Das Erbe des Ersten Weltkrieges. Erinnnerungskultur und Denkmäler in der Weimarer Republik und heute


Hausarbeit, 2013
15 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Auseinandersetzen mit der Vergangenheit - Was ist Erinnerungskultur?

3.Entwicklung der Erinnerung - Denkmäler in der Weimarer Republik, eine Instrumentalisierung der Trauer
3.1. Erinnerung und Parteien
3.2. Symbolik und dessen Bedeutung

4.Denkmäler heute - Eine Betrachtung

5.Fazit

6.Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Das Jahr 2014 ist im Bezug auf Geschichte und die damit verbundene Erinnerung ein wichtiges Jahr, denn es wird von vielen Medien, der Literatur, den Zeitschriften und auch im Internet als Erinnerungsjahr bezeichnet und behandelt[1]. Dieses Jahr ist insofern besonders, als dass sich der Fall der Berliner Mauer zum 25. Mal, der Ausbruch des zweiten Weltkrieges zum 75. Mal und der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal jährt. Von diesen drei Jahrestagen wird aber nur einer davon für meine Arbeit von Bedeutung sein, nämlich der des 100-jährigen Ausbruchs des ersten Weltkrieges. Der erste Weltkrieg, der von dem US-amerikanischen Historiker und Diplomaten George F. Kennan im Zuge einer Einordnung der Geschehnisse, als „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“[2] bezeichnet wurde, hinterließ nicht nur schwerwiegende politische und gesellschaftliche Wunden und Folgen zurück, sondern auch mentale und psychologische. Diese mentalen und psychischen Wunden, ein Teil des Erbes des Krieges wenn man es so bezeichnen will, sind die Probleme wie man mit der Trauer und der Verarbeitung über den Verlust von insgesamt rund 17 Millionen Menschen in ganz Europa im Zeitraum des ersten Weltkrieges umgeht. Nach dem Krieg gab es viele verschiedene Arten des Umgangs mit der Trauer und wie die Hinterbliebenen den Verlust ihrer Familienmitglieder oder Freunde verarbeiten konnten und eine Stütze sollten dabei Kriegerdenkmale bilden. Diese Form der Erinnerung erlebte in Deutschland und ganz Europa einen regelrechten „Boom“ nach dem Krieg[3].

In dieser Arbeit möchte ich nun die Entwicklung des Umgangs mit dem ersten Weltkrieg und den damit verbundenen Schrecken und Qualen, im Bezug auf die Denkmalkultur untersuchen. Diese Arbeit soll keine explizite Denkmalsanalyse sein, sondern viel eher das feststellen, was die Erinnerung verbunden mit Denkmälern ausmachte. Zu Beginn werde ich erst einmal darauf eingehen, was unter dem Begriff der Erinnerung und der Erinnerungskultur zu verstehen ist. Die generelle Fragestellung ist, wie werden Erinnerungen und Trauer verarbeitet, was sind die Konzepte dahinter? Zudem werden Begriffe wie Erinnerungskultur und kollektives Gedächtnis thematisiert.

Im Anschluss fahre ich mit der Erinnerungskultur, wie sie sich in der Weimarer Republik gebildet hat und ein sehr brisantes Thema der Politik wurde[4], fort. Hier stellt sich die Frage, wer übernimmt die Aufgabe der Schaffung einer solchen Erinnerungskultur und wollen oder können die, die es Aufarbeiten sollen es auch leisten? Der Aspekt der missgeleiteten Erinnerung, den ich in meiner Fragestellung aufwerfe, wird hier thematisiert, nämlich inwiefern die „Aufarbeiter“ der Geschehnisse die Menschen bzw. die Trauernden in bestimmte Richtungen lenken können und diese so in gewisser Art und Weise manipulieren können. Des weiteren werde ich dann noch die Denkmalkultur aus einer späteren Perspektive betrachten, wo ich den weiteren Gang der Kriegerdenkmäler und deren Wahrnehmung und den von mir aufgeworfenen Aspekt der „vergessenen“ Form der Erinnerung erläutern werde. Abschließend werde ich dann zur Beantwortung der Frage kommen, ob Denkmäler zum ersten Weltkrieg in Betrachtung auf ihre Funktionen und Zwecke, eine missgeleitete und „vergessene“ Form der Erinnerung sind.

