Persönlichkeit als Einflussfaktor auf Gesundheit und Gesundheitsverhalten


Seminararbeit, 2016

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Persönlichkeitstheorien
2.1 Persönlichkeit und Persönlichkeitsmerkmale
2.2 Ausgewählte eigenschaftsbasierte Persönlichkeitstheorien
2.2.1 Die Entwicklung universaler Eigenschaftsdimensionen
2.2.2 Das Fünf-Faktoren-Modell
2.3 Instrumente zur Erfassung der Persönlichkeitsfaktoren

3 Persönlichkeitsfaktoren als Prädiktoren für den Gesundheitsstatus
3.1 Kriterien von Gesundheit, Krankheit und Gesundheitsverhalten
3.2 Instrumente zur Erfassung des Gesundheitsstatus
3.3 Zusammenhang von Persönlichkeitsfaktoren und Gesundheitsstatus

4 Praxisreflexion: Neurotizismus, Gesundheitsstatus und Arbeitsumfeld

5 Kritische Betrachtung und Fazit

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1. Die fünf Faktoren der Persönlichkeit

Tabelle 2. Komponenten des Anforderungs-Ressourcen-Modells der Gesundheit

1 Einleitung

In den letzten Jahrzehnten[1] hat das Wachstum des gesellschaftlichen Wohlstands dazu geführt, dass das Thema Gesundheit zunehmend an Bedeutung gewonnen hat. Während in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch die reine Existenzsicherung das Hauptau- genmerk für die Mehrheit der Bevölkerung gewesen ist, geht es seit dem Wirtschafts- aufschwung der 50er-Jahre[2] immer mehr darum, weitergehende Bedürfnisse zu erfüllen. Im Hinblick dessen sind für die meisten Menschen Gesundheit, Wohlbefinden und in Relation dazu ein langes, erfülltes Leben ohne schwerwiegende Krankheiten bedeutsam. „[Dennoch] … verhält sich ein Großteil der Bevölkerung in den westlichen Industriena- tionen weniger gesundheitsbewusst als dies vorteilhaft wäre.“[3] Daraus ergibt sich die Frage, ob und wie das divergente Verhalten erklärbar ist und welche Faktoren dies be- dingen. Zusammenhängend ist relevant, inwiefern Persönlichkeit und Gesundheit aufei- nander wirken. Insofern ist es naheliegend, die unterschiedlichen Persönlichkeitsmerk- male von Individuen zu betrachten und mögliche Zusammenhänge herauszustellen. Hinsichtlich dessen und aus Gründen des begrenzt möglichen Umfangs wird der Bezug der folgenden Ausführungen aufgrund eigenschaftsbasierter Persönlichkeitstheorien hergestellt. Es ist anzumerken, dass ebenso andere Methoden wie z. B. verhaltensgene- tische Analysen angewandt werden können. Das Ziel vorliegender Arbeit ist, die Kausa- lität von Persönlichkeitsmerkmalen und Gesundheit sowie Gesundheitsverhalten zu klä- ren und diese für die objektiv Betrachtenden verständlich und differenzierbar zu ma- chen. Ferner mögliche Wege aufzuzeigen, die gewonnenen Erkenntnisse praktisch zu nutzen. Zunächst werden Ansätze der Persönlichkeitspsychologie vorgestellt. Dazu werden gängige Begrifflichkeiten, Theorien und die zugehörigen Messinstrumente er- läutert. Darauffolgend wird der Zusammenhang zwischen den Persönlichkeitsfaktoren als Prädiktoren für den Gesundheitsstatus dargestellt. Indes werden die Kriterien von Gesundheit, Krankheit und Gesundheitsverhalten sowie deren Messung beschrieben. Es folgt eine Praxisreflexion zum Thema Neurotizismus, Gesundheitsstatus und Arbeits- umfeld, im Zuge derer relevante Erkenntnisse dieser Arbeit praktisch orientiert überge- leitet und weitergehend erläutert werden. Abschließend erfolgt ein Fazit, das eine kriti- sche Betrachtung beinhaltet.

