Literarisches Lesen unterstützen. Steigerung der Lesemotivation von Schüler/innen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016

20 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Was sind literarische Texte?

3 Textseitige Anforderungen

4 Literarische Sozialisation

5 Gelingender Literaturunterricht

6 Das Hörbuch – als Unterrichtsmedium

7 Faktoren erfolgreicher Kinder- und Jugendbücher

8 Resümee

9 Literaturverzeichnis:

1 Einleitung

Literarische Texte, in der vorliegenden Seminararbeit das Genre der Kinder- und Jugendliteratur betreffend, können als ein beachtlicher kultureller Schatz mit persönlichkeitsbildendem Gehalt angesehen werden. Literarische Texte gehören zu unserer Kultur, es gilt diesen Schatz als kulturelles Erbe und als einen Teil unserer Sprache zu erhalten, didaktisch aufzuarbeiten und zu nutzen. Das literarische Lesen wird als hoch geschätztes Medium des Weltzugangs angesehen, beispielsweise durch das Eindringen in die Gedankenwelt älterer Kulturen kann Geschichtsbewusstsein angebahnt und vertieft werden. Im qualitativ hochwertigen Deutschunterricht sollen die Schüler und Schülerinnen dementsprechend zum Lesen literarischer Texte motivationsfördernd gelockt werden.

Mich persönlich fasziniert Literatur seit meiner Kindheit und als angehende Deutsch- und Geschichtslehrerin interessiert mich die Einbettung erzählerischer Texte im Unterricht, insbesondere auch deshalb, da ich der Überzeugung bin, dass Geschichten und die damit verbundenen Phantasien das Leben bereichern und die mündliche Wiedergabe von Erzähltexten als Verbindung zwischen Generationen einen unsagbar großen Wert in der menschlichen Kulturgeschichte einnimmt. Diese Arbeit soll der Frage nachgehen, warum literarisches Lernen im Unterricht für junge Menschen relevant ist und wie handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht ausgestaltet und dabei zur Steigerung der Lesemotivation von Schüler und Schülerinnen beitragen kann. In meiner Arbeit gehe ich auf den Grundbegriff „literarischer Text“ ein und bemühe mich um eine Abgrenzung mit nicht-literarischen Texten. Des Weiteren zeige die unterschiedlichen Anforderungen auf, die literarische Texte an ihre Leser und Leserinnen explizit stellen und wie der sogenannte handlungs- und produktionsorientierte Literaturunterricht diesen Anforderungen gerecht werden und auf das Leseverständnis unterstützend einwirken kann. Ich gehe auch auf die literarische Sozialisation ein und erkläre, warum das literarische Lernen für die Schüler und Schülerinnen von solch einer hohen Bedeutung ist.

