Eine Analyse krisengetriebener Konsolidierung und antizyklischer M&A-Aktivität kapitalmarktorientierter Unternehmen und deren Einfluss auf den Wettbewerb


Bachelorarbeit, 2017
55 Seiten, Note: 1,33

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Themenstellung
1.2 Relevanz der Themenstellung
1.3 Formulierung der Forschungsfrage
1.4 Methodologie und Aufbau der Arbeit

2 Literaturübersicht
2.1 Marktkonsolidierung
2.2 Makroökonomische Konjunkturzyklen
2.3 Neoklassischer Zugang zu Wettbewerb, Krisen und M&A
2.4 Zugang der kritischen politischen Ökonomie zu Wettbewerb, Krisen und M&A
2.5 Der Herfindahl Hirschman Index

3 Mergers & Acquisitions im Krisenumfeld
3.1 Transaktionshintergründe
3.2 Gängige Bewertungsmodelle
3.2.1 Entity- vs. Equityansatz
3.2.2 Discounted Cash Flow Verfahren
3.2.3 Multiplikatormodell
3.3 Mergers & Acquisitions Wellen
3.3.1 Distressed M&A
3.4 Besonderheiten am Kapitalmarkt
3.4.1 Unternehmensbewertungen
3.4.2 Zugang zu Liquidität
3.4.3 Zinsumfeld
3.4.4 Risiken und Potentiale

4 Casestudie
4.1 Ziele und Vorgehensweise
4.2 Auswertung und Ergebnisse

5 Experteninterview
5.1 Ziele und Vorgehensweise und Vorstellung des Gesprächspartners
5.2 Zusammenfassung des Experteninterviews

6 Conclusio
6.1 Wie verhalten sich die M&A-Aktivitäten kapitalmarktorientierter Unternehmen im Lichte makroökonomischer Zyklen?
6.2 Haben krisengetriebene Konsolidierungen und Distressed M&A einen Einfluss auf den Wettbewerb und die Marktkonzentration?

7 Ausblick
8 Literaturverzeichnis
8.1 Wissenschaftliche Quellen
8.2 Sonstige Quellen

Anhangverzeichnis

Nr. Bezeichnung Seite
Anlage A: Transkription des Experteninterviews mit Bence Soltesz
Anlage B: Graphische Auswertung der empirischen Datenauswertung
Anlage C: MSCI World Chart 16.02.2007 – 20.07.2009

Darstellungsverzeichnis

Nr. Bezeichnung Seite

Darstellung 1: S-Kurve des Konsolidierungszyklus

Darstellung 2: Eigene Darstellung – Zugang der Neoklassik

Darstellung 3: Formel zur Berechnung des Herfindahl-Hirschmann-Index

Darstellung 4: Übersicht verschiedener Bewertungsmethoden

Darstellung 5: Formel der Discounted Cash Flow Methode

Darstellung 6: Formel zur Berechnung des Terminal Values

Darstellung 7: Formel zur Berechnung von Transaktions-Multiplikatoren

Darstellung 8: Globales M&A Aufkommen von 1985 bis 2016

Darstellung 9: Eigene Darstellung der Charakteristika der Konjunkturzyklen

Darstellung 10: DAX und die Entwicklung der M&A-Landschaft in Deutschland 1998-2011

Darstellung 11: Die neun Industriesektoren nach FTSE-Russel

Darstellung 12: Nominelles Marktvolumen nach Industriesegmenten 2000-2016

Darstellung 13: Eigene Darstellung der Entwicklung von Consumer Discretionary

Darstellung 14: Entwicklung des globalen BIP und Ölpreis (WTI, Brent) seit 1999

Darstellung 15: Entwicklung des Industriesektors Consumer Staples

Darstellung 16: Eigene Darstellung der Entwicklung des Health Care Industriesektors

Darstellung 17: M&A Landschaft des Sektors Health Care

Darstellung 18: Eigene Darstellung der relativen Entwicklung von Unternehmensinsolvenzen, Distressed M&A und dem realen globalen BIP