2. Auseinandersetzen mit der Vergangenheit - Was ist Erinnerungskultur?

Nach dem ersten Weltkrieg entstand eine neue Art und eine niemals zuvor vergleichbare Form des Bedürfnisses, die Geschehnisse der Vergangenheit aufzuarbeiten. Dies hatte, meiner Meinung nach mehrere Gründe, warum das Volk ein Prozess der Aufarbeitung so sehr benötigte: 1. Die Anzahl der Kriegstoten an sich stellte eine neue Dimension dar, da die Anzahl der Gefallenen des ersten Weltkrieges nicht mit der, der vergangenen Kriege beispielsweise des 19 Jahrhunderts zu vergleichen war. 2. Die neue Art der Kriegsführung, welche nicht nur Schrecken im Krieg bei Soldaten verursachte, in Form neuer Waffentechnologien wie Artilleriefeuer, Giftgas und auch dem Maschinengewehr, hinterließ nicht nur schwere seelische Wunden und Traumata, sondern auch äußerliche Veränderungen, die durch die Überlebenden Soldaten auch für das „normale“ Volk sichtbar wurden. 3. Die Einbeziehung der kompletten Zivilbevölkerung stellte auch einen Einschnitt dar, der noch niemals vorher in vergleichbarer Form da gewesen ist. Durch das de facto Bestehen einer „Heimatfront“ wurde die Gesellschaft, die nicht direkt in die Kriegshandlungen verwickelt war ,dennoch in den Krieg einbezogen.

4 . I n Be z u g a u f De u t s c h l a n d , d e r v o n Te i l e n d e r Be völ k e r u n g empfundene,aufgezwungene Systemwechsel[5], zur Demokratie.

Die hier beschriebenen Folgen und Merkmale des Krieges, waren nicht in allen europäischen Staaten zu beobachten, aber der Blick in dieser Arbeit richtet sich hauptsächlich auf Deutschland bzw. die Weimarer Republik. All diese Ereignisse müssen natürlich, auf welche Art und Weise auch immer, verarbeitet und in Erinnerung behalten werden, da eine „gesellschaftspsychologische Notwendigkeit“ besteht[6]. Die Form in der sich eine Gesellschaft an bestimmte Dinge der Geschichte, in diesem Fall den ersten Weltkrieg erinnert, kann man unter dem Begriff der Erinnerungskultur bezeichnen und dieser kann wie folgt definiert werden:

Erinnerungskultur im genauen umfasst die in einer Gesellschaft oder Teilen einer Gesellschaft aktuellen, für ihre jeweiligen Interessen und unterschiedlichen Bedürfnisse funktionalisierten Vorstellungen von historischer Vergangenheit.“ [7]

Die Erinnerungskultur ist also das Abbild der Erinnerung der breiten Masse, eine Art „Erinnerungskonsens“ über die Themen, an die erinnert und bewahrt werden müssen. Auch durch diese Erinnerungskultur entsteht und bildet sich ein kollektives Gedächtnis bei der Bevölkerung, was man als Bestand der Dinge bezeichnen kann, die das Volk über einen begrenzten Zeitraum hinweg für wichtig hält.

Die Vermittler der Erinnerungskultur, über die dieser Konsens gebildet wird, sind in der Regel die Medien, sprich Printmedien wie Zeitungen und Zeitschriften, was besonders relevant für die Zeit der Weimarer Republik ist. Heutzutage sind das Fernsehen und das Internet hauptsächlich Vermittler und Bewahrer dieser Erinnerungskultur. Auch die politischen Parteien bilden und bildeten einen wichtigen Teil bei der Schaffung einer Erinnerungskultur, welche durch Gedenktage und Ehrungen und Kriegerdenkmäler eine Ausprägung fanden.

Bezüglich der Weimarer Republik ist die Schaffung einer Erinnerungskultur ein besonderes Thema, da die Aufarbeitung in Deutschland sicher auch auf der Grundlage des verlorenen Weltkrieges und den damit verbunden Belastungen einen Sonderfall darstellt[8]. Der Umgang mit dem ersten Weltkrieg unterscheidet sich in Deutschland auch heute noch maßgeblich von anderen Ländern in Europa und weltweit[9] und so ist es nicht verwunderlich, dass es Bestrebungen der politischen Parteien gab, die Trauer und das Totengedenken der Hinterbliebenen erst einmal aufzuarbeiten und schließlich auch,in Folge des Teils ungewollten Systemwechsels in Deutschland, hinsichtlich ihrer eigenen Gesinnung zu instrumentalisieren und zu manipulieren, da jedes politische Lager den Anspruch erhebte das Massensterben für sich zu deuten[10]. Als wichtiger Teil der eigenen und nationalen Identität ist es natürlich eminent für z.B. politische Parteien und deren Sympathisanten die Erinnerung zu „beherrschen“ um Kontrolle über das Selbstverständnis eines Volkes und dessen Bürger zu haben.

Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass es im Nachkriegsdeutschland zu einer sehr kleinteiligen Denkmallandschaft kam[11].Deutsche Versuche der Aufarbeitung, in der Zeit der Weimarer Republik sind von übersteigerten Heldendarstellungen und damit verbundenen Rachegedanken und/oder indirekten Racheaufforderungen geprägt[12], was ich jetzt im folgenden Punkt meiner Arbeit ausführen möchte.

3. Entwicklung der Erinnerung - Denkmäler in der Weimarer Republik, eine Instrumentalisierung der Trauer

Die Parlamentsdiskussionen der Weimarer Republik waren oft aber vor allem in den sogenannten „Goldenen Jahren“, sprich Mitte der 1920er Jahre häufig auch von kulturellen Streitthemen wie der Denkmalplanung und dem Denkmalbau bestimmt[13]. Das Gedächtnis der Toten wurde zum politischen Symbolkampf zwischen den verschieden gesinnten politischen Lagern der Nachkriegszeit[14].

[...]


1 Zu diesem Anlass sind viele Internetseiten ins Leben gerufen worden wie: http://www.erinnerungsjahr2014.de/ - http://www.100-jahre-erster-weltkrieg.eu/.

2 Dazu: Ernst SCHULIN, Die Urkatastrophe des zwanzigsten Jahrhunderts, in: Der Erste Weltkrieg. Wirkung, Wahrnehmung, Analyse, hg. von Wolfgang MICHALKA, München 1994, S. 3-27.

3 Vgl. Christian SAEHRENDT,Der Stellungskrieg der Denkmäler. Kriegerdenkmäler als Medium politischer Konflikte in Berlin, in: Der erste Weltkrieg in der populären Erinnerungskultur hg. von Barbara Korte,Silvia Paletshek und Wolfgang Hoch bruck, Essen 2008, S.73.

4 Vgl. Bernd BUCHNER,Um nationale und republikanische Identittät, Die deutsche Sozialdemokratie und der Kampf um die politischen Symbole in der Weimarer Republik,Bonn 2001, S. 210.

5 SAEHRENDT in, Der erste Weltkrieg in der populären Erinnerungskultur, S.73.

6 BUCHNER, nationale und republikanische Identität, S.220.

7 Barbara KORTE/ Silvia PALETSHEK/ Wolfgang HOCHBRUCK (Hrsg.), Der erste Weltkrieg in der

populären Erinnerungskultur, Essen 2008, S.11.

8 Vgl. ebd., S.7.

9 Das Tragen einer Mohnblume am Revers des Sakkos in England ist heute immer noch ,in Anlehnung an die Mohnfelder Yperns, ein gebräuchliches Zeichen der Erinnerung (rund um den 11 November, dem rememberence day).

10 Vgl. SAEHRENDT in, Der erste Weltkrieg in der populären Erinnerungskultur, S.73.

11 Vgl. ebd, S.73.

12 Vgl., KORTE, Der erste Weltkrieg in der populären Erinnerungskultur. S. 8.

13 Vgl. BUCHNER, Um nationale und republikanische Identität, S.210 Politisch gesehen „unspektakuläre Jahre“ wie das Jahr 1927 wurden somit im übertragenen Sinne Jahre der Erinnerungs- und Denkmalkultur und den damit verbunden Debatten.

14 Vgl.,ebd, S,210.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Das Erbe des Ersten Weltkrieges. Erinnnerungskultur und Denkmäler in der Weimarer Republik und heute
Hochschule
Universität Kassel
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
15
Katalognummer
V366562
ISBN (eBook)
9783668453142
ISBN (Buch)
9783668453159
Dateigröße
500 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
1.Weltkrieg, erinnerung, Erinnerungskultur, Denkmal, 2. Weltkrieg, Monument, Kultur
Arbeit zitieren
Daniel Hartmann (Autor), 2013, Das Erbe des Ersten Weltkrieges. Erinnnerungskultur und Denkmäler in der Weimarer Republik und heute, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/366562

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Das Erbe des Ersten Weltkrieges. Erinnnerungskultur und Denkmäler in der Weimarer Republik und heute


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden