Ambulante und integrierte Strukturen des Schweizer Gesundheitssystems


Studienarbeit, 2017
23 Seiten

Leseprobe

Inhalt

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

0 Aufgabenbeschreibung

1 Gesundheitssituation der Schweiz
1.1 Unterschiede zwischen Ost- und Westschweiz, Stadt und Land
1.2 Kosten, Finanzierung, Effizienz und Solidarität
1.3 Auswirkungen

2 Ambulante und integrierte Versorgungsstrukturen der Schweiz
2.1 Rechtliche Verankerung im KVG
2.2 Finanzielle Verankerung und Qualitätssicherung im KVG
2.3 Funktionsweise

3 Leitideen der ambulanten und integrierten Versorgung
3.1 Prävention und Empowerment
3.2 Optimaler Zugang zur Versorgung
3.3 Behandlungsrichtlinien
3.4 Bessere Integration und Koordination
3.5 Erhöhte Verbindlichkeit und Kontinuität
3.6 Erhöhte Transparenz
3.7 Patientenorientierte Versorgung und Selbstmanagement
3.8 Qualität und Patientensicherheit

4 Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum deutschen System

5 Positive Umsetzungspotentiale für Deutschland

6 Zusammenfassung und Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Krankenversicherungsprämien 2016 im kantonalen Vergleich (Bundesamt für Gesundheit zit. in Tagesanzeiger 2015:1)

Abb. 2: Zusammenspiel innerhalb der integrierten Versorgung (KPMG 2015:10)

Tabellenverzeichnis

Keine Tabellen enthalten

0 Aufgabenbeschreibung

Im berufsbegleitenden Fernstudiengang Master of Health Business Administration (MHBA) der Friedreich-Alexander-Universität Erlangen (FAU) ist es im dritten Semester Aufgabe, eine thematisch zu einem der beiden Studienmodule passende Einsendearbeit zu erstellen. Hierzu werden seitens der Hochschule jeweils zwei alternative Themen vorgeschlagen. Für die folgende Einsendearbeit wurde das Modul 5, Thema 2 ÄAmbulante und integrierte Strukturen in der Schweiz“ gewählt. Dabei werden zunächst die vorhandenen ambulanten Versorgungsstrukturen des Schweizer Gesundheitssystems aus ökonomischer Sicht strukturiert analysiert und auf den aktuellen Stand eingegangen. Im Anschluss daran werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu entsprechenden Entwicklungen in Deutschland diskutiert und eventuelle positive Umsetzungspotentiale für die ambulante und integrierte Versorgung in Deutschland identifiziert.

1 Gesundheitssituation der Schweiz

Mit den einleitenden Worten ÄDie Gesundheit der Schweizer Bevölkerung entwickelt sich stetig. Die Lebenserwartung steigt, manche Krankheiten treten weniger häufig auf, andere vermehrt“ (Obsan 2008:5) geht die Kurzfassung des Nationalen Gesundheitsberichtes 2008 der Schweiz auf die aktuelle Situation des dortigen Gesundheitswesens ein. Obwohl der vorliegende Bericht nunmehr acht Jahre zurückliegt und die Schweiz nicht 1 zu 1 auf die Bundesrepublik Deutschland übertragbar ist, gelten diese einleitenden Worte doch auch hier. Im Teil V (Das Versorgungssystem) stellt das Schweizerische Gesundheits-observatorium dann auf knapp drei Seiten das Versorgungssystem vor. ÄAlle Bewohnerinnen und Bewohner der Schweiz haben Zugang zu den Ressourcen, die das Gesundheits- wesen bereitstellt. Dies sichert ihnen das Krankenversicherungsgesetz zu. Trotzdem sind gewisse medizinische Leistungen nicht überall gleich gut verfügbar.“ (Obsan 2008:21) Als Gründe werden hierfür genannt, dass sowohl die vorhandenen Ressourcen als auch deren Beanspruchung durch die Versicherten je nach Kanton und Region heterogen sind. Die regionalen Unterschiede bestehen dabei nicht unbedingt bei allen medizinischen Leistungen. (Obsan 2008:21) ÄKonkret kommen solche Differenzen in der Schweiz auf drei Ebenen zum Tragen: zwischen Stadt und Land, zwischen der Ost- und der Westschweiz sowie zwischen grenznahen und grenzfernen Gebieten.“ (Obsan 2008:21)

1.1 Unterschiede zwischen Ost- und Westschweiz, Stadt und Land

Als Unterschied zwischen Stadt und Land wird dabei an erster Stelle die ambulante Versorgung genannt. Hier ist das Angebot ambulanter Leistungen im urbanen Gebiet wesentlich deutlicher ausgebaut. Es ist zwar so, dass diese Ressourcen auch von Patienten anderer Regionen zu nutzen sind - vor allem, wenn die Patienten bereit sind, zur Behandlung anzureisen - jedoch nimmt die städtische Bevölkerung auch ambulant erbrachte Behandlung häufiger in Anspruch, als dies Bewohner anderer Regionen tun, was besonders für psychiatrische Behandlungen zutrifft. Obwohl es auch in der Schweiz Heilmittelerbringer wie beispielsweise Physiotherapeuten oder Ergotherapeuten und Logopäden gibt, werden die meisten medizinischen Leistungen im ambulanten Bereich von Ärzten erbracht. Dabei sind mehr als 50% Allgemein- ärzte oder Hausärzte deren Verteilung einigermaßen regelmäßig die Schweiz überzieht. (Obsan 2008:21)

