Zurückgehend auf Hannah Arendt arbeitet Klaus Dörre die Landnahmethese des Kapitalismus auf und spezifiziert diese. Nach dieser These besitzt der Kapitalismus einen Expansionszwang, indem er nicht-kapitalistische Felder erobert und es schafft, weitere Felder zu produzieren, um diese wiederum zu erobern.
In der Hausarbeit wird diese These anhand des Finanzmarktkapitalismus von Paul Windolf und der Euro-Krise mit dem Fallbeispiel Griechenland verdeutlicht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Theorie der Landnahme des Kapitalismus
2.1 Der Kapitalismus-Begriff
2.2 Die Landnahme-These
2.3 Finanzmärkte ein Ergebnis der kapitalistischen Expansion
3. Die Krise der EU
3.1 Die Subprime-Krise
3.2 Die Euro-Krise
3.3 Das Fallbeispiel Griechenland
4. Die Euro-Krise – ein Ergebnis kapitalistischer Landnahme
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Finanz- und Eurokrise auf Basis der Theorie der „Landnahme des Kapitalismus“ von Klaus Dörre. Dabei wird untersucht, inwieweit das kapitalistische System durch die Erschließung neuer, nicht-kapitalistischer Felder und die Expansion in Finanzmärkte Instabilitäten und Krisen provoziert.
- Die Theorie der Landnahme des Kapitalismus nach Klaus Dörre
- Die Transformation des Finanzmarkt-Kapitalismus und die Rolle des fiktiven Kapitals
- Ursachen und Verlauf der Subprime-Krise sowie deren Auswirkungen auf die Eurozone
- Das Fallbeispiel Griechenland als Krisensymptom und Ergebnis politischer Interventionen
- Die kritische Bewertung des Primats der Ökonomie gegenüber der Politik
Auszug aus dem Buch
2.3 Finanzmärkte ein Ergebnis der kapitalistischen Expansion
In der Realökonomie werden Güter und Dienstleistungen getauscht und ihre Produktion, Funktionen und Nutzen müssen sich am Markt etablieren und bewähren, ihr Prinzip ist vergangenheitsorientiert. Auf Finanzmärkte hingegen werden Zahlungsversprechen gehandelt, also Erträge, die in der Zukunft erwirtschaftet werden. Gehandelt werden also Erwartungen in die Zukunft, das Prinzip ist zukunftsorientiert (Windolf 2005: 25f). Ziel der Finanzmärkte ist die Risikostreuung, durch Akteure wie Investmentfonds. In diesen agieren viele Eigentümer von Aktien gemeinsam mit der Intention, dass Machstreben und somit eine unverhältnismäßige Risikobereitschaft von einzelnen Spitzenmanagern zu reduzieren (Dörre 2009: 57). Hieraus entstand jedoch das Shareholder Value. Denn die Investmentfonds standen durch die Globalisierung der Finanzmärkte untereinander in Konkurrenz um die höchstmögliche erwirtschaftete Rendite, diesen Druck übertrugen sie auf die Unternehmen und das Management, die sich nur noch an den Aktienkurs und an den höchstmöglichen Renditen orientierten (Windolf 2005: 52). Der Unterschied liegt hier u.a. in den Finanzinstitutionen, im organisierten Kapitalismus versuchten diese die Konkurrenz abzuschwächen, im Kapitalismus der Finanzmärkte schaffen diese Institutionen zusätzlich eine verschärfte Konkurrenz (Windolf 2005: 25).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des wirtschaftlichen Wachstumsstrebens ein und formuliert die Hypothese, dass die Krise der EU als Folge kapitalistischer Landnahme zu verstehen ist.
2. Die Theorie der Landnahme des Kapitalismus: Dieses Kapitel erörtert die Grundlagen der Theorie von Klaus Dörre, definiert den Kapitalismusbegriff und erläutert die Mechanismen, durch die das System zur Selbsterhaltung in neue Gebiete expandiert.
3. Die Krise der EU: Der Hauptteil analysiert die Ursachen der europäischen Krise, beginnend mit der Subprime-Krise, und schildert den Verlauf sowie das spezifische Fallbeispiel Griechenland.
4. Die Euro-Krise – ein Ergebnis kapitalistischer Landnahme: Hier wird die Eurokrise abschließend auf die theoretischen Grundlagen zurückgeführt und das Primat der Ökonomie über die Politik kritisch reflektiert.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert die Anwendbarkeit der Theorie auf postmoderne Phänomene sowie die Grenzen des kapitalistischen Erklärungsmodells.
Schlüsselwörter
Landnahme, Kapitalismus, Eurokrise, Finanzmärkte, Klaus Dörre, Shareholder Value, Griechenland, Eurozone, Subprime-Krise, Staatsverschuldung, Akkumulation, Privatisierung, Troika, Wirtschaftssystem, Wachstumszwang.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die wirtschaftliche Krise der EU und deren Ursachen unter der soziologischen Perspektive der „Landnahme des Kapitalismus“ von Klaus Dörre.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Expansionslogik des Kapitalismus, die Rolle der globalen Finanzmärkte und deren Auswirkungen auf die Stabilität von Nationalstaaten innerhalb der Eurozone.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, ob die wirtschaftliche Krise der EU als ein makro-strukturelles Problem zu verstehen ist, das aus der fortwährenden kapitalistischen Landnahme resultiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, bei der existierende soziologische Konzepte (Dörre, Arendt, Luxemburg) auf aktuelle wirtschaftspolitische Ereignisse der Eurokrise angewandt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung des Kapitalismusbegriffs, eine Beschreibung der Finanzmarktdynamiken und eine narrative Fallstudie zur Eurokrise und zum Rettungsprozess in Griechenland.
Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit besonders?
Die Arbeit ist stark geprägt von Begriffen wie „Landnahme“, „fiktives Kapital“, „Shareholder Value“ und „Primat der Ökonomie“.
Wie bewertet der Autor die Rolle Griechenlands in der Krise?
Griechenland wird als konkretes Fallbeispiel angeführt, an dem sich zeigt, wie das kapitalistische System durch Sparauflagen und Interventionen auf politisch-demokratische Prozesse expandiert und diese für sich umformt.
Wird die Theorie der Landnahme als universell gültig dargestellt?
Nein, der Autor schränkt ein, dass die Theorie lediglich eine „Ist-Situation“ beschreibt und keine absolute Meta-Theorie darstellt; Alternativen zum Kapitalismus hält der Autor für prinzipiell vorstellbar.
- Arbeit zitieren
- Simon Brixius (Autor:in), 2016, Die Euro-Krise als Folge kapitalistischer Expansion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/365450