Deutschland im Sommer 2015. Tausende Flüchtlinge kommen nach Deutschland und die Bevölkerung und Politik stehen vor der Herausforderung, diesen Zustrom zu koordinieren und die Hilfesuchenden zu integrieren. Gleichzeitig gehen immer mehr Demonstranten, geführt von PEGIDA, in Dresden und ihre Ableger in weiteren Städten auf die Straßen um ihre Besorgnis, durch eine vermeintliche Überfremdung Deutschlands kundzutun. Gleichzeitig kommt es zu immer mehr Übergriffen auf Flüchtlingsunterkünfte, bei denen Aufnahmelager in Brand gesteckt werden und auf Bewohner geschossen wird.
Doch wenn sich selbst Erwachsene schwer tun Toleranz und Offenheit zu zeigen, wie sieht es dann mit jüngeren Generationen aus? In wieweit werden Schülerinnen und Schüler hier von ihrer Umwelt beeinflusst? Welche Haltung haben Grundschüler gegenüber Flüchtlingen? Konkret behandelt diese Arbeit das Thema: Die Bedeutung der Umwelt für die emotionale Entwicklung von Kindern im späten Grundschulalter im Kontext der Auseinandersetzung mit dem Thema ‚Flüchtlinge‘. Um dies zu untersuchen, setzt sich diese Forschungsarbeit im theoretischen Teil mit der emotionalen Entwicklung von Kindern im späten Grundschulalter und den Sozialisationsfaktoren auseinander, die im Meinungsbildungsprozess entscheidend sein können. Der zweite Teil beinhaltet eine Querschnittsumfrage, bei denen Grundschüler zu ihrer Einstellung gegenüber Flüchtlingen befragt werden. Im Fazit wird auf die Sonderstellung der Institution Schule und ihre Gesellschaftliche Verantwortung bei der Sozialisation von Kindern eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Emotionen von Kindern im Grundschulalter
3. Die Vorstellungen von Kindern über weltliche Themen
4. Die Sozialisation von Kindern durch Bezugsgruppen
4.1. Sozialisation durch Familie
4.2. Sozialisation durch Gleichaltrigen
4.3. Sozialisation durch Medien
5. Praktischer Teil – Evaluation in einer Grundschule
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit untersucht, wie die soziale Umwelt, insbesondere Familie, Gleichaltrige und Medien, die emotionale Entwicklung und Meinungsbildung von Grundschulkindern im Kontext des Themas "Flüchtlinge" beeinflusst.
- Einflussfaktoren der emotionalen Entwicklung bei Kindern
- Sozialisation durch Familie, Peer Groups und Medien
- Wahrnehmung weltlicher Themen und Nachrichten durch Kinder
- Empirische Untersuchung der Haltungen von Grundschülern gegenüber Flüchtlingen
- Bedeutung der Schule bei der Wertevermittlung
Auszug aus dem Buch
4.2. Sozialisation durch Gleichaltrigen
Mit zunehmenden Alter nimmt die Bedeutung der Familie auf die soziale Entwicklung des Kindes ab. Die Gruppe der Gleichaltrigen (Peer Group) ist besonders zum Grundschulalter von zentraler Wichtigkeit für die Sozialisation der Kinder. Dies liegt bei Kindern neben dem Verlauf der individuellen Biographie, Reifung und dem Wandel von Schulischem Lernen auch an der „asymmetrischen Beziehung von Erwachsenen und Kindern“.
Kinder fällt es schwer, sich mit ihren Eltern zu messen. Deshalb nimmt der Reiz, Zeit mit Gleichaltrigen zu verbringen kontinuierlich zu. In der Peer Group lernen die Kinder wechselseitig, sich anzupassen, zu profilieren, Kompromisse zu schließen und treffen auf Dominanz oder dominieren selbst. Damit ist die Gleichaltrigengruppe auch bei Grundschülern „ein unverzichtbares Lernfeld für egalitäre und selbstbestimmte Beziehungen. [...] Man kann diesen Erwerb ‚öffentlicher Kompetenz‘ in der Gleichaltrigengruppe als Teil der latenten politischen Sozialisation verstehen.“
In Peer Groups werden jedoch häufig auch Verhaltensweisen bewusst oder unbewusst befördert, die durch die Statusverhältnisse innerhalb der Gruppe geprägt werden. Dies kann gerade für Gruppenmitglieder, die aus einem „schlechten Zuhause“ kommen, dazu führen, „in ‚schlechte Gesellschaft‘ zu geraten.“, in der beispielsweise extreme Haltungen gegenüber anderen Gruppen propagiert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die aktuelle Flüchtlingssituation in Deutschland ein und skizziert die Fragestellung zur emotionalen Entwicklung von Grundschulkindern in diesem Kontext.
