Zapatistischer Aufstand in Chiapas. Anarchie auf Erden?

Stimmt die Lage in den EZLN-Gebieten mit der Utopie „bolo'bolo“ überein?


Hausarbeit, 2011

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Auf dem Weg zur Utopie in bolo'bolo
2.1 Der Feind: Die PAM
2.2 Die drei Grundbestandteile der Maschine und C-Deals
2.3 Möglichkeiten des Widerstandes: Dysko

3. Aufbau der Utopie
3.1 „Geographische“ Einteilung
3.2 Wirtschaftliche Versorgung
3.3 Organisation des Zusammenlebens

4. Zapatistischer Aufstand in Chiapas

5. Aufstand im Sinne bolo'bolo?
5.1 Formen des Widerstandes
5.2 Municipio und Caracoles
5.3 Kollektiver Kaffeeanbau
5.4 Politische Organisation der Gemeinden

6. Zapatistische Utopie – Zapatistische Wirklichkeit

7. Literaturverzeichnis
7.1 Bücher
7.2 Internetquellen

1. Einleitung

Zwar müssten auf der Welt laut dem Autor des Werkes „bolo’bolo“ schon im Jahre 1987 über 2000 autonome Gemeinden namens Bolos auf der Welt vorhanden sein, aber Fahrpläne sind bekanntlich selten da, um eingehalten zu werden. Trotz der nicht eingehaltenen Prophezeiung, werde ich einen Vergleich wagen:

Das utopische Werk mit der aktuellen Verwaltungssituation in Chiapas, Mexiko, in den von der EZLN gegründeten autonomen Gemeinden, sog. „Caracoles“, die vorwiegend von kleinbäuerlichen Inigena Familien bewohnt werden. Daran wird sich zeigen, ob der Aufstand in Chiapas auf dem Weg ist, wie in bolo'bolo beschrieben, eine neue autarkische Lebensform zu entwickeln, losgelöst von der Wirtschaftslogik und der heutigen politischen Repräsentation. Die EZLN ist eine Guerillabewegung, die passend erscheint, da die basisdemokratisch organisiert ist und einen Wandel vom Kampf bis zur Politikgestaltung in den besetzten Gemeinden durchlebt hat, sowie international sehr stark nach außen vertreten.

Um dieser Frage nachzugehen, werde ich am Anfang einige auserwählten Kriterien des oben genannten Werkes vorstellen bzgl. des Widerstandes gegen die Planetäre Arbeits-Maschine und die vorgeschlagenen Organisationsformen des Zusammenlebens.

Danach widme ich mich der Lage seit 1994 in den Gebieten der EZLN in Mexiko, um anschließend zu untersuchen, ob diese auf die lokalen Organisationsstrukturen unter Anderem auch auf die autonomen Kooperativen zutreffen, als Musterbeispiel soll dabei die Mut Vitz Kooperative dienen. Dabei sollte bewusst sein, dass eine hundertprozentige Übereinstimmung von den Organisationsformen schon von vorneherein ausgeschlossen werden kann, da das Werk in der Zukunft spielt und sich die gelebte Praxis schon immer von der Theorie unterschieden hat. Deshalb wird sich als besondere Aufgabe des Aufsatzes darin stellen, die Essenz der Strukturen herauszufiltern und mit den vorhandenen und geforderten in Chiapas zu vergleichen, wobei es sich als schwierig herausstellt, da in den Dörfern, Zapatisten mit Nicht-Zapatisten und Anti-Zapatisten zusammenleben.

2. Auf dem Weg zur Utopie in bolo'bolo

Auf dem Weg zur beschriebenen anarchischen Utopie sind viele Schritte notwendig, die mehr oder weniger ausführlich dargestellt werden. Um den Aufbau nachzuvollziehen zu können, ist es von zentraler Bedeutung zu wissen, wer für den Autor, der größte Feind ist, denn dessen Auflösung und Ersetzung spielt in den nächsten Abschnitten eine wesentliche Rolle, wobei die Fantasie des Lesers maßgeblich gefordert ist.

2.1 Der Feind: Die PAM

Es handelt sich um die sog. „Planetäre Arbeits-Maschine“, auch PAM genannt, diese ist kein einheitliches Gebilde, sondern ehe ein „biologischer Organismus“ und beherrscht offensichtlich, den ganzen Planeten, indem sie die einzelnen Individuen erfasst.[1]

Diese Erfassung kann ganz unterschiedlich erfolgen, indem ein Mensch einige Stunden seines Lebens hergibt, um arbeiten zu gehen, um Güter zu produzieren, also das Aufgeben von Lebenszeit, um eine unpersönlich zentral gelenkte Zirkulation zu fördern.[2] „Die PAM verkörpert das Wirtschaftsprinzip“[3], die Umwandlung von menschlicher Arbeit in messbare Produkte, dabei sind Staaten, Behörden, Firmen nur ihre Räder, die wissentlich oder auch nicht ihre Logik folgen und ihr Ziel ist Wachstum zu erreichen, um ihr Überleben zu sichern. Der gewöhnliche Widerstand, sei es durch Gewerkschaften, Parteien ist nicht gegeben, sie kann diese sozusagen „verdauen“ und die bisherige Logik bleibt. Aufstände können sie nicht aufhalten, sie werden zerschlagen oder einbezogen, dadurch wird die Maschine widerstandsfähiger.[4]