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abstract

Over the last 30 years the worldwide M&A transaction volume has increased by ten times; at the same time the number of deals even increased by thirteen times. While it is commonly acknowledged that macroeconomic developments are underlying cyclical developments, it is often overseen that there is a link between economic cycles and the global M&A-activity, as it is also appearing in cycles. Not only that the point in time of a transaction is materially determining how successful the deal will be in reaching the predefined objectives to the transaction, but there is also a difference regarding the impact anticyclical M&A activity has on market competition. Following the saying „survival of the fittest“, crisis circumstances are putting corporations under pressure and increased concentration of control in the market can be the result. The following paper draws on the macroeconomic circumstances appearing during economic downturns and the implication that has for the international M&A landscape. By screening the global economy, segmented into predefined industries, and taking the global M&A activity into account, special focus shall be put on the development of concentration of power in the market as macroeconomic circumstances shift in order to point out possible correlations. The conducted research reveals that anticyclical M&A activity in combination with a natural selection through insolvencies during macroeconomic downturns and crisis is indeed leading to increased market concentration. As established players benefit from accessing global capital markets they can get even stronger through strategic and distressed acquisitions. A second conclusion can be drawn towards M&A waves, as they too can reduce competition in the market.

1 Einleitung

1.1 Themenstellung

Die jüngste Finanzkrise, wie zahlreiche vergleichbare Krisen der vergangenen Jahre, brachte dramatische Folgen für die globale Ökonomie mit sich. Das internationale Umfeld, in dem Unternehmen ihre Geschäfte betreiben, hat sich teilweise grundlegend geändert. In der Folge entstanden neue Marktführer, sowie großer Druck auf Unternehmen mit ungenügender Liquidität.

Ausgehend vom Bankensektor, erfuhr nahezu jeder Wirtschaftsbereich eine materielle Beeinflussung bis Veränderung seiner Landschaft.[1] Makroökonomische Abschwünge, die eine Krise darstellen können, erfordern daher besondere Maßnahmen und sind von differenzierten unternehmerischen Strategien geprägt.

Um konjunkturellen Schocks und Störungen entgegenzuwirken, werden auf volkswirtschaftlicher Ebene fiskal- und wirtschaftspolitische Maßnahmen eingeleitet, um die Wirtschaft zu stimulieren und folglich zu stabilisieren.[2] Unmittelbar liegt es jedoch in erster Linie an den marktteilnehmenden Unternehmen selbst, in Krisenphasen effektive Strategien zu verfolgen, welche die finanzielle Stabilität gewährleisten und ein Fortbestehen am Markt sicherstellen.

Je nach Krisenbetroffenheit der Unternehmen reichen herkömmliche Gegenmaßnahmen, wie bspw. Kostenreduktionen oder Effizienzsteigerungen, oft nicht aus, oder können dem Anspruch an Flexibilität nicht genügen, weil sie nicht zeitnah umgesetzt werden können. Eine an dieser Stelle angewendete Vorgehensweise ist die Erhöhung der Krisenfestigkeit durch Unternehmenszusammenschlüsse.

Derartige Strategien sind mit großem Risiko behaftet, können jedoch einen entscheidenden Beitrag zur Fortführung krisenbetroffener Unternehmungen leisten.[3] Neben der Verbesserung der Stabilität auf betriebswirtschaftlicher Ebene, implizieren krisengetriebene Konsolidierungen eine Beeinflussung des Wettbewerbs und können somit die Konzentration der Macht der einzelnen MarktteilnehmerInnen verändern.

1.2 Relevanz der Themenstellung

Um in makroökonomisch angespannten Szenarien am Markt bestehen zu können, bedienen sich betroffene Unternehmen häufig Mergers & Acquisitions Strategien. Neben dem einfachen Motiv der Fortführung einer Unternehmung sind es daneben Wirtschaftsfaktoren wie Unternehmensbewertungen sowie das Zinsumfeld, welche M&A Entscheidungen begünstigen können.

Diese Vorgehensweise löste im Laufe der Finanzkrise von 2008 eine große Welle von so genannten „Distressed Deals“[4], v.a. im Finanzsektor, aus und führte aus makroökonomischer Sicht zu krisengetriebenen Konsolidierungen in manchen Branchen.[5]

Interpretiert man Krisen bzw. makroökonomische Abschwünge als eine Art Auslese, bei welcher es nur jenen Unternehmen mit intaktem Risikomanagement und nachhaltigem Geschäftsmodell, sowie ausreichender Liquidität gelingt am Markt zu bestehen[6], kommt man zur Schlussfolgerung das durch das Ausscheiden schwächerer MarktteilnehmerInnen der Wettbewerb beeinflusst wird[7] und somit Monopole begünstigt werden können.

Vor diesem Hintergrund soll in der vorliegenden Arbeit erörtert werden, ob und ggf. in welchem Ausmaß antizyklische M&A Transaktionen in Krisen historisch gesehen die Entstehung hoher Marktkonzentration merklich mitgestalten und welche Auslöser und Umstände einer allfälligen Entwicklung beizulegen sind.

