In diesem wissenschaftlichen Aufsatz soll die zentrale Frage beantwortet werden, ob der Mensch grundsätzlich in einem Herrschaftssystem mit sich selbst, seiner Umwelt und der Natur im Einklang leben kann. Stehen Staatsgewalt und wirtschaftliche Aktivitäten seitens zahlreicher Konzerne im Widerspruch mit der menschlichen Natur? Was ist überhaupt die menschliche Natur? Für diese Analyse soll ein Blick auf akephale Gesellschaften und Naturvölker geworfen werden. Weiter soll untersucht werden, auf welche grundsätzlichen Prinzipien Herrschaftssysteme beruhen, welche Auswirkungen Herrschaftssysteme auf Mensch und Natur haben und wie mögliche egalitäre Bewegungen und herrschaftslose Alternativen aussehen können.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Mensch und Natur
Staat und Gewaltmonopol
Akephale Gesellschaften und Naturvölker
Anarchie und ziviler Ungehorsam
Zusammenfassung und Fazit
Quellen- und Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die zentrale Forschungsfrage, ob der Mensch grundsätzlich in einem Herrschaftssystem mit sich selbst, seiner Umwelt und der Natur im Einklang leben kann. Dabei wird analysiert, inwieweit staatliche Strukturen und wirtschaftliche Interessen im Widerspruch zur menschlichen Natur stehen und welche alternativen, egalitären Gesellschaftsmodelle als Orientierung dienen können.
- Grundlagen des Naturzustandes in der Staatsphilosophie (Hobbes, Locke).
- Die Entstehung von Herrschaftssystemen und Gewaltmonopolen.
- Strukturen und Selbstregulierung akephaler Gesellschaften und Naturvölker.
- Anarchistische Konzepte als herrschaftsfreie Gesellschaftsalternativen.
- Kritische Reflexion staatlicher Legitimationsnarrative und ziviler Ungehorsam.
Auszug aus dem Buch
Akephale Gesellschaften und Naturvölker
Um den Naturzustand des Menschen und die Suche nach einer geeigneten Legitimierung des Staates weiter zu präzisieren, bedarf es einen genaueren Blick in die Natur und der ihr noch nahestehenden Völker. Der Begriff des Naturvolkes galt lange Zeit als umstritten und steht noch heute im Kontrast zum Begriff des Kulturvolkes. Die begriffliche Einteilung von Menschen in eine nicht-industrielle, zivilisationsferne Gruppe war seit dem 18. Jahrhundert gängige Praxis. Naturvölker gehörten meist einer tieferen, primitiveren Schicht an und unterschieden sich daraufhin geistig – auf Grund des mangelnden Verständnisses für Schrift, Arbeit und Fortschritt – grundlegend von höheren Kulturvölkern.
Bei genauerer Betrachtung beruhten diese historischen Annahmen jedoch oftmals auf künstliche und subjektive Werteentscheidungen. Des Weiteren galten Naturvölker als räuberische Naturmenschen und somit als kulturlose Menschen ohne jegliche Moral und Vernunft. Auch berühmte Philosophen wie Hegel und Kant entgingen diesen widersprüchlichen Assoziationen nicht. Differenzierungen zwischen Kultur- und Naturvölker dieser Art sind gerade in Anbetracht des nachhaltigen Umgangs mit natürlichen und regionalen Ressourcen sowie dem Gebrauch von Traditionen und Bräuchen wissenschaftlich nicht mehr haltbar.
Der Versuch, den Begriff Naturvolk näher zu beschreiben, war demzufolge oft irreführend und sogar diskriminierend. Neben Begriffen wie Naturmenschen, Stammesvölker und Ureinwohner gilt die Bezeichnung des indigenen Volkes mittlerweile als allgemein anerkannt. Indigene Völker existierten lange Zeit ohne den Einfluss moderner Zivilisationen und verfolgten eine Lebensweise der reinen Subsistenzwirtschaft, sprich der Selbstversorgung ohne nennenswerte Überschüsse. Auch der Erhalt der Ökosysteme stellte einen zentralen Punkt des menschlichen Miteinanders dar. Gleichartige und untereinander gleichrangige Abstammungsgruppen (homogene Familienverbände) regelten weitestgehend das tägliche Leben. Der französischer Soziologe und Ethnologe Émile Durkheim beschrieb diese Gesellschaftsform im Jahre 1983 als segmentäre Gesellschaft. Diese sorgte unter anderem für eine weitgehende Selbstregulierung der Konflikte ohne zentrale politische Institutionen oder Autorität.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet aktuelle Konflikte wie den Bau der Dakota Access Pipeline, um die anhaltende Problematik kolonialer Ausbeutung und die Missachtung indigener Rechte durch moderne Herrschaftssysteme zu verdeutlichen.
