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Wodurch unterscheidet Herzeloyde sich von der mittelalterlichen Vorstellung der adligen Mutter und welche Konsequenzen hat ihre Erziehung für Parzival?

Title: Wodurch unterscheidet Herzeloyde sich von der mittelalterlichen Vorstellung der adligen Mutter und welche Konsequenzen hat ihre Erziehung für Parzival?

Term Paper (Advanced seminar) , 2016 , 14 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Jasmin Behrens (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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In den höfischen Romanen des Mittelalters scheint es, als seien adlige Mütter nach der Geburt des zukünftigen Helden für den Verlauf der Handlung wenig wichtig; detaillierte Beschreibungen sowie Erzählungen von Aktionen der Frauen beziehen sich meist auf ihre Rollen als Ehefrau oder Königin, während mütterliche Tätigkeiten nur nebensächlich thematisiert werden. Dies erweckt den Eindruck, dass die Mutterschaft für adlige Frauen nicht oberste Priorität hatte.

Vor diesem Hintergrund ist Herzeloyde aus Wolframs von Eschenbachs Parzival definitiv eine literarische Besonderheit, sodass es lohnenswert erscheint, diese Frauenfigur als Mutter näher zu betrachten.

Ziel der vorliegenden Arbeit soll daher die Beantwortung der Frage sein, inwiefern sich Herzeloyde von der mittelalterlichen Vorstellung einer Mutter im Adel unterscheidet und welche Konsequenzen ihr Verhalten für den Sohn hat.
Um dies zu analysieren, soll zunächst die Rolle der adligen Mutter in der Kindererziehung des Mittelalters erarbeitet werden. Basierend auf diesem Mutterbild wird anhand zweier verschiedener Interpretationen des Verhaltens Herzeloydes herausgearbeitet, wie sich diese Figur zum gängigen Bild der adligen Mutter verhält.
Anschließend daran soll genauer untersucht werden, welche Konsequenzen die Erziehung für den Charakter Parzivals hat.
Um die Besonderheit Herzeloydes noch einmal hervorzuheben, wird diese einer Mutterfigur aus einem anderen höfischen Roman gegenübergestellt.
Abschließend sollen die Ergebnisse der jeweiligen Untersuchungen zusammengefasst betrachtet werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die adlige Mutter im Mittelalter

2.1 Das Stillen im Adel

2.2 Die adlige Mutter und die Erziehung

3. Herzeloyde als Mutter

3.1 Herzeloyde als mütterliches Vorbild

3.2 Herzeloyde als Egoistin

3.3 Zwischenfazit

4. Konsequenzen der Erziehung Herzeloydes

5. Herzeloyde im Vergleich zu Sieglinde

6. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die literarische Figur der Herzeloyde aus Wolfram von Eschenbachs "Parzival" im Kontext mittelalterlicher Mutterbilder. Ziel ist es, ihr Verhalten als Mutter – insbesondere in Bezug auf Erziehung und Stillen – kritisch zu hinterfragen, die Unterschiede zum zeitgenössischen adligen Ideal aufzuzeigen und die Auswirkungen dieser Erziehung auf die Entwicklung des Helden Parzival zu analysieren.

  • Mittelalterliche Erziehungspraktiken und das Rollenverständnis adliger Mütter
  • Die literarische Sonderstellung Herzeloydes als Kontrastfigur
  • Interpretationsansätze: Herzeloyde als vorbildliche Mutter versus egoistische Figur
  • Die Auswirkungen der isolierten Erziehung in der Einöde auf Parzivals Charakter
  • Vergleichende Analyse zwischen Herzeloyde und Sieglinde aus dem Nibelungenlied

Auszug aus dem Buch

3.1 Herzeloyde als mütterliches Vorbild

Kurz nachdem Herzeloyde von dem Tod ihres Mannes erfährt, bringt sie den gemeinsamen Sohn Parzival zur Welt. Zwar ist Herzeloyde aufgrund des Verlustes Gahmurets schmerzerfüllt, gleichzeitig zeigt sie jedoch auch Freude über die Geburt des Kindes:

die küngîn des geluste

daz sin vil dicke kuste.

Si sprach hinz im in allen flîz

›bon fîz, scher fîz, bêâ fîz.‹ (113, 1-4).13

Die Liebkosungen sowie die wiederholte Bezeichnung „fîz“ für Parzival können als Ausdruck von Mutterliebe interpretiert werden.

Herzeloyde erscheint hier in einer neuen Rolle; sie ist nicht mehr Ehefrau und Königin von Waleis, sondern Mutter. Ihr mütterliches Empfinden äußert sich darin, daß (sic!) sie Parzival […] von Anfang an mit Kosenamen bezeichnet.14

Dieser Eindruck wird dadurch verstärkt, dass die Königin die Aufgabe des Stillens ohne zu zögern selbst übernimmt, was für eine Frau ihres Standes unüblich ist:

selbe ewas sîn amme

diu in truoc in ir wamme:

an ir brüste si in zôch,

die wîbes missewende vlôch (113, 9-12).

