"Einer flog über das Kuckucksnest". Darstellung des manipulativen Charakters des R.P. McMurphys in Buch und Film

Ein Vergleich


Hausarbeit, 2014
16 Seiten, Note: 3,0
Anonym

Leseprobe

Inhalt

1. Vorwort

2. Einleitung

3. Synopsis

4. Narrative Instanzen
4.1. Der Erzähler im Roman
4.2. Erzählende Instanz in der Literaturverfilmung

5. Darstellung des manipulativen Charakters des R.P McMurphys
5.1. Darstellung des manipulativen Charakters R.P. McMurphys im Bucham Beispiel seines ersten Gesprächs mit dem Doktor
5.2. Darstellung des manipulativen Charakters R.P. McMurphy im Film am Beispiel seines ersten Gesprächs mit dem Doktor

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis
7.1. Primärliteratur
7.2. Forschungsliteratur

1. Vorwort

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Vergleich des von Ken Kesey geschriebenen tragikomischen Romans Einer flog über das Kuckucksnest (Originaltitel: One flew over the cuckoos's nest) und der gleichnamigen Verfilmung von Regisseur Miloš Forman. Der Vergleich wird sich auf die jeweiligen deutschen Übersetzungen beziehen und dabei anhand von ausgewählten Sequenzen und Szenen in Buch und Film die wesentlichen Aspekte der Zeitstruktur, des Modus und der Stimme in den Fokus stellen, die für die narratologische Betrachtung vonnöten sind und diese gegenüberstellen. Neben diesen erzähltheoretischen Aspekten werden ferner filmanalytische Werkzeuge verwendet, um eine auch die filmische Umsetzung und deren Vergleich mit der Vorlage zu gewährleisten. Dabei werden vor allem die Kamera, also Einstellungsgrößen und Perspektiven, die zeitliche sowie räumliche Anordnung im Film, aber auch Gesichtspunkte wie Ton und Licht berücksichtigt.

2. Einleitung

Vintery, mintery, cutery, corn, / Apple seed and apple thorn; / Wire, briar, limber lock, / Three geese in a flock. / One flew east, / And one flew west, / And one flew over the cuckoo's nest.

Ein einfacher englischer Kinderreim, aus dem der Titel von Ken Kesey tragischen Romans Einer flog über das Kuckucksnest (Originaltitel: One flew over the cuckoos's nest) hervorgeht. Die Wahl dieses Reims und des Titels sind jedoch viel tiefgründiger als bloß eine nette und spielerische Einleitung, stellt Kesey dem Leser die Kernessenz des Buches somit schon vorm Aufschlagen der ersten Seite vor. Die in dem Abzählreim beschriebenen drei Gänse, die zunächst in einem Schwarm zusammenfliegen, beschreiben die drei Protagonisten, die in einer Nervenheilanstalt aufeinandertreffen und dort eine ungewöhnliche Zeit miteinander verleben. So wird schon im Gedicht der Machtkampf zwischen der Abteilungsschwester Mrs. Ratched, die in ihrer Zeit in der Heilanstalt zu der absoluten Machthaberin dort geworden ist, und dem aufmüpfigen Neuankömmling Randall Patrick McMurphy, angedeutet - die eine Gans fliegt gen Osten, die andere gen Westen; ihre Ansichten und Vorstellungen vom Leben liegen diametral zueinander, was bei ihrer Zusammenkommen in der Anstalt immer wieder zu Reibungspunkten führt und somit als Antriebsmittel der Geschichte verstanden werden kann. Die letzte Gans aus dem Schwarm fliegt in keine Himmelsrichtung, sondern direkt über ein Kuckucksnest, das offensichtlich als Metapher für die Nervenheilanstalt, da cuckoo in der englischen Umgangssprache auch verrückt bzw. durchgeknallt bedeutet, also dem zentralen Setting der Geschichte, steht. Diese Gans ist der von Indianern abstammende Chief Bromden, der dem Leser als Erzähler das Leben im Kuckucksnest vorstellt, als derjenige, der die längste Zeit seines Lebens in dieser Einrichtung verbracht hat und keinen anderen Ort als Heimat für sich erkennt. Er sucht nicht seine Freiheit im Osten oder im Westen, sondern fliegt direkt in Richtung des Kuckucksnests, weil er - so meint er jedenfalls - dort hingehört und seinen Platz in der Gesellschaft gefunden hat.

