Dieser Arbeit liegt das Drama Faust 1 von Johann Wolfgang von Goethe, zu Grunde. Dieses Werk ist eines der bekanntesten und meist zitiertesten Werke der Literatur. Die Fertigstellung des Gesamtwerkes dauerte über sechzig Jahre und dadurch kann man auch Spuren von mehreren literarischen Epochen erkennen. Der „Urfaust“ wurde in der „Sturm und Drang“ Zeit geschrieben, „Faust – Der Tragödie erster Teil“ ist von der Epoche der Klassik geprägt. „Faust – Der Tragödie Zweite Teil“ fiel in die letzten Lebensjahre Goethes. Jedoch ist die Gestalt des Fausts nicht eine Erfindung von Goethe. Die Figur besaß bereits eine lange Tradition in der Literatur.
Ein wichtiger Teilaspekt von Goethes Faust ist die „Gretchentragödie“, welche sich durch eine ansteigende Handlungskurve, wo Faust Margarete begehrt, zu einem Höhepunkt und gleichzeitigen Wendepunkt, die Hingabe Margaretes zu Faust, erstreckt und dann durch eine fallende Handlungskurve mit Margaretes Ende in der Kerkerszene ihren Schluss findet. Auf den ersten Blick hin, scheint es, dass die „Gretchentragödie“ einen linearen und kontinuierlichen Handlungsverlauf aufweist, welches ein Merkmal für eine geschlossene Dramenform wäre. Die Figur der bürgerlichen Margarete macht eine vielfältige Wandlung durch und der gelehrte Wissenschaftler, Faust, hat viele innere Kämpfe mit sich zu fechten. Man erkennt sehr unterschiedliche Menschenbilder in diesen zwei Figuren, welche mit typischen Tugend- und Moralvorstellungen ihrer repräsentierenden Schicht zu kämpfen haben. Die beschriebene herzergreifende Gefühlswelt der „bürgerlichen Heldin“ – Margarete – ist es, welches Mitgefühl bei den Lesern
weckt. Daran kann man auch die Züge eines bürgerlichen Trauerspiels erkennen.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2. Problemstellung
3. Leseanleitung
4. Methode
5. Theorie
5.1. Drama
5.1.1.Das geschlossene Drama
5.1.2. Das offene Drama
5.2. Das bürgerliche Trauerspiel
6. Analyse
6.1. Gretchentragödie
6.2. Vergleich der zwei Figuren: Faust und Margarete
6.2.1. Charakterisierung der Figur: Margarete
6.2.2. Charakterisierung der Figur: Faust
6.2.3. Menschenbilder in Faust und Margarete
6.3. Züge des bürgerlichen Trauerspiels in „Faust 1“
7. Konklusion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Goethes "Faust 1" im Hinblick auf seine dramaturgische Form und seine Merkmale als bürgerliches Trauerspiel. Im Zentrum steht dabei die Frage, ob die "Gretchentragödie" als geschlossenes Drama zu klassifizieren ist und wie sich die gegensätzlichen Menschenbilder von Faust und Margarete in diesem Kontext entfalten.
- Analyse der Dramentheorie (offene vs. geschlossene Form)
- Charakterisierung der Hauptfiguren Faust und Margarete
- Untersuchung der Merkmale des bürgerlichen Trauerspiels in Faust 1
- Gegenüberstellung der unterschiedlichen Menschenbilder
- Einsatz der hermeneutischen Methode zur Textinterpretation
Auszug aus dem Buch
6.1. Gretchentragödie
Die Gretchentragödie beschreibt das Auseinanderbrechen des Liebesverhältnisses zwischen Faust und Margarete. In der Szene „Straße“ taucht die weibliche Hauptfigur, Margarete, zum ersten Mal auf. Dies ist der Beginn der Margareten –Handlung, die sich nun in geschlossener Folge und nur durch die Szene „Walpurgisnacht“ unterbrochen, bis zum Ende des ersten Teils des Dramas durchzieht. Man kann sagen, dass die Gretchentragödie, außer dieser einen Störung, „Walpurgisnacht“, einen linearen und kontinuierlichen Handlungsverlauf hat. Jede Szene wird aus der vorhergehenden Szene abgeleitet.