2 Was sind literarische Texte?

Literarische Texte weisen bestimmte Merkmale auf. Gemäß Dr. Eggert, Professor für deutsche und niederländische Philologie besitzen literarische Texte grob die Eigenschaften der Literarizität und Poetizität. Unter dem Begriff „Literarizität“ wird der Grad eines Werkes verstanden, literarisch zu sein. (Vgl. Schwarzkopf 2006, S. 5) Mit der Begrifflichkeit Literarizität wird auch die Zugehörigkeit zu einer Textsorte bezeichnet. Texte können aufgrund besonderer Eigenheiten klassifiziert und von anderen Textsorten unterschieden werden. Analog dazu steht der Begriff der „Poetizität“, der die sprachästhetischen Besonderheiten einesdichterischen Werks kennzeichnet. (Vgl. Schwarzkopf 2006, S. 5f) Ebenso weist der deutsche Literaturwissenschaftler Jürgen Link literarischen Texten im Wesentlichen vier Strukturmerkmale zu. Zum einen sind literarische Texte autofunktional, das heißt poetische Texte sind auf sich selbst zentriert und der Fokus wird auf die sprachliche und formale Seite der sprachlichen Äußerung gelegt. Es besteht keine direkte Bezugnahme auf die außersprachliche Wirklichkeit, literarische Texte sind verfremdet. Literarische Texte bedienen sich einer ausgeprägten Symbolik. In literarische Texte werden Bedeutungsträger eingebettet, die über die sinnlich wahrnehmbare Sache hinausgehen. Dabei handelt es sich um Lebewesen, Dinge, Handlungen, Vorgänge, die beispielweise von einer Kultur, Gesellschaft geprägt sind und im Text eine künstlerisch poetische Bedeutung erfahren. Des Weiteren herrscht eine gewisse Konnotation vor. (Ebd., S. 5f) In der Linguistik versteht man unter der Konnotation die emotionale, stilistische oder wertende Nebenbedeutung eines Wortes. (Vgl. Duden 2016, Internet) Der tschechisch-amerikanische Literaturwissenschaftler Rene Wellek nimmt in seinem Werk „Theorie der Literatur“ das Wesen der Literatur genau unter die Lupe. Das Hauptmerkmal literarischer Texte sieht Wellek darin, dass in literarischen Texten Bezug auf eine Welt der Einbildung, der Illusion genommen wird, ihr Bezug zur Wirklichkeit basiert auf dem „Schein“. Literarische Texte unterliegen der Fiktion. Des Weiteren werden literarische Texte nach inhaltlich und formal bestimmten Kriterien in bestimmte Gattungen zugeordnet. (Vgl. Wellek 1999, S. 19) Die auf die Poetik des altgriechischen Philosophen und Wissenschaftler Aristoteles zurückgehende Aufteilung literarischer Texte in Epik, Lyrik und Dramatik ist uns heute noch bekannt und werden als die Großgattungen der Literatur bezeichnet. Diese bilden das klassische dreigeteilte Gattungssystem aus. Als vierte Gruppe wird die Gattung der Sachliteratur heute auch häufig genannt. Innerhalb der Gattung des Dramas werden Komödie und Tragödie als grundsätzliche Gattungen gezählt. (Vgl. Abipedia 2015, Internet) Grundsätzlich stimmt die Auffassung vieler Literaturwissenschaftler darin überein, dass die Alltagssprache in literarischen Texten der Verfremdung unterliegt, die sogenannte Konnotation herrscht vor. In literarischen Texten gelten andere Spielregeln, als in der Pragmatik des Alltagshandelns. Literarische Texte sind mehrdeutig und bedienen sich einer ausgeprägten Symbolik. (Vgl. Schwarzkopf 2006, S.5ff) Es gilt Literatur als Kunst aufzufassen, bestimmte Signale am literarischen Text wahrzunehmen und diese dementsprechend zu deuten. Um literarische Texte von nicht-literarischen Texten zu unterscheiden, sei auf die Gliederung der deutschen Linguisten Christmann und Groeben verwiesen. In ihrem Aufsatz „Anforderungen und Einflussfaktoren bei Sach- und Informationstexten“ gliedern die Sprachwissenschaftler die nicht-literarischen Texte in drei Untergruppen ein. Zu den nicht-literarischen Texten zählen didaktische Texte, Lehrtexte. Darunter versteht man wissenschaftliche Beiträge, allgemeine Lehrtexte und Fachbücher. (Vgl. Schwarzkopf 2006, S. 8) Der Leser verfolgt in der Regel das Ziel sich bestimmte Informationen des Textes zu merken und dadurch ein bestimmtes Wissen zu erwerben. Daneben gibt es sogenannte Persuasionstexte, darunter werden journalistische, politische oder zeitgeschichtliche Texte, Kommentare und Rezensionen verstanden, deren Ziel es ist, die Einstellung des Lesers in eine bestimmte Richtung zu verändern oder in eine gewisse Richtung festzumachen. Des Weiteren zählen die sogenannten Instruktionstexte, beispielsweise Kochbücher, Ratgeber, Gebrauchsanweisungen, Montageanleitungen, die Wissen für bestimmte Handlungsvorgänge vermitteln, zu den nicht-literarischen Textsorten. Im Allgemeinen kann gesagt werden, dass literarische und nicht-literarische Texte unterschiedliche Anforderungen an den Leser bzw. die Leserin stellen und die Lesekompetenz sollte dahingehend geschult werden. (Vgl. Schwarzkopf 2006, S. 9f) Die Schüler und Schülerinnen sollen lernen, dass es unterschiedliche Textsorten gibt und dass für deren Rezeption unterschiedliche Anforderungen bedeutend sind. Beispielsweise sollen Schüler und Schülerinnen durch die Vermittlung eines dementsprechend guten Sprach- und Gattungswissen mit literarischen Texten umgehen lernen. (Vgl. Rosebrock/Nix 2015, S. 138)