2 Persönlichkeitstheorien

2.1 Persönlichkeit und Persönlichkeitsmerkmale

Aufgrund der Vielfalt der Thematik, die sich auch durch unterschiedliche Betrach- tungsweisen bedingt, ist zu berücksichtigen, dass im Zuge dieser Arbeit nicht erreicht werden kann, eine eindeutige und allgemeingültige Definition darzulegen. Die folgende Definition wurde ausgewählt, da sie sich treffend auf die Anforderungen der Fragestel- lung dieser Arbeit fokussiert. Sie ist beispielhaft für die umfassende Literatur zu der komplexen Begrifflichkeit von Persönlichkeit und Persönlichkeitsmerkmalen zu sehen. „Die Persönlichkeit eines Menschen besteht einerseits aus den Charakteristiken der Per- son, in denen sie sich von anderen Personen unterscheidet, z. B. in ihrem Wertesystem, ihren Einstellungen, Motiven, Eigenschaften und Fähigkeiten. Andererseits beinhaltet der Begriff der Persönlichkeit die zeitlich überdauernden und ziemlich stabilen Merk- male eines Menschen, die nicht direkt beobachtbar sind, sondern über das Verhalten indirekt erschlossen werden müssen.“[4]

2.2 Ausgewählte eigenschaftsbasierte Persönlichkeitstheorien

2.2.1 Die Entwicklung universaler Eigenschaftsdimensionen

Im Jahr 1936 haben G. Allport und H. S. Odbert 17.953 persönlichkeitsbeschreibende Eigenschaftsworte aus einem englischen Lexikon extrahiert und gelistet. Daraus haben sie die Begriffe gefiltert, die stabile individuelle Persönlichkeitsmerkmale beschreiben.[5] Diese Liste stellt den Ausgangpunkt verschiedener darauffolgender Reduktionsverfah- ren dar, die ungebräuchliche Worte sowie jeweils anteilig Worte mit ähnlicher Bedeu- tung heraus rationalisieren. Die komprimierte Anzahl der Begriffe wird dann zur Selbst- oder Fremdbeurteilung heranzogen, um Eigenschaftswerte zu generieren, die dann mit- tels Faktorenanalyse auf eine möglichst geringe Zahl von Faktoren reduziert werden. Die Systematik wird als lexikalischer Ansatz bezeichnet und führt zu grundlegenden Persönlichkeitsfaktoren.[6] Die Modelle von R. Cattell (1979) und H. Eysenck (1973, 1990) sowie viele andere beruhen auf dieser Grundlage. Cattell beschreibt 16 grundle- gende Persönlichkeitsfaktoren, die einige relevante Gegensatzpaare wie z. B. Vertrauen und Wachsamkeit beinhalten.[7] Während Eysenck drei Persönlichkeitsdimensionen (Psychotizismus, Extraversion und Neurotizismus) definiert.[8]

2.2.2 Das Fünf-Faktoren-Modell

Das gegenwärtig weitreichend angesehene Fünf-Faktoren-Modell der Persönlichkeit von den amerikanischen Forschern P. T. Costa Jr. und R. R. McCrae (1997) beruht ebenfalls auf der in Kapitel 2.2.1 beschriebenen Systematik. Ferner haben unterschiedli- che diesem vorangehende und nachfolgende Untersuchungen analog wiederholt fünf stabile Persönlichkeitsfaktoren nachgewiesen. Dazu zählen unter anderem die Betrach- tungen von W. Norman (1963) und L. R. Goldberg (1990).[9] Infolge der Bedeutsamkeit für das zusammenhängende Verständnis des Gegenstands dieser Arbeit, werden die grundlegenden Faktoren und deren Inhalt in der folgenden Tabelle ausführlich darge- stellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Tabelle nach: Gerrig, R. J. (2015), S. 509; Rammsayer, T., Weber, H. (2016), S. 234.

