Arthur Schnitzlers "Traumnovelle". Entstehungsgeschichte, Aufbau, Verfilmung


Seminararbeit, 2016

17 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Produktionspoetik
2.1 Autor
2.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund
2.2.1 Die Wiener Moderne
2.3 Entstehungsgeschichte der Traumnovelle

3 Werkpoetik
3.1 Textausschnitt aus Arthur Schnitzlers Traumnovelle
3.2 Inhalt und Analyse
3.3 Aufbau und Form
3.4 Figurencharakterisierung und -konstellation

4 Rezeptionspoetik

5. Resümee

6. Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In der vorliegenden Proseminararbeit beschäftige ich mich mit Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“, die im Jahre 1926 im S.-Fischer-Verlag zum ersten Mal veröffentlicht wurde.

Ich persönlich schätze die Werke des bedeutenden Autors Arthur Schnitzler sehr, der zur Zeit der „Wiener Moderne“ lebte, da ich sehr gerne das Theater besuche und Schnitzler im Laufe seiner schriftstellerischen Laufbahn viele Bühnentexte verfasste, die uns heute vorliegen. Seine Bühnentexte begegnen mir folglich immer wieder, wenn ich mich stets sehr freudig unter das Theatervolk mische.

Nicht nur Schnitzlers Werk fasziniert mich persönlich, sondern auch seine Lebensgeschichte, Schnitzler, der die Medizin aus Liebe zur Literatur verließ und das Leben eines Schriftstellers um die Jahrhundertwende führte.

Mir gefällt die „Wiener Moderne“ vermutlich deshalb auch so sehr, da es mich sehr fasziniert, dass sich die Autoren damals häufig im Kaffeehaus getroffen hatten, um zu schreiben, sich gemeinsam auszutauschen und sich für neue Werke inspirieren zu lassen. Das Stimmengewirr und das Tratschen der Leute, das klirrende Geschirr und der Duft des frischgemahlenen Kaffees muss bestimmt künstlerisch sehr anregend gewesen sein.

Meine Seminararbeit ist in drei Hauptschwerpunkte aufgeteilt: Produktionspoetik, Werkpoetik und Rezeptionspoetik.

Anfangs werde ich mich mit der Biographie Arthur Schnitzlers befassen, über die literarische Epoche, in der Arthur Schnitzler und seine Werke angesiedelt sind, informieren und anschließend weitere Details zur Entstehung seines Werkes „Traumnovelle“ wiedergeben.

Im zweiten Teil befasse ich mich mit dem Inhalt und dem Aufbau der Erzählung sowie mit ihren beiden Hauptprotagonisten.

Im dritten Abschnitt beschäftige ich mich mit der Rezeptionspoetik, wie dieses literarische Kunstwerk noch Jahrhunderte später auch den amerikanischen Regisseur Stanley Kubrick zur Verfilmung von „Eyes Wide Shut“ inspirierte.

2 Produktionspoetik

2.1 Autor

Arthur Schnitzler wurde am 15. Mai 1862 in Wien geboren und war von jüdischer Abstammung. Er wurde von Prof. Peter Gay, einem US-amerikanischen Historiker, in seinem Werk „ Das Zeitalter des Doktor Arthur Schnitzler. Innenansichten des 19. Jahrhunderts“ zum absoluten literarischen Repräsentanten des 19. Jahrhunderts gewählt, da für ihn das Leben des Dr. Arthur Schnitzlers mit den vielen Umbrüchen der literarischen Epoche der Wiener Moderne vergleichbar ist. (Vgl. Gay 2012, S. 15f)

Schnitzlers Familie legte großen Wert auf Kultur, sie besuchte gemeinsam alle wichtigen Theatervorstellungen im Umkreis von Wien. Sein Vater Johann Schnitzler war als Kehlkopfspezialist tätig und galt als der Begründer der Wiener Allgemeinen Poliklinik. Viele Schauspieler der Wiener Bühnenwelt und verschiedene Sänger waren bei ihm Patienten. (Vgl. Farese 1999, S. 16)

Daher kam Arthur Schnitzler bereits als junger Bursche mit der Welt des Theaters in Berührung und diese kulturellen Impulse übten schon von je her einen besonderen Reiz auf den jungen Schnitzler aus. Diese frühen Begegnungen spiegeln sich später in seinen Werken wieder (vgl. Farese 1999, S. 19f) und unter seinen ersten literarischen Versuchen sind überwiegend Bühnentexte auffindbar.

