Diese Arbeit behandelt Sterbehilfe und Suizid. Im speziellen, warum Kant diese ausnahmslos ablehnen würde.
Immanuel Kant geht davon aus, dass das Moralprinzip seinen Ursprung nicht in der biopsychischen Natur, sondern in der Vernunft des Menschen hat. Die Natur kann dem Menschen kein Kriterium sittlichen Handelns vorgeben. Sie hat nicht die Fähigkeit zur moralisch-praktischen-Handlungsanweisung, das vollbringt alleine nur die reine praktische Vernunft. Kant distanziert sich von jeglicher moral-sense-Philosophie, wenn er verdeutlicht, dass das Sittengesetz nicht gefühlt, sondern gedacht wird. Er konzipiert dieses Sittengesetz als ein allgemeingültiges Kriterium, anhand dessen wir die Richtigkeit moralischer Urteile überprüfen können.
In Bezug auf den Menschen lässt sich das Sittengesetz nur als ein Sollens-Satz mit Aufforderungscharakter formulieren, Kant nennt diesen kategorischer Imperativ. Dies hängt mit der Doppelnatur des Menschen zusammen, der nicht nur als ein Vernunft-, sondern auch als ein Sinnenwesen betrachtet werden muss. Ein rationales Wesen, das kein Leib und somit auch keine sinnlichen Bedürfnisse hat, handelt nach Kant notwendig in Übereinstimmung mit dem, was es als moralisch Richtige erkannt hat. Der Mensch muss deswegen als leibliches Wesen jederzeit mit dem Wiederstand seiner Neigungen gegenüber seiner Vernunft rechnen.
Inhaltsverzeichnis
These:
Einführung in Kants Moralphilosophie
Der gute Wille
Der Mensch handelt nach Prinzipien
Pflichtmäßiges Handeln
Einführung zur Sterbehilfe und dem Suizid
Definition des ,,Sterbehilfe“ Begriffs
Formen von Sterbehilfe
Sterbehilfe in Deutschland
Risiken der Sterbehilfe
Verifizierung der These
Vollkommene und unvollkommene Pflichten
Das naturteleologische Argument
Das Argument der Autonomie
Beispiele zur Sterbehilfe und Selbsttötung
Kritik
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht aus der Perspektive der kantischen Moralphilosophie, inwiefern Sterbehilfe und Suizid ethisch vertretbar sind. Dabei wird analysiert, wie Kants kategorischer Imperativ und sein Verständnis von Pflichten, Autonomie und der Natur des Menschen eine Ablehnung dieser Handlungen begründen, und wo die Grenzen dieser Argumentation in der ethischen Debatte liegen.
- Grundlagen von Kants Moralphilosophie und dem kategorischen Imperativ.
- Definition und Formen der Sterbehilfe sowie deren rechtliche Lage in Deutschland.
- Die naturteleologische Argumentation und das Prinzip der Selbstliebe bei Kant.
- Die Rolle der Autonomie und Selbstzweckhaftigkeit der Person in der kantischen Ethik.
- Kritische Reflexion über die Anwendbarkeit des kategorischen Imperativs auf Einzelfälle und komplexe Lebenssituationen.
Auszug aus dem Buch
Das Argument der Autonomie
In seinem Werk,, Metaphysik der Sitten“ , argumentier Kant nicht mehr naturteleologischen Hintergrunds, sondern er führt die Selbstzweckhaftigkeit der Person als normativen Maßstab an:
,, Der Persönlichkeit kann der Mensch sich nicht entäußern, so lange von Pflichten die Rede ist, folglich so lange er lebt, und es ist ein Wiederspruch, die Befugnis zu haben, sich aller Verbindlichkeit zu entziehen, d. i. frei so zu handeln, als ob es zu dieser Handlung gar keine Befugnis bedürfte. Das Subject der Sittlichkeit in seiner eigenen Person zernichten, ist eben so viel, als die Sittlichkeit selbst ihrer Existenz nach, so viel an ihm ist, aus der Welt vertilgen, welche doch Zweck an sich selbst ist; mithin über sich als bloßes Mittel zu ihm beliebigen Zweck zu disponieren, heißt die Menschheit in seiner Person ( homo noumenon) abwürdigen, der doch der Mensch (homo phaenomenon) zur Erhaltung anvertraut war.“19
Hier wird sehr schnell deutlich, dass die willentliche Tötung eines freien Lebewesens, die Auslöschung eines freien Willens bedeutet. Die freiwillige Auslöschung der eigenen Person, bedeutet gleichzeitig, die Auslöschung der eigenen Selbstbestimmung :,, Der Akt des Selbstmordes bedeutet in dieser Perspektive demnach nichts anderes als eine zukünftige Selbstverunmöglichung der Freiheitsausübung unter notwendigem Rekurs aus das Vermögen der freien Handlung.“20 Hier wird jedoch auch ein klarer Wiederspruch deutlich. Der Selbstmörder verdeutlicht mit seinem Suizid einerseits, das er selbstbestimmend und nach seinem Willen handelt, anderer seits schließt er mit seinem Tod jede weitere selbstbestimmende Handlung aus. Da der Mensch jedoch ein vernünftiges Wesen ist und somit auch Würde besitzt, kann ein Selbstmord keine moralische Handlung darstellen. Der Selbstmörder verfehlt seine Bestimmung, indem er unwürdig handelt.
