Bei dieser Seminararbeit geht es um eine Analyse eines Geschichtslehrbuches.
Die Analyse erfolgt unter dem Gesichtspunkt der Auswahlproblematik in Bezug auf die Inhalte.
Was sollen Schülerinnen und Schülern (SuS) im Geschichtsunterricht (GU) lernen? Diese Frage nach der Auswahl von Inhalten ist eine Kerndisziplin der Geschichtsdidaktik (GD) und beschäftigt diese seit Langem. Es gibt viele geschichtliche Sachverhalte, die im GU bedeutend sein können. Die Narration der Vergangenheit ist deshalb ein unendliches Unterfangen. Infolgedessen ist die Frage, was SuS aus dieser Fülle an Sachverhalten lernen sollen, sehr anspruchsvoll zu beantworten, sodass sich ein Problem bei der Auswahl von Inhalten herauskristallisiert. Aufgrund der hohen Anforderungen an den praxisorientierten Unterricht, die sich bezüglich des Zeitrahmens und der kompetenzorientierten Richtung des GUs ergeben, bedarf es einer Reduktion von Inhalten. Dieses Auswählen von Inhalten übernehmen verschiedene Instanzen: Einerseits gibt es von staatlicher Seite curriculare Vorgaben, die neben den zu vermittelnden Kompetenzen auch die inhaltlichen Vorgaben im GU festlegen. Auf der praxisorientierteren Ebene erfolgt eine Selektion von Inhalten durch den Lehrer einerseits und das Medium Schulbuch andererseits.
Diese Arbeit fokussiert die Auswahl der Inhalte im Schulbuch. Anhand zweier Schulbücher des zehnten Jahrgangs soll untersucht werden, inwiefern sich die Auswahlproblematik in diesem Medium manifestiert. Um eine tiefgehende Analyse zu gewährleisten, grenzt diese Seminararbeit den inhaltlichen Rahmen auf das curriculare Rahmenthema des Nationalsozialismus ein. Der konkrete Untersuchungsschwerpunkt ist die Frage, inwiefern sich die Auswahlproblematik in Schulbüchern am Beispiel des kerncurricularen Rahmenthemas „Zeit des Nationalsozialismus – Ideologie und Herrschaftspraxis“ für die 10. Klasse an Gymnasien manifestiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die aktuelle Forschungslage
3. Theoretische Grundlagen
3.1 Die Auswahlproblematik im Geschichtsunterricht
3.2 Theorie des historischen Denkens
4. Die Auswahlproblematik in den Schulbüchern – ein Vergleich
4.1 Untersuchungsschwerpunkt
4.2 Die qualitative und quantitative Analyse von Schulbüchern in Bezug auf die Auswahlproblematik von Inhalten
4.2.1 Quantitative Analyse
4.2.2 Qualitative Analyse
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die geschichtsdidaktische Herausforderung der Auswahl von Inhalten in Schulbüchern. Anhand des Rahmenthemas „Zeit des Nationalsozialismus – Ideologie und Herrschaftspraxis“ für die 10. Klasse an Gymnasien analysiert der Verfasser, inwiefern Schulbücher eine Reduktion vornehmen und wie diese Auswahl die Förderung historischer Denkleistungen beeinflusst.
- Die Auswahlproblematik im Geschichtsunterricht als Kerndisziplin der Geschichtsdidaktik
- Theoretische Fundierung des historischen Lernens und Denkens (Jeismann/Gautschi)
- Vergleichende quantitative Schulbuchanalyse zur Darstellung ausgewählter Themenkomplexe
- Qualitative Analyse der Aufgabenstellungen hinsichtlich der Förderung von Sachanalyse, Sachurteil und Werturteil
- Spannungsfeld zwischen curricularen Vorgaben und der fachdidaktischen Reduktion von Inhalten
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Auswahlproblematik im Geschichtsunterricht
Das Fach Geschichte gilt als Fach, in dem es auf das reine Auswendiglernen von Fakten ankomme. Der GU ist auch heute noch auf diesen Erwerb ausgerichtet. Die Inhalte, mit denen sich die SuS auseinandersetzen, werden einfach auswendig gelernt, ohne sie kritisch zu hinterfragen; leider ist dies häufig im Alltag noch so. Dieses deklarative Wissen, welches durch die Inhalte vermittelt wird, führt dazu, dass der Geschichtsunterricht vor der Herausforderung steht, aus dem großen Katalog an historischen Sachverhalten die relevanten Inhalte herauszufiltern. Diese Auswahlproblematik von Inhalten, die sich aufgrund der Stofffülle ergibt, soll nun kurz erläutert werden. Mit der Auswahl ist die gezielte Selektion bestimmter Sachverhalte gemeint. Es müssen eindeutige Auswahlkriterien legitimiert und formuliert werden. Gleichwohl sei bei diesem Prinzip immer angemerkt, dass einzelne Aspekte herausgegriffen und andere ignoriert werden müssen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problematik der Inhaltsauswahl im Geschichtsunterricht und Darlegung der Zielsetzung, zwei Schulbücher hinsichtlich dieses Themas vergleichend zu untersuchen.
