Im Banne von Film und Fernsehen? Ursache und Folgen der Popularität dieser audiovisuellen Medien


Seminararbeit, 2002
15 Seiten, Note: Sehr gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitende Worte

Wie wirken Film und Fernsehen?

Der Fernseher als Pädagoge?

Welche psychischen Auswirkungen haben Gewalt-Szenen in Filmen?

Der Fernseher und die Realität – (k)ein Widerspruch?

Resümee

Literaturverzeichnis

Einleitende Worte

Ich gehe gerne ins Kino und sehe sehr häufig und zu den unterschiedlichsten Gelegenheiten fern. Zur Einstimmung auf diese Seminararbeit führte ich ein persönliches Experiment durch: Ich verzichtete etwa zwei Wochen lang bewusst auf die hier behandelten audiovisuellen Medien Kino und Fernsehen.

Die vordergründigsten Erkenntnisse dieses Versuchs sind, dass Tage ohne fixe Fernsehzeiten plötzlich viel länger zu sein scheinen und dass ein, durch das Versäumen von Nachrichtensendungen, befürchtetes Informationsdefizit nicht eingetreten ist. Stattdessen erfuhr ich durch das Fehlen ‚fremder Geschichten und Probleme’ eine stärkere Auseinandersetzung mit mir und meiner Umwelt.

Dies führte mich zur Frage, inwieweit meine Person, mein Leben und Erleben durch Film- und Fernsehinhalte beeinflusst sind.

- Wäre ich ohne gewohnheitsmäßigem Fernsehkonsum eine andere Persönlichkeit?
- Inwiefern sind meine Werte und Urteile durch Meinungen, die in Medien vertreten werden geprägt?
- Warum erscheint beispielsweise eine blühende Sommerwiese in einer Naturdokumentation viel sensationeller als in der Realität?

Aufbauend auf diese Gedanken möchte ich nun mögliche psychische Folgen – vor allem für Kinder – von uneingeschränktem und allzeit verfügbarem Film- und Fernsehangebot behandeln und der Frage nachgehen, worin das Geheimnis des Erfolgs von audiovisuellen Medien liegt.

Für KRACAUER ist übrigens die mentale Einflussnahme eines Films auf seinen Zuseher nicht nur keine Frage, sondern fast ein Qualitätskriterium:

„Ob stumm oder nicht, von einem wirklich filmgerechten Film kann man erwarten, dass er den Zuschauer in einer Weise beeinflusst, die anderen Medien nicht gemäß ist.“[1]

Wie wirken Film und Fernsehen?

Fernsehen ist eine vielseitige Freizeitbeschäftigung: Je nach Wunsch vertreibt es die Langeweile, bietet Unterhaltung oder Entspannung, dient der Phantasieanregung, als Ersatz für soziale Kontakte und gegebenenfalls zur Flucht vor der Wirklichkeit. Darüber hinaus ermöglicht das Fernsehen dem Zuseher am politischen Leben teilzuhaben, es dient zur Informationssuche, zur Suche nach Gesprächsstoff etc.[2]

Seine zahlreichen Anwendungsmöglichkeiten erklären allerdings noch nicht ausreichend den starken Beliebtheitsgrad dieses Mediums – immerhin treffen die genannten Eigenschaften beispielsweise ebenso auf Radio oder Zeitschriften zu.

Wie ist also die starke Popularität von Film und Fernsehen zu erklären?

Gemäß KRACAUER ist die besondere Attraktivität in der für dieses Medium charakteristischen Konzentration auf visuelle und auditive Reize begründet:

Ich gehe von der Annahme aus, dass Filmbilder ungleich anderen Arten von Bildern vorwiegend die Sinne des Zuschauers affizieren und ihn so zunächst physiologisch beanspruchen, bevor er in der Lage ist, seinen Intellekt einzusetzen.“[3]

Dieser Aspekt erklärt, warum Zuseher auf Fernsehbilder mit anscheinendem Realitätscharakter häufig emotional so reagieren, als wäre das Gezeigte für sie wahr.

