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Vom operativen Konstruktivismus zu Luhmanns Systemtheorie

Title: Vom operativen Konstruktivismus zu Luhmanns Systemtheorie

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 47 Pages , Grade: 1.0

Autor:in: Daniel Dorniok (Author)

Sociology - General and Theoretical Directions
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Die Systemtheorie will eine Universaltheorie sein. Eine Universaltheorie, die universal anwendbar und selbstreflexiv ist, insofern sie auch sich selbst als Gegenstand ihrer Theorie behandeln können muss. Da eine Universaltheorie ein kohärentes Theoriegebäude zum Ziel hat, kommt sie nicht darum herum, auch ihre eigene Erkenntnistheorie zu stellen. Luhmanns erkenntnistheoretische Position kann als Grundlage und zugleich als formgebend für seine Gesellschaftstheorie gesehen werden. Sie verhilft die Systemtheorie zu einer selbstreferentiellzirkulären Universaltheorie zu machen, die sich also selbst mit einbezieht und damit über das Auseinanderfallen von Erkenntnis und Gegenstand - wie noch in der Erkenntnis klassischer Erkenntnistheorien - hinausgeht. Gesellschaft wird in der Gesellschaft beobachtet, Gesellschaft beobachtet sich somit selbst. Es gibt keine Superposition der Beobachtung mehr, keinen archimedischen Punkt für die Entscheidung für Unterscheidungen, keine beobachtungsunabhängige Beobachtung. Es kann immer nur das beobachtet werden, was beobachtet wird. Die dem zugrundeliegende bzw. vorausgesetzte Unterscheidung kann nicht gesehen werden, sie ist der blinde Fleck der Beobachtung. Dem kann auch die Systemtheorie nicht entgehen, aber sie ist sich dieser Begebenheit bewusst und kann sie reflektieren. Wie sich und ob sich diese theoretische Position halten lässt und was dies schließlich für die Erkenntnis und dann auch Wissen und Wissenschaft bedeutet, soll das Thema dieser Arbeit sein.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Operativer Konstruktivismus

2.1. Beobachtung

2.1.1. Unterscheidung

2.1.2. Bezeichnung

2.1.3. Crossing, Marked state/Unmarked state, Form, Re-entry

2.1.4. Beobachtung erster Ordnung

2.1.5. Beobachtung zweiter Ordnung

2.1.6. Beobachtung dritter Ordnung

2.1.7. Paradoxie der Beobachtung

3. Paradoxien Allgemein

4. Beobachtungsabhängigkeit von Realität und Welt

5. Systemtheorie als selbstreferentiell-zirkulären Universaltheorie und die Konsequenzen für Wissen und Wissenschaft

6. Fazit

7. Literatur

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht, wie Luhmanns Systemtheorie Erkenntnis, Wissen und Wissenschaft unter Berücksichtigung des operativen Konstruktivismus neu definiert. Ziel ist es aufzuzeigen, wie die Theorie durch eine selbstreferentiell-zirkuläre Architektur die klassische Differenz von Erkenntnis und Gegenstand überwindet und Paradoxien als konstitutive Elemente des Beobachtens nutzbar macht.

  • Die erkenntnistheoretischen Grundlagen des operativen Konstruktivismus.
  • Die Rolle von Beobachtung erster, zweiter und dritter Ordnung.
  • Der Umgang mit Paradoxien durch die Entfaltung von Unterscheidungen.
  • Die systemtheoretische Rekonstruktion von Realität und Welt.
  • Konsequenzen der systemtheoretischen Perspektive für das Wissenschaftssystem.

Auszug aus dem Buch

2.1.5. Beobachtung zweiter Ordnung

Beobachtung zweiter Ordnung macht sichtbar, dass die Beobachtung erster Ordnung nur deshalb das sichtbar macht, was sie sichtbar macht, weil sie eine bestimmte Unterscheidung benutzt. Es wird jetzt sichtbar, wie etwas, also was unterschieden wird und dass nicht gesehen wird, dass sich dies so verhält. „Die Beobachtung zweiter Ordnung sieht etwas, das die Beobachtung erster Ordnung konstitutiv nicht sehen kann: deren blinden Fleck.“ Beobachter erster Ordnung ist jeder Beobachter, der beobachtet, auch der Beobachter zweiter Ordnung. Beobachter zweiter Ordnung ist jeder Beobachter, der Beobachter beobachtet, also auch wenn er sich selbst beobachtet. Eine Beobachtung zweiter Ordnung selbst ist einerseits bloßer operativer und andererseits zugleich reflexiver Vollzug einer Unterscheidung. „Beobachter erster Ordnung beobachten Objekte, Beobachter zweiter Ordnung beobachten andere Beobachter [...]. Sie unterscheiden also Unterscheider. Sie handhaben diese Operation reflexiv.“ Also sind Beobachtungen immer rekursiv und können reflexiv sein.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in Luhmanns Vorhaben ein, eine universal anwendbare und selbstreflexive Systemtheorie zu entwickeln, die das klassische Auseinanderfallen von Erkenntnis und Gegenstand überwindet.

