Architektur als Abbild der Ideologie des NS-Staates


Hausarbeit, 2017
17 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Stadt Neugestaltung am Beispiel Berlin
2.1 Erste Phase
2.2 Zweite Phase

3. „Repräsentationsbauten“

4. „Bauten der Erziehung“

5. Industrielle Gebäude

6. Wohnungsbau
6.1 Auf dem Land
6.2 In der Stadt

7.Fazit

Literaturliste

Bildnachweise

1. Einleitung

Die Architektur des deutschen Nationalsozialismus markiert in der Geschichte der Architektur einen gesonderten Stellenwert. Hitlers Gedankengut spiegelte sich nicht nur in seinem politischen Handeln wider, sondern auch in der architektonischen Umgestaltung seines „Dritten Reiches“. Schon früh sollte nicht nur der „Volkskörper“ umerzogen werden, sondern auch das Erscheinungsbild des neuen Deutschland. Nerdinger formuliert es in seinem Buch wie folgt:

Den Nationalsozialisten war die Bedeutung einer Inbesitznahme des öffentlichen Raumes schon frühzeitig bewusst. 1926 erklärte Joseph Goebbels: „Der Machtstaat beginnt auf der Straße“.[1]

Die Architektur diente in erster Linie ihrer Funktion und nicht ihrem Aussehen. Diese Baupolitik war nicht nur ideologisch, sondern auch pragmatisch begründet und vor allem Erfolgsorientiert. Im Gegensatz zum italienischen Faschismus, wo neue Architektur Fortschritt und Zukunft bedeutete,[2]galt im Nationalsozialistischen Deutschland die strenge und geordnete Symmetrie der alten Römer. Hitler lehnte das „Neue“ ab. Er bezeichnete die neue Architektur als „Wurzellos“ und damit als „jüdischen“ oder „bolschewistischen“ Charakter.[3]Denn große Architektur entstehe durch ein Genie, dass in seiner „Rasse“ wurzele, große Architektur sei damit Ausdruck der „Rassenkerne“ eines „Volkskörpers“[4].

Am deutlichsten wird dies in den Werken von Petsch Joachim und Nerdinger Winfried.

Beide haben sich umfangreich mit dem Thema Kunst und Architektur während der Ns-Zeit befasst und mehrere Publikationen über diese Themen herausgebracht.

Zudem werden sie in weiteren Büchern, welche diese Themen beinhalten, oft zitiert.

Deshalb sind es die zwei Autoren, auf deren Werke ich in meine Abhandlung, welche ich von den politisch-repräsentativen Bauten zur Zeit Hitlers bis hin zu dem privaten Wohnraumbau aufgebaut habe, am meisten Bezug nehme.

Der Aufbau dieser Abhandlung ist wie folgt: Am Anfang steht die Stadtneuplanung, welche die bedeutendsten Planungen im NS-Staat waren. Von den Wichtigsten Planungen schreitet die Abhandlung zu den im NS-System niedriger positionierten Bauten, bis schließlich zu den Wohnungsbauten.

2. Stadt Neugestaltung am Beispiel Berlin

Hitler wollte die fünf großen Führerstädte, Berlin, München, Nürnberg, Linz und Hamburg, von Grund auf neu gestalten.

Er war der Meinung, dass beispielsweise Berlin keinerlei Struktur aufwies, sondern nur eine Aneinanderreihung von Geschäfts- und Wohnhäusern wäre.

Berlin als Reichshauptstadt eines 65 Millionen- Volkes muss städtebaulich und kulturell auf solche Höhe gebracht werden, dass es mit allen Hauptstädten der Welt konkurrieren kann[5].

Aus diesem Grund sollte Berlin zu „Germania, die Welthauptstadt“, einer gigantischen Machtzentrale um-und neugebaut werden[6].

Die Neuplanung erfolgte in zwei Phasen.

2.1 Erste Phase

Nach der Machtübernahme beschränkte sich die Planung auf einzelne große Bauvorhaben, die in keinem übergeordneten planerischen Kontext standen. Sie sollten jedoch mit ihrer propagandistischen Überhöhung den Eindruck erwecken, dass Berlin eine einzige große Baustelle sei[7]. Die erste Handlung, nach der Machtübernahme, war das Planungsamt damit zu beauftragen, eine repräsentative Straße zwischen Lehrterstraße und Tempelhofer Feld zu planen.