Mensch und Natur: Dieses Kapitel analysiert staatstheoretische Ansätze bei Hobbes und Locke, die den menschlichen Naturzustand als konfliktgeladen beschreiben und die Begründung von Herrschaft und Gesellschaftsverträgen thematisieren.
Staat und Gewaltmonopol: Hier wird der historische Prozess der Sesshaftwerdung und die Entstehung von Staaten und Hierarchien infolge der neolithischen Revolution kritisch untersucht.
Akephale Gesellschaften und Naturvölker: Das Kapitel betrachtet indigene Lebensweisen, die ohne zentrale Herrschaftsstrukturen auskommen, und hinterfragt dabei die diskriminierenden Konzepte von "Naturvölkern".
Anarchie und ziviler Ungehorsam: Es wird die Definition von Anarchie als Herrschaftslosigkeit erläutert sowie die Rolle von zivilem Ungehorsam als Ausdruck moralischer Proteste gegen staatliche Institutionen diskutiert.
Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass staatliche Machtansprüche normativ schwer legitimierbar sind und stellt die egalitäre Organisationsweise indigener Völker als Gegenentwurf zur Entfremdung moderner Gesellschaften dar.
Quellen- und Literaturverzeichnis: Umfassende Auflistung der für die Arbeit verwendeten wissenschaftlichen Fachliteratur und Quellen.
Schlüsselwörter
Herrschaftssysteme, Naturzustand, Indigene Völker, Anarchie, Staatstheorie, Gewaltmonopol, Subsistenzwirtschaft, Umweltschutz, Egalitarismus, Gesellschaftsvertrag, Kolonialismus, Akephale Gesellschaften, Nachhaltigkeit, Ziviler Ungehorsam, Sozialanthropologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Auseinandersetzung zwischen staatlichen Herrschaftssystemen und einer menschen- sowie naturgerechten Lebensform.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die staatstheoretische Begründung von Herrschaft, das Leben indigener Völker, die historische Entstehung von Staaten sowie die theoretische Aufarbeitung des Anarchie-Begriffs.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, zu untersuchen, ob der Mensch in Herrschaftssystemen mit seiner Umwelt im Einklang leben kann und welche Alternativen es hierzu gibt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine politikwissenschaftliche und ethnologische Analyse, indem sie historische Staatstheorien mit anthropologischen Erkenntnissen über segmentäre Gesellschaften vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden der Naturzustand nach Hobbes und Locke, die Entstehung von Gewaltmonopolen, das Leben akephaler Gesellschaften und die Bedeutung anarchistischer Organisationsformen detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Herrschaftssysteme, Anarchie, Naturzustand, indigene Völker und Staatlichkeit geprägt.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen Kulturvölkern und Naturvölkern eine wichtige Rolle?
Diese Unterscheidung ist relevant, da sie aufzeigt, wie historische, oft diskriminierende Sichtweisen das Verständnis über "zivilisierte" Gesellschaften geformt haben und wie diese Konstrukte einer wissenschaftlichen Überprüfung heute nicht mehr standhalten.
Welchen Bezug nimmt der Autor zu den aktuellen Protesten gegen die Dakota Access Pipeline?
Diese Proteste dienen als aktuelles Fallbeispiel, um die fortwährende Problematik von Landraub und die Missachtung der Rechte indigener Völker durch wirtschaftliche Interessenkonzerne zu verdeutlichen.
- Arbeit zitieren
- Sebastian Scholz (Autor:in), 2017, Herrschaftssysteme im Einklang mit der Natur? Auf der Suche nach einer menschen- und naturgerechten Lebensform, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/366669