Anders sieht es hingegen bei den Spezialärzten aus, einschliesslich Kinderärztinnen, Gynäkologen sowie Psychiaterinnen: Sie praktizieren häufiger in den städtischen Gebieten. Aus diesem Grund ist das Leistungsspektrum der einzelnen Ärzte in peripheren, ländlichen Regionen vermutlich umfassender als jenes der Ärzte, die in den Städten arbeiten. Dafür spricht auch die Tatsache, dass auf dem Land jede zweite psychiatrische Diagnose von einem Grundversorger gemacht wird.

(Obsan 2008:21)

In Bezug auf die Unterschiede zwischen der West- und Ostschweiz stellen sich diese in erster Line bei chronischen Krankheiten dar. Hier sind überdies vor allem ältere Patienten betroffen. Während in der Ostschweiz eher auf Pflegeheime zurückgegriffen wird, werden im Westen eher Dienste der Spitex in Anspruch genommen. Ursache ist hier, dass die Kantone der Westschweiz über weniger Pflegeheimplätze verfügt. (Obsan 2008:21) Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen geht das Schweizerische Gesundheitsobservatorium auf den Zusammenhang zwischen der Nähe einer Region zur Landesgrenze und der dort verfügbaren Anzahl der Spitalbetten ein. Es wird dabei festgestellt, dass die größte Bettendichte dabei Basel-Stadt, Appenzell-Ausserrhoden, das Tessin und Graubünden aufweisen.

Die letztgenannten drei Kantone verfügen besonders in den Privatabteilungen über ein erhöhtes Angebot an Betten. Demgegenüber weisen Basel-Stadt und das Tessin die höchsten Hospitalisierungsraten der Schweiz aus.“

(Obsan 2008:21)

Auch bei der Beanspruchung der Leistungen zeigt sich ein Bild welches durchaus auch in der Bundesrepublik Deutschland vorzufinden ist: Der Sozioökonomische Status ist bestimmend für die Nutzung der Ressourcen! So werden vor allem ÄPräventionsleistungen wie Mammographie, medizinische Spezialbehandlungen oder Zahnpflege […] [von] Personen mit einem höheren Bildungsstand bei gleichem Gesundheitszustand mehr in Anspruch“ (Obsan 2008:21) genommen.

1.2 Kosten, Finanzierung, Effizienz und Solidarität

Im Jahre 2005 wurden schweizweit mit insgesamt rund 53 Milliarden Franken, also rund 11,4% des Bruttoinlandproduktes für Gesundheitsgüter und Dienstleistungen im Gesundheitsbereich ausgegeben. Einen höheren Wert erzielten lediglich die Vereinigten Staaten von Amerika. 46% aller Ausgaben entfielen dabei auf stationäre Behandlungen während die restlichen 54% - also der überwiegende Teil - auf Ausgaben im ambulanten Bereich entfielen. Den Großteil aller Gesundheitsausgaben (66%) tragen private Haushalte während Bund, Kantone und Gemeinden zusammen lediglich für 27% aufkommen. Der Großteil dieser Aufwendungen betrifft die Subventionierung stationärer Einrichtungen. Schweizer Unternehmen decken rund 7% des Gesamtfinanzierungsbedarfs durch Beiträge an die Unfallversicherung, die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) sowie die Invalidenversicherung (IV) ab. (Obsan 2008:22) Dabei weißt das Schweizerische Gesundheitsobservatorium darauf hin, dass die Situation innerhalb der Schweiz sehr heterogen ist und einzelne Kantone sich deutlich von anderen unterscheiden. Die Unterschiede liegen dabei sowohl auf der Seite der Versorgungsstrukturen als auch auf Kostenseite.

In manchen Kantonen wird fast drei Mal so viel für die Gesundheit ausgegeben wie in anderen. Die Ursachen für diese regionalen Differenzen sind umstritten. Im Vordergrund der Diskussion stehen Abweichungen in der Organisation, der Struktur sowie im Angebot von medizinischen Leistungen, hinzukommen soziodemographische und sozioökonomische Unterschiede.“

(Obsan 2008:22)

Als verantwortlich für überdurchschnittlich hohe Kosten mancher Kantone wird beispielsweise eine eher zentral gestaltete Versorgungsstruktur oder auch ein höherer Anteil an Spezialkliniken und Fachärzten gemacht, wobei bemerkenswert ist, dass tatsächliche gesundheitliche Faktoren eine eher marginale Rolle spielen. (Obsan 2008:22)

