Der islamische Fundamentalismus als ein politisches Phänomen


Masterarbeit, 2017
69 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

Einleitung

1. Weltreligionen
1.1 Das Christentum
1.1.1 Die Lehre von Jesu Christus
1.2 Der Buddhismus
1.2.1 Die Lehre von Buddhas
1.3 Der Islam
1.3.1 Die Lehre von Mohammeds
1.4 Zusammenfassung

2. Der Fundamentalismus in Religionen
2.1 Das protestantische Beispiel (USA)
2.2 Das Buddhistische Beispiel (Myanmar)
2.3 Das islamische Beispiel
2.4 Zusammenfassung

3.Fazit

4.Literaturverzeichnis

Einleitung

Die moderne Welt zeichnet sich durch die Tendenzen der weltweiten Demokratisierung, der Globalisierung und der Stärkung der unterschiedlichen Formen der kulturellen Identität, einschließlich der religiösen Identität aus. Die religiöse Wahrnehmung der Welt war in fast jeder Zivilisation immer einen wichtigen Faktor des gesellschaftlichen Lebens. Sie war sowohl als ein wichtiges Bindeglied der sozialen Integration, als auch ein signifikanter Katalysator für die verschiedenen Konflikte. Heutzutage kann man beobachten, wie stark der Einfluss der religiösen Überzeugungen in den zahlreichen Gesellschaften der islamischen Welt ist. Diese Überzeugungen führen oft zu den religiösen und nicht zuletzt politischen Konflikten, die in einer globalisierten Welt ein globaler Maßstab einnehmen. Die Konflikte, welche aus religiösen Gründen aufgetreten werden, selbst im entlegensten Teil der Welt, rufen oft die enorme Resonanz auf der ganzen Welt hervor. Auf der Ebene der repräsentativsten internationalen Foren und auf der Ebene jeder Familie wird heute sehr viel über die Welle der religiösen Gewalt und über den religiösen Terrorismus diskutiert, welche gerade mit den religiösen Motiven legitimiert werden. Der religiöse Extremismus und der religiöse Fundamentalismus als seine ideologische Basis ziehen immer mehr Aufmerksamkeit nach sich.

Derzeit wird in den Medien sehr viel über den religiösen islamischen Fundamentalismus berichtet. Interessant dabei ist, dass das Interesse an den Problemen des islamischen Fundamentalismus auch ein breiteres Interesse an den Problemen des allgemeinen religiösen Fundamentalismus ausgelöst hat. Es wird oft davon ausgegangen, dass der religiöse Fundamentalismus nur dem Islam charakteristisch ist. Obwohl der religiöse Fundamentalismus vor allem in Bezug auf den Islam verwendet wird, ist er auch in den anderen religiösen Systemen zu treffen; so z. B existiert er auch im Christentum, Judentum und sogar im Buddhismus. Außerdem entstand der Begriff des Fundamentalismus nicht im Rahmen des Islams, sondern innerhalb des Protestantismus, also des Christentums, und wurde erst später durch die Forscher, Politiker und die Medien in Bezug auf religiösen Strömungen in allen religiösen Bewegungen, die sich für eine Rückkehr zur den ursprünglichen Glaubenslehre, angewandt.

Aus diesem Grund entstehen die Relevanz und die Notwendigkeit, sich im Rahmen der vorliegenden Arbeit mit dem Phänomen des religiösen Fundamentalismus in den Religionen auseinanderzusetzen und versuchen die Fragen zu beantworten, ob eine bestimmte religiöse Lehre und ihre besonderen religiösen Überzeugungen zu Gewalt und Terror anfälliger sind. Dafür wurde im ersten Kapitel dieser Arbeit die Lehren von einzelnen Propheten untersucht, um die theologischen Grundlagen der einzelnen Religionen besser nachzuvollziehen. Nachdem im ersten Kapitel die eigentliche Basis der religiösen Philosophien analysiert wurde, wurde das zweite Kapitel dem unmittelbaren religiösen Fundamentalismus in diesen Religionen gewidmet. Dieses Kapitel hatte das Ziel, die zweite relevante Forschungsfrage zu beantworten und zwar, welche Ziele die religiösen Fundamentalisten verfolgen, in dem sie sich auf die heiligen Schriften ihrer religiösen Lehren berufen. Es erschien sinnvoller zu sein, sich erstmal mit den theologischen Grundlagen der einzelnen Religionen zu befassen, bevor es zur Untersuchung der fundamentalistischen Erscheinungsformen übergegangen wurde, denn ohne Analyse der einzelnen theologischen Lehren war es unmöglich, sich vernünftig mit dem religiösen Fundamentalismus zu befassen. Allerdings muss an dieser Stelle auch gesagt werden, dass der Schwerpunkt dieser Arbeit eher auf der islamischen Lehre liegt.

Für die Durchführung der Analyse wurden drei Weltreligion wie das Christentum, der Islam und der Buddhismus ausgewählt. Zwei davon sind die monotheistischen Religionen, welche einen einzigen Gott anerkennen, und haben eine mehr oder weniger strenge religiöse Philosophie als die andere, der Buddhismus, deren Lehre eher als die „sanfte“ Lebensphilosophie wahrgenommen werden kann. Als Theoriebasis gelten die zentralen Quellen der einzelnen religiösen Lehren, wie der Koran, die Bibel und die zahlreiche Buddhistische religioösen Quelle wie das Buch Tripitaka.

1. Weltreligionen

Die Entstehung der Weltreligionen erfolgte im Laufe einer langen Entwicklung der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Kontakte zwischen den unterschiedlichen Ländern und Völkern. Der kosmopolitische Charakter des Buddhismus, des Christentums und des Islam ermöglichte ihnen die nationalen Grenzen zu überschreiten, sich weite auf der ganzen Welt auszubreiten und den Gläubigen unabhängig von ihren ethnischen, sprachlichen und politischen Hintergründen um sich zu vereinen.