1.3 Formulierung der Forschungsfrage

Im speziellen sollen im Verlauf der Arbeit die Forschungsfrage in ihren zwei Teilen beantwortet werden:

A. „Wie verhalten sich die M&A-Aktivitäten kapitalmarktorientierter Unternehmen im Lichte makroökonomischer Zyklen?“

B. „Wie ist in diesem Zusammenhang die Beeinflussung des Wettbewerbs, in Bezug auf Marktkonzentration, durch antizyklisches M&A-Aufkommen, sowie krisengetriebene Konsolidierungen zu werten?“

1.4 Methodologie und Aufbau der Arbeit

Forschungsziel ist es, die Bedeutung von antizyklischen M&A Transaktionen in Bezug auf eine Veränderung des Wettbewerbs zu untersuchen.

Hierzu werden im ersten Teil zunächst im Rahmen grundlegender makroökonomischer Theorien die Landschaft konjunktureller Zyklen und Krisen erörtert, sowie ein Literaturrückblick auf den Fachbereich M&A, mit besonderem Fokus auf antizyklischen Transaktionen vorgenommen. Dabei wird ein allfälliger Zusammenhang beider Bereiche skizziert. Um den Anspruch an Aktualität der Informationen gerecht zu werden, wird eine Kombination aus Literatur, Onlinerecherche und Datenbanken als Informationsgrundlage genutzt.

Die Qualität der Forschungsergebnisse hängt weiterhin maßgeblich von Untersuchungen ab, die über den Horizont der vorhandenen Literatur hinausreichen. Daher wird im zweiten Teil dieser Arbeit eine empirische Untersuchung, bestehend aus einer Case Studie, sowie einem nachstehenden Experteninterview, angestellt.

Unter Verwendung von Finanzdatenbanken wie Bloomberg Market Intelligence, dem UniCredit Research Portal sowie MergerMarket.com, dienen vordefinierte Sektoren als Anhaltspunkte um eine allfällige Veränderung der Konzentration der Marktmacht, mittels Berechnung des Herfindahl-Index, aufzuzeigen. Unterstützend werden in diesem Kontext quantitative Aspekte, wie die Anzahl getätigter M&A Transaktionen p.a., sowie Transaktionsvolumen p.a. analysiert. Nach Auswertung der Ergebnisse der Fallstudie, werden die etwaigen Findings im Rahmen des Experteninterviews diskutiert und ggf. validiert. Anhand eines Interviewleitfadens wird hierbei zunächst der Expertenstatus durch den beruflichen Werdegang festgestellt. Anschließend werden gezielte Fragen zur Thematik gestellt, um somit Erkenntnisse zur Beantwortung der Forschungsfragen zu erhalten. Der zweiseitige Ansatz der empirischen Untersuchung soll die Informationsgrundlage diversifizieren und somit die Aussagekraft der Auswertung erhöhen.

Im dritten und letzten Teil der vorliegenden Arbeit werden, neben der Beantwortung der Forschungsfragen, konkludierende Schlussfolgerungen getroffen und ein Ausblick über die mögliche zukünftige Entwicklungen gewährt.

2 Literaturübersicht

2.1 Marktkonsolidierung

Regelmäßig wird unter Konsolidierung die Abnahme der Anzahl an MarktteilnehmerInnen innerhalb einer Branche, entweder getrieben durch Fusionen, Übernahmen oder durch Insolvenz, verstanden.

In den meisten Fällen sind neu entstehende Industrien zunächst sehr fragmentiert, doch neigen sie zu verstärkter Konsolidierung sobald ihr Markt reifer wird. Einer Studie der internationalen Strategieberatungsgesellschaft A.T. Kearney zufolge lässt sich die Konsolidierung von Branchen anhand eines Zyklus in vier Phasen beschreiben und dauert etwa 20 bis 25 Jahre.[8] Die Nachfolgende Grafik zeigt das Modell der S-Kurve der Konsolidierung, worin die X-Achse die fortschreitende Zeit und die Y-Achse den durch die drei umsatzstärksten Unternehmen kontrollierten Marktanteil ausweist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darstellung 1 : S-Kurve des Konsolidierungszyklus[9]

In der Eröffnungsphase bildet sich ein neuer Markt, der zunächst von einem einzelnen Start-up-Unternehmen bedient wird, sich jedoch rasch ein Wettbewerb ausbildet und der kumulierte Marktanteil der drei umsatzstärksten Unternehmen auf 10% bis 30% ansteigt. Ein neuer Markt kann bspw. auch durch Deregulierung oder Privatisierung verschiedener Marktbereiche entstehen und muss daher nicht zwangsweise auf Innovation fußen. Als Beispiele können hier die Sektoren Energie, Telekommunikation, Schienenverkehr sowie das Banken- und Versicherungswesen angeführt werden.[10]

