Arbeitslosigkeit in Deutschland - ein Hysteresis-Phänomen?


Hausarbeit, 2002

22 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Arbeitslosigkeit als zentrales soziales Problem des modernen Kapitalismus

2. Wichtige Kennzeichen der Entwicklung von Arbeitslosigkeit
2.1 Die Entwicklung in den letzten vier Jahrzehnten
2.2 Arbeitsnachfrage und Arbeitsangebot.
2.3 Steigende Sockelarbeitslosigkeit

3. Hysteresis- Phänomen
3.1 Erklärungsdefizite keynesianischer und neoklassischer Ansätze
3.2 Herkunft und Interpretation des Hysteresis- Begriffs
3.3 Ökonomische Analogien

4. Theoretische Ansätze zur Erklärung von Hysteresis am Arbeitsmarkt
4.1 Kapitalmangel und Kapitalstockanpassung
4.2 Humankapitalentwertung (duration theory) und Dauer der Arbeitslosigkeit
4.3 Insider- Outsider- Theorie

5. Nachweis der Hysteresis- Theorie
5.1 Phillipskurvengleichung
5.2 Beveridge Kurve

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Versicherung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Arbeitsmarkt in Westdeutschland

Abb. 2: Die Hysteresis- Schleife

Abb. 3: Empirische Dynamik des Arbeitsmarktes im Hinblick auf Langzeitarbeitslose

Abb. 4: Stilisierte Form der Beveridge Kurve

1. Arbeitslosigkeit als zentrales soziales Problem des modernen Kapitalismus

Die langanhaltend hohe Arbeitslosigkeit seit den 70er Jahren stellt ein herausragendes soziales und ökonomisches Problem in Deutschland dar, was durch den momentanen Wahlkampf deutlicher wird wie nie. Seit drei Jahren hat die Arbeitslosigkeit im Monat Juli 2002 mit 4,047 Millionen Erwerbslosen ihren Höchststand erreicht.[1]

Dabei beschrieb die bundesdeutsche Arbeitslosenquote in den letzen 20 Jahren einen treppenförmigen Verlauf, der entstand, weil nach einem krisenhaften Anstieg der Arbeitslosenquote die folgende Phase verbesserter gesamtwirtschaftlicher Bedingungen nicht zu einem nachhaltigen Abbau der Arbeitslosigkeit führte (siehe Abb. 1).[2] Ein Erklärungsansatz für dieses Verharren der Arbeitslosenquote auf dem einmal erreichten Niveau ist Hysteresis. Hysteresis bedeutet, dass es keine gleichgewichtete Arbeitslosenquote gibt, die langfristig, nach vorrübergehender Störung, wieder erreicht wird, sondern dass die vorherrschende Arbeitslosenquote ihren langfristigen Gleichgewichtswert beeinflusst. Nach einem adversen Schock mit ansteigender Arbeitslosigkeit kehrt die Arbeitslosenquote nicht zu ihrem Ausgangswert zurück, sondern tendiert zu einem höheren Gleichgewichtswert hin.[3]

Die langanhaltende hohe Arbeitslosigkeit in Deutschland ist im weiteren eine klare Verfehlung des Beschäftigungszieles, welches im Stabilitäts- und Wachstumsgesetz verankert ist. Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht hat dies im Wesentlichen zwei Folgen: zum einen wird das vorhandene Humankapital nicht ausgeschöpft, was dazu führt, dass ein mögliches höheres Wohlfahrtsniveau nicht erreicht werden kann. Zum anderen werden die direkt Betroffenen vom Erwerbsleben ausgeschlossen, weshalb sie auf die finanzielle Unterstützung Dritter angewiesen sind.[4]

Somit stellt die Arbeitslosigkeit die marktwirtschaftlich organisierten Volkswirtschaften – und wohl nicht nur diese- in den letzten zwei Jahrzehnten, vor immer größer werdende Probleme.[5]

Im folgenden soll kurz darüber informiert werden wodurch die Entwicklung der

Arbeitslosigkeit ist gekennzeichnet ist, ein theoretischer Erklärungsansatz zur anhaltend

hohen Arbeitslosigkeit soll näher beleuchtet werden. Zunächst wird die Entwicklung

der Arbeitslosigkeit betrachtet und es wird erörtert worin die keynesianischen und neo-

klassichen Erklärungsdefizite liegen, danach wird beschrieben was Hysteresis am Ar-

beitsmarkt bedeutet und wie man sie ökonomisch erklären kann.

Schließlich werden ökonomische Erklärungsansätze der Hysteresis- Arbeitslosigkeit gegeben und deren empirische Evidenz dargestellt.

Es wird hier jedoch nur die Arbeitslosigkeit in Westdeutschland analysiert, damit vermieden wird, dass einige Argumente mit dem Hinweiß auf die besonderen Umstände in den neuen Bundesländern angezweifelt werden.

