Das Sündenverständnis in der Moderne


Seminararbeit, 2002

9 Seiten, Note: 2-3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Sündenverständnis im Rahmen der drei Paradigmen
2.1. Orthodoxes Sündenverständnis
2.2. Liberales Sündenverständnis
2.3. Sündenverständnis der Befreiungstheologie

3. Welches Sündenverständnis für mich persönlich?

4. Sündenverständnis als Thema für Grundschulkinder

1. Einleitung

Das Sündenverständnis in der Moderne - gibt es das überhaupt? Welcher moderne, aufgeweckte, liberale Mensch spricht im Jahr 2002 nach Christus noch von Sünde? (Wenn er nicht katholisch ist und gerade im Rahmen des Kommunionsunterrichtes auf die Beichte vorbereitet wird?) In dieser Arbeit soll, anhand von Dorothee Sölle´s Erklärung des modernen Sündenverständnisses dieser Begriff geklärt werden.

Ich selbst habe im Rahmen des Seminars „Elementartheologie“ viel über meinen eigenen Begriff von Sünde nachgedacht, bzw. überhaupt erst darum erfahren. Mir waren bisher sowohl die unterschiedlichen Auslegungen der Erbsünde im katholischen und protestantischen Glauben fremd, als auch habe ich bisher geglaubt die eigentliche „Sünde“ gäbe es bei den Protestanten nicht (daß es nun gar viel schlimmer ist, daß man sie nämlich nicht loswerden kann wie jeder ordentliche Katholik, indem er zur Beichte geht, bin ich noch am verarbeiten). Ich möchte in dieser Arbeit also sowohl die theologische, als auch meine ganz private Deutung von Sünde erörtern.

2. Das Sündenverständnis im Rahmen der drei Paradigmen

Die allgemeinchristliche Aussage über Sünde lautet: Sünde ist Trennung von Gott“. Diese Trennung lässt sich allerdings sehr unterschiedlich interpretieren. Wer oder was ist hier von Gott getrennt? Wie? Von welcher Sünde wird gesprochen? Von der Sünde die wir umgangssprachlich so bezeichnen? Jemand lügt, betrügt, stiehlt oder mordet gar? Ist es diese Sünde die gemeint ist? Ich denke hierzu hat jeder seine konkreten Vorstellungen die wenig Interpretation bedürfen. Es ist dieser komplizierte, schwer zu fassende Begriff der Ursünde „...heißt diese Ursünde im Gegensatz zur Tatsünde als der bewußten Verletzung von Gottes Gesetz: >Erbsünde<“[1] ) der hier erläutert werden soll. „Gemeint ist, daß wir in Zustände hineingeboren sind, in denen wir nicht die Verursacher der Sünde sind, sondern schon immer in der Sünde leben.

Diese Tatsache ist recht schwer nachzuvollziehen. Bei D. Sölle gibt sie uns ein schönes Beispiel, was ihr geholfen hat diesen „Zustand“ zu verstehen. Im Rahmen unseres Seminars gab es gerade hierzu sehr kontroverse Diskussionen. Ich persönlich kann die Haltung Sölles sehr gut nachvollziehen. Sie vergleicht diese „geerbte“ Sünde mit z.B. der Tatsache, daß wir als Deutsche nach wie vor (egal in welcher Generation und wie lange es her ist ) für die Greueltaten des Dritten Reiches verantwortlich sind „...weil ich durch Sprache, Kultur und Erbe einer Gemeinschaft von Menschen angehöre, die in einem Schuldzusammenhang lebt. Das kann ich mir nicht aussuchen, es ist einfach so.“[2]. Sicher, wir waren nicht dabei, aber dennoch tragen wir eine Verantwortung. Gleiches lässt sich auf Gott und die Erbsünde übertragen „sondern werden in etwas hineingeboren, das von der Struktur der Sünde, der Trennung von Gott, schon immer bestimmt ist. Diese objektive Verfassung bejahen wir dann auch subjektiv. Neutestamentlich ausgedrückt ist die Sünde also eine Macht, die über uns herrscht.“[3] Das „Getrenntsein von Gott“ - die Ursünde also wird unterschiedlich interpretiert:

2.1. Orthodoxes Sündenverständnis

„Der Mensch setzt sich an die Stelle Gottes, das ist das Zentrale im Sündenverständnis der orthodoxen Tradition“[4] Hier ist also die größte Sünde, daß man sein will wie Gott. Der Mensch ist selbstverliebt und nicht unterwürfig gegenüber seinem Schöpfer. Die Geschichte von Adam und Eva steht hier stellvertretend für Ungehorsam gegen Gott „In diesem Sinne ist Sünde Ungehorsam nicht nur gegen bestimmte Verbote, sondern gegen das Geschaffensein“ und „Die Sünde flüstert uns ein, die Begrenzung des Geschöpfs solle und könne wegfallen; unsere zeitliche Begrenzung - wir haben nicht unbegrenzt Zeit - , die physische Begrenzung - wir haben nicht unbegrenzt Kraft -, die geistige Begrenzung - wir können nicht alles verstehen -, all das wird weggeschoben, und der Mensch meint, er sei Schöpfer seiner selbst und könne alles selber machen.“[5] Im orthodoxen Paradigma ist Gott als der gesehen, der als Schöpfer Gehorsam von den Menschen fordert; Ungehorsam ist folglich das Wesen der Sünde.

Zusammenfassend also:

- Trennung von Gott als Grund, aus dem die anderen Haltungen folgen:
- Ungehorsam gegen Gottes Willen
- Verblendung des Verstandes
- Korruption des Willens
- Stolz, Hochmut, Hybris[6]
- Selbstüberhebung weist Begrenzung und Geschöpflichkeit zurück

[...]


[1] Sölle, D. Gott denken: Einführung in die Theologie, Stuttgart 1990, S. 77

[2] Sölle, D. Gott denken: Einführung in die Theologie, Stuttgart 1990, S. 78

[3] Sölle, D. Gott denken: Einführung in die Theologie, Stuttgart 1990, S. 79

[4] Sölle, D. Gott denken: Einführung in die Theologie, Stuttgart 1990, S. 80

[5] Sölle, D. Gott denken: Einführung in die Theologie, Stuttgart 1990, S. 81

[6] Hybris = griechisch Stolz, Anmaßung, Überhebung, Selbstliebe

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Das Sündenverständnis in der Moderne
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Evangelische Theologie)
Veranstaltung
Proseminar: Elementartheologie
Note
2-3
Autor
Jahr
2002
Seiten
9
Katalognummer
V3662
ISBN (eBook)
9783638122610
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dorothee Sölle und ihr Sündenverständnis wird hier als Aufhänger für das generelle Sündenverständnis in der Moderne genommen. Fazit bezogen auf Grundschule heute. 83 KB
Schlagworte
Sündenverständnis, Moderne, Proseminar, Elementartheologie
Arbeit zitieren
Silke Mühl (Autor), 2002, Das Sündenverständnis in der Moderne, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3662

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