3 Textseitige Anforderungen

Literarische Texte erfordern eine bewusste Anstrengung des Lesers/der Leserin, da betreffend Lesekompetenz eine hierarchiehohe Stufe zum Leseverständnis erforderlich ist und dementsprechend erreicht werden muss. So gilt es beispielsweise verschiedene Darstellungsstrategien zu identifizieren, die damit verbundenen Darstellungsintentionen oder Superstrukturen zu erkennen. Der Leser/ die Leserin sollte sich Fragen darüber stellen können, wie beispielsweise der Text organisiert ist oder Bewandtnis darüber haben, welche Stilmittel im Text verwendet werden. (Vgl. Rosebrock/Nix 2015, S. 139f) Unter einer sogenannten Superstruktur versteht man grob gesagt die Textform bzw. die Syntax, die Ordnung eines Textes. Jeder Text verfügt über ein bestimmtes Thema, dies wird als Makrostruktur bezeichnet und weist eine gewisse Form, eine Superstruktur auf. Superstrukturen sind mit Schemas vergleichbar, auf die der Text abgestimmt ist. (Vgl. FH Hannover 2006, Internet)

Das Lesen literarischer Texte bringt oft eine gewisse Verunsicherung des Lesers/der Leserin mit sich, was auch öfters der Intention des Autors beim Verfassen des Textes im Vorfeld entspricht. Deshalb muss eine gewisse Unsicherheitstoleranz im Umgang mit literarischen Werken aufgebaut werden, da literarische Texte den Leser bzw. die Leserin eben des Öfteren irritieren. Es handelt sich um Leseerlebnisse, die der Leser nicht immer sofort einordnen und den ihm dargebotenen Situationen vereinbaren kann. Der Leser bzw. die Leserin muss dem literarischen Werk gegenüber eine gewisse Fähigkeit zur Haltung einer Balance zwischen Irritation und Verständnis entwickeln. Gerade das sogenannte Kontextwissen bezogen auf Texte, die eine Vielzahl an Stilfiguren, wie beispielsweise bildhafte Ausdrücke und Gleichnisse wie Metaphern oder Allegorien aufweisen bzw. das dementsprechende Konzept der Kontextualisierung spielt für den Leser bzw. die Leserin bei der Entzifferung von Darstellungsintentionen des Autors und für das grundlegende Verständnis von literarischen Texten eine tragende Rolle. (Vgl. Rosebrock/Nix 2015, S. 140f) Unter dem Begriff „Kontextualisierung“ wird in der Sprachwissenschaft, der Linguistik, das Verständnis umfassender und vielschichtiger Wörter und Sätze aus ihrem dementsprechend sprachlichen Zusammenhang heraus, verstanden. (Vgl. Wikipedia 2016, Internet) Deutlich erkennbar wird also, dass das literarische Textverständnis höhere Lesekompetenzen verlangt. Um literarische Texte verstehen und in dessen Genuss eintauchen zu können, müssen im Schulunterricht weit umfassendere Bildungsziele verfolgt werden, als nur das kognitive Training von Lesefähigkeiten. Neben dem herkömmlichen Leseunterricht an Schulen sollte auch ein entsprechender Literaturunterricht, der sich nur auf das Verstehen literarischer Werke bezieht und die besondere Schulung literarischer Kompetenz verfolgt, den Schülern/innen angeboten werden. Speziell die Vermittlung literarischen Gattungswissen im Literaturunterricht kann dazu beitragen, in die Verarbeitung von jeweiligen Lektüreprozessen positiv einzuwirken und das Verständnis für komplexe literarische Werke zu erleichtern, zu fördern. (Vgl. Rosebrock/Nix 2015, S. 146)