Tabelle 1: Die fünf Faktoren der Persönlichkeit

Ferner beschreibt Goldberg 1981 treffend den im Englischen für die fünf Faktoren stehenden Begriff „Big Five“. „[Der ausdrücken soll] …, dass jeder dieser Faktoren eine größere Anzahl von spezifischeren Persönlichkeitsmerkmalen umfasst und damit … breit, konzipiert ist.“[10] Demnach ist es den Forschern gelungen aus den umfänglichen Listen des lexikalischen Ansatzes eine geringe Zahl von Persönlichkeitsdimensionen zu extrahieren und verifizieren, die ermöglichen, Persönlichkeit messbar zu charakterisieren und somit einen empirischen Nutzen haben.

2.3 Instrumente zur Erfassung der Persönlichkeitsfaktoren

Um die zuvor beschriebenen Persönlichkeitsfaktoren messen zu können und somit ver- wendbar zu gestalten, werden standardisierte Verfahren benötigt, die Vergleichbarkeit ermöglichen. Derzeit ist das revidierte NEO-Persönlichkeitsinventar[11] nach Costa und McCrae (NEO-PI-R; deutsche Version von F. Ostendorf und A. Angleitner, 2004) ein weltweit weitreichend genutztes Verfahren, das auf faktorenanalytischen Erkenntnissen in Anlehnung an das Fünf-Faktoren-Modell beruht. Es verfügt über 240 Items, die in- nerhalb der Hauptskalen Neurotizismus, Extraversion, Offenheit für Erfahrungen, Ver- träglichkeit und Gewissenhaftigkeit mithilfe von 30 Facetten (z. B. Neurotizismus: Reizbarkeit, Verträglichkeit: Entgegenkommen) Werte erfassen. Aufgrund des großen Spektrums, ist es möglich, eine vielseitige sowie detaillierte Persönlichkeitsbeschrei- bung aufzunehmen.[12] Es gibt einige weitere Verfahren, die ebenfalls den Anspruch ha- ben, die Messung der Fünf-Faktoren vorzunehmen, jedoch meist anderen Umfangs. Das NEO-FFI (NEO-Fünf-Faktoren-Inventar nach Costa und McCrea; deutsche Version von

P. Borkenau und F. Ostendorf, 2008) z. B. erfasst zwar selbige Persönlichkeitsdimensi- onen, ist jedoch mit 60 Items und einer entsprechend geringeren Bearbeitungszeit weni- ger umfassend.[13] Damit ist es auch in seinen Ergebnissen minder ausführlich und genau. Erfüllt somit jedoch zugleich die Ansprüche derer die keine Darstellung aller Einzelhei- ten benötigen, sondern z. B. den speziellen Zweck einer Personaleinstellung verfolgen.

3 Persönlichkeitsfaktoren als Prädiktoren für den Gesundheitsstatus

3.1 Kriterien von Gesundheit, Krankheit und Gesundheitsverhalten

Die Wirkmechanismen von Persönlichkeit und Gesundheit sind in das wissenschaftliche Feld der Gesundheitspsychologie als Teilbereich der Psychologie einzuordnen. Unter- suchungsgegenstand sind die Gesunderhaltung, das Gesundheitsverhalten, die Präventi- on von Krankheit sowie der Umgang mit bestehenden Krankheiten und durch welche Determinanten[14] diese Themen beeinflusst werden.[15] Um Korrelationen zwischen Per- sönlichkeit und Gesundheit herauszustellen, ist es zunächst notwendig, die der Ausei- nandersetzung zugrunde liegenden Begriffe und die daraus resultierenden Gegebenhei- ten zu verdeutlichen. Im Zusammenhang der Problemstellung dieser Arbeit ist dem- nach, zu klären, was unter Gesundheit, Krankheit und Gesundheitsverhalten zu verste- hen ist und welche Kriterien dem zu Grunde liegen.