Diese Strategie beruhte auf der Planungsstudie von Martin Mächler von 1917[8].

Der Anhalter und der Potsdamer Bahnhof sollten durch einen Zentralbahnhof südlich des Landwehrkanals ersetzt werden. Dies war Voraussetzung für weitere Arbeiten.

Hitler wollte bessere Verbindungen zwischen den Bezirken und dabei eine Lösung für die Verkehrsprobleme im Zentrum und um Berlin.

So wurde zum Beispiel die Lennéstraße durch die Ministergärten gezogen und mit der Französischen Straße verbunden, so dass die Lange diskutierte Verbindung der City mit den westlichen Teilen der Stadt geschaffen wurde, die das Brandenburger Tor und den Potsdamer Platz entlasten sollten[9].

Das erste große Bauvorhaben in der ersten Phase war der Neubau des Reichsluftfahrtministeriums. Dieser war geprägt von den Stilelementen Speers Nürnberger Zeppelinfeld. Diese Stilelemente wurden nun verbindlich für fast alle Partei- und Staatsgebäude und Verwaltungsgebäude der Wirtschaft genutzt wurde.

Z.B. Berliner Reichsluftfahrtministerium, zu finden in: Petsch, Joachim, Baukunst und Stadtplanung im Dritten Reich: Herleitung, Bestandsaufnahme, Entwicklung, Nachfolge (Carl Hanser), München, Wien 1976. (Bildnummer 39)

Der Stil des Luftfahrtministeriums lässt sich in vier Leitmotive zusammenfassen:

1. Die Forderung nach Sachlichkeit in der Architektur wird erfüllt, wenn Schmuckformen fehlen.
2. Sachlichkeit der Architektur ist gewährleistet, wenn sie nur gerade Linien aufweist.
3. Geometrische bzw. stereometrische Formen (ungeteilte Massen) entsprechen wie die den Linien dem soldatischen Charakter der nordischen Rasse.
4. Die Verwendung von Naturstein versinnbildlicht am besten das „Wehrmäßige“ und „Unverrückbare“ der neuen Gemeinschaft[10].

2.2 Zweite Phase

Die zweite Phase startete 1936. Hierfür zog Hitler sich Albert Speer, welcher sehr von Troos beeinflusst war, heran. Dieser wurde zum „Generalbauinspektor für die Neugestaltung der Reichshauptstadt“, eine unmittelbar unterstellte Position Hitlers, und beauftragte drei Architekten als Abteilungsleiter. Willy Schelkes, Hans Stephan und Rudolf Wolters.

Hitler begründete die Berufung Speers mit folgenden Worten:

Als äußeres Zeichen für diese große Epoche der Wiederauferstehung unseres Volkes aber soll nunmehr der planmäßige Ausbau einiger großer Städte des Reiches treten. Und an der Spitze die Ausgestaltung Berlins zu einer wirklichen und wahren Hauptstadt des Deutschen Reiches. Ich habe daher an diesem heutigen Tage, ähnlich wie für den Bau unserer Straßen, für Berlin einen Generalbauinspektor ernannt, der für die bauliche Ausgestaltung der Reichshauptstadt verantwortlich ist und dafür Sorge tragen wird, in das Chaos der Berliner Bauentwicklung jene große Linie zu bringen, die dem Geist der nationalsozialistischen Bewegung und dem Wesen der deutschen Reichshauptstadt gerecht wird. Für die Durchführung dieses Plans ist eine Zeit von 20 Jahren vorgesehen[11].

1938 wurden die Pläne für die Umgestaltung veröffentlicht. Sie sollten der Bevölkerung den Glauben geben, dass die Umgestaltung dazu da wäre um die Verkehrsprobleme zu lösen, neue Wohnräume zu schaffen und Stadtteile zu sanieren. Jedoch waren die repräsentative Selbstdarstellung und politische Lenkung der Bevölkerung die wahren Gründe.

Die beiden Achsen von Norden nach Süden und von Westen nach Osten sollten die Stadt in vier Teile teilen. Diese sollten sich westlich des Brandenburger Tors kreuzen und waren das Hauptmotiv des Generalbebauungsplans. Man hoffte mit einem radialen Straßennetz die Expansion der Großstadt lösen zu können.

3. „Repräsentationsbauten“

Die Repräsentationsbauten für Partei, Staat und „Volksgemeinschaft“ standen in dem „NS-System“ an der Spitze.

