Viele Menschen gehen wegen TTIP auf die Straße und protestieren. Sie sprechen sich gegen Intransparenz, Gentechnik und Hormonfleisch aus und fordern hierzu mehr Details von der Europäischen Kommission, die sich bis jetzt zurückhält. Auch Verbraucherschützer von beiden Seiten des Atlantiks halten bewegende Reden im Fernsehen und appellieren an die Öffentlichkeit um mehr Aufmerksamkeit für dieses Freihandelsabkommen. Besonders die Umweltpolitik steht häufig in der Diskussion und lässt Fragen offen, die Unsicherheit und Misstrauen in der Gesellschaft hervorrufen. In politischen Debatten wird über Chlorhühnchen, Hormonfleisch und Fracking diskutiert, es werden Bilder und Videoausschnitte gezeigt, die das Mitgefühl jedes Bürgers wecken: Massentierhaltung, riesige Schlachthöfe und klagende Mitarbeiter amerikanischer Unternehmen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was bedeutet TTIP?
2.1 Begriffserklärung
2.2 Allgemeine Daten
3. Umweltpolitik
3.1 Chemikalien
3.2 Lebensmittel
3.3 Landwirtschaft
3.4 Gentechnik
3.5 Fracking
4. Demokratiefrage
5. Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch die potenziellen Auswirkungen des transatlantischen Freihandelsabkommens TTIP auf die Europäische Union, mit einem besonderen Fokus auf die Umweltpolitik und demokratische Entscheidungsprozesse. Die zentrale Forschungsfrage lautet, inwiefern die bestehenden europäischen Umwelt- und Verbraucherschutzstandards durch eine Angleichung an die US-amerikanischen Standards gefährdet sein könnten und ob TTIP aus umweltpolitischer Sicht als ein legitimes Abkommen zu bewerten ist.
- Analyse der potenziellen Absenkung europäischer Umweltstandards durch TTIP.
- Untersuchung kritischer Bereiche: Chemikalien, Lebensmittel, Gentechnik und Fracking.
- Bewertung der ökonomischen Interessen gegenüber dem europäischen Vorsorgeprinzip.
- Kritische Analyse der demokratischen Legitimation und der Intransparenz der Verhandlungen.
Auszug aus dem Buch
3.2 Lebensmittel
Nicht nur die Chemikalienpolitik stellt die Verhandlungen von TTIP vor einige Herausforderungen, auch im Bereich der Lebensmittel gibt es Reibungspunkte. In den Medien fallen Stichwörter wie ,,Chlorhühnchen“ und ,,Hormonfleisch“, die bei den EU-Bürgern nicht gut ankommen und zu breiten Diskussionen führen. Vor allem das ,,Chlorhühnchen“ gilt als Symbol im TTIP Verhandlungsprozess. In den USA werden Hühner nach dem Schlachten entweder durch ein Chlor Bad mit Peroxysäure gezogen oder mit Chlordioxid besprüht. Durch diesen Vorgang sollen Keime getötet und das Fleisch so gereinigt werden. In der EU ist dieses Verfahren nicht zugelassen, hier wird Geflügel nur mit heißem Wasser gewaschen (Kolev 2014). Bisher konnte man noch nicht wissenschaftlich nachweisen, ob die Dekontamination von Geflügel gesundheits- oder umweltschädlich ist, daher wirkt in der EU auch in diesem Fall das Prinzip der Vorsorge (Messelhäußer 2014). Lobbyisten der US-Agrarindustrie fordern von der EU allerdings die Erlaubnis, Produkte, in denen diese in Chlor getränkten Hühnchen enthalten sind, auch in die EU exportieren zu dürfen.
Ähnlich ist es mit dem Hormonfleisch. In den USA werden Rindern und Schweinen mittels Implantaten Wachstumshormone eingesetzt (Klimenta 2015). Sowohl Rinder-Somatotropin (rBST), als auch diverse Antibiotika und der Futtermittelzusatz Ractopamin können in den USA angewendet werden, um die Tiere vor Krankheiten zu bewahren (Henkel 2014). So bleiben die Tiere bis zur Schlachtung gesund, geben mehr Fleisch ab und die großen US-Fleischkonzerne können höhere Gewinne erzielen. Mittels TTIP fordern die Lobbyisten die Möglichkeit, sowohl das in Chlor getränkte Hühnchenfleisch, als auch das mit Wachstumshormonen manipulierte Rindfleisch in die EU exportieren zu können und gefährden so den Verbraucherschutz (Klimenta 2015).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die öffentliche Debatte um TTIP, stellt das Spannungsfeld zwischen ökonomischen Versprechen und der Sorge um hohe EU-Standards dar und formuliert die zentrale Forschungsfrage zur Auswirkung auf die europäische Umweltpolitik.
