Parasoziale Interaktionen und Beziehungen mit Sportstars


Hausarbeit, 2017

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2 Theoretische Grundlagen zur Rezipientenforschung
2.1 Parasoziale Interaktion
2.2 Parasoziale Beziehung
2.3 Personae

3. Anwendung auf die Sportrezeption
3.1 Rolle der parasozialen Interaktion
3.2 Intensitatsstufen der parasozialen Interaktion
3.3 Parasoziale Beziehungen zu Sportlern
3.3.1 Unterschiedliche Beziehungsqualitaten und -funktionen

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Warum leiden wir mit, wenn Weltfuftballer Christiano Ronaldo im Finale der FIFA Fuftball Europameisterschaft 2016 verletzt vom Platz getragen wird? Wieso druckt eine ganze Nation schwere Anteilnahme an dem Selbstmord von Nationaltorhuter Robert Enke im Jahr 2009 aus und verfolgt dessen Gedenkfeier mit uber 35.000 im Stadion von Hannover 96 und 40.000 Menschen beim Trauermarsch durch die Stadt? Diese Phanomene einer personlichen Bindung zu Medienakteuren (oder Sportlern) lassen sich anhand des zentralen Konzepts der Medienrezipientenforschung nach den amerikanischen Kommunikationswissenschaftlern Horten und Wohl aus dem Jahre 1956 wissenschaftlich erklaren und aufdie Sportrezeption ubertragen.

Um das Verhaltnis zwischen Rezipient und Medienakteuren darstellen zu konnen, gilt es zunachst das Konzept der parasozialen Interaktion nach Richard Horton und Donald Wohl aus dem Jahr 1956 vorzustellen. Dabei sind auch die wesentlichen Begrifflichkeiten der parasozialen Interaktion und der parasozialen Beziehung definitorisch voneinander abzugrenzen. Anschlieftend soll das Konzept der parasozialen Interaktion, welches nach Horton und Wohl zunachst vor allem auf prominente Medienfiguren der 50er Jahre in den USA angewandt wurde, auf die parasoziale Interaktion mit Personen aus der Sportberichterstattung, wie herausragenden Athleten - den Sportstars ubertragen werden.

In dem folgenden Kapitel dieser Hausarbeit werden zunachst die theoretischen Grundlagen zur Arbeit von Horten und Wohl aufgezeigt und die verschiedenen Definitionen und Ansatze des zentralen Konzepts gegeben. Daran anknupfend werden die zuvor genannten theoretischen Grundlagen mehr Bezug auf die Sportrezeption nehmen und naher erlautert werden. Im weiteren Verlauf soll aufbauend auf den bereits ausgefuhrten Aspekten des Verhaltnisses zwischen Rezipienten und Sportstars ein genaueres Bild dieses Phanomens in der Sportrezeptionsforschung gegeben werden.

2. Theoretische Grundlagen zur Rezipientenforschung

2.1 Parasoziale Interaktion

Das Konzept der parasozialen Interaktion wurde erstmals 1956 von den amerikanischen Kommunikationswissenschaftlern Richard Horton und Donald Wohl begrundet. Die parasoziale Interaktion beschreibt die Illusion einer face-to- face Kommunikation zwischen Rezipient und einem Darsteller oder Performer in Massenmedien wie dem Fernsehen oder Radio (Horton & Wohl, 1956).

Die vorliegende Arbeit nimmt im Weiteren jedoch ausschlieftlich Bezug auf Sportler (und insbesondere Sportstars).

Eine Solche Illusion einer scheinbaren face-to-face Interaktion entsteht vor allem dadurch, dass der Performer sein Verhalten an die erwartete Reaktion des Zuschauers anpasst und den Zuschauer vielfach durch eine direkte Ansprache adressiert(Adelmann, 2002). Durch diese Illusion einer face-to-face Kommunikation ist dem Rezipienten die Moglichkeit gegeben zu interagieren, als ob er mit dem Performer in einer direkten personalen Interaktion stunde. Daher ist die parasoziale Interaktion in gewisser Weise vergleichbar mit sozialen Handeln in tatsachlichen personalen Interaktionssituationen (Gleich, 1996).

Die Ahnlichkeit und gleichzeitig auch die Andersartigkeit aufgrund der medialen Vermitteltheit zur sozialen Interaktion wird durch die Vorsilbe „para“ im Konzept der parasozialen Interaktion signalisiert (Effinger, 2002). Aufterdem kennzeichnet die Vorsilbe ,,para“ auch die Vermitteltheit der Interaktion (Wulff, 1996). Dieses Phanomen einer wechselseitigen Kommunikation haben Horton und Wohl als parasoziale Interaktion bezeichnet (Horton & Wohl, 1956).