Für Repräsentationsbauten waren die überzeitlichen gültigen, „ewigen“ Formen der Antike in einer für die Gegenwart adaptierten Form vorbehalten.[12]

Hitler verehrte das Weltreich der Römischen Antike, weshalb die Planungen von ihm und Trost durch diesen Stil geprägt sind.

Die Repräsentationsbauten dienten in erster Linie dazu, die „Volksgemeinschaft“ zu stärken. Hitler war der Meinung, dass die Größe der „Bewegung“ und der „nationalen Revolution“ entsprechend große, gewaltige Bauten notwendig waren. Um diese Bauten noch größer erscheinen zu lassen, fielen die übrigen entsprechend klein aus.[13]

Auch sollten sie dem „Volk“ das Gefühl der eigenen Größe vermitteln.

Je größer die Bauten, umso gewaltiger muss der Staat seinen Bürgern erscheinen und umgekehrt verstärken große Monumente nicht nur die Gemeinschaft, sondern erzeugten bei den Volksgenossen das Gefühl der Größe ihrer Rasse und „Volksgemeinschaft“: Die gewaltigen gigantischen Zeugen unserer Gesellschaft werden psychologisch die Bürger unseres Volkes mit einem unendlichen Selbstbewusstsein erfüllen, nämlich dem: Deutsch zu sein.[14]

Dieses Denken Hitlers führte zu den seit 1934 betriebenen Großplanungen in den fünf „Führerstädten“ und den Gauhauptstädten.

Eine davon war Berlin, das als Ausdruck für den Sieg über Frankreich innerhalb kürzester Zeit umgestaltet werden sollte. Berlin als Hauptstadt eines starken neuen Reiches.

In Berlin wurde die „Halle des Volkes“, in Nürnberg das „deutsche Stadion“, in Hamburg die Elbbrücke und in München das stählerne Denkmal der Partei sowie die Bahnhofskuppel gebaut, um dem Volk ein Gefühl „arische Herrenmenschen“ und Herrscher über andere Rassen und Völker zu vermitteln.

Nur für die Unterjochten, besiegten, die KZ-Insassen, galt diese Architektur als Unterdrückung.

Nicht nur weil ihr enteignetes Geld und ihre Grundstücke für die Finanzierung und Erbauung genutzt wurden, sondern sie sollten sich vor diesen monumentalen Bauten auch winzig und wertlos fühlen.

Das Haus der deutschen Kunst war der erste Bau den Hitler als „den ersten schönen Bau des neuen Reiches“ betitelte. Troost war nicht nur der Architekt dieses Baus, sondern auch enger Verbündeter Hitlers. Sie arbeiteten so eng zusammen, dass nicht mehr zu unterscheiden war, welche Ideen von ihm und welche von Hitler stammten. Troost war Vorbild für andere Architekten. Sie bezogen sich in ihren Planungen auf ihn, waren jedoch meist nur Handlanger Hitlers, der die Planungen als Chefsache sah und jeden Entwurf für die Entstehung des Reiches selbst absegnete.München:

Münchner Haus der deutschen Kunst, Abb. unter: http://www.hausderdeutschenkunst.de/

4. „Bauten der Erziehung“

In ihrer Relevanz im NS-System folgten den Repräsentationsbauten die „Bauten der Erziehung“. In Hitlers „Mein Kampf“, schreibt er die „Erziehungsgrundsätze des völkischen Staates“ nieder. Diese sollten nicht nur eine wichtige Bedeutung bei der strukturellen und inhaltlichen Reform des Erziehungswesens besitzen, sondern auch bei der Umgestaltung der Erziehungsanstalten.[15]

Erziehungs- und Jugendbauten sollten, im Sinne einer Verwurzelung mit Blut und Boden, der jeweiligen regionalen Bautraditionen folgen.[16]

Es wurden zahlreiche Um-und Neubauten veranlasst, um Anlagen und Institute zu schaffen, welche den Erziehungs-, Ausbildungs- und Fortbildungsmaßnahmen aller Gesellschaftsschichten und Berufsgruppen entsprachen.