Herzeloyde empfindet ihr außergewöhnliches Verhalten jedoch als richtig, denn schließlich verhält sie sich so, wie das Vorbild aller Mütter; die Maria Muttergottes: diu hœhste küneginne / Jêsus ir brüste bôt (113, 18-19).15

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des adligen Mutterbildes im Mittelalter ein und definiert Herzeloyde als literarische Ausnahme, deren Erziehungsmethoden genauer untersucht werden sollen.

2. Die adlige Mutter im Mittelalter: Dieses Kapitel erläutert die gängigen gesellschaftlichen Normen, wonach Stillen und Erziehung im Adel meist an Ammen und Ausbilder delegiert wurden.

3. Herzeloyde als Mutter: Das Kapitel kontrastiert zwei Interpretationen der Figur – einmal als aufopferungsvolles mütterliches Vorbild, einmal als egoistische, auf den Sohn fixierte Frau.

4. Konsequenzen der Erziehung Herzeloydes: Es wird dargelegt, wie die Isolation in der Einöde Parzivals Naivität und Weltfremdheit fördert, die erst durch eine externe ritterliche Lehre überwunden werden kann.

5. Herzeloyde im Vergleich zu Sieglinde: Durch den Vergleich mit Sieglinde aus dem Nibelungenlied wird die Abweichung Herzeloydes vom adligen Standard noch einmal verdeutlicht.

6. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Rekapitulation der Ergebnisse und hält fest, dass Herzeloyde ungeachtet der Motivdeutung eine signifikante Kontrastfigur darstellt.

Schlüsselwörter

Herzeloyde, Parzival, Mittelalter, Adlige Mutter, Erziehung, Stillen, Mutterliebe, Egoismus, Literaturanalyse, Höfischer Roman, Nibelungenlied, Sieglinde, Kindheit, Literatur, Wolfram von Eschenbach.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die literarische Figur der Herzeloyde aus dem "Parzival" und untersucht, wie sie sich vom historischen Mutterbild des Adels im Mittelalter abhebt.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Schwerpunkte liegen auf der mittelalterlichen Kindererziehung, dem ritterlichen Weltbild, der Mutter-Sohn-Beziehung sowie der literaturwissenschaftlichen Interpretation von Frauenfiguren.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, wie Herzeloydes Erziehungsmethoden das Verhalten ihres Sohnes Parzival prägen und inwiefern ihr Handeln als bewusste Abkehr von adligen Normen zu verstehen ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die primär auf der Interpretation von Textstellen aus dem "Parzival" basiert und diese mit historischem Kontext sowie Vergleichsliteratur abgleicht.

Was steht im Hauptteil der Arbeit im Fokus?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des historischen Erziehungskontexts, die zweigeteilte Interpretation der Herzeloyde-Figur sowie die Analyse der Auswirkungen ihrer Erziehung auf Parzivals Entwicklung.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Herzeloyde, Parzival, adlige Erziehung, Ammenwesen, Mutterbild, Kontrastfigur und literarische Interpretation.

Warum wird Herzeloyde als "literarische Ausnahme" bezeichnet?

Sie durchbricht die mittelalterlichen Konventionen des Adels, indem sie das Stillen selbst übernimmt und aktiv in die Erziehung ihres Sohnes eingreift, anstatt diese an Dritte zu delegieren.

Welche Rolle spielt der Vergleich mit Sieglinde aus dem Nibelungenlied?

Der Vergleich dient dazu, das "normgerechte" Verhalten einer adligen Mutter (Sieglinde) dem "abweichenden" Verhalten der Herzeloyde gegenüberzustellen, um die Besonderheit der Letzteren deutlicher hervorzuheben.

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Details

Title
Wodurch unterscheidet Herzeloyde sich von der mittelalterlichen Vorstellung der adligen Mutter und welche Konsequenzen hat ihre Erziehung für Parzival?
College
University of Bonn
Grade
1,3
Author
Jasmin Behrens (Author)
Publication Year
2016
Pages
14
Catalog Number
V366316
ISBN (eBook)
9783668451087
ISBN (Book)
9783668451094
Language
German
Tags
wodurch herzeloyde vorstellung mutter konsequenzen erziehung parzival
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jasmin Behrens (Author), 2016, Wodurch unterscheidet Herzeloyde sich von der mittelalterlichen Vorstellung der adligen Mutter und welche Konsequenzen hat ihre Erziehung für Parzival?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/366316
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