2. Was bedeutet TTIP?: Dieses Kapitel definiert das Freihandelsabkommen, erläutert die Ziele der Zoll- und Handelshemmnis-Reduzierung und gibt einen Überblick über die ökonomischen Erwartungen sowie die Intransparenz der laufenden Verhandlungen.
3. Umweltpolitik: Dieser Hauptteil analysiert detailliert die Konfliktbereiche Chemikalien, Lebensmittel, Landwirtschaft, Gentechnik und Fracking, wobei die Divergenz zwischen dem US-amerikanischen Marktansatz und dem europäischen Vorsorgeprinzip im Mittelpunkt steht.
4. Demokratiefrage: Das Kapitel befasst sich mit der Kritik an der Intransparenz der Verhandlungen, der Macht transnationaler Konzerne sowie der Problematik von Investor-Staats-Klagen, die demokratische Entscheidungsprozesse untergraben könnten.
5. Diskussion: Die Diskussion führt die Argumente zusammen und kommt zu dem Schluss, dass TTIP aufgrund der intransparenten Verhandlungsweise und der drohenden Schwächung des Vorsorgeprinzips sowie der Verbraucherschutzstandards kritisch zu betrachten ist.
Schlüsselwörter
TTIP, Freihandel, Europäische Union, USA, Umweltstandards, Verbraucherschutz, Vorsorgeprinzip, Gentechnik, Landwirtschaft, Fracking, Chlorhühnchen, Hormonfleisch, Transparenz, Demokratie, Investor-Staats-Klagen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen des geplanten Freihandelsabkommens TTIP auf die EU, wobei der Fokus insbesondere auf Umweltstandards, Lebensmittelsicherheit und die demokratische Legitimität gelegt wird.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Themenbereiche Chemikalienpolitik, Lebensmittelsicherheit, nachhaltige Landwirtschaft, Gentechnik und Fracking sowie die allgemeine Demokratiefrage im Zusammenhang mit den Verhandlungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Behauptung zu untersuchen, dass durch TTIP europäische Umweltstandards zugunsten US-amerikanischer Standards sinken könnten und ob das Abkommen aus umweltpolitischer Sicht als legitim einzustufen ist.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin führt eine qualitative Literatur- und Dokumentenanalyse durch, bei der Positionen von Kritikern und Befürwortern gegenübergestellt werden, um die Auswirkungen auf die EU-Regulierungen zu bewerten.
Was wird im Hauptteil detailliert diskutiert?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den Unterschieden in den Zulassungsverfahren zwischen der EU und den USA, insbesondere wie das Vorsorgeprinzip der EU durch Handelsvorgaben der USA unter Druck gerät.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie TTIP, Vorsorgeprinzip, Verbraucherschutz, Gentechnik, Intransparenz und regulatorische Kooperation maßgeblich definiert.
Wie unterscheidet sich die Chemikalienpolitik der USA von der der EU laut dieser Analyse?
In der EU gilt das Vorsorgeprinzip (REACH), bei dem Firmen die Unschädlichkeit nachweisen müssen, während in den USA das Ungefährlichkeitsprinzip (TSCA) gilt, das die Beweislast bei den Behörden belässt.
Warum kritisieren Bürgerbewegungen die Investor-Staats-Klagen besonders?
Die Kritik richtet sich dagegen, dass Konzerne Staaten auf entgangene Gewinne verklagen können, wenn Gesetze zum Umwelt- oder Verbraucherschutz ihre wirtschaftlichen Aktivitäten einschränken, was eine undemokratische politische Einflussnahme ermöglicht.
- Quote paper
- Paulina Schmiedeberg (Author), 2015, Auswirkungen von Transatlantic Trade and Investment Partnership (TTIP) auf die Europäische Union. Wirtschaftlicher Profit oder Nachhaltigkeit?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/366457