2. Operativer Konstruktivismus: Hier werden die Grundlagen des operativen Konstruktivismus dargelegt, insbesondere die zentrale Rolle der Beobachtung und deren Funktion als Modus der Konstruktion von Erkenntnis.

3. Paradoxien Allgemein: Dieses Kapitel thematisiert Paradoxien als zentrale Herausforderung des abendländischen Denkens und zeigt, wie der operative Konstruktivismus sie durch Entfaltung in den Mittelpunkt der Theorie rückt.

4. Beobachtungsabhängigkeit von Realität und Welt: Es wird analysiert, wie Realität und Welt durch die Beobachtungsabhängigkeit von Erkenntnis zu Konstruktionsleistungen des beobachtenden Systems werden.

5. Systemtheorie als selbstreferentiell-zirkulären Universaltheorie und die Konsequenzen für Wissen und Wissenschaft: Hier wird untersucht, wie die Systemtheorie als selbstreferentiell-zirkuläre Theorie das Wissenschaftssystem und dessen Erkenntnisproduktion neu strukturiert.

6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Systemtheorie paradoxie-basiert arbeitet und anstelle einer Einheit der Welt eine Pluralität von Beobachtungsstandorten in der modernen Gesellschaft betont.

7. Literatur: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.

Schlüsselwörter

Systemtheorie, Operativer Konstruktivismus, Beobachtung, Paradoxie, Selbstreferenz, Autopoiesis, Unterscheidung, Bezeichnung, Blinder Fleck, Erkenntnistheorie, Wissenschaftssystem, Rekursion, Sinn, Konstruktivismus, Kontingenz.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der systemtheoretischen Erkenntnistheorie Niklas Luhmanns und der Frage, wie diese als „selbstreferentiell-zirkuläre Universaltheorie“ eine neue Sichtweise auf Wissen und Wissenschaft ermöglicht.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die Schwerpunkte liegen auf dem operativen Konstruktivismus, der Theorie der Beobachtung, der Behandlung von Paradoxien und der Umstellung der Leitdifferenz auf System/Umwelt.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist aufzuzeigen, wie die Systemtheorie Erkenntnisprozesse innerhalb geschlossener Systeme erklärt, ohne auf eine ontologische Außenwelt oder einen archimedischen Beobachtungsstandpunkt zurückgreifen zu müssen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit folgt einem systemtheoretischen Ansatz, der auf einer differenzlogischen Fundierung basiert (maßgeblich inspiriert durch George Spencer Brown), um Begriffe wie Beobachtung und System zu analysieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die methodologische Einführung in die Beobachtung, die Analyse von Paradoxien als Normalfall sowie die Reflexion darüber, wie diese Erkenntnisse das Verständnis von Wissenschaft und Gesellschaft verändern.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Autopoiesis, Beobachtung (erster, zweiter und dritter Ordnung), blinder Fleck, Selbstreferenz, Entfaltung von Paradoxien und operative Geschlossenheit.

Wie löst die Systemtheorie das Problem des „blinden Flecks“ beim Beobachten?

Die Theorie löst das Problem nicht durch eine endgültige Auflösung, sondern dadurch, dass sie den blinden Fleck durch Beobachtung zweiter Ordnung sichtbar macht und durch eine fortlaufende Entfaltung der Paradoxien das System operativ anschlussfähig hält.

Warum ist die Unterscheidung von System und Umwelt für Luhmann so wichtig?

Diese Unterscheidung ist die Leitdifferenz, die es einem System ermöglicht, seine eigene Operation zu konstituieren, sich von der Umwelt abzugrenzen und damit überhaupt erst Beobachtungsfähigkeit zu erlangen.

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Details

Title
Vom operativen Konstruktivismus zu Luhmanns Systemtheorie
College
University of Bremen
Grade
1.0
Author
Daniel Dorniok (Author)
Publication Year
2004
Pages
47
Catalog Number
V36662
ISBN (eBook)
9783638362177
ISBN (Book)
9783638705134
Language
German
Tags
Konstruktivismus Luhmanns Systemtheorie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Daniel Dorniok (Author), 2004, Vom operativen Konstruktivismus zu Luhmanns Systemtheorie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36662
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