Die Kumulationsphase bildet die nächste Stufe im Konsolidierungszyklus, in der führende MarktteilnehmerInnen beginnen ihren Marktanteil aggressiv auszuweiten in dem sie M&A-Strategien verfolgen. In dieser Phase liegt der Marktanteil der top drei Branchenunternehmen zwischen 15% und 45% und M&A, sowie Fähigkeiten akquirierte Tochterunternehmen integrieren zu können, von zentraler Bedeutung.

Nach heftiger Konsolidierung versuchen die Unternehmen sich in Phase drei auf ihr Kerngeschäft zu fokussieren und dieses auszuweiten, mit dem Ziel schneller als die Konkurrenz zu wachsen, wobei Profitabilität bereits eine stärkere Rolle spielt. Gewöhnlich ist dies die Zeit der Megatransaktionen, wodurch Unternehmen zu Branchenprimi aufsteigen und die Top drei Unternehmen Marktanteile zwischen 35% und 70% bedienen.[11]

In der vierten und letzten Konsolidierungsphase versuchen Unternehmen durch strategische Allianzen ihre Marktanteile zu balancieren bzw. zu halten, da zusätzliches Wachstum schwerer realisierbar ist. Beispiele für derart reife und konzentrierte Märkte sind unter anderem die Industrie für Tabakwaren oder Erfrischungsgetränke, in welchen die drei umsatzstärksten MarktteilnehmerInnen zwischen 70% und 90% des Marktes kontrollieren und Marktregulierung eine zunehmende Bedrohung darstellt. Unternehmen entwickeln sich nicht durch, sondern bleiben in dieser Phase, weshalb die M&A-Kompetenz des Managements essentiell ist und neue Wachstumsmärkte durch Abspaltung von Teilbereichen initiiert werden.[12]

2.2 Makroökonomische Konjunkturzyklen

Die wirtschaftliche Aktivität einer Volkswirtschaft ist von zahlreichen Parametern abhängig und verläuft in der Regel zyklisch.[13] Kapitalistische Systemformen basieren auf Wirtschaftswachstum[14], weshalb makroökonomische Aufschwünge das beabsichtigte Resultat von Volkswirtschaften sind. Der Nachweis von Wirtschaftswachstum gelingt regelmäßig bei Betrachtung der Veränderung des realen Bruttoinlandsprodukts.[15] Ist dieses innerhalb einer bestimmten Zeitperiode, zumeist ein Jahr, gewachsen, spricht man von Wirtschaftswachstum.

Volkswirtschaften erfahren in zeitlich unbestimmten Abständen Schwankungen in ihrer wirtschaftlichen Aktivität. Zu Anfang eines Aufschwunges zeichnet sich ein allmählicher Anstieg von Beschäftigung und Produktion ab, der sich langsam intensiviert. In der Folgephase, dem Boom, sind Lohn- und Preisentwicklung zunächst stabil, verschärfen sich jedoch zunehmend bis die Inflation ihren Höchststand erreicht. Im Konjunkturzyklus markiert eine Überhitzung der Volkswirtschaft den Wendepunkt, der einen Richtungswechsel der Aufwärtsbewegung hin zu einem Abschwung einleitet. Dabei kann das Wirtschaftswachstum zunächst nicht mehr gehalten werden; zeitgleich sind Inflation, Produktion und Gewinne rückläufig.[16] Manifestiert sich nun ein negatives Wirtschaftswachstum in zwei aufeinanderfolgenden Jahresquartalen, spricht man von einer Rezession.[17] In dieser Phase zieht sich die Wirtschaftsleistung zusammen und es kommt zu einem Rückgang der Nachfrage, schrumpfenden Investitionen, überfüllten Lagern, sowie zu einem Rückgang der Exporte und sinkenden Bewertungen von Unternehmen.[18] Nach Auskunft des Internationalen Währungsfonds IMF dauert eine Abschwungphase ein Jahr[19], wobei diese Dauer in der Realität oft abweicht. Befindet sich eine Volkswirtschaft über einen längeren Zeitraum in deutlichen Abwärtstrend, spricht man von einer Depression.