Nun hat offensichtlich der Zustand des Zuschauers etwas mit der Art des Schauspiels zu tun, dem er folgt.[4]

Filme bieten dem Konsumenten eine Gelegenheit abzuschalten – das heißt, die alltäglichen Probleme auszublenden, in eine ‚Parallelwelt’ einzutauchen. Dies verschafft Erleichterungen, Kompensationen insofern, als Filme dem Zuseher ermöglichen, sich mit dem Filmhelden seiner Wahl zu identifizieren, Abenteuer zu bestehen oder Dinge zu tun, die ihm im Alltag verwehrt bleiben.

Hier kann der Gehinderte und Enttäuschte zum König der Schöpfung werden.[5]

Wahrscheinlich ist genau dieser Punkt das Geheimnis für die große Beliebtheit von Spielfilmen. Ihren Stories liegen zumeist real existierende populäre Wunschträume zugrunde, die den Zuseher zu Identifizierungs-Versuchen anregen.[6]

Beispiele für solche populären Träume sind etwa ‚große Liebe’, ‚persönlicher Erfolg’, ‚Heldentum’ etc., die wohl in jeder Handlung eines erfolgreichen Films in irgendeiner Form wiederzufinden sind.

Erkennt also der Zuseher seine Träume im Film wieder und beginnt sich mit dem Held auf der Leinwand zu identifizieren, verliert er laut KRACAUER vorübergehend die Kontrolle über sein Bewusstsein und kann nicht mehr umhin, sich von den Phänomenen vor seinen Augen angezogen zu fühlen.[7] Der Zuseher lebt und fühlt nun vollkommen mit dem Helden mit.

Neben dem ‚Was’ (die Story) eines Films ist das ‚Wie’ (die Montage) von ebenso großer Bedeutung für den Erfolg dieses Mediums. So ist es beispielsweise möglich, dem Inhalt eines Films besonderen Nachdruck mit speziell in Szene gesetzten Objekten zu verleihen, die im Alltag für den Zuseher wohl ‚unsichtbar’ wären – etwa ein im Wind tanzendes weißes ‚Plastiksackerl’ im Film ‚American Beauty’.

„Dergleichen wie Traumelemente entschwebende Eindrücke können den Kinobesucher noch lange in Bann halten, wenn die Story, die sie darstellen helfen, schon in Vergessenheit gesunken ist.“[8]

Solche Effekte lassen sich durch die Verwendung von Nah- oder Totalaufnahmen, Zeitraffer- oder Zeitlupenaufnahmen erzielen. So verwandeln beispielsweise Nahaufnahmen aufgenommene Objekte dadurch, dass sie sie vergrößern.[9] Zeitlupen- und Zeitrafferbilder können dem Zuseher Dinge zeigen, die er in der Natur nie wahrnehmen würde, wie zum Beispiel bestimmte Bewegungsabläufe von Tieren oder das Wachstum von Pflanzen.[10]

Diese Art der Präsentation alltäglicher Phänomene erweckt im Zuseher den Eindruck der Einzigartigkeit und Besonderheit von Fernsehbildern. Dieses Medium vermag es, bislang verborgene räumliche und zeitliche Wirklichkeitsbereiche zu enthüllen.

[...]


[1] KRACAUER, Siegfried: Theorie des Films. Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. Main, 1964. S. 215

[2] vgl. Roberts, D. F. & Bachen, C. M., 1981, zit. n. WINTERHOFF-SPURK, Peter: Fernsehen. Fakten zur Medienwirkung. 2. Auflage. Verlag Hans Huber, Bern, 2001. S. 39

[3] KRACAUER, S. 216

[4] ibd. S. 222

[5] ibd. S. 232

[6] vgl. KRACAUER, S. 223

[7] vgl. ibd. S. 224

[8] ibd. S. 85

[9] vgl. ibd. S. 79

[10] vgl. ibd. S. 85

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Im Banne von Film und Fernsehen? Ursache und Folgen der Popularität dieser audiovisuellen Medien
Hochschule
Universität Wien
Note
Sehr gut
Autor
Jahr
2002
Seiten
15
Katalognummer
V36579
ISBN (eBook)
9783638361620
Dateigröße
698 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Banne, Film, Fernsehen, Ursache, Folgen, Popularität, Medien
Arbeit zitieren
Barbara Schramböck (Autor), 2002, Im Banne von Film und Fernsehen? Ursache und Folgen der Popularität dieser audiovisuellen Medien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36579

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