1.3 Auswirkungen

Nachdem die Gesundheitskosten der einzelnen Kantone stark divergieren, schlägt dieses Phänomen auch auf die zu zahlenden Krankenversicherungs-beiträge durch. Die folgende Abbildung zeigt die Grundversicherungsprämien in Schweizer Franken der einzelnen Kantone nach der Höhe abfallend geordnet. Die Höhe der Prämien ist oberhalb der Säulen in Klammern angegeben, die prozentuale Steigerung im Jahr 2016 fettgedruckt oberhalb der Säulen. Die Spannweite (Range) der Prämien liegt dabei im Bereich von SFr 459,- bis SFr 327,- also SFr 132,-, was bedeutet, dass eine Differenz von 40% vorliegt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Krankenversicherungsprämien 2016 im kantonalen Vergleich

(Bundesamt für Gesundheit zit. in Tagesanzeiger 2015:1)

Der Vorschlag des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums, wodurch die Versicherten Äwenigstens teilweise die Möglichkeit [haben], ihre Prämien zu optimieren […] [nämlich] indem sie ihren Wohnort“ (Obsan 2008:22) wechseln, liest sich eher wie ein schlechter Witz! Sinnreicher sind sicherlich die weiteren Vorschläge, die Krankenkasse zu wechseln oder sich Ädirekt an den Gesundheits- kosten [zu] beteiligen, etwa über eine höhere Franchise.“ (Obsan 2008:22) Die Idee, Äden Zugang zu Leistungserbringern des Gesundheitswesens freiwillig einschränken lassen“ (Obsan 2008:22) werden sich chronisch Kranke wohl nur bedingt leisten können! Im Weiteren verweist die Kurzfassung des Nationalen Gesundheits- berichts 2008 auf gesundheitsökonomische Analysen, die zu dem Schluss kommen, dass das schweizerische System der obligatorischen Krankenversicherung effizien- ter funktionieren könnte.

Als Vorschlag wird vor allem eine Anpassung beim Kontrahierungszwang zwischen Versicherern und Leistungserbringern erwogen um der Idee des regulierten Wettbewerbs mehr Platz einzuräumen. Weiterer Bedarf wird darin gesehen, die staatliche Subventionierung stationärer Einrichtungen zu erhöhen.

2 Ambulante und integrierte Versorgungsstrukturen der Schweiz

Wird von ÄIntegrierter Versorgung“ gesprochen, so existiert zunächst einmal keine allgemeingültige Definition, so dass immer nachgefragt werden muss, welcher Bereich und auch welcher Staat betroffen ist. In Europa gilt die Schweiz als Pionier im Bereich des Managed Care und der Integrierten Versorgung. Bereits 1990 wurden HMOs (Health Maintenace Organizations) ins Leben gerufen. (MHBA 2015:37) Zur Definition integrierter und ambulanter Versorgungsstrukturen kann für die Schweiz die am 30.09.2011 vollzogene Änderung des Bundesgesetzes über die Krankenver- sicherung (KVG) herangezogen werden. Es handelt sich demnach um eine ÄGruppe von Leistungserbringern, die sich zum Zweck der Koordination der medizi- nischen Versorgung“ (Art. 41c Abs. 1 KVG 2011) zusammenschließen.

In einem integrierten Versorgungsnetz wird der Prozess der Behandlung der Versicherten über die ganze Behandlungskette hinweg gesteuert. Das integrierte Versorgungsnetz muss den Zugang zu allen Leistungen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung sicherstellen.

(Art. 41c Abs. 1 KVG 2011)

2.1 Rechtliche Verankerung im KVG

Um die integrierte Versorgung innerhalb der Schweiz zu gewährleisten schließen die Krankenversicherungen mit dem integrierten Versorgungsnetz einen Vertrag. Dieser regelt insbesondere ÄZusammenarbeit, den Datenaustausch, die Qualitätssicherung und die Vergütung der Leistungen […].“ (Art. 41c Abs. 1 KVG 2011) Weiterhin wird bestimmt, dass im Rahmen des Behandlungsprozesses auch Abweichungen gegenüber den im Art. 34 Abs. 1 KVG vorgesehenen Leistungen vorgesehen werden, die über die Leistungen der obligatorischen Krankenversicherung hinausgehen. Artikel 34 Absatz 1 KVG verweist dabei auf den Umfang der Leistungsansprüche. Dabei dürfen Äim Rahmen der obligatorischen Krankenpflege- versicherung keine anderen Kosten als diejenigen für die Leistungen nach den Artikeln 25-33 […]“ (Art. 34 Abs. 1 KVG) übernommen werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Ambulante und integrierte Strukturen des Schweizer Gesundheitssystems
Autor
Jahr
2017
Seiten
23
Katalognummer
V365489
ISBN (eBook)
9783668448735
ISBN (Buch)
9783668448742
Dateigröße
747 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Integrierte Versorgung, Ambulante Versorgung, Schweiz
Arbeit zitieren
Horst Siegfried Kolb (Autor), 2017, Ambulante und integrierte Strukturen des Schweizer Gesundheitssystems, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/365489

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