Globaler Handel ist sowohl in der deutschen als auch der europäischen Welt bereits Standard. Ein Standard, der günstige Preise und unbegrenzte Möglichkeiten für Konsumenten mit sich bringt. Wir sind es gewöhnt, Obst und Gemüse jederzeit, auch außerhalb der Saison, erwerben zu können. Diese Entwicklung des Global Sourcings resultiert aus dem stetig wachsenden Preiskampf, in welchem Unternehmen sich ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern wollen.
Das Prinzip ist simpel: Die Produktion von Gütern und Dienstleistungen wird dorthin verlegt, wo die Arbeits- und Unterhaltskosten gering sind. „Im Alltag benutzen wir für diese uneingeschränkte Öffnung des Marktes über alle Kontinente und Ländergrenzen hinweg das Wort ‚Globalisierung‘.“ Die südlichen Länder sind in der Primärproduktion und dem Rohstoffverkauf tätig, wohingegen die nördlichen Länder den Schwerpunkt auf Dienstleistungen setzen. Diese Arbeitsteilung findet heute im internationalen Rahmen und in verstärkter Ausprägung statt.
In diesem Zuge wurden die Missstände der Arbeitsbedingungen für Plantagen- und Fabrikarbeiter bekannt: unzureichende Löhne, Kinderarbeit und Diskriminierung. Unter dem Begriff „Fairtrade“ haben es sich nationale und internationale Organisationen auf die Agenda geschrieben, Konsumenten auf die Folgen der Globalisierung aufmerksam zu machen sowie entsprechende Gegenmaßnahmen zu entwickeln. Maßnahmen, um das Ungleichgewicht zwischen den entwickelten und den weniger entwickelten Länder auszugleichen und um den globalen Handel in einen fairen Handel zu wandeln. Doch was ist fairer Handel?
Inhaltsverzeichnis
1. Fairtrade – wirkt und bewegt?
2. Marktentwicklung in Deutschland
3. Das Fairtrade-System
4. Praxisbeispiel: Lidl
5. Kritik
6. Fazit und Ausblick
7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Seminararbeit untersucht die Bedeutung und Wirksamkeit des Fairtrade-Systems im deutschen Einzelhandel, analysiert die Marktentwicklung unter Berücksichtigung von CSR-Aspekten und beleuchtet kritische Erfolgsfaktoren sowie Herausforderungen anhand der Praxisbeispiele und der aktuellen Marktsituation.
- Grundlagen des Fairtrade-Systems und dessen Zertifizierungsstrukturen
- Analyse der Marktentwicklung in Deutschland und des Trends zum bewussten Konsum
- Unternehmensverantwortung (CSR) als strategischer Faktor im Handel
- Praxisnahe Betrachtung von Fairtrade bei Discountern am Beispiel von Lidl
- Kritische Auseinandersetzung mit der Siegel-Flut und Transparenzproblemen
Auszug aus dem Buch
3. Das Fairtrade-System
„Eine Handelspartnerschaft, die auf Dialog, Transparenz und Respekt beruht und nach mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel strebt. Durch bessere Handelsbedingungen und die Sicherung sozialer Rechte von benachteiligte ProduzentenInnen und ArbeiterInnen – insbesondere in den Ländern des Südens – leistet der Faire Handel einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung.“
„Fairtrade“, englisch für Fairer Handel, beschreibt folgendes System: Eine sogenannte Siegelinitiative vergibt ein Label für fair gehandelte Produkte. Sie handelt nicht mit Waren, sondern nur mit Lizenzen. Fairtrade selbst definiert sich als ein internationales ethisches Zertifizierungssystem, mit dem Ziel, die Situation in benachteiligten Produzentenfamilien in Afrika, Asien und Südamerika durch gerechtere Handelsbeziehungen nachhaltig zu verbessern. Hauptakteur im Bereich Fairtrade ist die „Fairtrade Labelling Organizations International“ (FLO), heute Fairtrade International genannt. Weltweit sind 25 Siegelinitiativen (u.a. Max Haavelaar und Fairtrade Foundation) Mitglied dieser Non-Profit-Organisation, die seit 1997 mit Sitz in Bonn für fairen Handel agiert.