2. Wichtige Kennzeichen der Entwicklung von Arbeitslosigkeit

2.1 Die Entwicklung in den letzten vier Jahrzehnten

Die Zahl der Beschäftigten (Arbeitnehmer) stieg in den vergangenen vierzig Jahren in Westdeutschland stets an. Dabei verlief die Entwicklung der Bevölkerung und die der (abhängig) Beschäftigten bis zu Beginn der neunziger Jahre weitgehend gleichförmig.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Arbeitsmarkt in Westdeutschland (Quelle: Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1999 und Bundesanstalt für Arbeit 1999)[6]

Die Zahl der abhängig Beschäftigten ist in der Zeit von 1983 bis 1992 um fast 4 Mio. gestiegen, was einer Zunahme von Arbeitsplätzen von fast 20 Prozent entspricht.[7] Dies stellt eine außerordentliche Leistung der deutschen Wirtschaft dar, denn die Zunahme ist größer als die Zahl neuer Jobs in den gesamten 24 Jahren zuvor, also in der Zeit von 1959 bis 1983. Seit Beginn der neunziger Jahre driften dagegen die Bevölkerungs- und Beschäftigungszahlen auseinander. Dies spiegelt sich sowohl in den gestiegenen Arbeitslosenzahlen als auch in einem Zuwachs bei der Stillen Reserve wieder.

2.2 Arbeitsnachfrage und Arbeitsangebot.

Auch beim Arbeitsmarkt ist die Angebots- und Nachfrageseite gedanklich zu trennen: Die Arbeitsnachfrage besteht aus dem Arbeitskräftebedarf der Unternehmen, also aus den tatsächlichen Beschäftigten und den gemeldeten sowie nicht gemeldeten offenen Stellen.[8] Eine auf der Nachfrageseite ansetzende Erklärung, die den Anstieg der Arbeitslosigkeit auf eine restriktive Geld- und Fiskalpolitik (Konsolidierung öffentlicher Haushalte) sowie den Nachfrageausfall infolge der zweiten Ölpreiskrise zurückführt, kann jedoch nicht bezüglich der Fortdauer der Arbeitslosigkeit überzeugen.[9]

Die Aufteilung des Arbeitsangebots bzw. Erwerbspotentials ist dagegen etwas komplexer. Dies setzt sich aus den Erwerbstätigen, den registrierten Arbeitslosen sowie der Stillen Reserve zusammen. Diese umfasst sowohl Nichterwerbspersonen, die aktuell keine Arbeitstelle suchen (Kindererziehung, Entmutigte), als auch Nichterwerbspersonen in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen (ABM, Vorruhestand, Umschulung), die dem Arbeitsmarkt nur unter Vorbehalt zur Verfügung stehen. Konsequenter Weise muss die Stille Reserve zu den registrierten Arbeitslosen addiert werden, um zur gesamtwirtschaftlichen bestehenden Beschäftigungslücke zu gelangen.[10] Aber auch eine auf der Angebotsseite ansetzende Erklärung weist Defizite auf. Sieht man nämlich in höheren Ölpreisen, steigenden Lohnlücken, sinkender Kapitalrentabilität und der Dollaraufwertung wesentliche angebotsseitige Faktoren für den Anstieg der Arbeitslosigkeit, so lässt sich die in der zweiten Hälfte der 80er Jahre anhaltende hohe Arbeitslosigkeit schlecht mit den gleichen Determinanten begründen. Denn hier hätten ein sinkender Dollarkurs, fallende Ölpreise, sinkende Lohnlücken und eine steigende Kapitalrentabilität für eine niedrigere Arbeitslosenquote sorgen müssen.[11]

2.3 Steigende Sockelarbeitslosigkeit

Das Phänomen der Unterbeschäftigung ist erstmals an den ersten Ölpreisschock 1973 aufgetreten und seitdem persistent (vgl. Abb. 1). Die Arbeitslosenziffern entwickeln sich treppenförmig, mit relativ lang andauernden Phasen zunehmender Arbeitslosenquoten, gefolgt von etwas kürzeren Phasen, in denen die Arbeitslosenquote nur zum Teil wieder zurückgeht bzw. stagniert. Die Gesamtbeschäftigungslücke hat gegen Ende der neunziger Jahre einen vorläufigen Höchststand erreicht, der von verschiedenen Arbeitsmarktexperten auf knapp 5 Mio. fehlende Arbeitsplätze in Westdeutschland (inkl. der Stillen Reserve) oder der ca. 7,2 Mio. fehlende Arbeitsplätze für Gesamtdeutschland hochgerechnet wurde.[12]

Wegen der aus verschiedenen Gründen deutlich schlechteren Vermittlungschancen von Langzeitarbeitslosen geht von ihnen ein vergleichsweise geringer und im Zeitablauf gänzlich verschwindender Druck auf die Löhne aus. Der steigende Anteil der Langzeitarbeitslosen verhindert damit unter gleichen Bedingungen die für den Abbau der Arbeitslosigkeit notwendige Lohnzurückhaltung.[13]