Zusammenfassung der Kapitel
These: Die Arbeit stellt die These auf, dass Kant Sterbehilfe und Suizid aufgrund seiner Moralphilosophie ablehnen würde.
Einführung in Kants Moralphilosophie: Dieses Kapitel legt die Grundlagen von Kants Ethik dar, insbesondere den guten Willen, den kategorischen Imperativ und die Unterscheidung zwischen Vernunft- und Sinnenwesen.
Einführung zur Sterbehilfe und dem Suizid: Hier werden Definitionen verschiedener Formen der Sterbehilfe geklärt und der Kontext der ärztlichen Beihilfe sowie die rechtliche Situation in Deutschland beleuchtet.
Verifizierung der These: In diesem Kapitel wird die These mittels deontologischer Argumentationsmuster wie dem naturteleologischen Argument und dem Autonomie-Argument überprüft.
Kritik: Das abschließende Kapitel kritisiert die mangelnde Berücksichtigung von Einzelfällen im kategorischen Imperativ und diskutiert die moralische Komplexität anhand praktischer Beispiele.
Schlüsselwörter
Immanuel Kant, kategorischer Imperativ, Sterbehilfe, Suizid, Moralphilosophie, Pflicht, Autonomie, Selbstbestimmung, Menschenwürde, deontologische Ethik, Naturgesetz, Selbstliebe, Medizinethik, Patientenverfügung, Handlungsmaxime
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung der ethischen Vertretbarkeit von Sterbehilfe und Suizid unter Rückgriff auf die Philosophie von Immanuel Kant.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Grundlagen der kantischen Ethik, die Definition und Klassifizierung der Sterbehilfe, sowie die deontologischen Argumentationslinien bezüglich der menschlichen Autonomie und Selbsterhaltung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Kants kategorischen Imperativ auf die Problematik der Sterbehilfe anzuwenden, um zu prüfen, ob eine ethische Ablehnung dieser Handlungen daraus logisch folgt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine philosophische Analyse und Interpretation primärer Werkauszüge von Immanuel Kant, ergänzt durch die Anwendung dieser Theorie auf aktuelle ethische und medizinrechtliche Fallbeispiele.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Konzepte wie Pflichten und Autonomie und wendet diese durch Argumentationsmodelle wie das naturteleologische Argument auf die Sterbehilfe an.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Kant, kategorischer Imperativ, Sterbehilfe, Autonomie, Pflicht, Menschenwürde und deontologische Ethik.
Wie bewertet Kant nach dieser Arbeit das Verhältnis von Selbstliebe und Suizid?
Kant sieht in der Selbsttötung einen Widerspruch zur Selbstliebe, da diese darauf ausgerichtet ist, Leben zu befördern, weshalb der Suizid als moralisch unzulässig gilt.
Was ist der Kern der Kritik an Kants Ansatz in der Arbeit?
Die Kritik fokussiert sich darauf, dass der kategorische Imperativ aufgrund seines Anspruchs auf Allgemeingültigkeit den individuellen Umständen und dem Einzelfall nicht gerecht werden kann.
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- Anna S. (Author), 2012, Immanuel Kants Ablehnung von Sterbehilfe und Suizid, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/365658