In meiner Hausarbeit werde ich der Frage nachgehen, wie ein ziel- und zweckbewusstes Handeln einzelner Individuen in Kooperation mit anderen, ebenso ziel- und zweckorientierten Individuen, zum Wohlstand und zur Entwicklung einer Gesellschaft beitragen kann. Im ersten Schritt werde ich in Kapitel 2 eine Definition und Klärung der für diese Arbeit relevanten Begriffe vornehmen. In Kapitel 3 gebe ich eine kurze Einführung in Mises’ Praxeologie, seiner Theorie vom Handeln.
Im Hauptteil meiner Arbeit werde ich Mises’ Begriff von Gesellschaft in seinen wichtigsten Punkten ausführen und im Anschluss, in Kapitel 5, in Gegenüberstellung zu relevanten Positionen aus Soziologie und Sozialphilosophie bringen. Mit meinen Schlussfolgerungen werde ich im Kapitel 6 meine Hausarbeit abschließen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Vorgehensweise
1.2. Hypothese
1.3. Forschungsstand
2. Begriffsklärung
2.1. Gemeinschaft vs. Gesellschaft
2.2. Individuum vs. Gesellschaft
2.3. Menschliches Handeln
2.4. Eigentum – Sondereigentum
3. Ludwig von Mises – Praxeologie
3.1. Apriorische Wissenschaft
3.2. Rationales, teleologisches und kausal bedingtes Handeln
3.3. Oberste Prämisse: absolute Wertfreiheit subjektiver Urteile
4. Gesellschaft bei Ludwig von Mises
4.1. Arbeitsteilung und Mannigfaltigkeit des Menschen
4.2. Vernunft und Wille des Menschen
4.3. Sondereigentum
4.4. Kooperation statt Kampf
5. Analyse
6. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Gesellschaftsbegriff von Ludwig von Mises unter besonderer Berücksichtigung der Praxeologie. Ziel ist es zu analysieren, wie aus dem Handeln souveräner Individuen, die primär ihrem Eigennutz folgen, eine friedliche und kooperative Gesellschaftsordnung entstehen kann und wie sich dieses Konzept von kollektivistischen Gegenentwürfen abgrenzt.
- Die praxeologische Letztbegründung menschlichen Handelns.
- Die Rolle der Arbeitsteilung und der zwischenmenschlichen Kooperation.
- Das Sondereigentum als Voraussetzung für marktwirtschaftliche Prozesse.
- Die kritische Gegenüberstellung zum Gesellschaftsbegriff der Soziologie (u.a. Durkheim, Simmel, Elias).
- Die Notwendigkeit individueller Verantwortung in einer liberalen Gesellschaftsordnung.
Auszug aus dem Buch
4.1. Arbeitsteilung und Mannigfaltigkeit des Menschen
Das menschliche Handeln muss historisch betrachtet in erster Linie am Überleben ausgerichtet gewesen sein. Die dazu erforderliche Arbeitsteilung innerhalb einer Familie, eines Stammes teilte gleichzeitig die Verantwortung, schaffte zeitliche Ressourcen und führte zu weiterer Differenzierung der Aufgaben und zu Expertenwissen. Ressourcen gelten immer als knapp (vgl. Mises 1940: 65ff, 80, 84f, 105, 479f) und umso wichtiger ist es, die vorhandenen Kräfte erfolgversprechend einzusetzen. Auch wenn sich alle Menschen in den wesentlichen menschlichen Eigenschaften gleichen, unterscheidet sich jeder Einzelne durch seine individuellen Fähigkeiten, Begabungen und Talente von den anderen. Der richtige Mann, die richtige Frau an der richtigen Stelle war und ist auch heute noch für den Erfolg einer Unternehmung entscheidend.
In Mises‘ Verständnis von Gesellschaft werden diese beiden Parameter – Arbeitsteilung in der Gemeinschaft und Mannigfaltigkeit des Menschen – als Grundvoraussetzung für die Entwicklung zum freien Individuum innerhalb der Gesellschaft gesetzt. „Indem jeder Einzelne seine Wege, die zu seinen Zwecken führen, geht, geht er schon den Weg der Vergesellschaftung.“ (Mises 1940. 117). Es braucht, anders als beispielsweise bei Émile Durkheim oder Karl Marx keine Moral, keinen aufopfernden Altruismus, kein „gesellschaftsbejahendes Handeln“ (Mises 1940: 118) im Sinne eines „Sichaufopfern[s] des Einzelnen“ (Mises 1940: ebd.) zu Gunsten späterer Generationen (vgl. Luhmann 1977: 17 f).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema, die methodische Vorgehensweise sowie die Definition der zentralen Forschungsfrage zur Kooperation handelnder Individuen.