Allen drei Weltreligionen ist kohärent, dass sie eine besondere Weltanschauung bieten, die mehr oder weniger eigentümliche Vorstallung davon haben, wie man sein eigenes Leben gestaltet soll, um die Gottesgnade zu erlangen bzw. das menschliche Leiden zu lindern. Das Hauptziel bzw. die Hauptaufgabe der Weltreligionen besteht demnach darin, sich selbst, die Welt und den Gott durch den Fokus einer bestimmten religiösen Philosophie zu verstehen. Was für die Gründer allen Weltreligionen auch charakteristisch war, ist die Tatsache, dass sie mit den gegebenen sozialen, moralischen und politischen Eigenschaften der damaligen Zeit nicht zufrieden waren, und versuchten ein neues Verhaltensmuster zu schaffen, das genau ihren Vorstellungen vom gerechten Leben entsprach. Die Fragen, mit denen sie im Laufe ihrer Entstehung beschäftigten, betrafen darüber hinaus Themen, die auch für unsere Zeit noch aktuell sind, so z. B warum sind nicht alle Menschen glücklich, warum sterben die Menschen, was ist Gott und wie die gerechte Gesellschaft bzw. der Staat ausgestaltet werden soll. Und auf diese und zahlreiche weiteren Fragen wurden von ihnen ähnliche, aber oft unterschiedliche Antworten gegeben.

1.1 Das Christentum

Das Christentum ist die größte monotheistische Weltreligion, die auf dem Leben und der Lehre von Jesu Christi basiert, wie das Neue Testament berichtet. Nach der Anzahl der Anhänger hat diese Religion etwa 2,1 Milliarden Anhänger, die weltweit verstreut leben. Das Christentum ist der Sammelbegriff für die Charakteristik der drei Hauptrichtungen: Orthodoxie, Katholizismus und Protestantismus. Jeder dieser großen Hauptrichtungen gliedert sich wiederum in eine Reihe von kleineren religiösen Strömungen und Religionsgemeinschaften. Aber alle haben die gemeinsamen historischen Wurzeln und betrachten die Handlungen und die Lehre von Jesus als Vorbild für die eigene Lebensweise.[1]

Die Anfänge des Christentums entstammen einer der Strömungen bzw. einer der Sekte des Judentums. Die Besttätigung dafür ist die Tatsache, dass im späteren Christentum viele jüdischen Elemente bewahrt wurden, und selbst die Bibel und besonders das Alte Testament kann als das Buch über die Geschichte der Juden betrachtet werden. Es wird vermutet, dass die Sekte der Nazaräer zum entstehenden Christentum nahestand. Als Nazaräer waren lange Zeit die Juden genannt, die ihr Leben dem Gottesdienst gewidmet hatten. Sie schoren nicht ihre Haare, tranken den Wein nicht und berührten den Toten nicht.

Zugleich schlossen sich dem früheren Christentum auch die zahlreichen Elemente der östlichen, heidnischen Kulte jener Völker an, die nach der Eroberung durch das Römische Reiche ins Imperium eingegliedert wurden. In verschiedenen Provinzen des Imperiums, besonders in ihrem östlichen Teil, war seit langer Zeit der Glaube an den göttlichen Erlöser, der auf die Erde geschickt wird, um das weltliche Übel zu zerstören und die gerechte Ordnung zu schaffen, sehr verbreitet. Deswegen kann man davon ausgehen, dass das frühere Christentum mit den alten östlichen philosophischen Schulen des damaligen Nahen Ostens durchaus in Berührung kam. All dies bereicherte die neue Religion und verwandelte sie in eine der starken kulturellen und intellektuellen Kraft.[2]

Den bemerkenswerten Einfluss auf die Grundlagen der christlichen Glaubenslehre hatte die philosophische Lehre von Philon von Alexandria genommen, der den jüdischen Monotheismus der philosophischen Überarbeitung untergezogen hat. Zudem waren auch die philosophischen Ansichten von Lucius Annaeus Seneca von großer Bedeutung. Philon behauptete, dass man den Gott, als den Schöpfer aller Dinge nur durch Logos, also durch das Wort verstanden werden kann. Er sprach über die angeborene Sündhaftigkeit des Menschen und über die menschliche Buße. Zugrunde der ethischen Lehre von Seneca lag der Gedanke über das Gehorsam dem Schicksal, das die Gelassenheit des Geistes, das Gewissen, die moralischen Normen und die allgemeinmenschlichen Werte bewirkt. Die zentrale Idee war somit die angeborene Sündhaftigkeit des Menschen und ihre Rettung durch die Buße. Die Menschen sind vor dem Gott sündhaft, und gerade es gleicht sie aus, den Griechen gegenüber den Juden und den Römer gegenüber den Barbaren. Die Menschen können von der Sünde allerdings gereinigt werden, falls sie sich bewusst sind, dass sie sündhaft sind.[3]

Aus diesem Grund herrschte im öffentlichen Bewusstsein jener Zeit die Idee der Sündhaftigkeit des Menschen und die Idee über die Unabwendbarkeit des Schicksals, welches von oben quasi vorgeschrieben war. “Was auch immer für ein Ende mir das Schicksal bestimmt hat, ich werde es ertragen“,[4] sagte Seneca. In seiner moralischen Predigt rief Seneca den Menschen zur Bildung einer Gemeinde der heiligen Gerechten, die in der Lage sind, in sich sowohl die göttliche Welt als auch die menschliche Welt zu vereinen, auf. Eine solche Gemeinde kann nach seiner Meinung nur durch den weisen Menschen geschafft werden, welche in sich die Ideale des Weisen verkörpert. Das sind die Menschen, die frei von allerlei Leidenschaften und den Bedürfnissen sind. Die Menschen, die immer richtig handeln und verfügen über alle Tugenden. Darüber hinaus wurde für das frühere Christentum auch die Einstellung von Seneca zur Flüchtigkeit und zur Trughaftigkeit des sinnlichen Vergnügens charakteristisch. Die Sorge um die anderen Menschen, die Selbstbeschränkung in der Benutzung des materiellen Wohls und die Mäßigung im alltäglichen Leben waren die zentralen Anhaltspunkte, die die philosophischen Grundlagen des späteren Christentums darstellen sollten.[5]

