Die vorliegende Hausarbeit konzentriert auf die Strategien, welche Veit Harlan und Leni Riefenstahl bei der Aufarbeitung der Vergangenheit in ihren Autobiographien anwenden, um ihre Tätigkeit als Regisseure im ‚Dritten Reich’ im Nachhinein zu erklären bzw. zu rechtfertigen.
Von besonderem Interesse erscheint mir hierbei die Frage, inwiefern es in den Texten zu einer Einsicht in eine mögliche Schuld oder Verantwortung kommt. Unter Berücksichtigung der Beeinflussung der Autobiographen durch ihren soziokulturellen, historischen Kontext soll auch dabei besonders herausgestellt werden, inwieweit die jeweiligen Darstellungen von bestimmten, tradierten Geschlechterstereotypen beeinflusst sind und inwiefern der Bezug auf diese geschlechtsspezifischen Rollenvorstellungen jeweils andere Argumentationsmuster erzeugt. Mit Blick auf die Zugehörigkeit von Veit Harlan und Leni Riefenstahl zur Berufsgruppe der Regisseure wird in der Seminararbeit zudem die Rolle, welche das Selbstverständnis als KünstlerIn bei dem Versuch der Exkulpation spielt, in die Überlegungen miteinbezogen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. Aufgabenstellung und Schwerpunkte der Seminararbeit
2. Rechtfertigungsstrategien in den Autobiographien Im Schatten meiner Filme von Veit Harlan und den Memoiren von Leni Riefenstahl
2.1 Leni Riefenstahl: Memoiren (1987)
a) Die Darstellung der Beziehung zum Nationalsozialismus/ der NS-Elite
b) Die Selbstdarstellung als Künstlerin und die Bewertung der eigenen Filme
2.2 Im Vergleich: Veit Harlan: Im Schatten meiner Filme (1966)
a) Die Darstellung der Beziehung zum Nationalsozialismus/ der NS-Elite
b) Die Selbstdarstellung als Künstler und die Bewertung der eigenen Filme
3. Zusammenfassung der Ergebnisse – Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Rechtfertigungsstrategien.
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit analysiert und vergleicht die autobiographischen Rechtfertigungsstrategien der Regisseure Leni Riefenstahl und Veit Harlan hinsichtlich ihrer Tätigkeit im nationalsozialistischen Filmwesen. Ziel ist es aufzuzeigen, wie beide Künstler ihre Verstrickung in das NS-Regime im Nachhinein zu erklären und durch spezifische Argumentationsmuster zu exkulpieren versuchen.
- Vergleich der autobiographischen Aufarbeitung der NS-Vergangenheit
- Analyse von Exkulpationsstrategien und Widerstandslegenden
- Einfluss von Geschlechterstereotypen auf die Selbstdarstellung
- Die Rolle des Selbstverständnisses als „unpolitischer“ Künstler
- Umgang mit den Vorwürfen der Propagandatätigkeit
Auszug aus dem Buch
2. Rechtfertigungsstrategien in den Autobiographien Im Schatten meiner Filme von Veit Harlan und den Memoiren von Leni Riefenstahl
Durch ihren engen persönlichen Kontakt zu NS-Größen und ihren Ruf als nationalsozialistische Propagandafilmerin nach 1945 in die Kritik geraten, will Leni Riefenstahl mit den im August 1987 erschienen Memoiren nach eigener Aussage „vorgefassten Meinungen ... begegnen und Mißverständnisse ... klären.“ Im Folgenden werde ich untersuchen, wie die Regisseurin ihr Verhältnis zum Nationalsozialismus und der NS-Elite in ihrer Autobiographie erinnernd aufarbeitet, und anschließend gesondert auf ihre Ausführungen zu ihrer Tätigkeit als Regisseurin und ihrer Darstellung und eigenen Bewertung ihrer zur Zeit des Nationalsozialismus Filme eingehen.
a) Die Darstellung des Verhältnisses zum Nationalsozialismus und der NS-Elite
In der Darstellung ihrer Beziehung zum Nationalsozialismus versucht Leni Riefenstahl den engen, persönlichen Kontakt zu Hitler und der nationalsozialistischen Elite zu erklären, der seit 1932 bestand. Dabei wehrt sie sich in ihrer Autobiographie vehement gegen die Annahme, sie sei jemals überzeugte Nationalsozialistin gewesen. Ausführlich äußert sie sich über ihre Haltung zu der politischen Strömung und dem NS-Regime. Allein die „sozialistischen Pläne“ der Nationalsozialisten hätten sie begeistert. Dem Antisemitismus habe sie jedoch stets ablehnend gegenübergestanden, meint sie, und betont eine schon in ihrer Jugend stark ausgeprägte Toleranz und ihre enge Freundschaft zu Juden, wie Joseph Sternberg oder Manfred George. Mutig will Leni Riefenstahl Hitler daher öfters aufgrund seiner rassistischen Einstellungen kritisiert haben. Auch die diversen Rettungsaktionen von verfolgten Mitbürgern, die in den Memoiren erwähnt werden, sind in diesem Zusammenhang als Entlastungsstrategie zu werten. Als Beleg für ihre eher ablehnende Haltung zum Nationalsozialismus zählt für die Regisseurin vor allem die Tatsache, dass sie nie Parteimitglied der NSDAP wurde. An Politik sei sie überdies sowieso nie interessiert gewesen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung. Aufgabenstellung und Schwerpunkte der Seminararbeit: Die Einleitung definiert das Forschungsinteresse an der autobiographischen Aufarbeitung der NS-Vergangenheit durch zwei prominente Regisseure und begründet die methodische Herangehensweise eines Vergleichs.