2.3 Neoklassischer Zugang zu Wettbewerb, Krisen und M&A

Die Ausprägung des Wettbewerbs hängt davon ab, wie die Marktmacht innerhalb eines bestimmten Marktsegments konzentriert ist. Daher ist der Wettbewerb maßgeblich von der Anzahl der in einem Markt konkurrierenden Unternehmen abhängig und weiterführend davon, wie gleichmäßig die Marktanteile aufgeteilt sind.

In einem perfekten Wettbewerb homogener Güter ist die Marktmacht der einzelnen MarktteilnehmerInnen, auf KäuferInnen- sowie auf VerkäuferInnenseite, so begrenzt, dass keine der beiden Parteien den Marktpreis beeinflussen kann und es somit bei gleicher Aufteilung der Marktanteile keiner Partei gelingt seine Verhandlungsposition merklich zu verbessern.[20] Ein Oligopol findet sich in Märkten wieder, in denen wenige mächtige MarktteilnehmerInnen den Markt unter sich aufteilen und ein überwiegender kumulierter Marktanteil von diesen kontrolliert wird. Die Wettbewerbsform mit der höchsten Konzentration der Marktmacht wird als Monopol bezeichnet und sagt aus, dass eine Partei den Markt weitestgehend alleine bedient, somit keinem nennenswerten Wettbewerb ausgesetzt ist und Preis- sowie Mengenentscheidungen eigenständig treffen kann.[21] Bei den angeführten Wettbewerbsformen handelt es sich jedoch um Idealtypen, deren theoretisches Konzept häufig nicht gänzlich auf die Realwirtschaft umgelegt werden kann, weil maßgebliche Einflussfaktoren nicht ordnungsgemäß quantifizierbar sind.

Generell geht die Neoklassik von effizienten Märkten aus, die durch ein natürliches Marktgleichgewicht zu „optimalen Lösungen wirtschaftspolitischer Fragen“[22] führen, lässt aber dennoch Platz für Marktunvollkommenheiten die zu Marktversagen führen können, zu deren Ausgleich selektive staatliche Eingriffe stattfinden sollen. Obgleich ein staatlicher Eingriff in die Wirtschaft als störend empfunden wird, soll, um entsprechende Unvollständigkeiten zu vermeiden, ein Wettbewerbsrecht bzw. Kartellrecht den perfekten Wettbewerb unterstützen, oder durch Offenlegungsvorschriften Informationsasymmetrien, die z. B. zu Insiderhandel führen können, vorgebeugt werden.[23]

Die Neoklassik bezieht keine ausdrückliche Stellung zu M&A zwischen Unternehmen, stützt die Entwicklung des Marktes jedoch auf die „individuellen Entscheidungen ökonomischer AkteurInnen“[24]. Da diese auf Unternehmensseite Profite maximieren und Transaktionskosten senken[25] möchten und diese Qualitätspunkte entscheidend von der Größe der Organisation beeinflusst werden können, ist ein grundsätzliches Auftreten von M&A-Transaktionen nicht ausgeschlossen. Weiterhin räumt die Theorie der Neoklassik ein mögliches Auftreten von Marktversagen, bzw. Krisen ein und bietet somit Raum für das Auftreten von bzw. M&A-Wellen.

Darstellung 2: Eigene Darstellung – Zugang der Neoklassik[26]

Genauer betrachtet die Neoklassik M&A-Wellen als Resultat exogener Schocks wobei diese hinsichtlich ihrer Art ökonomisch-, technologisch oder regulatorisch getrieben werden können und zudem in Industrie- und Makroschocks unterschieden werden. Michael Gort veröffentlichte 1969 seine neoklassische Wellentheorie „An Economic Disturbance Theory of Mergers“, worin er vor allem makroökonomische Störungen, so genannte „Economic Disturbances“, als Auslöser für M&A-Wellen verantwortlich macht, sich dabei aber auf empirische Studien stützt, die einen Zusammenhang zwischen der Anzahl getätigter Transaktionen und dem Niveau der Aktienkurse beweisen.[27]

Jarrad Harford führt diesen Ansatz weiter und identifiziert das Zusammenspiel von branchenspezifischen Schocks und dem ausreichenden Zugang zu Kapital als Auslöser gesteigerte M&A-Aktivität.[28]

Realoptionstheorien untersuchen das M&A-Verhalten basierend auf spieltheoretischen Konzepten sowie unter der Assumtion von Lernprozessen und kommen der Erkenntnis, dass Transaktionen sowohl in Auf- als auch in Abschwüngen durchführbar sind. Weiterführende Untersuchungen, die ebenfalls auf dem Realoptions-Modell basieren, identifizieren letztlich prozyklische Transaktionen als optimal und liefern somit eine Erklärung für den prozyklischen Verlauf von M&A-Wellen.