Diese philosophischen Vorstellungen und Ideen dienten letztendlich dazu, die Leiden des Volkes zu lindern, und den Weg zur Rettung sich selbst zu öffnen, denn das Leben in den römischen Provinzen, darunter auch in Judäa, war weit davon entfernt, um als gerecht und glücklich zu sein. Allmählich konnte man aber beobachten, wie diese Vorstellungen im Laufe der römischen Herrschaft in Judäa unter dem jüdischen Volke an Popularität gewinnen begannen, und immer mehr Menschen anfingen, sich für die Lehre von Jesus zu interessieren.

1.1.1 Die Lehre von Jesu Christus

Jesus kam in der alten, heiligen Stadt Bethlehem in den späteren 30er zur Welt. Er war von Maria geboren und gehörte zu der königlichen Familie Davids. Die Familie Jesus war gezwungen, mit dem Neugeborenen nach Ägypten zu fliehen, da der König Herodes, der durch die römische Besatzungsmacht eingesetzt wurde, befahl nach der Bekanntgabe über die Geburt des Messias bzw. des Königs der Juden allen neugeborenen Jungen in Bethlehem zu töten. Er wollte nicht, dass jemand sein Amt etwa in Frage stellen würde, denn er betrachtete sich selbst als König der Juden. Über die Geburt des Messias gibt es eine bekannte Geschichte, die erzählt, dass der Engel Gabriel Maria aufgesucht und ihr die Nachricht gebracht hat, in der gesagt wurde, dass sie ein Kind zur Welt bringen wird, das man eines Tages als Sohn Gottes bezeichnen würde.[6] Nach dem Maria schwanger wurde, entbrannte ein Skandal, denn Maria noch Jungfrau und verlobt war. Ihr Verlobter Josef wollte erstmal die Beziehung beendet, aber dann besuchte ihn im Traum ein Engel, der gesagt hatte, dass Maria durch den heiligen Geist schwanger geworden war. Wie das geschehen wurde, ist in der Bibel niedergeschrieben, und durch die Worte von Maria verkündet. „Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist hat gejubelt über Gott, meinen Heiland. Denn er hat hingeblickt auf die Niedrigkeit seiner Magd; denn siehe, von nun an werden mich glückselig preisen alle Geschlechter. Denn Großes hat der Mächtige an mir getan, und heilig ist sein Name.“[7]

Die jungen Jahre von Jesus sind leider mit dem Schleier der Geheimnisse bedeckt. Was bekannt ist, dass er im Alter von 30 Jahre die Familie und Nazareth verließ und kam zu Johannes der Täufer, der damals als jüdischer Bußprediger in Galiläa und Judäa wirkte, um sich taufen zu lassen. Er hatte viele Anhänger in der jüdischen Diaspora und galt als Wegbereiter Jesu Christi. In den Evangelien wird berichtet, dass „sobald er (Jesu) aus dem Wasser heraufstieg, sah er wie die Himmel sich teilen und den Geist wie eine Taube auf ihn herababfahren. Und eine Stimme kam aus den Himmeln: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.“[8] Nach diesem Ereignis wurde dem Johannes der Täufer klar, dass Jesu einen aus den jüdischen heiligen Schriften verkündete Messias, der sowohl das jüdische Volk als auch die anderen Völker von den Grausamkeiten und dem Elend der damaligen Zeit retten sollte. „Und Johannes bezeugte und sprach: Ich schaue den Geist wie eine Taube aus dem Himmel herabfahren, und er blieb auf ihm. Und ich kannte ihn nicht; aber der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, der sprach zu mir: Auf welchen du sehen wirst den Geist herabfahren und auf ihm bleiben, dieser ist es, der mit Heiligem Geist tauft. Und ich habe gesehen und habe bezeugt, dass dieser der Sohn Gottes ist.“[9] Nach der Verkündung der Bezeugung von Johannes erfolgte ein Ereignis, das für die Geschichte des Christentums von großer Bedeutung war. Der Jesu wurde als Sohn Gottes und als Messias von der Person bestätigt, die eine große theologische Autorität unter den damaligen Juden genieß.

Nach den oben genannten Ereignissen brach Jesu in die Wüste zur Wanderung auf, wo er eine Art von Prüfungszeit erleben sollte. Wie das Matthäusevangelium berichtet, wollte der Satan ihn zur Versuchung zu bewegen, indem er ihm sagte: „Wenn du Gottes Sohn bist, so spricht, dass diese Steine Brote werden!“, und der Jesu antwortete, dass „nicht von Brot allein der Menschen leben soll, sondern von jedem Wort, das von dem Mund Gottes ausgeht. Wiederum nimmt der Teufel ihn mit auf einen sehr hohen Berg und zeigt ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und spricht zu ihm: Dies alles will ich dir geben, wenn du niederfallen und mich anbeten willst“. Der Antwort von Jesu war eindeutig: „Geh hinweg, Satan!!Denn es steht geschrieben: Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen“.[10] Man kann konstatieren, dass dem Jesu in dieser Zeit schon bewusstgeworden, dass er berufen wurde, um der Welt die Botschaft des monotheistischen Gottes zu verkündet. Für ihn gibt es keinen anderen Gott, er vertritt somit die klare monotheistische Einstellung. Und das Ereignis mit dem Teufel bekräftigte ihn nochmal in dieser Überzeugung.