Der Reim bietet dem Leser also schon einen Einblick in die Figurenkonstellation der Geschichte. Die drei gänzlich unterschiedlichen Schlüsselfiguren werden somit schon vor der Erzählung herausgebildet. Im weiteren Verlauf der Arbeit werden diese ungleichen Rollentypen und deren Entwicklung, die alles andere als statisch verläuft, genauer beobachtet, da sie für die Narration einen essentiellen Stellenwert innehaben. Denn erst "[...] durch die Charakteristika der Figuren [wird] ein Tableau verschiedener Verhaltensdimensionen aufgezeigt"[1], dass die "wichtigsten Dimensionen des in der Geschichte zum Austrag gebrachten Konflikts verkörpern"[2].

3. Synopsis

Im folgenden Abschnitt werde ich den Handlungsstrang der Tragikomödie kurz zusammenfassen, ohne auf die narratologischen Unterschiede zwischen Buch und Film einzugehen, da diese in der späteren Analyse genauer beleuchtet werden. Dieser Part dient lediglich der Aufgabe, einen nötigen Kontext für den späteren analytischen Vergleich der filmerischen Umsetzung des Stoffes zu vermitteln.

Die tragische Geschichte in Einer flog über das Kuckucksnest ist eine zynische Denunziation einer bevormundenden Gesellschaft, die vermeintlich schwächere Individuen gezielt benachteiligt und ein Appell für die Schwachen und Unterdrückten, selbstbewusst zu handeln und sich gegen dieses kaltherzige Gesellschaftsgefüge aufzulehnen.

Randall Patrick McMurphy, ein Krimineller, der die längste Zeit seines Lebens hinter Gittern verbracht hat, wird aufgrund eines Gutachtens, das ihn als psychopathische Persönlichkeit betitelt, zur weiteren Beobachtung vom Gefängnis in eine Nervenheilanstalt verlegt. Dieser Umstand ist von McMurphy keineswegs ungewollt, da er in seine bisherige Haftstrafe harte Feldarbeit leisten musste und sich nun erhofft, seine restliche Zeit entspannter entgegensehen zu können. Nach seiner Ankunft macht der Neuankömmling klar, dass er keineswegs gewillt ist, irgendwelche Autoritäten, wie Oberschwester Miss Ratched, die seit Jahren die Station leitet und stets den Gehorsam der Patienten fordert und auch jede noch so kleine Undiszipliniertheit mit zusätzlichen Medikamenteneinnahmen und sogar Elektroschocktherapien sanktioniert, zu akzeptieren. Der Machtkampf zwischen diesen beiden Protagonisten stellt das Leitmotiv der Erzählung dar. McMurphy, der Freigeist, mit seinem selbstbewussten und eigenständigen Verständnis vom Leben und als einziger Patient, bei dem die Bevormundung und Unterjochung durch die machtbesessene Miss Ratched noch nicht im Unterbewusstsein verankert ist, strebt immer wieder nach weiteren Veränderung auf der Station und beginnt, die verloren geglaubte Selbstständigkeit im Wesen der Patienten nach und nach wieder aufzuwecken und auch ihre Neuerungssüchte zu schüren. Im Laufe der Erzählung wird jedoch schnell klar, dass dies eine aussichtslose Mission darstellt und der Kampf gegen die Unterdrückung der Oberschwester schon von vornherein verloren ist. So scheitert schließlich der Fluchtversuch McMurphys aus der Anstalt und führt zur Katastrophe. Die Summe unglücklicher Zufälle mündet darin, dass McMurphy aus Lauter Frust und Ärger Mrs. Ratched angreift und sie bis zur Bewusstlosigkeit würgt. Erst einige Aufsehern schaffen es, ihn von ihr loszureißen. Die Oberschwester nimmt diesen Zwischenfall zum Anlass, McMurphys Willen endgültig zu brechen. Sie verordnet eine sogenannte Lobotomie, bei der Nervenverbindungen in seinem Gehirn irreversibel getrennt werden. McMurphy befindet sich nun in einem körperlich und geistig abgestumpften Zustand. So schafft es Mrs. Ratched letztendlich trotz kleinerer Niederlagen, den Willen des rebellischen R.P. McMurphy endgültig und nachhaltig zu brechen.