2.4 Zugang der kritischen politischen Ökonomie zu Wettbewerb, Krisen und M&A

Die kritische politische Ökonomie versucht anhand marxistischer Theorien die Produktionsweise des Kapitalismus zu erklären. Sehr stark abstrahiert kann die diese als ausbeuterisch beschrieben werden, denn ArbeiterInnen müssen, da ihnen kein Zugang zu Produktionsmitteln offen steht, um zu überleben ihre Arbeitskraft verkaufen. Die Profite auf der Unternehmensseite werden durch Mehrwert generiert, der sich durch Mehrarbeit schaffen lässt. Der Klassenkonflikt zwischen der ArbeiterInnenklasse und den UnternehmenseigentümerInnen führt letztlich zu sozialen Spannungen, weshalb der Kapitalismus als System anfällig für Krisen ist.[29]

Die politische Ökonomie selbst sieht ein Auftreten von Krisen nicht vor, jedoch „[...] herrscht aus politökonomischer Perspektive Skepsis bezüglich der Beherrschbarkeit des Kapitalismus[...][30] “ und es kann fortwährend zu Krisen mit nachteiligen Folgen kommen. Marxistische Anschauungen führen diese unter anderem auf zu geringen Konsum zurück[31] und beschreiben eine gestärkte Verhandlungsmacht der ArbeiterInnenklasse als krisenrelevant. Daneben kann ein steigender Anteil technischer Produktionsmittel in der Zusammensetzung des Kapitals als Erklärung für Krisen ausgemacht werden.[32]

Ein der politischen Ökonomie zugrunde liegendes Konzept beschäftigt sich mit dem im Kapitalismus implizierten „strukturellen Zwang zur Akkumulation“[33] dem so genannten Akkumulationsimperativ, worin beschrieben wird, dass Unternehmen einen Teil ihrer erwirtschafteten Gewinne reinvestieren müssen, um im Kampf um neue Technologien nicht gegen den Wettbewerb zu verlieren und somit unprofitabel zu werden. Es lässt sich aus der Interpretation dieser Aussage ableiten, dass, vor dem Hintergrund der Akkumulation und des Konkurrenzkampfes am Markt, die Unternehmen bestrebt sind ihre Marktmacht zu stärken.[34]

2.5 Der Herfindahl Hirschman Index

Der Herfindahl Hirschmann Index, besser bekannt als Herfindahl Index ist eine statistische Kennzahl um Konzentrationen im Allgemeinen zu messen. Der HHI wird neben Ökonomischen Forschungsgebieten in einer Reihe anderer Anwendungsgebiete eingesetzt, bspw. in der Politikwissenschaft um die Beschaffenheit von Parteiensystemen zu analysieren. Speziell etabliert hat sich der HHI jedoch im Hinblick auf die Analyse von Marktkonzentrationen in Volkswirtschaften, wo der Kennzahl im Kartellrecht eine tragende Rolle bei der Prüfung und Zulassung von horizontalen M&A-Transaktionen zugesprochen wird.[35]

Der HHI untersucht die Marktkonzentration auf Basis der umsatzmäßigen Marktanteile aller MarktteilnehmerInnen, innerhalb desselben Industriesektors, und gibt somit Aufschluss über die Wettbewerbssituation des entsprechenden Sektors.

Zur Berechnung des HHI werden die umsatzmäßigen Marktanteile aller in einem Industriesektor operierenden Unternehmen quadriert und aufsummiert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darstellung 3 : Formel zur Berechnung des Herfindahl-Hirschmann-Index[36]

Der HHI kann einen Wert zwischen 1/n und 1 annehmen, wobei das Ergebnis auf ein Monopol hindeutet, je näher der Wert an 1 liegt. Im Kartellrechtlichen Kontext werden horizontale M&A-Transaktionen hinsichtlich der Veränderung der Marktkonzentration post Exekution des Deals bewertet, d. h. wenn der HHI durch die Transaktion eine vordefinierte Grenze überschreitet, kann die Wettbewerbsbehörde die Zustimmung zur Transaktion verweigern.[37]

3 Mergers & Acquisitions im Krisenumfeld

Ein zentraler Inhalt der vorliegenden Arbeit ist die Untersuchung von antizyklischem M&A, weshalb im Folgenden genauer auf entsprechende Besonderheiten eingegangen wird.

3.1 Transaktionshintergründe

Als M&A werden regelmäßig Transaktionen wie Unternehmenskäufe und –verkäufe, sowie Fusionen, also Unternehmenszusammenschlüsse betitelt, wobei nicht zwischen den Motiven einer Transaktion unterschieden wird.