Die lange Wanderung durch die zahlreichen Dörfer und Städte brachte dem Jesu viele Anhänger, die in seiner Predigt die wichtigen und aktuellen Antworten auf ihre Fragen bezüglich der Ausgestaltung des gerechten Lebens fanden. Zudem waren seine wundersamen Taten eine Ursache dafür, dass viele Menschen von ihm begeistert und überzeugt waren. Man brachte den Menschen mit unterschiedlichen Krankheiten zu ihm, und er „legte jedem von ihnen die Hände auf und heilte sie“.[11] Diese führte letztendlich dazu, dass viele an ihn glauben begonnen. Die Lehre, die von Jesu gelernt wurde, betraf zahlreiche Themen. Seine Botschaft blieb allerdings von Anfang bis Ende gleich. „Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, Armen gute Botschaft zu verkündigen; er hat mich gesandt, Gefangenen Freiheit auszurufen und Blinden, dass sie wiedersehen, Zerschlagene in Freiheit hinzusenden, auszurufen ein angenehmes Jahr des Herrn.“[12] Er verkündete, dass er selbst der Weg sei, um eine richtige Beziehung zu Gott zu haben. Er verkörperte quasi das Vorbild für alle Menschen. „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich.“[13] An dieser Stelle versucht er zu erklären, dass er ein Vermittler zwischen dem Gott und den anderen Menschen ist. Die Gläubigen kommen somit mit dem Gott nicht zur Berührung. Er verlangte von seinen Anhängern nicht, bestimmte Anforderungen zu erfüllen, sondern lud sie einfach ein, seinem Beispiel zu folgen. „Folgt mir nach!“[14] Und viele Anhänge begannen, ihm wirklich zu folgen. „Und es folgte ihm eine große Volksmenge“[15] Man kann versuchen die Ursachen dieser Begeisterung von Menschen nachvollziehen, wenn man sich die soziale und wirtschaftliche Lage der damaligen Provinz Judäa anschaut. Die frühere christliche Lehre im Römischem Reich wurde von der Mehrheit der Menschen als eine klare Form des sozialen Protestes wahrgenommen. Sie weckte in den Köpfen des Menschen den Glauben an einen hypothetischen Verteidiger, der fähig genug war, das Elend und die Unterdrückung in einer römischen Provinz zu beenden. Die Idee der allgemeinen Gleichheit und die Idee der Rettung aller Menschen, unabhängig von ihrer ethnischen, politischen und sozialen Zugehörigkeit, waren das, was viele Menschen damals hören wollten. Die ersten Christen glaubten an das nahe Ende der existierenden Weltordnung, die von ihnen verhasst wurde, und erwarteten die Errichtung des Gottesstaates, der dank des Wirken des Jesus gekommen ist.[16] Wie man feststellen kann, mussten wahrscheinlich Jesu und seine Anhänger mit dem Fundamentalismus der damaligen Zeit selbst konfrontieren, denn die Ideen, die von den ersten Christen propagiert wurden, standen in klarer Opposition sowohl zu den jüdischen Fundamentalisten, die das Wirken des Jesu nicht akzeptierte, als auch zu staatlichen Gewalt des römischen Statthalters Herodes, denn Jesu wurde als König der Juden verkündet. D. h die ersten Christen müssten dann die gegebene politische und theologische Ordnung in Frage stellen.

Gleichzeitig sagte Jesu allerdings nicht, dass der Weg, den er den Menschen zeigen wollte, wird für ihnen einen leichten Weg. „Und als er die Volksmenge samt seinen Jüngern herbeigerufen hatte, sprach er zu ihnen: Wenn jemand mir nachfolgen will, verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach! Denn wer sein Leben erretten will, der wird es verlieren; er aber sein Leben verliert um meinetwillen und um das Evangelium willen, der wird es erretten.“[17]

Durch seine Wanderungen stieß er sich oft auf die zahlreichen Fragen, die ihm von unterschiedlichen Menschen gestellt wurden. An einer Stelle in der Wüste traf er sich auf eine Frau, die ihn nach dem Messias fragte, auf das Kommen deren sie erwartetet. Und der Jesu sagte, dass der Messias schon da ist. “Ich bin es, der mit dir redet.“[18] Dieses Ereignis ist sehr bedeutsam für die Geschichte des Christentums, denn diese Botschaft war einer der zentralen seiner Verkündungen, in der gesagt wurde, dass er derjenige ist, auf den viele erwartet hatten. Allerdings nicht überall stießen seine Gedanken auf die friedliche Reaktion seiner Zuhörer. Als er in seinen Heimatrot Nazareth zurückgekehrt war, traf er dort auf die religiösen jüdischen Anführer, die ziemlich argwöhnisch gegenüber ihn waren. Als er in einer Synagoge predigte, dass er den Menschen Wunder vollbringen will, und dass „kein Prophet in seiner Vaterstadt etwas gilt“, rief er einen Aufruhr besonders unter den religiösen jüdischen Führer hervor. Dabei bezog er sich auf die jüdischen Propheten, die vor ihm zu den Menschen geschickt wurden. Die Menschen in der Synagoge waren so wütend, dass sie versuchten, ihn aus seiner Stadt zu vertreiben. Aber er ging einfach durch die Menge hindurch und ging seines Weges.[19] Das war ein Anfang, an dem die führenden religiösen Führer der Juden begannen, ihn ernsthaft zu betrachten und im Auge zu behalten.