Arthur Schnitzler besuchte zunächst das Akademische Gymnasium, welches auch spätere literarische Größen wie Hugo von Hofmannsthal absolvierten, später studierte Schnitzler Medizin, ein Fach, welches sein Vater ihm zwangsbestimmend auferlegt hatte, damit sein Sohn nach dem Medizinstudium einen finanziell gut bezahlten Beruf ausüben konnte. (Vgl. Farese 1999, S. 16)

Der Literat Arthur Schnitzler stand bereits am Anfang seines Studiums der Medizin vor einem inneren in ihm laut werdenden Widerspruch, denn Schnitzler wollte auf keinen Fall auf die Literatur und das literarische Schreiben verzichten, da er im Laufe seines Studiums immer mehr zu sich und seiner herausstechenden künstlerischen Berufung fand. (Vgl. Farese 1999, S. 17)

Seine literarische Produktion kam nicht zum Stillstand, er schrieb viel und kreierte bereits früh den Hintergrund für sein Drama um Christine Weiring in Schnitzlers berühmter „Liebelei“, welches in späterer Folge unter seine ersten größeren Bühnenerfolge fiel. Außerdem kristallisierte sich in seinem Schaffen eine für das Wiener Fin de siècle typische Gestalt heraus, eine Gestalt mit dem unverwechselbaren Namen Anatol und dem dazugehörenden sogenannten Anatol-Zyklus. (Vgl. Farese 1999, S. 19ff)

Im November 1881 erschien in der Münchner Zeitschrift „Der Freie Landesbote“ eine Kurznovelle mit dem Titel „Frühlingsnacht im Seziersaal“, ein Werk, welches schon sehr an die später vorliegende Traumnovelle erinnern sollte. Darin sucht Fridolin, der Protagonist in der Traumnovelle, mit dem Studenten aus der Kurznovelle „Frühlingsnacht im Seziersaal“ nach der Leiche einer geheimnisvollen Dame, die ihn in der Nacht zuvor auf einem mysteriösen Fest umgarnt hat und später retten wollte. (Vgl. Farese 1999, S. 20f)

Im Jahre 1882 absolvierte Schnitzler im Wiener Garnissonsspital seinen Militärdienst. Er wurde einem Leichenschauhaus zugeteilt. Seine Erfahrungen während seiner Dienstzeit, auch sein mit Abscheu empfundener Ekel und seine spürbare Ablehnung gegenüber allem Militärischen werden später in der Satire „Leutnant Gustl“ Einzug finden. (Vgl. Farese 1999, S. 22f)

Schnitzler führte mit dieser Novelle den sogenannten inneren Monolog in die deutschsprachige Literaturgeschichte zur königlichen Meisterschaft, welcher damit als neue Möglichkeit der Ausdrucksform in der Literatur galt. (Vgl. Rainer 2006, S. 284)

Im Jahre 1885 promovierte er in Medizin und eröffnete wenig später eine Privatpraxis. Er gehörte ab 1890 dem Literatenkreis „Jung Wien“ an (vgl. Farese 1999, S. 48f) und er befreundete sich mit dem Literaten Hugo von Hofmannsthal, der mit Schnitzler anfangs zur Schule ging und ihn dann sein ganzes Leben lang als treuen Freund begleitete.

