Der Punk und das Dao. Einheit oder Gegensatz?


Hausarbeit, 2012
21 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung

2) Das Dao und der Weise
2.1) Der Versuch das Dao zu definieren
2.2) Der Weise und der Herrscher
2.3) Der Weise und sein Gemüt
2.4) Der Weise und das Wissen
2.5) Der Weise und der Verlust des Körpers
2.6) Der Weise und das Handeln
2.7) Der Weise und die Freiheit
2.8) Der Weise und das Äußere
2.9) Der Weise und die Waffen

3) Punk
3.1) Der Punk
3.2) Ähnlichkeiten des Punks mit dem Dao
3.3) Der Punk und der Herrscher
3.4) Der Punk und das Gemüt
3.5) Der Punk und das Wissen
3.6) Der Punk und der Verlust des Körpers
3.7) Der Punk und das Handeln
3.8) Der Punk und die Freiheit
3.9) Der Punk und das Äußere
3.10) Der Punk und die Waffen

4) Fazit

Literaturverzeichnis

1) Einleitung

In der folgenden Hausarbeit soll erarbeitet werden in wie weit die Subkultur Punk sich in Hinsicht auf das Dao ähnelt. Dass der Punk dem Dao nicht vollkommen gleicht, also nicht das Dao selbst ist, sei folgend vorausgesetzt. Da der Punk, wie der Rest der Zehntausend Wesen, Anteil am Dao hat und aus ihm durch Differenzierung entsteht.[1]

Zudem soll das Verhältnis des Punks zu dem Weisen erläutert werden. Auch hier soll ge­klärt werden in wie weit der Weise und der Punk sich ähneln.

Dabei wird zuerst definiert, was das Dao ausmacht.

Folgend wird der Weise unter einigen Aspekten beleuchtet. Diese sind das Verhältnis des Weisen zum Herrscher, das Gemüt des Weisen, der Bezug des Weisens zum Wissen, der Verlust des Kör­pers, das Handeln, die Freiheit, der Bezug zum Äußeren und seine Meinung zu den Gebrauch von Waffen.

Anschließend wird kurz definiert, was wesentlich für den Punk ist, um im Weiteren das Dao und den Weisen mit dem Punk zu vergleichen.

2) Das Dao und der Weise

2.1) Der Versuch das Dao zu definieren

Das Dao dürfte im engeren Sinne gar keinen Namen haben. Denn es ist „der Anfang von Himmel und Erde“.[2] Der Anfang von Himmel und Erde darf sich aber nicht mittels Spra­che differenzieren, da er Einheit und nicht Differenzierung ist. Erst durch die Differenzie­rung wird das „Dao zu der Mutter der zehntausend Wesen“.[3] Erst durch die Sprache wird die Einheit des Daos in Differenzie­rung zerrissen. Diese Differenzierung funktioniert nur, weil die Sprache vom Dao abhängig ist. So ist das Dao bei Zhuangzi das Subjektive oder das „dies“, welches in Relation zu sich selbst steht, während das Objektive das Ausgesagte ist. Das „Das“, das in Relation zu anderem steht. Erst da, wo „Dies“ und „Das“ aufhören getrennt zu sein, folglich zu einer Einheit werden, da ist der Angelpunkt des Dao zu finden.[4] Deshalb ist das Dao die Verbindung von Gegensätzen, aber auch die Verbin­dung der Ein­heit. Gut und Böse existieren für das Dao nicht. Sie sind lediglich Werte, die wir Men­schen durch Urteil den Dingen zuschreiben.[5]

„Alle Dinge und alle Menschen haben im Licht des anschauenden Gemüts ihre Erlaubnis und wer­den notwendig und gerecht.“[6] Wenn also etwas existiert, dann hat es seine Exis­tenzberechtigung durch das Dao selbst. Denn unter den Zehntausend Dingen herrscht Gleichheit,[7] alles was existiert, hat also dasselbe Recht zu sein.

Da aber ohne eine Bezeichnung des Dao das Reden über dieses unmöglich wird, ist das Wort „Dao“ lediglich ein Platzhalter für das, was zu beschreiben versucht wird.