Nach einer nicht langen Zeit suchte Jesu sich zwölf Männer aus, die ihm bei der Verbreitung seiner Lehre helfen sollten.[20] Er überreichte ihnen die Anweisungen, wie sie sich bei der Verbreitung des Evangeliums verhalten sollten. Einer der Anweisungen bezog sich auf die Tätigkeit der einzelnen Jünger: “Heilt Kranke, weckt Tote auf, reinigt Aussätzige, treibt Dämonen aus!“[21] In seiner berühmten Bergpredigt aus der Bibel kann man zudem die zentralen Lehren des früheren Christentums entnehmen. So sprach er z. B am Anfang seiner Rede zu den Anhängern, die sich um ihn versammelt hatten: „Selig, die arm vor dem Gott sind, denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig, die Trauernden, denn sie werden getröstet werden. Selig, die keine Gewalt anwenden, denn sie werden das Land erben. Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit. Selig, die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden. Selig, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott schauen, Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Söhne Gottes genannt werden. Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, denn ihnen gehört das Himmelreich.“[22] Wie man sehen kann, ist seine Botschaft vor allem an diejenigen gerichtet war, die in der damaligen Situation der Unterdrückung und dem gesellschaftlichen Elend ausgesetzt waren. Und sie waren wirklich die ersten, die die christliche Lehre angenommen hatten. Man kann sicherlich davon ausgehen, dass dem Jesu damals bewusst war, dass sich er und seine Lehre nur bei den „Unterdrückenden“ die Unterstützung finden konnten, denn gegenüber den gastlichen jüdischen Gelehrten und dem römischen Statthalter standen er und seine Lehre in politischer und theologischer Opposition.

Bei der Verbreitung seiner Lehre versuchte Jesu niemals eine Mauer zwischen denjenigen aufbauen, die an Gott glaubten und denjenigen, die nicht. Beim Matthäus liest man eine Passage, wo es um die Folgen der Ablehnung der christlichen Lehre geht. „Und wenn jemand euch nicht aufnehmen noch eure Worte hören wird, geht hinaus aus jenem Haus oder jener Stadt, und schüttelt den Staub von euren Füßen! Wahrlich, ich sage euch, es wird dem Land von Sodom und Gomorra erträglicher ergehen am Tag des Gerichts als jener Stadt.“[23] Er verweist in diesem Zusammenhang auf das göttliche Gericht, das den Menschen am Ende ihr Leben bevorsteht. Besonders Interessant in diesem Zusammenhang ist der Vergleich mit der islamischen Lehre. Für diejenigen, die den Islam annahmen und keinen Widerstand leisteten, war Gott und sein Prophet barmherzig und gnädig. Andererseits bereitete Gott und sein Prophet für diejenigen, die den islamischen Glauben und seinen Propheten ablehnten, eine harte Strafe. „Und kämpfet wieder sie, bis keine Verfolgung mehr ist und aller Glaube auf Allah gerichtet ist. Stehen sie jedoch ab, dann, wahrlich, sieht Allah sehr wohl, was sie tun. Und fürchtet das Feuer, das für die Ungläubige bereitet ward. Sprich: Gehorchet Allah und dem Gesandten; doch, wenn sie sich abkehren, dann bedenke, dass Allah die Ungläubigen nicht liebt.“[24] Also man kann konstatieren, dass für diejenigen, die die islamische Botschaft ablehnen, ist eine harte Strafe vorgesehen. Der Gott Allah verlang nach einer strikten Gehorsam und liebt den Ungläubigen nicht. Für diejenigen, die die christliche Botschaft ablehnen, steht ein Gericht des Gottes im Jenseits vor, an dem jedem nach seiner Tat eine bestimmte Strafe auferlegt wird. Über die wesentlichen Merkmale dieses Gerichts kann man in der Bibel nachlesen. “Denn es wird geschehen, dass der Menschensohn kommt in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln, und dann wird er einem jeden vergelten nach seinem Tun.“[25] “Er hat einen Tag festgesetzt, an dem er den Erdkreis richten will mit Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und hat jedermann den Glauben angeboten, indem er ihn von den Toten auferweckt hat.“[26] Er wird alle Werke vor Gericht bringen, alles, was verborgen ist, es sei gut oder böse.

Es wird in Evangelien nicht berichtet, dass die Christen selbst die Gewalt auf der Erde anwenden sollten, um denjenigen zu bestrafen, die aus ihrer Sicht sündig sind. Zudem wird nicht berichtet, dass sie ihre Lehre und ihr Verhaltensmuster mit der Gewalt den anderen aufzwingen sollten. Vielmehr wird verkündet, dass sie ihre Feinde lieben müssten und für ihnen betten. „Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bettet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.“[27] Und Jesu selbst versuchte niemals, ihren Feinden, die er unbedingt hatte, etwaigen körperlichen Schaden zuzufügen. Erst als die christliche Lehre in die Hände der Politik gelang, begann ihre „Erosion“. Die lange Geschichte der früheren christlichen Lehre zeichnet sich vielmehr durch die ununterbrochene Selbstaufopferung aus. Das deutet ihrerseits darauf hin, dass die Anwendung der Gewalt bei dieser Lehre an allerletzten Stelle war. Die Geschichte der ersten Christen ist eine Geschichte der Verfolgung und der Selbstopferung. Sie wurden oft verfolgt, gefoltert und getötet.[28] Die Antwort der Christen auf die „unfreundlichen“ Geste ihrer Feinde war aber: „Wenn sie euch aber verfolgen in dieser Stadt, so flieht in die andere.“[29] „Und sie zogen aus und predigten, dass sie Buße tun sollten; und sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Schwache mit Öl und heilten sie.“[30]