Strategische M&A-Deals können, bspw. durch die Übernahme eines Konkurrenzunternehmens, das Ziel verfolgen, die Marktmacht zu stärken um somit einen größeren Marktanteil zu bedienen. Krisenbetroffenen Unternehmen bietet ein Zusammenschluss die Möglichkeit ihre Stärken zu bündeln und somit die Krisenfestigkeit zu verbessern. Ist das intrinsische Wachstumspotential einer Unternehmung begrenzt, kann dieses durch externen Zukauf erhöht werden.

Strategische Transaktionen haben das Ziel, Synergieeffekte zwischen den beteiligten Unternehmen zu heben, wobei Synergien im Allgemeinen bspw. Kostenreduktionen, die Verbesserung der Effizienz durch Optimierung der Organisationsstrukturen oder gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsprojekte sein können. An dieser Stelle sei erwähnt, dass manche Konzerne ihre Innovationskraft nahezu ausschließlich auf den Zukauf innovativer Unternehmen stützen und sinngemäß größtenteils auf unternehmensinterne R&D-Abteilungen verzichten.[38]

Neben strategischen Käufern ist M&A-Aktivität auch auf FinanzinvestorInnen, so genannte „Financial Sponsors“ zurückzuführen. In diesem Fall wird meist auf den zu erwartenden Gewinn abgestellt, welcher sich beim späteren Verkauf des Unternehmens realisieren lässt und Bestandteil des Transaktionskonzepts ist. Um den bedungenen Wertzuwachs zu schaffen, wird das Unternehmen in manchen Fällen restrukturiert und mit einem neuen Management ausgestattet.

Ein weiteres Motiv für Akquisitionen kann eine Diversifizierung des Produktportfolios oder des Geschäftsmodells sein, wonach ein Käufer neue Marktsegmente oder Industrien erschließen möchte, um eine etwaige Abhängigkeit zu reduzieren.[39] Hierbei handelt es sich jedoch eher um eine präventive M&A-Strategie, mit der eine Krisensituation nicht korrigiert, sondern vorgebeugt werden soll.[40]

3.2 Gängige Bewertungsmodelle

Im Zuge der Vorbereitung von M&A-Transaktionen gilt es, den Wert einer Unternehmung festzustellen um eine Basis zur Kaufpreisfindung zu schaffen. Hierbei handelt es sich jedoch lediglich um eine Approximation des Unternehmenswertes, da eine vom Zweck losgelöste allgemeine Bewertung nicht möglich ist und daher stets vom Bewertungsanlass abhängt.[41]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darstellung 4 : Übersicht verschiedener Bewertungsmethoden[42]

Bewertungsmodelle können in die drei Kategorien Substanzwertmethoden, Ertragswertmethoden und Marktwertmethoden eingeteilt werden. Weiterhin wird zwischen dem theoretischen und realisierbaren Unternehmenswert unterschieden, wobei die theoretische Wertermittlung durch Bewertungsverfahren rechnerisch ermittelt wird. Der realisierbare Unternehmenswert hingegen stellt eine Momentaufnahme dar, die bei nicht börsengelisteten Unternehmen nur durch einen effektiven Verkauf feststellbar ist.[43]

Weiterhin hängt die Ausprägung der Unternehmensbewertung maßgeblich davon ab, ob diese aus Käufer- oder Verkäufersicht vorgenommen wird. M&A Transaktionen sind Kaufgeschäfte, wonach Käufer und Verkäufer auch hier in einem Interessenskonflikt stehen, da beide Parteien ihrerseits den Erfolg des Deals maximieren möchten.

3.2.1 Entity- vs. Equityansatz

Grundsätzlich lassen sich bei allen Bewertungsverfahren zwei Ansätze verfolgen, der „Equity Approach“ wonach nur die den Eigentümern zustehenden Ertragsströme kapitalisiert werden, sowie der „Entity Approach“ der durch die Bewertung sämtlicher Ertragsströme zunächst den Brutto-Unternehmenswert und letztlich nach Abzug des Fremdkapitals den beabsichtigten Netto-Unternehmenswert ausweist.[44]

3.2.2 Discounted Cash Flow Verfahren

Bei einer Unternehmensbewertung im Rahmen eines DCF-Ansatzes werden zukünftig erwartete Zahlungsüberschüsse, so genannte „Free Cash Flows“, mit einem entsprechend angemessenen Diskontierungssatz auf den Bewertungsstichtag abgezinst.[45] Die DCF-Methode kann nach dem Equity- oder Entityansatz erfolgen, wobei letzterer die Kapitalstruktur durch die Abzinsung mit einem risikoadäquaten, durchschnittlich gewichteten Kapitalkostensatz (WACC) berücksichtigt.