2. Emotionen von Kindern im Grundschulalter: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Emotion und erörtert, wie Umweltfaktoren und Extremsituationen die emotionale Entwicklung von Kindern beeinflussen.
3. Die Vorstellungen von Kindern über weltliche Themen: Hier wird analysiert, wie Kinder abstrakte Weltgeschehnisse wahrnehmen und welche altersabhängigen Konzepte sie für komplexe Themen wie "Krieg" entwickeln.
4. Die Sozialisation von Kindern durch Bezugsgruppen: Das Kapitel beleuchtet die Rolle von Familie, Gleichaltrigen und Medien als Sozialisationsinstanzen für die Meinungsbildung von Kindern.
5. Praktischer Teil – Evaluation in einer Grundschule: Der Teil dokumentiert eine durchgeführte Umfrage in zwei Schulklassen, um Einstellungen und Wissen von Kindern zum Thema Flüchtlinge zu erheben.
6. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass Kinder früh eigene Meinungen bilden und betont die Verantwortung von Schule und Eltern, soziale Lernprozesse im Sinne toleranter Werte zu begleiten.
Schlüsselwörter
Flüchtlinge, Sozialisation, Grundschule, emotionale Entwicklung, Familie, Gleichaltrige, Medien, Meinungsbildung, Integration, Vorurteile, Schule, politische Bildung, Kinder, Wertevermittlung, Evaluation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die emotionale Entwicklung von Grundschulkindern und ihre Wahrnehmung des Themas "Flüchtlinge" im Hinblick auf den Einfluss ihrer sozialen Umwelt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentral sind die theoretischen Grundlagen zur Sozialisation (Familie, Freunde, Medien), die kognitive und emotionale Entwicklung von Kindern sowie die empirische Erhebung von Schülerhaltungen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel ist es zu verstehen, welche Rolle die Umwelt bei der Bildung von Einstellungen gegenüber Flüchtlingen bei Kindern spielt und ob diese von Offenheit oder Vorbehalten geprägt sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird für den praktischen Teil verwendet?
Es wurde eine quantitative Querschnittsumfrage mittels Fragebögen in zwei Grundschulklassen durchgeführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung der Sozialisationsfaktoren und eine praktische Evaluation zur Einstellung von 34 Grundschülern zum Flüchtlingsthema.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten über Begriffe wie Sozialisation, kindliche Meinungsbildung, Mediennutzung und emotionale Haltung definieren.
Wie unterscheidet sich die Wahrnehmung von Flüchtlingen bei den Schülern?
Die Arbeit zeigt, dass die Haltung der Kinder durch ihr Umfeld (Klasse, Eltern, Medien) beeinflusst wird, wobei eine Kluft zwischen kognitiver Einschätzung und emotionaler Offenheit bei persönlicher Begegnung existiert.
Welchen Einfluss haben Medien auf die Flüchtlingswahrnehmung der Kinder?
Medien wie Fernsehen und Nachrichten fungieren als Hauptinformationsquelle, wobei Kinder durch Bilder aus Nachrichten oft verunsichert werden, aber auch ein ausgeprägtes Interesse an Hintergrundinformationen zeigen.
Was ist das Hauptergebnis bezüglich des Verhaltens bei persönlicher Begegnung?
Die Studie und das Fazit zeigen, dass Kinder bei persönlicher Begegnung mit neuen Flüchtlingskindern in ihrer Klasse trotz theoretischer Vorbehalte oft positiv, neugierig und einfühlsam reagieren.
- Arbeit zitieren
- Jan Kircher (Autor:in), 2016, Konfrontation mit Unbekannten. Die Bedeutung der Umwelt für die emotionalen Entwicklung von Kindern im späten Grundschulalter im Kontext der Auseinandersetzung mit dem Thema ‚Flüchtlinge‘, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/365622