Die parasoziale Interaktion zeichnet sich durch die Einseitigkeit und mediale Vermitteltheit aus. Im Vergleich zu einer normalen Interaktion, die von Wechselseitigkeit gepragt ist, ist die parasoziale Interaktion fur den Rezipienten aufgrund der Einseitigkeit sehr angenehm, da er gegenuber dem Performer keinerlei Verpflichtungen oder Verantwortung eingeht. Dies ermoglicht dem Zuschauer, sich jederzeit ohne daraus folgenden Konsequenzen aus der Interaktion zu entziehen (Horton & Wohl, 1956). Dies kann zum Beispiel durch negative Kommentare auf Social Media Kanalen oder durch Pfiffe im Stadion geauftert werden. Die Interaktion weist also nicht alle Komponenten einer direkten face-to- face Kommunikation auf und kann aufgrund ihrer Vermitteltheit durch das Medium und ihrer Einseitigkeit als asymmetrische Interaktionsform gekennzeichnet werden (Horton&Wohl, 1956).

2.2 Parasoziale Beziehung

Die Parasoziale Beziehung ist das Resultat der parasozialen Interaktion (Gleich, 1996). Aus einer Kette mehrere parasozialer Interaktionen entsteht eine parasoziale Beziehung. Dabei ist die vorherige parasoziale Interaktion als Grundlage fur die darauffolgende parasoziale Beziehung zu verstehen. Nach Krotz (1996) ist eine parasoziale Beziehung im Gegensatz zu einer parasozialen Interaktion,, eine durch Gewohnheit, kognitive Operationen und Emotionen vermittelte situationsubergreifende Bindung“.

Wahrend also die parasoziale Interaktion auf die Dauer der Rezeption beschrankt bleibt, kann eine parasoziale Beziehung, ahnlich wie eine reale Freundschaft, uber die unmittelbare Rezeption hinaus Bestand haben. Dennoch unterliegt sie dynamischen Veranderungsprozessen (Gleich, 1996).

„Wenn die Rezipienten einer Persona begegnen und mir ihr parasozial interagieren, memorieren sie automatisch bestimmte Vorstellungen und Einstellungen. Auf diese Weise formt sich bereits im Zuge des Erstkontakts mit einer Persona ein personaspezifisches Beziehungsschema“ (Hinde, 1993).

Ein solches Beziehungsschema lasst sich durch die folgenden zwei Kategorien bilden. Erstens: Durch kognitive Komponenten, also bestimmte Attribute die einer Persona zugeordnet werden wie Kleidungsstil, sportlerisches Konnen oder Charaktereigenschaften. Zweitens: Durch affektive Komponenten wie die der Idealisierung, der wahrgenommenen Intimitat oder des Abscheus. (Hartmann, 2004).

Daraus folgend wird ein etabliertes Beziehungsschema uber weitere parasoziale Interaktionen mit der Persona weiterentwickelt und steht in Wechselwirkung mit der parasozialen Beziehung.

2.3 Personae

Horton und Wohl kennzeichnen eine besondere Art von Performern: Die Personae. Die Persona ist in ihrer Funktion fur den Rezipienten lediglich innerhalb des Massenmediums selbst, also innerhalb der parasozialen Interaktion, existent. Zu den Personae zahlen Horton und Wohl beispielsweise Moderatoren, Quizmaster oder Nachrichtensprecher, fur die eine direkte Form der Adressierung in ihrer Performance charakteristisch ist. Es sind Menschen, die keine fiktive Rolle spielen, sondern nur sich selbst (Wulff, 1996). Durch diese Form der Adressierung stellen sie eine Jntimitat auf Distanz" zu den Rezipienten von Massenmedien her (Horton & Wohl, 1956). Das Auftreten der Persona ist aufterdem ein regelmaftiges Ereignis, das der Rezipient in seine tagliche Routine integrieren kann. Auch das Verhalten der Persona ist vorhersagbar, da die Verhaltensweisen durch die Vorgaben des Fernsehformats geregelt sind. Aus der Bestandigkeit einer parasozialen Interaktion erwachst daher eine parasoziale Beziehung. In der parasozialen Interaktion kann die Persona fur den Rezipienten als Troster, Ratgeber oder Vorbild fungieren (Horton & Wohl, 1996).

Fur die vorliegende Arbeit sind allerdings vor allem Sportler relevant. Daher soll das Konzept der parasozialen Interaktion im Folgenden auf Sportler, genauer Sportstars, ubertragen werden.

2.3.1 Sportlerals Personae

Worin sich letztendlich die Sportler - Personae von nonfiktionalen Personae wie Moderatoren unterscheiden ist ihr Star- bzw. Idol Charakter (Hartmann, 2004). Ahnlich wie bei Film- und Fernsehstars, Musikern und Prominenten ist es denkbar, dass Zuschauer sich mit erfolgreichen Sportlern identifizieren (Gleich, 1996). Diese Identifikation wird zusatzlich durch spezifische Attribute der Sportberichterstattung verstarkt, wie zum Beispiel durch dramatisierende Mittel wie Slowmotion oder Kommentaren, die zur Steigerung der Spannung fuhren.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Parasoziale Interaktionen und Beziehungen mit Sportstars
Hochschule
Deutsche Sporthochschule Köln
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
14
Katalognummer
V365661
ISBN (eBook)
9783668688544
ISBN (Buch)
9783668688551
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sportmanagement, Sportkommunikation, Parasoziale Beziehungen, Kommunikation, Sport
Arbeit zitieren
Ana Burg (Autor), 2017, Parasoziale Interaktionen und Beziehungen mit Sportstars, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/365661

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