Nach seiner Wanderung kam Jesu letztendlich nach Jerusalem, um das jüdische Passahfest zu feiern. Da er beim Volk sehr beliebt war, konnten seiner Feinde, die jüdischen Fundamentalisten und der römische Statthalter in Judäa, ihn direkt nicht angreifen. Dafür bräuchte man einen vernünftigen Vorwand, der später von den jüdischen religiösen Führern gefunden wurde. Durch einen Anhänger Judas konnten die Soldaten ihn lokalisieren und festnehmen. In einem Haus eines jüdischen Hohepriesters wurde Jesu verhört. Ihm wurden die Fragen gestellt, ob er der Sohn des Gottes ist, worauf er mit einem Ja geantwortet hast. Diese Antwort galt nach dem alten jüdischen Gesetzt als eine klare Gotteslästerung und sie bekamen die Möglichkeit ihn zu bestrafen. Sie brachten ihn zum römischen Statthalter Pilatus, um für ihn eine Todesstrafe zu verlangen. Nachdem übergab Pilatus ihn den jüdischen Priester, um die Strafe vollzuziehen und Jesu wurde zu einem Hügel gebracht, wo er durch die Kreuzigung gestorben ist.[31] Viele Menschen, die diese Szene beobachten konnten, waren sehr entsetzt und wie die Evangelien berichten, verdunkelte sich sogar der Himmel für drei Stunden und Jesu rief aus: „Vater, in deine Hände übergebe ich meinen Geist.“[32] Daraus kann man entnehmen, dass dem Jesu in dieser Zeit schon bewusst war, dass er Feinde hat, die er durch sein „abtrünniges“ Verhalten sammeln konnte. Gleichzeitig forderte er seinen Anhänger aber nicht, seine Feinde mit Gewalt zu bekämpfen oder zu rächen, sondern rief sie auf: „Liebt eure Feinde, und betet für die, die euch verfolgen.“[33] Sowohl die Jüdischen Fundamentalisten als auch der römische Statthalter sahen in ihm somit vor allem einen gemeinsamen Störfaktor. Aus der Sicht des Statthalters Pilatus war Jesu einfach ein Hetzer, der die öffentliche Ordnung in einer der römischen Provinz gefährdet hat. Und aus der Sicht der jüdischen Fundamentalisten war er derjenige, der sich begann, von den fundamentalen theologischen Prinzipien des Judentums zu distanzieren, in dem er sich z. B als Sohn des Gottes ausgab, was für die alte jüdische Theologie eine klare Gotteslästerung war.

Laut der Evangelien kehre Jesu nach seiner Kreuzigung am dritten Tag zu seinen Jüngern als Geist zurück und ermutigte sie, sein Glaube weiter zu verbreiten. „So steht’s geschrieben, dass Christus leiden wird und auferstehen von den Toten am dritten Tage; und dass gepredigt wird in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden und allen Völkern. Fang an in Jerusalem.“[34] Und an einer Bibelstelle kann man auch finden, was Jesu nach seiner Auferstehung seinen Anhängern gesagt hat. „Die zwölf Jungen gingen nach Galiläa auf den Berg, den Jesu ihnen genannt hatte. Und als sie Jesu sahen, fielen sie vor ihm nieder. Einige aber hatten Zweifel. Da trat Jesu auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern, und Macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrte sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei auch alle Tage bis zum Ende der Welt.“[35] Also man sieht, dass seine ersten Anhänger eine klare Botschaft zu Predigt seiner Lehre erhalten hatten. Er rief sie auf, seine Lehre unter allen Völker zu verbreiten, aber ohne dabei die Gewalt anzuwenden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass zur Mitte des I. Jahrhunderts im römischen Reich eine Epoche angebrochen, in der der Eindruck der Römer, dass ihre Welt die beste der möglichen Welten ist, vollkommen beendet wurde. An dieser Stelle trat die Überzeugung und die Empfindung, dass sich diese vollkommene Welt in Richtung der unvermeidlichen Katastrophe bewegt. In den niedrigen sozialen Schichten wuchs die ständige Unzufriedenheit mit der gegebenen wirtschaftlichen und sozialen Ordnung, was sporadisch zu den zahlreichen Aufruhren und den Aufständen führte. Diese Aufstände wurden von den Römer grausam unterdrückt, aber die Stimmungen der Unzufriedenheit gingen nicht verloren, sondern suchten andere Formen der Befriedigung.

Die Beschuldigung der Verdorbenheit der gegebenen Welt, seiner Sündhaftigkeit, das Versprechen der Rettung aller Menschen und die Errichtung des gerechten Himmelreiches auf der Erde waren die Ideen, die die besondere Anziehungskraft für die ersten Christen darstellten. Sie gaben den Menschen die Hoffnung auf ein besseres Leben. Und gerade in der Bergpredigt Jesus kann man sehen, an wen diese neue versprochene Welt gerichtet war, nämlich an denjenigen, die sozial und wirtschaftlich damals benachteiligt waren, und an diejenigen, die nach einer allgemeinen Gerechtigkeit suchten.

Aus diesem Grund kann man konstatieren, dass die Gesellschaft, in der Jesu predigte, hatte die riesigen sozialen, wirtschaftlichen und theologischen Widersprüche. Sie stifteten die verschiedenen Aufstände und die Bürgerkriege an, und in der gesellschaftlichen Atmosphäre schwebte das grenzenlose Streben nach einem besseren Leben, nach der Veränderung der existierenden Ordnung. Die Epoche, in der das Christentum entstanden ist, war die Epoche der vollen Zerlegung der traditionellen Formen des Glaubens. Als die anderen zu Waffen griffen, um diese Ordnung gewaltsam zu verändern, rief Jesu seinen Anhänger auf, ihren Feinde zu lieben und für sie zu betten.

