersexualität Das dritte Geschlecht
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sinja Lange (Author), 2014, Konzeptionalisierung des dritten Geschlechts. Die Hijras in Indien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/364789
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