Kurz vor Arthur Schnitzlers Tod beging seine Tochter Lilly Selbstmord, eine Erfahrung, die für Schnitzler sehr schmerzhaft gewesen sein muss. Er selbst starb im Jahre 1931 an einer Gehirnblutung. Schnitzler wurde im jüdischen Teil es Wiener Zentralfriedhofs, im jüdischen beigesetzt. (Vgl. Farese 1999, S. 335)

Zu Arthur Schnitzlers Werken zählen neben der „Traumnovelle“ das im Jahre 1893/1894 erschienene Schauspiel „Liebelei“, die Komödie „Reigen“, „Der grüne Kakadu“, die Novelle „Lieutenant Gustl“, das Schauspiel „Der einsame Weg“, eine weitere Komödie „Professor Bernhardi“ und auch die Novelle „Fräulein Else“. Viele seiner Bühnentexte werden heute noch auf den Theaterbühnen gespielt. In seinen Werken setzt sich Schnitzler gerne mit Liebesbeziehungen und Lust auseinander. (Vgl. Rainer 2006, S. 279f)

2.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund

2.2.1 Die Wiener Moderne

Die „Wiener Moderne“ war von Seiten der Politik durch den Untergang und den Zerfall der k. u. k. Monarchie Österreich – Ungarn (vgl. Rainer 2006, S. 277f) und dem ersten Weltkrieg, der von 1914 bis 1918 andauerte, gekennzeichnet. Die erste Republik Österreich wurde nach dem ersten Weltkrieg ausgerufen und existierte fortan von 1919 - 1938. Fünf Jahre vor Schnitzlers Tod erschien im Jahre 1926 der Erstdruck der Traumnovelle. (Vgl. Farese 1999, S. 265f)

Wien nahm zur Zeit der Wiener Moderne eine wirtschaftlich und kulturell stattlich prägende Rolle in Europa ein (vgl. Rainer 2006, S. 277f) und galt um die Jahrhundertwende als wichtiges kulturelles Zentrum. Künstler gründeten die Wiener Sezession und baulich wurde Wien durch die Prunkbauten wie die an der noch heute namhaften Wiener Ringstraße unverwechselbar definiert.

Unter derWiener Sezessionversteht man eine Vereinigung bildender Künstler zur Zeit der Wiener Moderne, für die ein Ausstellungsgebäude gebaut wurde. Auffallendes Merkmal ist hier eine aus Ornament bestehende goldene Kuppel, die heute auf der 50 Cent Euro Münze zu sehen ist. (Vgl. Wunberg 1981, S. 509ff) Das Wiener Bürgertum um 1900 war über alle Maßen begeistert (vgl. Freund 2010, S. 48) und fasziniert von Kunst und Theater. Künstler und Schauspieler genossen dadurch ein extrem hohes Ansehen und wurden auch von der Gesellschaft bewundert.

Die fortschreitende Industrialisierung und das damit verbundene Kapital ermöglichte so einiges. Beispielsweise wurden wertvolle Kunstsammlungen in Museen zusammengetragen und damit den Bürgern zugänglich gemacht. Es wurde auch unter anderem ein Symphonieorchester gegründet. (Vgl. Freund 2010, S. 48)

Das Lebensgefühl um 1900 war geprägt vor allen Dingen vom Bewusstsein des zu Ende gehenden Jahrhunderts geprägt, das mit dem noch heute gegenwärtigen bekannten Begriff „Fin de Siècle“ bezeichnet wurde. Nach dem ersten Weltkrieg zeigten sich immer mehr antisemitistische Züge und der Nationalismus machte sich breit. (Vgl. Rainer 2006, S. 277f) Die damalige Familie wurde klassisch patriarchalisch geführt. Generell galt der Mann als das Oberhaupt der Familie, die Frau war für die Erziehung der Kinder (vgl. Freund 2010, S. 49f) und für den Haushalt verantwortlich.

Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist das Frauenbild des Arthur Schnitzlers. Schnitzlers Frauen sind mit starken erotischen und lieblichen Zügen versehen, neigen allerdings zur Dummheit. (Vgl. Farese 1999, S. 73)

Die Wiener Moderne wurde durch die Psychoanalyse Sigmund Freuds stark geprägt (vgl. Farese 1999, S. 236), auf die ich im weiteren Verlauf meiner Proseminararbeit noch etwas ausführlicher eingehen werde. Des Weiteren wird die Literaturepoche der Wiener Moderne auch durch die Stilepoche des Impressionismus gekennzeichnet.