1.2 Der Buddhismus

In der Geschichte der Menschheit gilt der Buddhismus als die erste Weltreligion. Allerdings kann man sie nicht unbedingt als nur eine Weltreligion betrachtet, vielmehr ist sie eine Moral, Philosophie und Kunst gleichzeitig. Die buddhistische Lehre reguliert alle Sphären des öffentlichen Lebens und bestimmt den Charakter dieses Lebens. Die Lehre des Buddha heißt Dharma. Sie steht in der Heiligen Schrift der Buddhisten, dem Pali-Kanon. Er wird auch Tripitaka genannt und beschreibt, wie Buddhisten leben und sich verhalten sollen. Die supranationale Weltanschauung des Buddhismus verlieh ihm die Bezeichnung einer internationalen Ideologie, aus der das Phänomen der buddhistischen Zivilisation entstanden ist. Die buddhistische Zivilisation deckt momentan das umfangreiche Territorium Östlichen und Südostasiens ab und hat weltweit etwa 500 Millionen Anhänger.[36]

Der Buddhismus entstand in Indien im Laufe des akuten ideologischen Kampfes, der die bedeutenden Veränderungen im sozialen, wirtschaftlichen und politischen Leben der alten indischen Gesellschaft widerspiegelte. Mit dem allmählichen Eindringen der nomadischen Stämme aus dem Zentralasien seit dem 18. Jahrhundert v. Chr. nach Indien wurde die gegebene Lebensweise der alten Indien massiv verändert. Über die eisernen Werkzeuge und die entwickelten Produktivkräfte erlangen die Einwanderer in Nordindien ihre Macht und etablierten infolge der Zerlegung der Stammesstruktur das sogenannte Varna System bzw. das Kastensystem. Die Struktur dieses Systems bildeten vier Kategorien des Menschen, welche eine bestimmte soziale Rolle in der Gesellschaft spielen sollten. Die sogenannten Brahmanen wurden als oberste Kaste angesehen und besonders hochgeschätzt, da sie angeblich die spirituelle Vollkommenheit besaßen und als die Quelle der menschlichen Weisheit galten. Darunter rangierten die Kriegerkaste der Kshatriyas und die Vaishyas, die traditionell Bauern und Kaufleute waren. An unterster Stelle der Kasten standen die Shudras, die meist als Diener, Knechte oder Tagelöhner arbeiten durften. Wie man sehen kann, bestimmten die etablierten Kasten die soziale Struktur der Gesellschaft, in der später der Buddhismus entstanden sollte. Dabei galt der sogenannte Brahmanismus als die spirituelle Basis dieser Gesellschaft. Als ein religiöses und philosophisches System unterstützte Brahmanismus die Stärkung der traditionellen Normen des gesellschaftlichen Lebens. Und die Brahmanen sahen sich selbst als Träger dieser spirituellen Tradition, und wollten ihre Macht über die Seelen des Menschen mit den anderen Vertretern der neuen religiösen Anschauungen nicht teilen.[37]

Seit der Mitte des 1. Jahrtausends allerdings begannen dem Brahmanismus die oppositionell eingestellten Ideenströmungen entstehen, welche den spirituellen Status der Brahmanen und das soziale Kastensystem der alten indischen Gesellschaft in Frage zu stellen. Vor allem war es die Lehre von Buddha, die die Heiligkeit der Brahmanen und ihre kanonische Literatur ablehnten. Als ein sozial-kulturelles Phänomen ist der Buddhismus unumstritten ein Produkt der indischen Kultur. Die Mehrheit seiner Begriffe und der Konzeptionen entlehnte er aus dem ziemlich reich zu jener Zeit philosophisch-religiösen Erbe der indischen Kultur. Die buddhistische Lehre ist allerdings nicht gleich dem Brachmanismus, obwohl sie bestimmte Elemente dieser alten religiösen Tradition in sich beinhaltet. An dieser Stelle ist notwendig anzumerken, dass jede neue religiöse Lehre mehr oder weniger auf der alten theologischen Tradition basiert. Die neue Lehre übernimmt oft die alten theologischen Traditionen, und steht nicht selten auch in der starken theologischen Opposition zu ihr.

Der Begründer der buddhistischen Lehre Siddhartha Gautama (Buddha) sah sich selbst nicht als Gott, und auch nicht als Vermittler der göttlichen Anweisungen. Seine Lehre besagte nur, dass jeder, der in seinem Leben, das er moralisch und ehrlich führen muss, gute Taten anhäufen kann, bekommt so ein gutes Karma für das nächste Leben. Erst wenn ein Leben das höchste Karma erreicht hat, geht ein Buddhist ins Nirwana, das Jenseits, und hat so den ewigen Kreislauf zwischen Leben und Wiedergeburt durchbrochen. Obwohl die genaue Zeit des Lebens des Begründers der buddhistischen Lehre Siddhartha Gautama zurzeit schwierig zu bestimmen, ist gewiss eins, dass es eine Periode der großen sozialen und spirituellen Veränderungen war, in der die alten sozialen und theologischen Normen der Gesellschaft durch die neuen allmählich ersetzten begonnen. Diese neuen sozialen Normen brauchten allerdings die ideologische Unterstützung, die oft in Form von Kritik an der alten Ideologie geleistet wurde. Und gerade diese Rolle spielte der Buddhismus, der als die Lehre der bettelnden Mönche auftrat und dann allmählich begann, die traditionellen sozialen Normen der damaligen Gesellschaft abzulehnen.[38]

