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Die rationalistische Erkenntnistheorie des Rene Descartes

Title: Die rationalistische Erkenntnistheorie des Rene Descartes

Intermediate Examination Paper , 2002 , 17 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Lars Plantholt (Author)

Philosophy - Philosophy of the 17th and 18th Centuries
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Mit Rene Descartes verbindet man nicht nur den Satz cogito, ergo sum und den Beginn der neuzeitlichen Philosophie. Im Besonderen gilt er als der Philosoph, der den Fragestellungen der Erkenntnistheorie auf dem als Rationalismus bezeichneten Wege zu einer universellen Antwort verhelfen wollte. Jene Problematik, die - vereinfacht - die Fragen aufwirft, welches das tatsächliche Verhältnis von Mensch und Welt sei, und welches die Möglichkeiten, Bedingungen und Grenzen der Erkenntnis seien1, waren für Descartes auch von maßgeblich praktischem Interesse. In vielseitigem Sinne Wissenschaftler und der scholastischen Tradition abgeneigt, war es sein Bestreben, allen Wissenschaften eine rational begründete sichere Basis und Methode zur Erkenntnisgewinnung zu verschaffen.

Auf den ersten Blick erscheint ein solches Unterfangen gegenüber empiristischen Theorien weniger nachvollziehbar. Zwar war die skeptische Auffassung, daß allein die sinnliche Wahrnehmung keine Gewißheit über Natur und Verhältnis von erkennendem Subjekt und erkanntem Objekt ermöglicht, schon seit der Antike begründet vertreten worden. Jedoch hat es erkennbar den außergewöhnlicheren Anschein, wenn der Lösungsversuch die Möglichkeit der sicheren Erkenntnis durch Sinneswahrnehmung nachhaltig verneint und vielmehr auf den Gebrauch der Vernunft als probates Mittel gründet. Es wird sichtbar, daß es Ziel dieser Arbeit sein soll, darzulegen, wie dieser besondere Lösungsversuch bei Descartes aussah, und welche Probleme dieser mit sich führt. Dabei wird vorab knapp auf die Frage einzugehen sein, wie seine Zielvorstellung und seine Auffassung von sicherer Erkenntnis sich auf die von ihm entwickelte Methode zur Gewinnung solcher auswirkte. Diese Methode soll anschließend an Hand der hierfür als zentral erachteten Passagen der cartesianischen Argumentation, namentlich dem ‚methodischen Zweifel‘, der ‚Hypothese des malin génie‘, dem ‚ersten Prinzip‘ und der ‚Gottesbeweise‘ des Descartes verfolgt und untersucht werden.

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1 Vgl. Gabriel, Gottfried: Grundprobleme der Erkenntnistheorie. Von Descartes zu Wittgenstein, Paderborn u.a. 1993, S. 20ff.; Artikel ‚Erkenntnistheorie‘, in: Metzler

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Descartes‘ Erkenntnisziel und Methode

2.1. Intuitiv erkannte Axiome

2.2. Der methodische Zweifel

2.3. Die Hypothese des malin génie

2.4. Die Bedeutung des cogito

2.5. Die Gottesbeweise

3. Kritik und Kartesischer Zirkel

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die rationalistische Erkenntnistheorie von René Descartes, mit dem Ziel, dessen Bemühen um eine sichere, vernunftbegründete Basis für die Wissenschaften sowie die damit verbundenen methodischen Herausforderungen darzulegen und kritisch zu hinterfragen.

  • Descartes' Erkenntnisziel und das Streben nach unerschütterlichen Urteilen
  • Die Funktion der Intuition und der deduktiven Methode
  • Der methodische Zweifel und die Hypothese des malin génie
  • Die fundamentale Bedeutung des cogito ergo sum
  • Die kritische Problematik des sogenannten Kartesischen Zirkels

Auszug aus dem Buch

2.3. Die Hypothese des malin génie

Während Descartes den Zweifel im Discours noch auf die grundsätzliche Unzuverlässigkeit des logischen Folgerns beschränkt, schließt er in den meditationes jene bis dato scheinbar notwendig wahren Axiome mit ein. Den erweiterten skeptischen Zweifel formuliert er dabei auf eine ausgesprochen metaphysische Weise.

Die Quelle des Zweifels liegt nun nicht mehr in seinen eigenen Unzulänglichkeiten, sondern er er wird getäuscht. Descartes stellt die Fiktion auf, daß es einen betrügerischen Gott geben könnte, der ihn nicht nur hinsichtlich der sinnlichen Wahrnehmung, sondern auch „sooft ich 2 und 3 addiere oder die Seiten des Quadrats zähle, oder was man sich noch leichteres denken mag“ täuschen kann. Durch den letzten Zusatz macht Descartes deutlich, daß es sich um einfachste bisher als subjektiv gewiß und somit notwendig wahr behandelte Urteile handelt, die einer solchen Täuschung unterliegen können.

Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, daß nicht das Vorhandensein gewisser Urteile oder Wahrnehmungsinhalte bezweifelt werden soll. Auch kann nicht sinnvoll die Gültigkeit einer analytischen Wahrheit, wie etwa die ‚Vierseitigkeit‘ eines Quadrats bezweifelt werden. Es geht Descartes hier zum einen um die Bezweifelbarkeit der Korrespondenz von Urteil und beurteiltem Sachverhalt, zum anderen können selbst durch einen betrügerischen allmächtigen Gott nicht die Wahrheiten selber verändert werden. Die mögliche Täuschung liegt in der potentiell fehlerhaften menschlichen Erfassung dieser Wahrheiten oder ihrer Wesensmerkmale.