2. Die aktuelle Forschungslage: Überblick über die Schulbuchforschung und deren Bedeutung für das historische Lernen sowie die Konzeption moderner Lehrwerke als "Multi-Media-Pakete".
3. Theoretische Grundlagen: Definition der Auswahlproblematik sowie Darstellung des Modells des historischen Denkens und Lernens nach Jeismann und Gautschi zur Legitimation der Inhaltsauswahl.
4. Die Auswahlproblematik in den Schulbüchern – ein Vergleich: Darstellung der methodischen Vorgehensweise bei der Untersuchung und anschließende Präsentation der Ergebnisse der quantitativen und qualitativen Analyse.
5. Fazit: Zusammenfassende Erkenntnisse über das Spannungsfeld zwischen curricularen Vorgaben und der Auswahl in Schulbüchern sowie Ausblick auf zukünftige geschichtsdidaktische Anforderungen.
Schlüsselwörter
Geschichtsdidaktik, Auswahlproblematik, Schulbuchanalyse, Nationalsozialismus, historisches Denken, Sachanalyse, Sachurteil, Werturteil, Geschichtsbewusstsein, Kompetenzorientierung, Kerncurriculum, deklaratives Wissen, prozedurales Wissen, Inhaltsreduktion, Lehrplan.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der geschichtsdidaktischen Herausforderung der Inhaltsauswahl im Geschichtsunterricht und der Frage, wie Schulbücher mit der Stofffülle umgehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Zentrum stehen die theoretischen Grundlagen des historischen Lernens, die methodische Analyse von Schulbüchern und die praktische Untersuchung am Beispiel des Rahmenthemas „Nationalsozialismus“.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie sich die Auswahlproblematik in Schulbüchern manifestiert und inwiefern die gewählten Inhalte historische Lernprozesse fördern.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Der Autor führt eine vergleichende Schulbuchanalyse durch, die sowohl quantitative Methoden (Frequenz- und Raumanalyse) als auch qualitative Analyseschritte (nach Anforderungsbereichen) kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Konzepte von Jeismann und Gautschi und überträgt diese auf eine konkrete, vergleichende Untersuchung zweier Schulbücher des 10. Jahrgangs.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Geschichtsdidaktik, Auswahlproblematik, Schulbuchanalyse und Kompetenzorientierung beschreiben.
Warum spielt das „Werturteil“ bei der Analyse eine so zentrale Rolle?
Das Werturteil ist eine essenzielle Komponente eines reflektierten Geschichtsbewusstseins; die Arbeit kritisiert, dass viele Schulbücher dieses Potenzial der Inhalte zugunsten reiner Wissensvermittlung vernachlässigen.
Welches Fazit zieht der Verfasser bezüglich der untersuchten Schulbücher?
Die Schulbücher reduzieren Inhalte zwar notwendigerweise, vernachlässigen dabei jedoch häufig die tiefergehende Förderung historischer Urteils- und Reflexionskompetenzen, indem sie bei einer überwiegend deklarativen Wissensvermittlung verbleiben.
- Citar trabajo
- Reiner Eilers (Autor), 2017, Wie manifestiert sich die Auswahlproblematik in Schulbüchern des kerncurricularen Rahmenthemas „Zeit des Nationalsozialismus – Ideologie und Herrschaftspraxis“ für die 10. Klasse an Gymnasien?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/365436