FLO hat internationale Standards ausgearbeitet, deren Einhaltung als Voraussetzung für einen Lizenzvertrag gelten. Zu diesen Standards gehört unter anderem die Festlegung eines Mindestpreises für Waren sowie eine Fairtrade-Prämie für Produzenten. Als Kontrollinstrument der FLO agiert die FLO-CERT GmbH, eine unabhängige Zertifizierungsorganisation, die nach den Richtlinien der ISO 17065 über den fairen Handel wacht und ihn kontrolliert. Das Aufgabenspektrum beinhaltet die Überprüfung der Einhaltung der Standards vor Ort beim Produzenten oder Händler sowie die finanziellen Abläufe wie die Auszahlung der Prämie.
Fairtrade in Deutschland – das ist vor allem der Verein TransFair, der sich mit rund 40 Mitarbeitern um etwa 3000 gesiegelte Produkte kümmert. Die Hauptaufgabe von TransFair ist die Vergabe des Fairtrade-Siegels. Unternehmen, Importeure und Exporteure können einen Lizenzvertrag abschließen, der sie unter Einhaltung der Fairtrade-Standards zur Nutzung des Siegels berechtigt. Bekannte Fairtrade-Partner sind in Deutschland beispielsweise die Lebensmittel-Einzelhandelsketten Kaufland und ALDI NORD.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Fairtrade – wirkt und bewegt?: Einleitung in die Problematik des globalen Handels und die Entstehung des Fairtrade-Begriffs als Korrektur von sozialen Missständen.
2. Marktentwicklung in Deutschland: Analyse des Wachstums des fairen Handels in Deutschland sowie der zunehmenden Bedeutung von Corporate Social Responsibility.
3. Das Fairtrade-System: Erläuterung der Organisationsstruktur von Fairtrade International, der Zertifizierungsprozesse und der zugrundeliegenden Standards.
4. Praxisbeispiel: Lidl: Untersuchung der Umsetzung von Fairtrade-Strategien bei einem großen Discounter anhand der Eigenmarke Fairglobe.
5. Kritik: Auseinandersetzung mit der Problematik der Siegel-Flut, Intransparenz und der Herausforderung durch Mischprodukte.
6. Fazit und Ausblick: Bewertung des aktuellen Stands und der Zukunftsperspektiven des fairen Handels im Kontext globaler Nachhaltigkeitsziele.
7. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Internetpublikationen.
Schlüsselwörter
Fairtrade, Handel, Globalisierung, Nachhaltigkeit, CSR, Corporate Social Responsibility, Zertifizierung, Fairtrade-Siegel, Einzelhandel, Produzenten, Mindestpreis, Fairtrade-Prämie, TransFair, Konsum, Mischprodukte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Rolle und Wirksamkeit des Fairtrade-Systems im deutschen Einzelhandel sowie die Herausforderungen, die mit der Zertifizierung und dem Vertrieb fair gehandelter Waren verbunden sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Marktentwicklung, der Funktionsweise des Fairtrade-Zertifizierungssystems, unternehmerischer Verantwortung (CSR) und der kritischen Reflexion über Gütesiegel.
Was ist das primäre Ziel dieser Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Fairtrade-System versucht, globale Handelsungerechtigkeiten zu mildern, und inwiefern der aktuelle Marktmechanismus sowie die Verbraucherwahrnehmung diese Entwicklung beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine deskriptive Seminararbeit, die auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von Branchenberichten, Studien und Praxisbeispielen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Marktentwicklung, eine detaillierte Beschreibung des Fairtrade-Systems, ein Praxisbeispiel zum Discounter Lidl sowie eine kritische Diskussion zur Glaubwürdigkeit und Transparenz der Siegel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Fairtrade, Globalisierung, Corporate Social Responsibility, Zertifizierung und nachhaltige Lieferketten definiert.
Welche Rolle spielt Lidl in dieser Arbeit?
Lidl dient als Praxisbeispiel, um zu veranschaulichen, wie ein Discounter durch Eigenmarken wie „Fairglobe“ versucht, fair gehandelte Produkte in den Massenmarkt zu integrieren.
Warum wird Kritik am aktuellen Siegel-System geübt?
Die Kritik entzündet sich insbesondere an der „Siegel-Flut“, die zu Verwirrung bei den Konsumenten führt, sowie an der Intransparenz bei sogenannten Mischprodukten.
Wie definiert Fairtrade seine Vision für die Zukunft?
Die Vision ist, dass Produzenten weltweit ein sicheres Leben führen können und durch faire Bedingungen in die Lage versetzt werden, Armut aus eigener Kraft zu überwinden.
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- Lena-Josefin Pres (Author), 2016, Fairtrade im deutschen Einzelhandel. Wie viel Wahrheit steht hinter dem Slogan "Fairtrade - wirkt und bewegt"?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/365272