2. Rechtfertigungsstrategien in den Autobiographien Im Schatten meiner Filme von Veit Harlan und den Memoiren von Leni Riefenstahl: Dieser Abschnitt untersucht detailliert die verschiedenen Strategien beider Regisseure, ihre künstlerische Arbeit für das NS-Regime zu rechtfertigen, wobei besonders die Konstruktion von Rollenbildern und persönlichen Entlastungsmotiven im Zentrum steht.
3. Zusammenfassung der Ergebnisse – Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Rechtfertigungsstrategien.: Dieses Kapitel resümiert die Analyse und hebt hervor, dass trotz individueller Nuancen und geschlechterspezifischer Rollenmuster die Stilisierung zum unpolitischen, autonomen Künstler die zentrale gemeinsame Rechtfertigungsstrategie darstellt.
Schlüsselwörter
Leni Riefenstahl, Veit Harlan, Autobiographie, Rechtfertigungsstrategien, Nationalsozialismus, NS-Propaganda, Filmgeschichte, Exkulpation, Geschlechterstereotypen, Kunst und Politik, Selbstinszenierung, Vergangenheitsbewältigung, Jud Süß, Triumph des Willens, NS-Elite.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit befasst sich mit der Analyse autobiographischer Texte von Leni Riefenstahl und Veit Harlan, um zu untersuchen, wie diese nach 1945 ihre aktive Rolle als Regisseure im „Dritten Reich“ in ihren Memoiren rechtfertigen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Mittelpunkt stehen die Strategien zur persönlichen Entlastung, die Konstruktion einer unpolitischen Künstleridentität sowie der Umgang mit der eigenen NS-Vergangenheit in der Nachkriegszeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die spezifischen Argumentationsmuster aufzudecken, mit denen sich Riefenstahl und Harlan von der Verantwortung für ihre propagandistische Filmtätigkeit freisprechen wollen, unter Berücksichtigung von Einflüssen wie soziokulturellem Kontext und Geschlechterrollen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse der beiden Autobiographien, ergänzt durch Fachliteratur zur Filmgeschichte und NS-Forschung, um die Rechtfertigungsnarrative kritisch zu hinterfragen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in zwei Abschnitte, die jeweils Riefenstahls Memoiren und Harlans Selbstbiographie einzeln untersuchen und dabei deren Darstellung ihrer Beziehung zum NS-Regime sowie ihr Selbstverständnis als Künstler analysieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem mit Begriffen wie Rechtfertigungsliteratur, NS-Propaganda, künstlerische Autonomie, Schuldabwehr und Geschlechterstereotypen charakterisieren.
Wie unterscheidet sich Riefenstahls Rechtfertigung von der Harlans?
Riefenstahl stützt sich stark auf das Klischee weiblicher Passivität und Schicksalsergebenheit, während Harlan versucht, sich als neutraler Beobachter im „Wir“-Gefüge der Filmschaffenden zu positionieren und sich auf seine innere Opposition beruft.
Welche Rolle spielt Goebbels in den Darstellungen der Regisseure?
Goebbels wird von beiden als mächtiger Gegenspieler oder „Drahtzieher“ inszeniert, um die eigene Verantwortung für die NS-Filme zu minimieren und sich selbst in eine Opferrolle zu drängen.
Warum betonen beide Regisseure ihre angebliche Unpolitischkeit?
Durch die Inszenierung als „unpolitische“ Künstler, die nur ästhetischen Idealen verpflichtet waren, versuchen sie, die ideologische Wirkung ihrer Filme auf die Bevölkerung als irrelevant oder nicht intendiert darzustellen.
Wird die Schuldfrage in den Autobiographien eindeutig beantwortet?
Nein, die Autobiographien dienen explizit der Vermeidung der Schuldfrage; anstatt individuelles Versagen einzugestehen, werden die Vorwürfe als Verleumdungen durch „Feinde“ delegitimiert.
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- Carola Katharina Bauer (Author), 2007, "Memoiren" von Leni Riefenstahl und "Im Schatten meiner Filme" von Veit Harlan. Die Strategien der Rechtfertigung und Entlastung zweier "Propaganda-Regisseure" des Dritten Reiches, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/365548