Das Wort Projekt geht auf das lateinische Wort proicere zurück, das vorwerfen, entwerfen, hinauswerfen, vorauswerfen, planen, sich vornehmen bedeutet. Heute wird der Projektbegriff im Sinne von Plan, Entwurf oder Vorhaben verwendet, wobei die Verwirklichung der Planung beabsichtigt wird.1 Der Projektunterricht weist eine charakteristische Gestalt auf, die ihn von and erem Unterricht unterscheidet, ihm werden in der Literatur jedoch viele unterschiedliche Bedeutungen und Vorstellungen zugeordnet. Deshalb möchte ich mich an dieser Stelle nicht auf eine Beschreibung des Projektunterrichts beschränken, sondern unterschiedliche Definitionen von verschiedenen Autoren anführen.
Der Projektbegriff bezieht sich auf ein „konkretes, zeitlich und räumlich von anderem abgrenzbares Geschehen. Dieses Geschehen nimmt bei einem Problem seinen Ausgang und endet mit dessen Lösung. Das Projekt als konkretes zeitlich und räumlich abgrenzbares Geschehen fasst wie in einem Brennglas die geforderte Veränderung von Mensch und Welt zusammen und lässt sie exemplarisch sichtbar werden. (…) Es stellt ein pädagogisches Experiment dar, nämlich den geplanten Versuch, durch pädagogisches Handeln von Lehrern und Schülern Mensch und Welt höherzuentwickeln“.2 (Dewey, zitiert nach Hänsel) Projektunterricht „geht von einer problemhaltigen Aufgabe mit einem Produktziel aus. Dabei bestimmt die Projektgruppe durch plausibles und selbständiges Handeln den Weg und löst durch fächerübergreifendes und anwendungsorientiertes Handeln die gestellte Aufgabe in ihrer natürlichen Umgebung, d.h. meist außerhalb der Schule: ein Beitrag der Erziehung zum Handeln in einer demokratischen Gesellschaft“. 3 (Emer / Lenzen)
„Das Projekt ist eine bedeutsame praktische Tätigkeit, die Aufgabencharakter hat, von den Schülern in natürlicher Weise geplant und ausgeführt wird, die Verwendung physischer Mittel in sich begreift und die Erfahrung bereichert.“4
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1 Vgl. Lexikographisches Institut: Lexikon der Büchergilde in 20 Bänden. Parit – Rauh. München: Büchergilde Gutenberg 1975, S.4833.
2 Hänsel, Dagmar (Hrsg.): Handbuch Projektunterricht. Weinheim: Beltz 1997, S.70f.
3 Emer, Wolfgang / Lenzen, Klaus-Dieter: Projektunterricht gestalten – Schule verändern. Projektunterricht als Beitrag zur Schulentwicklung. Baltmannsweiler: Schneider Verlag 2002, S.11.
4 Lenzen, Dieter (Hrsg.): Pädagogische Grundbegriffe 2. Reinbek: Ernst Klett Verlag 1989, S.1273.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Was ist ein Projekt?
2. Die Projektkonzeption nach Dewey: Das Projekt als pädagogisches Experiment mit der Wirklichkeit
2.1 Einige Aspekte zur Biographie und Wirkungsgeschichte John Deweys
2.2 Die Projektmethode nach Dewey
3. Die Geschichte der Projektmethode – Historische Vorbilder
3.1 Die Anfänge der Projektmethode
3.2 Pragmatismus in den USA
3.3 Reformpädagogik in Deutschland
3.4 Innovationszeit (60er und 70er Jahre)
4. Projektunterricht heute
5. Projektformen
6. Inhalts- und methodenbezogene Aufgaben des Projektunterrichts
6.1 Inhaltsbezogene Aufgaben des Projektunterrichts
6.2 Methodenbezogene Aufgaben des Projektunterrichts
7. Projektmerkmale
7.1 Produkt- und Handlungsorientierung
7.2 Interdisziplinarität
7.3 Schülerorientierung
7.4 Situations- und Gesellschaftsbezug
7.5 Gemeinsame Organisation von Lernprozessen
8. Projektorientiertes Lernen – Projektorientierter Unterricht
9. Projektverlauf
9.1 Projektinitiative
9.2 Auseinandersetzung mit der Projektinitiative (Ergebnis: Projektskizze)
9.3 Entwicklung des Betätigungsgebietes (Ergebnis: Projektplan)
9.4 Verstärkte Aktivitäten im Betätigungsgebiet (Projektdurchführung)
9.5 Fixpunkte, Zwischengespräche und Metainteraktion
9.6 Abschluss des Projektes
10. Begründungszusammenhänge des Projektunterrichts
11. Ziele des projektorientierten Lernens
12. Schluss
Zielsetzung und Themenbereiche
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept des projektorientierten Unterrichts in der Schule, ausgehend von John Deweys pädagogischen Ansätzen bis hin zur heutigen Anwendung. Zentrale Forschungsfrage ist, wie diese Unterrichtsform definiert, historisch eingeordnet und praktisch in den Schulalltag integriert werden kann, um Lernprozesse nachhaltig zu gestalten.
- Historische Herleitung und theoretische Fundierung durch den Pragmatismus.
- Differenzierung von Projektformen und methodischen Vorgehensweisen.
- Analyse der Inhalts- und methodenbezogenen Aufgaben im Unterrichtsalltag.
- Diskussion zentraler Projektmerkmale wie Schülerorientierung und Interdisziplinarität.
- Reflexion über Zielsetzungen, Herausforderungen und Begründungszusammenhänge.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung: Was ist ein Projekt?