3. Hysteresis- Phänomen

3.1 Erklärungsdefizite keynesianischer und neoklassischer Ansätze

Aus den vorhergehenden Ausführungen wurden die Erklärungsdefizite üblicher keynesianischer (nachfrageseitiger) und neoklassischer (angebotsseitiger) Ansätze schon deutlich.[14] Mit ihnen lassen sich schwerlich alle aufgezeigten Merkmale der Entwicklung der Arbeitslosigkeit in Westeuropa abdecken. Von ihnen werden eher einzelne Facetten des Gesamtphänomens erfasst, so dass Anstieg Fortdauer der Arbeitslosigkeit kaum von einem Modell allein geklärt werden können. Mit dem Hysteresis- Ansatz wird hingegen versucht, den asymmetrischen Verlauf der Arbeitslosenquote, der auf Konjunktur beschränkten Lohnzurückhaltung und den Implikationen des steigenden Anteils der Langzeitarbeitslosen für den Lohnbildungsprozess gleichzeitig Rechnung zu tragen.[15]

3.2 Herkunft und Interpretation des Hysteresis- Begriffs

Das Wort „Hysteresis“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „zurückbleiben“. Wie viele wirtschaftswissenschaftliche Begriffe ist er aus den Naturwissenschaften übernommen worden, wo er beispielsweise im Bereich der Physik im Rahmen von Untersuchungen zur magnetischen Felsstärke eine wichtige Rolle spielt.[16]

[...]


[1] vgl. www.arbeitsamt.de/hst/services/statistik/kurzinformation/bundesgebiet/index.html; entnommen am 7.08.2002

[2] vgl. Grassinger; Verfestigte Arbeitslosigkeit- Das Hysteresis- Phänomen unter besonderer Berücksichtigung des Humankapitalansatzes, S. 1

[3] vgl. Franz; Das Hysteresis- Phänomen, WiSt Feb. 1989, S. 77

[4] vgl. Borchert/ Schulz; Diagnose der Arbeitslosigkeit in Westdeutschland, WISU 5/00, S. 722

[5] vgl. Baßeler/ Heinrich; Grundlagen und Probleme der Volkswirtschaft, S. 690

[6] vgl. Borchert/ Schulz; Diagnose der Arbeitslosigkeit in Westdeutschland, WISU 5/00, S. 724

[7] vgl. Cezanne; Allgemeine Volkwirtschaftslehre, S. 281

[8] vgl. Borchert/ Schulz; Diagnose der Arbeitslosigkeit in Westdeutschland, WISU 5/00, S. 722

[9] vgl. Kösters/ Belke; Arbeitslosigkeit als Hysteresis- Phänomen, WISU 5/90, S. 277

[10] vgl. Hausschulz; Die Hysteresis- Hypothese und der Arbeitsmarkt der Bundesrepublik Deutschland, S.12

[11] vgl. Grassinger; Verfestigte Arbeitslosigkeit- Das Hysteresis- Phänomen unter besonderer Berücksichtigung des Humankapitalansatzes, S. 5

[12] vgl. Borchert/ Schulz; Diagnose der Arbeitslosigkeit in Westdeutschland, WISU 5/00, S. 724

[13] vgl. Kösters/ Belke; Arbeitslosigkeit als Hysteresis- Phänomen, WISU 5/90, S. 277

[14] Schuster; Hysterese auf den Arbeitsmärkten: eine Untersuchung zur empirischen Relevanz der stochastischen Katastrophentheorie, S. 7

[15] Grassinger; Verfestigte Arbeitslosigkeit- Das Hysteresis- Phänomen unter besonderer Berücksichtigung des Humankapitalansatzes, S. 5

[16] vgl. Hausschulz; Die Hysteresis- Hypothese und der Arbeitsmarkt der Bundesrepublik Deutschland, S.12

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Arbeitslosigkeit in Deutschland - ein Hysteresis-Phänomen?
Hochschule
Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademie Bochum gGmbH  (Teilanstalt Arnsberg)
Veranstaltung
Volkswirtschaftspolitik/ Vorlesung
Note
1,7
Autor
Jahr
2002
Seiten
22
Katalognummer
V36623
ISBN (eBook)
9783638361941
Dateigröße
696 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Gute Beschreibung des Status quo auf dem deutschen Arbeitsmarkt Zwar steht bei Ihnen im zweiten Teil die allgemeine Darstellung der Erklärungsansätze für Arbeitslosigkeit im Vordergrund. Es wird aber immer wieder Bezug zur Bundesrepublik Deutschland genommen. Dies war auch verlangt! Die Zitiervorschriften werden beachtet und zeugen von einer sorgfältigen Bearbeitung
Schlagworte
Arbeitslosigkeit, Deutschland, Hysteresis-Phänomen, Volkswirtschaftspolitik/, Vorlesung
Arbeit zitieren
Katharina Korff (Autor), 2002, Arbeitslosigkeit in Deutschland - ein Hysteresis-Phänomen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36623

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