Die Szene „Hexenküche , Straße und Abend“ fungiert hier als Exposition und beschreibt kurz die Vorgeschichte der Tragödie, es kommt zur ersten Begegnung der beiden Charaktere, Faust und Margarete, und man erfährt den Kern des Konfliktes in dieser Tragödie.
Es gibt drei wichtige Personen in diesem Stück: Margarete, Faust und Mephisto.
In diesen ersten Szenen wird außerdem ein kleiner Keim gesät, womit die Spannung und der Konflikt der Tragödie ihren Lauf nehmen werden. Aufgrund dessen das Faust und Margarete zwei komplett unterschiedliche Auffassungen vom Leben haben, ist diese Liebesbeziehung zum Scheitern verurteilt. In kontinuierlicher Steigerung führt dieses erfolglose Liebesabenteuer umweglos zum Höhepunkt. Dieser Aufbau der Spannung bezeichnet Freytag „das erregende Moment, das tragische Moment.“
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Einführung in das Werk "Faust 1" von Goethe, die Einbettung in literarische Epochen und die Vorstellung der "Gretchentragödie" als zentralen Teilaspekt.
2. Problemstellung: Formulierung der Forschungsfragen hinsichtlich der Dramenform (geschlossen vs. offen) und der Merkmale des bürgerlichen Trauerspiels.
3. Leseanleitung: Erläuterung des methodischen Vorgehens und der thematischen Strukturierung der Arbeit.
4. Methode: Begründung für die Wahl der hermeneutischen Methode zur wissenschaftlichen Interpretation des Textes.
5. Theorie: Theoretische Grundlagen zur Dramenstruktur, den Unterschieden zwischen offenem und geschlossenem Drama sowie dem bürgerlichen Trauerspiel.
6. Analyse: Detaillierte Untersuchung der Gretchentragödie, Charakterisierung der Figuren Faust und Margarete sowie Aufzeigen der Züge des bürgerlichen Trauerspiels.
7. Konklusion: Zusammenfassung der Ergebnisse und Beantwortung der in der Problemstellung aufgeworfenen Fragen.
Schlüsselwörter
Faust 1, Goethe, Gretchentragödie, geschlossenes Drama, offenes Drama, bürgerliches Trauerspiel, Hermeneutik, Dramentheorie, Menschenbild, Ständeklausel, Charakterisierung, Faust, Margarete, Tragödie, Literaturanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Werk "Faust 1" von Johann Wolfgang von Goethe, insbesondere den Handlungsstrang der "Gretchentragödie".
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Dramentheorie, der Identifizierung von Merkmalen des bürgerlichen Trauerspiels und der Analyse der gegensätzlichen Menschenbilder.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Es soll untersucht werden, ob die "Gretchentragödie" eine geschlossene Dramenform aufweist und inwiefern "Faust 1" als bürgerliches Trauerspiel zu werten ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor verwendet die hermeneutische Methode, um Informationen zu sammeln und den Text im Gesamtzusammenhang zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Dramengrundlagen und die praktische Analyse der Figuren Faust und Margarete sowie der Handlungsstruktur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "geschlossenes Drama", "bürgerliches Trauerspiel", "Faust", "Gretchen" und "Dramentheorie" definiert.
Warum spielt die Religion in der Gretchentragödie eine wichtige Rolle?
Religion dient im Werk als Maßstab für das Handeln Margaretes, während sie für Faust ein Spannungsfeld zwischen traditionellen Antworten und seinem Streben nach Erkenntnis darstellt.
Wie unterscheidet sich die Sprache von Faust und Margarete?
Faust spricht in gehobenem, teils unruhigem Ton, der seine Zerrissenheit widerspiegelt, während Margaretes Sprache schlicht ist und oft symbolhafte Züge trägt.
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- Gertraud Jensen (Author), 2015, Hermeneutik und struktureller Aufbau von Goethes Faust, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/366634