4. Narrative Instanzen

4.1. Der Erzähler im Roman

Auf der werkinternen Ebene wird die Tragikomödie aus der Sicht eines homodiegetischen Erzählers dargestellt, der in der Ich-Form berichtet. Es ist an dieser Stelle in der Tat von einer Berichterstattung zu sprechen, da der Erzähler, der dem Leser als Chief Bromden, ein vermeintlich taubstummer Patient der Nervenheilanstalt, vorgestellt wird, der Handlung im überwiegenden Teil der Geschichte passiv beiwohnt und nur selten, wenn nicht explizit von anderen Figuren aufgefordert, aktiv an den Geschehnissen teilnimmt. Dieser durch den vorliegenden narrativen Modus konstruiert einen hohen Grad an Mittelbarkeit, also eine "mittelbare Nähe zum Erzählten"[3].

"Einer [der Aufseher] klopft mir mit einem Besenstiel hinten auf die Beine, um mir Dampf zu machen. [...] Sie machen sich gar nicht erst die Mühe, leise über ihre Haß-Geheimnisse zu reden, wenn ich in der Nähe bin, sie glauben nämlich, ich sei taubstumm. Alle glauben sie das."[4]

Er ist somit Teil der Diegese, also der erzählten Welt, befindet sich durch diese Konstellation aber in einer besonderen Situation, umfangreich über das Leben im Hospital reden zu können. Dazu kommt, dass er von allen stationierten Patienten die längste Zeit in der Anstalt verbracht hat und somit über einen breiten Schatz an Wissen über die Hierarchien, Strukturen aber auch über die einzelnen Persönlichkeiten, die in Stärken und Schwächen ausführlich von ihm beschrieben werden, verfügt und dem Leser dadurch diverse Auskünfte vermitteln kann. Außer in einigen wenigen Passagen wird diese interne Fokalisierung der Figur beibehalten. Kommt es aber doch zu einem Wechsel der Erzählperspektive, wird aus der Sicht eines extradiegetischen Erzähler, der den Gedankenstrom der eigentlichen Hauptfigur Randall Patrick McMurphy darstellt, erzählt.

"Irgendwas stimmt hier doch nicht, stellt er [McMurphy] fest. Aber er kann nicht genau sagen, was es ist. Wie kommt es zum Beispiel, daß nie einer lacht?"[5]

[...]


[1] Knut Hickethier: Film-und Fernsehanalyse. 4. Aufl. Stuttgart/Weimar 2007. S.123.

[2] Knut Hickethier: Film-und Fernsehanalyse. 4. Aufl. Stuttgart/Weimar 2007. S.124.

[3] Matías Martínez/Michael Scheffel: Einführung in die Erzähltheorie. 9. Aufl. München 2012. S.52.

[4] Ken Kesey: Einer flog über das Kuckucksnest. 29. Aufl. Reinbek 1982. S.9f.

[5] Ken Kesey: Einer flog über das Kuckucksnest. 29. Aufl. Reinbek 1982. S.57.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
"Einer flog über das Kuckucksnest". Darstellung des manipulativen Charakters des R.P. McMurphys in Buch und Film
Untertitel
Ein Vergleich
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal  (Neuere deutsche Literatur)
Veranstaltung
Erzählen in Buch und Film. Literaturverfilmungen narratologisch betrachtet.
Note
3,0
Jahr
2014
Seiten
16
Katalognummer
V365729
ISBN (eBook)
9783668449961
ISBN (Buch)
9783668449978
Dateigröße
527 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Narratologie, Filmanalyse, Buchanalyse
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, "Einer flog über das Kuckucksnest". Darstellung des manipulativen Charakters des R.P. McMurphys in Buch und Film, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/365729

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