Die Aussage des Begriffes Gesundheit hängt deutlich von dem Bezug der Thematik ab, aufgrund derer sich mit der Begrifflichkeit auseinander gesetzt wird. Im Rahmen der vorliegenden Materie wird Gesundheit als Zustand des physischen und psychischen Wohlbefindens angenommen. Jedoch mit der Einschränkung, dass die dazu grundle- genden Voraussetzungen aus medizinischer Sicht gegeben sein sollten. Das bedeutet, dass medizinische Fakten, die deutlich nicht für Gesundheit sprechen, nicht dadurch ausgeschlossen werden können, dass sich eine Person z. B. trotz dauerhaftem Bluthoch- druck gesund fühlt. Krankheit ist als Gegensatz von Gesundheit zu sehen. Zusätzlich sollten die Schwere und Dauer von Krankheit sowie die daraus resultierenden Ein- schränkungen in Alltag und Lebensqualität betrachtet werden, um das Ausmaß im Le- ben der Erkrankten beurteilen zu können. Damit soll erreicht werden, dass Personen mit harmlosen, eigens vorübergehenden körperlichen oder seelischen Belastungen nicht als krank eingestuft werden.[16] Gesundheitsverhalten bezeichnet den Umgang von Individu- en mit ihrer Gesundheit. Inwiefern sie diese stabilisieren, fördern oder gefährden und welche Motivatoren und Handlungsschemata damit einhergehen. Die wesentlichen Ein- flussgrößen sind sportliche Betätigung, Ernährung und Tabakkonsum.[17]

[...]


[1] Bezogen auf die westlichen Industrienationen.

[2] Insbesondere in Deutschland, die Entwicklung ist jedoch weitgehend analog auf die Industrienationen westlich orientierter Kultur übertragbar. Im Einzelfall sind landesspezifische Unterschiede zu beachten.

[3] Maas, H., Spinath, F. M. (2012), S. 129.

[4] Brinkmann, R. (2014), S. 124.

[5] Vgl. Gerrig, R. J. (2015), S. 508.

[6] Vgl. Asendorpf, J. B. (2015), S. 55.

[7] Vgl. Gerrig, R. J. (2015), S. 508.

[8] Vgl. Rammsayer, T., Weber, H. (2016), S. 223-226.

[9] Vgl. ebd., S. 233.

[10] Rammsayer, T., Weber, H. (2016), S. 233-234.

[11] Ableitung NEO: N = Neurotizismus, E = Extraversion, O = Offenheit für Erfahrungen, vgl. Rammsayer, T., Weber, H. (2016), S. 234.

[12] Vgl. Testzentrale (2016a), S.4.

[13] Vgl. Testzentrale (2016b), S. 1-2.

[14] Definition Determinante: „… bestimmender Faktor“, Duden (2016a), S. 1.

[15] Vgl. Brinkmann, R. (2014), S. 18-20.

[16] Vgl. Faller, H. (2010), S. 3-4.

[17] Vgl. Brinkmann, R. (2014), S. 40-42.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Persönlichkeit als Einflussfaktor auf Gesundheit und Gesundheitsverhalten
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Düsseldorf früher Fachhochschule
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
15
Katalognummer
V366094
ISBN (eBook)
9783668447110
ISBN (Buch)
9783668447127
Dateigröße
416 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gesundheitspsychologie, Persönlichkeit, Persönlichkeitsfaktoren, Gesundheit, Gesundheitsverhalten, Persönlichkeitsmerkmale, Persönlichkeitstheorien, Gesundheitsstatus
Arbeit zitieren
Jennifer Schnödewind (Autor), 2016, Persönlichkeit als Einflussfaktor auf Gesundheit und Gesundheitsverhalten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/366094

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