Das Wort Projekt geht auf das lateinische Wort proicere zurück, das vorwerfen, entwerfen, hinauswerfen, vorauswerfen, planen, sich vornehmen bedeutet. Heute wird der Projektbegriff im Sinne von Plan, Entwurf oder Vorhaben verwendet, wobei die Verwirklichung der Planung beabsichtigt wird.
Der Projektunterricht weist eine charakteristische Gestalt auf, die ihn von anderem Unterricht unterscheidet, ihm werden in der Literatur jedoch viele unterschiedliche Bedeutungen und Vorstellungen zugeordnet. Deshalb möchte ich mich an dieser Stelle nicht auf eine Beschreibung des Projektunterrichts beschränken, sondern unterschiedliche Definitionen von verschiedenen Autoren anführen.
Der Projektbegriff bezieht sich auf ein „konkretes, zeitlich und räumlich von anderem abgrenzbares Geschehen. Dieses Geschehen nimmt bei einem Problem seinen Ausgang und endet mit dessen Lösung. Das Projekt als konkretes zeitlich und räumlich abgrenzbares Geschehen fasst wie in einem Brennglas die geforderte Veränderung von Mensch und Welt zusammen und lässt sie exemplarisch sichtbar werden. (…) Es stellt ein pädagogisches Experiment dar, nämlich den geplanten Versuch, durch pädagogisches Handeln von Lehrern und Schülern Mensch und Welt höherzuentwickeln“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Was ist ein Projekt?: Einführung in die etymologische Herkunft des Projektbegriffs und erste Annäherung an dessen pädagogische Definition.
2. Die Projektkonzeption nach Dewey: Das Projekt als pädagogisches Experiment mit der Wirklichkeit: Detaillierte Betrachtung der Biographie John Deweys und seiner theoretischen Grundlegung der Projektmethode als experimentelles Lernen.
3. Die Geschichte der Projektmethode – Historische Vorbilder: Analyse der historischen Entwicklung, von den Anfängen im 18. Jahrhundert bis zur Reformpädagogik und den Innovationsphasen der 60er/70er Jahre.
4. Projektunterricht heute: Untersuchung der Gründe für die aktuelle Relevanz und Beliebtheit von Projektunterricht trotz fehlender einheitlicher Theoriefassung.
5. Projektformen: Klassifizierung von Projekten anhand inhaltlicher, zeitlicher und organisatorischer Kriterien.
6. Inhalts- und methodenbezogene Aufgaben des Projektunterrichts: Darstellung der dualen Struktur des Projektunterrichts, unterteilt in eine inhaltliche und eine methodische Dimension.
7. Projektmerkmale: Beschreibung zentraler Qualitätskriterien wie Produktorientierung, Interdisziplinarität und Schülerorientierung.
8. Projektorientiertes Lernen – Projektorientierter Unterricht: Abgrenzung der verschiedenen Begriffe wie Projektmethode, Projektunterricht und projektorientiertes Lernen.
9. Projektverlauf: Beschreibung eines idealtypischen Phasenmodells für die Durchführung von Projekten in der Schule.
10. Begründungszusammenhänge des Projektunterrichts: Argumentation für Projektunterricht aus gesellschaftlicher, individueller und bildungstheoretischer Sicht.
11. Ziele des projektorientierten Lernens: Auflistung der angestrebten Kompetenzgewinne für Schüler durch projektorientiertes Arbeiten.
12. Schluss: Kritische Reflexion der Gelingensbedingungen sowie der Herausforderungen bei der Integration von Projekten in den schulischen Alltag.
Schlüsselwörter
Projektunterricht, Projektmethode, John Dewey, Reformpädagogik, handlungsorientiertes Lernen, Schülerorientierung, Interdisziplinarität, pädagogisches Experiment, Projektverlauf, Lernprozess, Selbsttätigkeit, Sozialkompetenz, Schulentwicklung, Demokratieerziehung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit widmet sich dem Konzept des projektorientierten Unterrichts in der Schule. Sie beleuchtet dessen theoretische Wurzeln, historische Entwicklung sowie die praktische Umsetzung und Bedeutung im modernen Bildungssystem.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den Schwerpunkten zählen die Projektkonzeption nach John Dewey, die historische Einordnung der Projektmethode, die Differenzierung von Projektformen sowie die methodischen und inhaltlichen Anforderungen an Lehrkräfte und Schüler.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, ein tiefgreifendes Verständnis für Projektunterricht zu schaffen, seine Merkmale präzise zu definieren und den Nutzen für die individuelle und gesellschaftliche Entwicklung der Schüler aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturgestützte theoretische Arbeit, die zentrale pädagogische Diskurse, Definitionen und historische Konzepte renommierter Autoren zusammenführt und analysiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in historische Vorbilder, die Phasen des Projektverlaufs, die Erläuterung spezifischer Projektmerkmale und die Begründungszusammenhänge für diese Unterrichtsform.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind neben „Projektunterricht“ vor allem „Schülerorientierung“, „Handlungsorientierung“, „John Dewey“, „Interdisziplinarität“ und „soziales Lernen“.
Inwieweit spielt die Rolle des Lehrers im Projektunterricht eine besondere Rolle?
Der Lehrer wandelt seine Rolle vom reinen Wissensvermittler zum Informanten, Koordinator und Mitglied der Lerngruppe, der Lernprozesse anregt, anstatt sie ausschließlich zu steuern.
Warum wird Projektunterricht oft als „pädagogisches Experiment“ bezeichnet?
Da Projekte die Grenzen des traditionellen, lehrerzentrierten Unterrichts überschreiten und versuchen, durch handelndes Lernen eine unmittelbare Verbindung zur Lebenswirklichkeit und gesellschaftlichen Praxis herzustellen, stellt jede Projektdurchführung eine pädagogische Ausnahmesituation dar.
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- Kathrin Morawietz (Author), 2005, Projektorientierter Unterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36532