Jedoch wurden im gesamten Reich nur zwei Theater, und diese auch nur aus politisch motivierter Absicht, neu erbaut. Das Saarbrücker Staatstheater. Das „Geschenk des Führers“ als Dank für das Abstimmungsergebnis vom 13.01.1935, das zur Wiedereingliederung des Saarlandes in das deutsche Reich geführt hatte Z.B.:Saarbrücker Staatstheater zu finden unter: https://www.bing.com/images/search?view=detailV2&ccid=9nR9mUE7&id=8611537EFB1244D7425885163653CB98DC0831BB&q=saarbr%C3%BCcker+staatstheater+zu+ns-zeit&simid=608054034861196577&selectedIndex=8&ajaxhist=0 und das Anhaltische Theater Dessau. Es sollte in der Wirkungsstätte des Bauhauses die Rückkehr zur deutschen monumentalen Baukunst propagieren und demonstrieren[17]. Grund hierfür war zum ersten, dass die Theaterkapazität völlig ausreichte und diese nach den nationalsozialistischen Vorstellungen umgebaut werden konnte. Die wichtigsten Theater bekamen Führerlogen. Zum zweiten versuchte man mit Hilfe der „Thingbewegung“ die herkömmlichen illusionistischen Guckkastenbühne zu überwinden[18].

[...]


[1]Nerdinger, Winfried, Funktion und Bedeutung von Architektur im NS-Staat. In: Benz, Wolfgang, Eckel, Peter, Nachama, Andreas (Hrsg.), Kunst im NS-Staat: Ideologie, Ästhetik, Protagonisten (Metropol), Berlin 2016. S.280.

[2]Vgl. Huse, Norbert, Geschichte der Architektur im 20. Jahrhundert (C.H.Beck), München 2008. S.48.

[3]Vgl. Nerdinger, Winfried, Funktion und Bedeutung von Architektur im NS-Staat.. S.285.

[4]Vgl. Ebd.

[5]Larsson, Lars Olof, Die Neugestaltung der Reichshauptstadt; Albert Speers Generalbebauungsplan für Berlin (Gerd Hatje) Stuttgart 1978. S.22

[6]Vgl. Schäche, Wolfgang, Architekttur im NS-Staat am Beispiel Berlin. In Benz, Wolfgang, Eckel, Peter, Nachama, Andreas (Hrsg.), Kunst im NS-Staat: Ideologie, Ästhetik, Protagonisten (Metropol), Berlin 2016. S.301

[7]Vgl.. Ebd. S. 304

[8]Vgl.. Petsch, Joachim, Baukunst und Stadtplanung im Dritten Reich. S.98

[9]Larsson, Lars Olof, Die Neugestaltung der Reichshauptstadt; Albert Speers Generalbebauungsplan für Berlin (Gerd Hatje) Stuttgart 1978. S.22

[10] Schrade, Hubert, Bauten des Dritten Reiches (Bibliogr. Inst.), Leipzig 1937. In: Petsch, Joachim, Baukunst und Stadtplanung im Dritten Reich. S.101

[11] Larsson, Lars Olof, Die Neugestaltung Berlins im Dritten Reich. In: Ordnung in Stein, Architektur des Nationalsozialismus (Ausstellungskatalog – Fachbereich Architektur), Darmstadt 1975. In: Petsch, Joachim, Baukunst und Stadtplanung im Dritten Reich: Herleitung, Bestandsaufnahme, Entwicklung, Nachfolge (Carl Hanser), München,Wien 1976. S. 126

[12]Nerdinger, Winfried, Funktion und Bedeutung von Architektur im NS-Staat.. S.279

[13]Vgl. Ebd. S.285

[14]Ebd. S.286.

[15]Vgl. Hitler, Adolf, Mein Kampf. In: Nerdinger, Winfied (Hrsg.), Bauen im Nationalsozialismus; Bayern 1933-1945 (Klinkhardt & Biermann Verlagsbuchhandlung GmbH), München 1993 S.99

[16]Nerdinger, Winfried, Funktion und Bedeutung von Architektur im NS-Staat. S.279

[17]Vgl. Petsch, Joachim, Baukunst und Stadtplanung im Dritten Reich. S.119

[18]Ebd.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Architektur als Abbild der Ideologie des NS-Staates
Hochschule
Fachhochschule Kaiserslautern
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
17
Katalognummer
V366335
ISBN (eBook)
9783668456129
ISBN (Buch)
9783668456136
Dateigröße
493 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hitler, NS, Architektur, Faschismus, drittes Reich, deutsches Reich, Gebäude, Psychologie, Ideologie, Nationalsozialismus
Arbeit zitieren
Jessica Welsch (Autor), 2017, Architektur als Abbild der Ideologie des NS-Staates, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/366335

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