Das Dao enthält und bewirkt alles.[8]

Es ist mit dem Begriff Chaos gleichzusetzen. Wobei Chaos hier nicht negativ verstanden werden darf. Dieses Chaos existiert vor allem anderen, verändert sich nicht und ist nur von sich selbst ab­hängig. Es schafft den Himmel, die Erde und und die Zehntausend Wesen.[9]

Ein ewig währender Aufstieg und Fall, also ewig währende Gegensätze sind das, was das Dao aus­macht.[10] Dabei hat das Dao kein Ziel, das es verfolgt. Es ist einfach und schafft oder zerstört.[11] Es hat keine feste Gestalt und deshalb kann es unendlich sein.[12]

2.2) Der Weise und der Herrscher

Hauptsächlich ausgehend von Zhuangzi und Lao- tse soll im folgenden der Weise im Tao­ismus beschrieben werden. Da er das zu erreichende Ideal im Taoismus darzustellen scheint.

Beide haben allerdings eine andere Sicht, wie der Weise zu sein hat.

So scheint Lao-tse der engere, und naivere, während Zhuangzi der genialere und witzigere zu sein scheint.[13]

Lao-tse entwirft eine Anleitung, wie der Führende, oder der Herrscher zu herr­schen hat. Dabei beschreibt er die, für ihn, ideale Konzeption eines Staates.[14] Dort ist es ihm wich­tig, dass der Führer die Menschen ausreichend lenkt, aber nicht total kontrolliert. So sagt er in sei­nem Werk „Daodejing“: „Werden Menschen geschickt eingesetzt, so ähneln sie den Bei­nen eines Tausendfüßlers, sie sind Zahlreich, ohne aneinander zu behindern.“ [15] Und: „Von wirklich großen Führern auf ihrem Gebiet weiß man nur, dass sie existieren. Die nächst­besten werden geliebt und gepriesen. Die weniger guten werden gefürchtet und verachtet.“[16]

Der Kaiser hat die größtdenklichste Macht und soll daher, als Vorbild für das Volk genüg­sam sein.[17]

Diese positive Haltung einem Herrscher gegenüber deckt sich jedoch nicht unbedingt mit der Hal­tung anderer Taoisten. So behauptet Yan Junping, ein Taoist, dass jede von außen aufgenötigte Ord­nung eine Störung der ursprünglichen Natur des Menschen sei.[18] Und auch Zhuangzi hält von der Politik nicht viel. Seine Schriften sind eher auf „die rechte Füh­rung des Leben des Einzelnen in selbi­ger dürftiger Zeit ausgelegt.“[19]

So verkündet er in dem Buch Herbstfluten, er sei lieber eine Schildkröte, die ihren Schwanz durch den Schlamm ziehe, als ein göttliches Tier im Tempel.[20]

Ob der Weise nun ein Führer sei, oder aber ein Mensch, der über niemanden, außer sich selbst herrscht, so bleibt nun zu klären, was denn den Weisen ausmacht.

2.3) Der Weise und sein Gemüt

Das Ideal des Weisen sollte es sein, begierdelos und unwissend zu sein. So gleicht, laut Lao- tse, „die Völligkeit dessen, der Tugend in sich versammelt, der eines neu­geborenen Kind­leins.“[21] „Schlichtheit und Lauterkeit ist das Wesen des Menschen“.[22]

Der Weise lebt mit dieser Gemütseinstellung das Dao. Die Einheit also zwischen Leben und Tod, Sein und Nichtsein.[23] Dem Weg zu folgen ist das Ziel und sich darin zu verlie­ren.[24] Der Weise strebt dabei nicht an, das Dao zu sein, er ist es einfach. Er vertraut darauf, dass die Dinge sind, wie sie sind.[25] Er nimmt das Dao an und somit auch das, was der Mensch als Böses definiert. Wenn er so lebt, dann hat er keine Probleme mehr,[26] der „Wei­se weiß so sorglos zu leben, wie ein Tier, und nichts liegt ihm ferner, als die Klagen über irgendetwas, das er gar nicht ändern kann.“[27]

2.4) Der Weise und das Wissen

Ausgehend von dieser Stellung zum Dao ist es naheliegend, dass Wissen im Taoismus nicht als po­sitiv oder erstrebenswert gesehen wird.