1.2.1 Die Lehre von Buddhas

Der Buddha war als Sohn des Stammesführers Shakya um 560 V.Chr. im Nordosten Indiens geboren. Seine Geburt war von besonderen Zeichen begleitet, und seine Eltern erhielten folgende Prophezeiung: "Wenn der Junge nicht mit den Leiden der Welt in Berührung kommt, wird er ein großer Herrscher werden und all eure Wünsche erfüllen. Sollte er aber das Leidbringende aller bedingten Zustände wahrnehmen, wird er alles verlassen und eine ganz neue Dimension in die Welt bringen." Der Legende nach, empfand der indischer Zarensohn Siddhartha Gautama nach der sorglosen und glücklichen Jugend, die ihm seine Eltern nach den Prophezeiungen gestaltet hatten, letztendlich die Vergänglichkeit und die Hoffnungslosigkeit des menschlichen Lebens. Nach diesen Ereignissen verließ er den Zarenhof und begab sich auf die spirituelle Suche. Er verließ das Elternhaus, damit die Antworten auf die Fragen zu finden, wie man von den menschlichen Leiden befreit werden kann. Er verbrachte viele Jahre bei den gestiegen Gelehrten, bei denen er die traditionelle indische Hochkultur lernte. Darüber hinaus praktizierte er sogar strenge Askese, um die Ursachen des menschlichen Leides besser zu verstehen. Schließlich kam er zu dem Schluss, dass die Askese nicht nur seinen Körper, sondern auch seinen Geist schwächt, und er begann an der Askese zu bezweifeln. In diesem Moment verlasen ihn erstmal seine ersten fünf Anhänger. Nichtsdestotrotz konnte seine Lehre in folgenden 40 Jahren viele Anhänger sammeln. Seine ersten Predigten erreichten zuerst das Nord- und Zentralenindien und wurden von der hiesigen Bevölkerung gewaltlos angenommen. Die nächsten Länder, die der Buddhismus erreichte, waren Sri Lanka, das frühere Ceylon und der Zentralasiatische Raum. Im Laufe der Jahrhunderte erreichte die buddhistische Lehre auch die Länder des Südostasiens und kam über die Seidenstraße nach Ostasien.[39]

[...]


[1] Moeller B.- Geschichte des Christentums in Grundzügen, 2011

[2] Kautski. K – Der Ursprung des Christentums, Moskau, 1990

[3] Ranowitsch A.B -Die Primärquellen in der Geschichte des frühen Christentums, Moskau,1933

[4] Aphorismen, URL: https://www.aphorismen.de/zitat/1159 (abgerufen am 10. Dezember 2016)

[5] Seneca L. A - Von der Gelassenheit, o. A 2010, / Seneca L. A - Das Handbuch des glücklichen Lebens, o. A, 2011

[6] Bibel, Lukas 1, 35, Stuttgart, 1988

[7] Bibel, Lukas 1, 46-49, Stuttgart, 1988

[8] Bibel, Markus 1, 10-11, Stuttgart, 1988

[9] Bibel, Johannes 1, 32-34, Stuttgart, 1988

[10] Bibel, Matthaeus 4, 3-10, Stuttgart, 1988

[11] Bibel,Lukas 4,40, Stuttgart, 1988

[12] Bibel, Lukas 4, 18-19, Stuttgart, 1988

[13] Bibel, Johannes 14 14,6, Stuttgart, 1988

[14] Bibel, Markus 1, 17, Stuttgart, 1988

[15] Bibel, Johannes 6, 2, Stuttgart, 1988

[16] Schaff Philip – Die Geschichte der christlichen Kirche, o. A, 2010

[17] Bibel, Matthaeus 11,28-30, Stuttgart, 1988

[18] Bibel, Johannes 4,26, Stuttgart, 1988

[19] Bibel, Lukas 4, 14-30, Stuttgart, 1988

[20] Bibel, Matthaeus 10,1 ; Markus 3,13; Lukas6, 12,Stuttgart, 1988

[21] Bibel, Matthaeus 10,8, Stuttgart, 1988

[22] Bibel, Lukas 6, 20-49, Stuttgart, 1988

[23] Bibel, Matheus 10, 14-15, Stuttgart, 1988

[24] Koran, Sure 9, 123; Sure 9, 73, Frankfurt/M, 2015

[25] Bibel, Matthäus 16, 27, Stuttgart, 1988

[26] Apostelgeschichte 17, 31, Stuttgart, 1988

[27] Bibel, Matthäus 5, 41-6, 7, Stuttgart, 1988

[28] Pagola J. A - Jesús. Aproximación histórica, Moskau,2013

[29] Bibel, Matthäus 10, 23, Stuttgart, 1988

[30] Bibel, Markus 6, 12-13, Stuttgart, 1988

[31] Mark A. Gabriel –Jesu und Mohammed. Erstaunliche Unterschiede und überraschende Ähnlichkeiten, München, 2006

[32] Bibel, Lukas 23-24, Stuttgart, 1988

[33] Bibel, Matthäus 5, 44, Stuttgart, 1988

[34] Bibel, Lukas 24, 46-47, Stuttgart, 1988

[35] Bibel, Matthäus 28, 16-20, Stuttgart, 1988

[36] Korolev. K - Buddhismus: Enzyklopädie, Moskau, 2008

[37] Bongard-Levin G.M - Ancient Indian civilization: History, Religion, Philosophy, Epos, Literature, Science, Meeting of cultures. – Мoskau, 2000.

[38] Bongard-Levin G.M - Ancient Indian civilization: History, Religion, Philosophy, Epos, Literature, Science, Meeting of cultures. – Мoskau, 2000, S-147

[39] Butromeev. V – Das Leben und die Lehre des Buddha -Moskau, 2011

Ende der Leseprobe aus 69 Seiten

Details

Titel
Der islamische Fundamentalismus als ein politisches Phänomen
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
2
Autor
Jahr
2017
Seiten
69
Katalognummer
V365474
ISBN (eBook)
9783668451476
ISBN (Buch)
9783668451483
Dateigröße
878 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Der Autor der vorliegenden Arbeit ist kein Deutsch-Muttersprachler. Bitte haben Sie Verständnis für grammatikalische Fehler und Uneinheitlichkeiten im Ausdruck.
Schlagworte
fundamentalismus, phänomen, Islam, Religion
Arbeit zitieren
Dmitri Schwarz (Autor), 2017, Der islamische Fundamentalismus als ein politisches Phänomen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/365474

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