Die Radikalität dieses ‚neuen‘ Zweifels durch die Hypothese eines solchen malin génie zeigt sich also in der Ausschaltung des Prinzips der Evidenz. Die subjektive Gewißheit kann nicht weiter als ein Kriterium der Wahrheit im Sinne objektiver Gültigkeit bezeichnet werden. Es stellt sich also die Frage, was und wie etwas einen derart umfassenden, zumindest potentiell gerechtfertigten skeptischen Angriff überhaupt überleben kann.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, ob und wie Descartes eine universell sichere Basis für wissenschaftliche Erkenntnisse mittels des Rationalismus etablieren wollte.

2. Descartes‘ Erkenntnisziel und Methode: Dieses Kapitel erläutert das Programm von Descartes, durch analytische Zerlegung und Intuition zu unerschütterlichen Axiomen und einer darauf aufbauenden deduktiven Wissenschaft zu gelangen.

2.1. Intuitiv erkannte Axiome: Es wird dargestellt, warum einfache Objekte der Vernunft intuitiv zuverlässiger erfasst werden können als durch empirische Erfahrung.

2.2. Der methodische Zweifel: Dieser Abschnitt beschreibt das Verfahren, durch radikale Skepsis alles bloß Wahrscheinliche auszuschließen, um zu unbedingt gewissen Urteilen zu gelangen.

2.3. Die Hypothese des malin génie: Hier wird der metaphysische Zweifel an der Zuverlässigkeit des menschlichen Erkenntnisvermögens durch die Fiktion eines betrügerischen Gottes analysiert.

2.4. Die Bedeutung des cogito: Der Abschnitt analysiert den Satz „Ich denke, also bin ich“ als das unerschütterliche Fundament, das selbst der radikalsten Skepsis standhält.

2.5. Die Gottesbeweise: Es wird untersucht, wie Descartes durch die Existenz eines wohlwollenden Gottes die Hypothese des betrügerischen Geistes zu entkräften versucht.

3. Kritik und Kartesischer Zirkel: Hier wird die zentrale Kritik behandelt, dass Descartes die Gültigkeit seiner Vernunftkriterien erst durch den Gottesbeweis stützt, diesen aber unter Voraussetzung ebendieser Kriterien führt.

4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Descartes' Projekt eines einseitigen Rationalismus zwar an der zirkulären Argumentation scheitert, seine Bedeutung für die Erkenntnistheorie aber dennoch unbestritten bleibt.

5. Literaturverzeichnis: Auflistung der primären Descartes-Ausgaben und der verwendeten Sekundärliteratur zur Arbeit.

Schlüsselwörter

René Descartes, Erkenntnistheorie, Rationalismus, methodischer Zweifel, cogito ergo sum, Intuition, malin génie, Gottesbeweise, Kartesischer Zirkel, Evidenz, Wissenschaftstheorie, philosophisches Fundament, Subjektivität, Wahrheit, Deduktion.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die erkenntnistheoretische Herangehensweise von René Descartes und untersucht, ob sein rationalistisches Programm erfolgreich eine sichere Basis für wissenschaftliche Erkenntnis begründen konnte.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Kernbereichen gehören das Verhältnis von Vernunft und Wahrheit, die methodische Skepsis, die Rolle von Intuition und Deduktion sowie die metaphysische Absicherung durch Gottesbeweise.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, Descartes' Ansatz der Erkenntnisgewinnung darzulegen und kritisch zu hinterfragen, warum sein Rationalismus letztlich an einem problematischen Fundament scheitert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine philosophische Untersuchung, die sich primär auf die Analyse der zentralen Schriften Descartes' (Regulae, Discours, Meditationen) und deren kritische Kommentierung stützt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Erläuterung des Erkenntnisziels, die methodischen Schritte (Zweifel, cogito) sowie eine ausführliche kritische Auseinandersetzung mit den Gottesbeweisen und dem Vorwurf des Zirkelschlusses.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Rationalismus, methodischer Zweifel, cogito ergo sum, malin génie, Evidenz und Kartesischer Zirkel.

Warum spielt die Hypothese des malin génie eine so große Rolle?

Sie radikalisiert den Zweifel so weit, dass selbst einfachste mathematische Wahrheiten in Frage gestellt werden, was Descartes zwingt, eine metaphysische Garantie in Form eines wohlwollenden Gottes zu suchen.

Was genau versteht man unter dem Vorwurf des Kartesischen Zirkels?

Der Vorwurf besagt, dass Descartes' Argumentation zirkulär ist, weil er sein Kriterium der klaren und deutlichen Einsicht benutzt, um die Existenz Gottes zu beweisen, während er die Zuverlässigkeit dieses Kriteriums gleichzeitig erst durch die Existenz Gottes begründen will.

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Details

Title
Die rationalistische Erkenntnistheorie des Rene Descartes
College
University of Münster  (Philosophisches Seminar)
Course
Proseminar
Grade
2,0
Author
Lars Plantholt (Author)
Publication Year
2002
Pages
17
Catalog Number
V36485
ISBN (eBook)
9783638360968
ISBN (Book)
9783638824118
Language
German
Tags
Erkenntnistheorie Rene Descartes Proseminar
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Lars Plantholt (Author), 2002, Die rationalistische Erkenntnistheorie des Rene Descartes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36485
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