Wissen ist laut Zhuangzi das Relative, während Weisheit das Ganze ist.[28] Warum es nicht erstre­benswert ist, etwas zu wissen, begründet Zhuangzi in seinem Buch „Über die Gleich­eit der Dinge“ in Kapitel 14. Indem er über einen Schlafenden erzählt, der träumt er sei ein Schmetterling und an­schließend erwacht und sich nicht sicher ist, ob er nun ein Schmetter­ling ist, der träumt er zu sein, oder ob er er selbst ist, der gerade aus dem Traum erwacht ist. Daher also, dass man ohnehin nicht beurteilen kann, was wahr ist und was nicht, wird es wertlos überhaupt etwas zu wissen. Je­der hat laut ihm nur die Perspektive eines Sumpfsperlings. Jeder sieht das als das Höchste, was er tut,[29] eine objektive Wahrheit er­blickt er aber nicht.

Deshalb hat der Weise keinen Namen und kein Ich.[30] Denn wieso sollte er einen haben, wenn er doch ohnehin nichts wissen kann.

Im Gegensatz zu Zhuangzi, strebt Lao- tse, immer noch Tugenden an und wird deshalb als nicht weise von Zhuangzi zurückgewiesen.[31] Allerdings sollte hier beachtet werden, dass Zhuangzi mit dieser Handlung urteilt und dieses sollte er nicht, da er selbst das Nichtwissen, die Weisheit anstrebt.

2.5) Der Weise und der Verlust des Körpers

Auch in der Sicht ob es wichtig ist, den Körper des Menschen zu erhalten oder ihm wertlos gegen­über zu stehen und somit auch, wie der Mensch sich zu Leben und Tod zu verhalten habe, sind sich Zhuangzi und Lao- tse uneinig.

Lao- tse ist der Meinung, dass es wichtig ist, das leibliche Leben zu bewahren. Er fordert sogar vom Herrscher, dass er das Volk dazu bringt, den Tod ernst zu nehmen. Hindernisse hierbei sind jedoch Eigensucht, Gewinnstreben, Kunst Kultur, Bildung und die Satzung des staatlichen Zusammenle­bens.[32]

Zhuangzi hingegen missachtet den Tod geflissentlich. Er ist der Meinung, dass es nicht möglich ist, das Leben vom Tod zu trennen.[33] Denn, wenn alles eins ist, alles im Dao ist, wie soll es dann mög­lich sein, Leben und Tod voneinander zu differenzieren.

Etwas aufzuteilen heißt etwas anderes zu erzeugen und etwas zu erzeugen, heißt etwas an­deres zu zerstören. Für die Dinge an sich gibt es daher weder Erzeugung noch Zerstörung, da sie alle zurückkehren zur Teilhabe an dem Einen, dem Dao. Leben und Tod sind vor­herbestimmt, da sie ein Wechselspiel des Himmels sind.[34] Der Tod wird nicht als negativ, sondern einfach als etwas zur Natur dazugehöriges angesehen.

Der Körper ist für Zhuangzi zwar etwas dem Menschen angehöriges, aber sollte er weitest­gehend nicht beachtet werden. Am besten sorgt man, laut ihm, dafür, dass der Körper in einen Zustand gebracht wird, in dem er funktioniert. Damit er einen nicht stört und man sich, so wenig wie möglich, auf ihn konzentrieren muss.[35]

Das Verhältnis zu Leben und Tod sollte also ein gleichgültiges sein. Die Einstellung des Taoisten lässt sich am besten wie folgt zusammenfassen: „Nimm die Welt leicht, und dein Geist wird nicht belastet sein. Sieh alles als unbedeutend an, und dein Geist wird nicht ver­wirrt sein. Betrachte Le­ben und Tod als gleichwertig, und dein Herz wird keine Furcht ken­nen.“[36]

[...]


[1] Debon, Günther, 1961, 1979 Lao-tse Tao-Te-King, Philipp Reclam jun. Gmbh & Co. KG, Stuttgart, Kapi­tel 1.

[2] Ebd.,Kapitel 1, §2.