4 Literarische Sozialisation

Unter dem Begriff der „literarischen Sozialisation“ versteht man die bewusste Beeinflussung heranwachsender Lesern und Leserinnen durch Institutionen, der Begriff bezieht sich auf die literarische Kultur im engen Sinne. Die Beschäftigung mit Literatur erfordert eine bewusste emotionale und kognitive Auseinandersetzung des Jugendlichen bzw. der Jugendlichen mit den literarischen Texten. Der Jugendliche wird bei der Entfaltung der Phantasie gefördert, oft werden in literarischen Texten Fragen aufgeworfen, Werte und Normen angesprochen und vermittelt. (Vgl. Just 2007, S. 7) Speziell in der Jugendliteratur wird oftmals auf Probleme Heranwachsender eingegangen, Problemlösestrategien angeboten und Erfahrungen aus zwischenmenschlichen Interaktionen dem Leser und der Leserin vermittelt. Die hohe Bedeutung der Kinder- und Jugendliteratur liegt insbesondere darin, dass diese Texte die Lesenden auf dem Wege der Identitätsfindung, in ihrer Entwicklung, begleiten und unterstützen. (Ebd., S. 7)

Unter Identitätsbewusstsein versteht man die Fähigkeit von Individuen und Kollektiven, sich als dauerhafte Einheit im Verlauf der Zeit aufzufassen. Das Individuum bildet durch seine persönliche Einzigartigkeit eine Ich-Identität aus und schließt sich unmittelbar dem Kollektiv an, es identifiziert sich mit dem kulturellen Konstrukt einer Wir-Gruppe. (Vgl. Pandel 2013, S. 143) Es ist wichtig, im Unterricht Bezug auf das menschliche Streben nach Identität zu nehmen, die immer zugleich kulturelle Identität bedeutet. Die kulturelle Vergegenständlichung ist Ausdruck und Mittel der Identitätsbildung. Der Bürger des einzelnen Volkes identifiziert sich mit seinem Herkunftsort auch über Literatur und Kunst. Literarische Texte können einen bedeutenden Beitrag für den Schüler auf dem Wege der Identitätsfindung leisten, indem dieser auch durch literarische Formen seiner Volkszugehörigkeit bewusst wird. (Ebd., S. 143) Gerade für den zu unterrichtenden Jugendlichen der Mittelschule geht der Prozess zur Erreichung der Ich-Identität beim Heranwachsen einher. Der berühmte deutschstämmige Psychoanalytiker Erik Homburger Erikson setzte sich mit der Entwicklung der sogenannten „gesunden Persönlichkeit“ und mit den Aufgaben des Individuums zur Erreichung seiner Ich-Identität auseinander. Erikson betont dabei zwei wesentliche Aspekte der ausgebildeten Ich-Identität. Zum einen sollte der Heranwachsende die Fähigkeit entwickeln, sich selbst zu kennen, zu akzeptieren und sich daneben mit den Idealen und großen Errungenschaften seiner Kultur identifizieren zu können. (Vgl. Thomas/Feldmann 2002, S. 134ff) Werte und Lebenshaltungen einer Gesellschaft können durch die Auseinandersetzung mit Texten weitergegeben werden, inhaltliche Aspekte bezogen auf Religionen, Weltanschauungen und Traditionen sollen die Grundlage für ein sinnerfülltes, eigenverantwortliches Leben schaffen. (Vgl. Bundesministerium für Bildung, Lehrplan der Neuen Mittelschule 2012, S. 24)

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Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Literarisches Lesen unterstützen. Steigerung der Lesemotivation von Schüler/innen
Hochschule
Pädagogische Hochschule Vorarlberg  (Pädak)
Veranstaltung
Deutsch Lehramt
Note
1
Autor
Jahr
2016
Seiten
20
Katalognummer
V365731
ISBN (eBook)
9783668449886
ISBN (Buch)
9783668449893
Dateigröße
541 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
literatur deutsch pädagogik
Arbeit zitieren
Eva Schuler (Autor), 2016, Literarisches Lesen unterstützen. Steigerung der Lesemotivation von Schüler/innen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/365731

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