2. Begriffsklärung: Klärung grundlegender Konzepte wie Gemeinschaft vs. Gesellschaft, das Individuum und die Definition des menschlichen Handelns sowie des Eigentums.
3. Ludwig von Mises – Praxeologie: Darstellung der theoretischen Grundlagen von Mises’ Praxeologie, insbesondere der Apriorik, des teleologischen Handelns und des Gebots der Wertfreiheit.
4. Gesellschaft bei Ludwig von Mises: Zentrale Analyse des Mises’schen Gesellschaftsbegriffs durch die Linse der Arbeitsteilung, der Eigentumsverhältnisse und des Willens zur Kooperation.
5. Analyse: Kritische Gegenüberstellung des praxeologischen Gesellschaftsbegriffs zu Ansätzen von Marx, Durkheim, Simmel, Weber und Elias.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der gesellschaftlichen Verantwortung des Einzelnen im Kontext des Liberalismus und der Bedeutung der Kooperation.
Schlüsselwörter
Ludwig von Mises, Praxeologie, Gesellschaft, Arbeitsteilung, Individuum, Eigennutz, Sondereigentum, Kooperation, Marktwirtschaft, Liberalismus, Wertfreiheit, Methodischer Individualismus, Soziologie, Sozialphilosophie, Menschliches Handeln.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Konzept der „Gesellschaft“ aus der Perspektive von Ludwig von Mises, wobei sie den Fokus auf die Praxeologie und die Notwendigkeit von Kooperation legt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Kernbereichen zählen die Praxeologie als Theorie des Handelns, die Arbeitsteilung als gesellschaftliches Strukturprinzip sowie die Bedeutung des Sondereigentums.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie aus dem Handeln autonomer Individuen, die ihre eigenen Ziele verfolgen, eine funktionierende und friedliche Gesellschaft erwächst.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretisch-analytische Methode, basierend auf dem methodologischen Individualismus, und vergleicht diese mit soziologischen und sozialphilosophischen Positionen.
Was ist der inhaltliche Kern des Hauptteils?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit Mises’ Verständnis von Arbeitsteilung, der Vernunft des Menschen und der Abgrenzung von Kooperation gegenüber kriegerischen oder kämpferischen Gesellschaftsmodellen.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Analyse?
Zentrale Begriffe sind Praxeologie, Arbeitsteilung, subjektive Werturteile, Eigentum und der freie Markt.
Wie unterscheidet Mises zwischen Gesellschaft und Gemeinschaft?
Im Gegensatz zu manchen soziologischen Traditionen betont Mises, dass Gesellschaft ein Ergebnis bewussten, zweckgerichteten Handelns zur gegenseitigen Vorteilserreichung ist, statt nur eine organische oder moralische Einheit.
Welche Bedeutung misst der Autor dem Sondereigentum bei?
Sondereigentum wird als essenzielles Werkzeug verstanden, das es Individuen ermöglicht, durch Dienst an den Bedürfnissen anderer am Markt Wohlstand für sich und die Gesellschaft zu generieren.
Wie positioniert sich Mises gegenüber marxistischen Theorien?
Mises lehnt kollektivistische Gesellschaftskonzepte und den Fokus auf den Klassenkampf entschieden ab und setzt dagegen die vorteilhafte Kooperation durch Arbeitsteilung.
Welche Rolle spielt die Verantwortung des Einzelnen im Fazit?
Die Autorin betont, dass eine liberale Gesellschaft den Einzelnen in die Pflicht nimmt, sein eigenes Handeln zu reflektieren, anstatt die Verantwortung auf anonyme Kollektive zu übertragen.
- Arbeit zitieren
- Martina Wirth (Autor:in), 2017, Gesellschaft bei Ludwig von Mises. Arbeitsteilung und der Wille zur Kooperation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/366679