2.2 Die drei Grundbestandteile der Maschine und C-Deals

Die PAM kann eingeteilt werden in A, B, C Bestandteile, A dient der Information, B der Produktion und C der Reproduktion, jede Arbeit enthält mehr oder weniger A, B, C Aspekte, doch für diese Arbeit sind die C-Merkmale relevanter.[5]

Es handelt sich laut der Typologie vorwiegend um Gelegenheitsarbeiter, kleine Bauern, Haushalt, Arbeitslose, sozusagen, die Gruppen, die im krassen Kontrast zu A stehen, solche die nicht für die Maschine „gezähmt“ wurden, indem sie über 20 Lebensjahren zur Schule oder Universität gegangen sind. Diese C-Gruppen finden sich vorwiegend in den C-Ländern der Welt, die unterentwickelten Ländern wie die Dritte Welt.[6]

Die Maschine schließt mit jedem von uns sog. „ Deals“ ab, sie bietet uns etwas, Güter, Genüsse, doch niemals genug wie wir wollen, dafür geben wir ihr einen Teil unserer „Lebenszeit“, um für sie zu arbeiten, wobei jeder Deal je nach Gegebenheit unterschiedlich ausfällt.[7] Hier sind von besonderer Relevanz die C-Deals, da beim Vergleichen mit Chiapas, die Lage dort von Armut und Ausgrenzung geprägt ist.

C-Deals, sind gekennzeichnet durch die Zerstörung traditioneller Gesellschaften und Kulturen, da sie nicht wirtschaftlich sind und aus „Armut wird das Elend“[8].

Dieser ist der Schwächste von Allen Deals, denn die Arbeiter haben wenig zu verlieren, folglich erscheint der Maschine staatliche oder nichtstaatliche Gewaltanwendung gegen solche lohnenswerter.[9]

2.3 Möglichkeiten des Widerstandes: Dysko

Sich zu wehren wird vom Autor als nahezu unmöglich dargestellt, da die Maschine fast allmächtig ist, nur das Beharren auf unsere eigenen Wünschen und Phantasien ist ein Anfang[10] und damit sind nicht die Wunschvorstellungen gemeint, die per Unterhaltungsindustrie induziert werden.

Als zweite Voraussetzung müssen alle drei Deals zusammen aufgelöst werden. Dabei wird als neuer Begriff die „Substruktion“ eingeführt, das Zerstören der Maschine von Innen, verbunden mit dem kreativen Schaffen einer Alternative, da ansonsten die Kämpfe zu neuen Antriebskräften werden.[11]

Das „Endspiel gegen die Maschine heißt: ABC-Dysko“[12], jede ABC Ebene kann auf andere Art und Weise sich zur Wehr setzen. Angefangen von der A Ebene, Konstruktionsfehler oder Indiskretionen zu verursachen, zur B Ebene, Streiks oder Leistungen zurückzuhalten, bis hin zur letzten Ebene, die Krawalle, Landbesetzungen enthält. Dabei können Parteien nicht helfen, da sie leicht zu Staatshaltern werden können. So sieht der Autor auch gewöhnliche Guerillabewegungen, nichts anderes sind als bewaffnete Parteien, solange sie keine ABC Knoten bilden. Schwachpunkte der PAM ist Religion, Sprache, Natur, usw. in Waren umzuwandeln, deshalb können in diesen „Grauzonen“ ethnische oder gegenkulturelle Befreiungsbewegungen gelingen, die sich außerhalb der Wirtschaftslogik befinden. Das Wichtigste ist, dass Menschen unterschiedlichster Funktionen aufeinander treffen können (Begegnungsprinzip), dem gegenüber steht das Delegationsprinzip. Ein Problem dabei ist, dass solche Bewegungen nicht nur in konstruierten Freiräumen agieren dürfen, sondern auch außerhalb eine kulturelle Identität schaffen, indem zum Beispiel, Tauschmärkte errichtet werden. Eine „diffuse“ Guerilla zur Schaffung neuer Beziehungen unter Personen.[13]

[...]


[1] Vgl. p.m.: bolo'bolo. Erweiterte und verbesserte Ausgabe. Zürich: Paranoia city, 1986. S. 8-9.

[2] Vgl. ebd., S. 10.

[3] Ebd., S. 9.

[4] Vgl. ebd., S. 10-11.

[5] Vgl. ebd., S. 12.

[6] Vgl. ebd., S. 14.

[7] Vgl. ebd., S. 17.

[8] Ebd., S. 25.

[9] Vgl. ebd., S. 26.

[10] Vgl. ebd., S. 35.

[11] Vgl. ebd., S. 37-39.

[12] Ebd., S. 43.

[13] Vgl. ebd., S. 43-47.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Zapatistischer Aufstand in Chiapas. Anarchie auf Erden?
Untertitel
Stimmt die Lage in den EZLN-Gebieten mit der Utopie „bolo'bolo“ überein?
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für politische Wissenschaften)
Veranstaltung
Anarchismus Reloaded
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
19
Katalognummer
V366373
ISBN (eBook)
9783668448971
ISBN (Buch)
9783668448988
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Anarchismus, Zapatisten, Marcos, Revolution, EZLN, Utopie
Arbeit zitieren
Claudio Salvati (Autor), 2011, Zapatistischer Aufstand in Chiapas. Anarchie auf Erden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/366373

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