Die Literatur und die Musik der damaligen Zeit tragen unverwechselbare impressionistische Züge. Der Begriff Impressionismus ist der Malerei entlehnt. Diese impressionistischen Werke weisen eine extreme Detailtreue auf (vgl. Rainer 2006, S. 283), impressionistische Künstler wollten den Moment in ihren Bildern auffangen, es galt den unverwechselbaren Augenblick akribisch genau festzuhalten.

Zu den bedeutendsten impressionistischen Malern zählt beispielsweise bis heute noch der französische Künstler Claude Monet, der sich in seinen Bildern gerne mit detailgetreuen Naturlandschaften auseinandersetzte. (Vgl. Wikipedia 2016, Internet)

Auch in der Literatur gibt es die Ausdrucksform des „literarischen Impressionismus“, den sogenannten „Inneren Monolog“, der zur Zeit der Literaturepoche der Wiener Moderne entstand und unter Arthur Schnitzler in seiner Novelle „Lieutenant Gustl“ in wahrer literarischer Größe aufblühte.

Die erlebte Wirklichkeit einer Person wird in einem inneren Monolog sprachlich höchst exakt nachgeahmt (vgl. Rainer 2006, S. 284f) und detailgetreu dargestellt. Der Leser wird über die Gedanken, Empfindungen, Gefühle, Stimmungen und Gesprächsteile einer Person informiert. Die bildenden Künste verliefen parallel zu den literarischen und die Erotik wurde zum ausgewählten Hauptmotiv vieler Kunstschaffenden. Auch die Rückkehr des Weiblichen in die Kultur konnte deutlich wahrgenommen werden. (Vgl. Planet Wissen 2012, Internet) Größte Bedeutung hatte das Wiener Kaffeehaus, welches als der typische Treffpunkt der Literaten, Künstler, Schauspieler und Journalisten fungierte. Dort traf die vorherrschende Kulturszene aufeinander und tauschte sich aus. Die Künstler diskutierten über politische und literarische Fragen, lasen Zeitungen und literarische Zeitschriften, die im Kaffehaus auslagen. Die Kaffeehäuser waren die einzigen beheizten Gebäude zu dieser Zeit, in denen Künstler ihre Zeit verbringen konnten und so manch einer von ihnen war aufgrund von herrschendem Geldmangel über das wärmende Ambiente froh. Das wohl bekannteste Kaffeehaus war das „Cafe Griensteidl“, welches es heute noch in Wien gibt. (Vgl. Farese 1999, S. 48f)

2.3 Entstehungsgeschichte der Traumnovelle

Schnitzler, der „erklärte Sklave seiner Sinnlichkeit“ (vgl. Farese 1999, S. 77), wie er sich selbst bezeichnete, bekommt im Jahre 1902 zusammen mit Schauspielerin und Sängerin Olga Gussmann seinen Sohn Heinrich und heiratete sie im Anschluss. Seine Tochter Lilli kam 1909 zur Welt. Die Liebe zu Olga war intensiv, aber schwierig, sie ließen sich einige Jahre später wieder scheiden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Arthur Schnitzlers "Traumnovelle". Entstehungsgeschichte, Aufbau, Verfilmung
Hochschule
Pädagogische Hochschule Vorarlberg
Autor
Jahr
2016
Seiten
17
Katalognummer
V365736
ISBN (eBook)
9783668449541
ISBN (Buch)
9783668449558
Dateigröße
623 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
arthur, schnitzlers, traumnovelle, literaturhistorische, betrachtungen
Arbeit zitieren
Eva Schuler (Autor), 2016, Arthur Schnitzlers "Traumnovelle". Entstehungsgeschichte, Aufbau, Verfilmung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/365736

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