[3] Ebd., Kapitel 1, §2.

[4] Wohlhaft, Günther, 2003, Zhuangzi Auswahl, Phillip Reclam jun. GmbH & Co KG, Stuttgart, Innere Ka­pitel, 5.

[5] Na, Wei, 1997, Die Philosophie des Taoisten Yan Junping, München, Seite 51 Zeile 2ff..

[6] Ebd., S. 69, Z.15.

[7] Ebd., S. 29 Z. 6ff..

[8] Cleary, Thomas, 1991, Das Tao der Politik, O.W. Barth Verlag, München, S. 30 Z. 14 ff..

[9] Debon, Günther, 1961, 1979 Lao-tse Tao-Te-King, Philipp Reclam jun. Gmbh & Co. KG, Stuttgart, Kapi­tel 25.

[10] Ebd., Kapitel 13.

[11] Ebd., Kapitel 34.

[12] Na, Wei, 1997, Die Philosophie des Taoisten Yan Junping, München, S. 31 Z. 1 ff..

[13] Ebd., Seite 7/8.

[14] Ebd., Seite 8.

[15] Cleary, Thomas, 1991, Das Tao der Politik, O.W. Barth Verlag, München, S. 54, Absatz 2.

[16] Ebd., Seite 13.

[17] Na, Wei, 1997, Die Philosophie des Taoisten Yan Junping, München, S. 79.

[18] Ebd., S. 102, Z. 29.

[19] Wohlhaft, Günther, 2003, Zhuangzi Auswahl, Phillip Reclam jun. GmbH & Co KG, Stuttgart, S. 23 Z. 29ff.

[20] Ebd., Herbstfluten, Kapitel 5.

[21] Debon, Günther, 1961, 1979 Lao-tse Tao-Te-King, Philipp Reclam jun. Gmbh & Co. KG, Stuttgart, Kapi­tel 55.

[22] Na, Wei, 1997, Die Philosophie des Taoisten Yan Junping, München, S. 41 Z. 30ff..

[23] Wohlhaft, Günther, 2003, Zhuangzi Auswahl, Phillip Reclam jun. GmbH & Co KG, Stuttgart, Der große Ahn und Meister, Kapitel 5.

[24] Ebd., Kapitel 10.

[25] Debon, Günther, 1961, 1979 Lao-tse Tao-Te-King, Philipp Reclam jun. Gmbh & Co. KG, Stuttgart, Kapi­tel 20.

[26] Ebd., Kapitel 62.

[27] Na, Wei, 1997, Die Philosophie des Taoisten Yan Junping, München, S. 65 Z. 28ff..

[28] Wohlhaft, Günther, 2003, Zhuangzi Auswahl, Phillip Reclam jun. GmbH & Co KG, Stuttgart, Der große Ahn und Meister, Kapitel 7.

[29] Wohlhaft, Günther, 2003, Zhuangzi Auswahl, Phillip Reclam jun. GmbH & Co KG, Stuttgart, Unbeküm­mertes Wan­dern, Kapitel 1.

[30] Ebd.,

[31] Ebd., Die Siegel vollkommener Integrität, Kapitel 3.

[32] Debon, Günther, 1961, 1979 Lao-tse Tao-Te-King, Philipp Reclam jun. Gmbh & Co. KG, Stuttgart, S.9.

[33] Ebd., S. 8.

[34] Wohlhaft, Günther, 2003, Zhuangzi Auswahl, Phillip Reclam jun. GmbH & Co KG, Stuttgart, Über die Gleichheit der Dinge, Kapitel 6.

[35] Ebd., Unbekümmertes Wandern, Kapitel 3.

[36] Cleary, Thomas, 1991, Das Tao der Politik, O.W. Barth Verlag, München, S. 108 Absatz 2.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Der Punk und das Dao. Einheit oder Gegensatz?
Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
21
Katalognummer
V365483
ISBN (eBook)
9783668448650
ISBN (Buch)
9783668448667
Dateigröße
556 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Taoismus, Dao, Subkultur, Punk, Der Weise
Arbeit zitieren
Saskia Janina Neumann (Autor), 2012, Der Punk und das Dao. Einheit oder Gegensatz?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/365483

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