[...]


[1] Vgl. Weber (2009) S. 8 ff.

[2] Vgl. Mankiw/ Taylor (2012) S. 342.

[3] Vgl. Bruyland/ De Maeseneire (2016) S. 1297-1324

[4] Vgl. Kunisch (2009) S. 48.

[5] Vgl. Müller-Stewens/ Günter (2012) S. 48 ff.

[6] Vgl. Lemmon/ Yung-Yu/ Tashjian (2009) S. 15 ff.

[7] Vgl. Weber (2009) S. 8 ff.

[8] Vgl. Schwierholz (2007) S.74.

[9] Vgl. A.T. Kearney (2013) online.

[10] Vgl. Rothenbücher/ Niewiem/ Schrottke (2013) online.

[11] Vgl. Michel (2006) S. 20.

[12] Vgl. Deans/ Kroeger/ Zeisel (2002) online.

[13] Vgl. Clement/ Terlau/ Kiy (2013) S. 150.

[14] Vgl. Friedman (2016) S. 3 ff.

[15] Vgl. Bofinger (2011) S.273.

[16] Vgl. Baßeler/ Heinrich/ Utecht (2006) S. 885 ff.

[17] Vgl. Bofinger (2011) S. 607.

[18] Vgl. Bofinger (2011) S. 574.

[19] Vgl. Bofinger (2011) S. 570.

[20] Vgl. Scitovsky (2010) S. 14.

[21] Vgl. Jäger/ Springler (2012) S. 47

[22] Jäger/ Springler (2012) S. 52.

[23] Vgl. Jäger/ Springler (2012) S. 49 ff.

[24] Jäger/ Springler (2017) S. 38.

[25] Vgl. Jäger/ Springler (2012) S. 52.

[26] Vgl. Eisenbarth/ Meckl (2014) S. 547 ff.

[27] Vgl. Gort (1969) S. 624 ff.

[28] Vgl. Harford (2005) S. 529 ff.

[29] Vgl. Sevignani (2016) S. 2.

[30] Jäger/ Springler (2012) S. 85.

[31] Vgl. Sewell (2012) online.

[32] Vgl. Jäger/ Springler (2015) S.35.

[33] Vgl. Jäger/ Springler (2012) S. 80.

[34] Vgl. Jäger/ Springler (2012) S. 80.

[35] Vgl. Fotis/ Zevgolis (2016) S. 131.

[36] Vgl. Matsumoto/ Merlone/ Szidarovszky (2012) S. 182.

[37] Vgl. Foissner (2017) o.S.

[38] Vgl. Philips/ Zhadnov (2013) S. 34 ff.

[39] Vgl. Hornstein/ Nguyen (2014) S.76 ff.

[40] Vgl. Strasser (2017) o.S.

[41] Vgl. Moxter (1991) S. 6.

[42] Vgl. Gantenbein /Gehrig (2007) S. 603.

[43] Vgl. Schubert/Meli/Jauch/Rudin/Andermatt (2012) S. 20.

[44] Vgl. Schubert/Meli/Jauch/Rudin/Andermatt (2012) S. 25.

[45] Vgl. Deter (2005) S. 44.

Ende der Leseprobe aus 55 Seiten

Details

Titel
Eine Analyse krisengetriebener Konsolidierung und antizyklischer M&A-Aktivität kapitalmarktorientierter Unternehmen und deren Einfluss auf den Wettbewerb
Hochschule
Fachhochschule des bfi Wien GmbH
Veranstaltung
Seminar Volkswirtschaftslehre: Die europäische Krise im Kontext internationaler Entwicklungen
Note
1,33
Autor
Jahr
2017
Seiten
55
Katalognummer
V366712
ISBN (eBook)
9783668461789
ISBN (Buch)
9783668461796
Dateigröße
2533 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Führen Krisen zu konzentrierteren Märkten und welche Rolle spielen krisengetriebene Mergers & Acquisitions hierbei?
Schlagworte
M&A, Marktkonzentration, Herfindahl Index, HHI, Kapitalmarkt, Distressed M&A, Antizyklisches M&A, Mergers & Acquisitions, Mergers&Acquisitions, Unternehmenskauf, Unternehmensverkauf, Unternehmensinsolvenz, Financial Crisis, Finanzkrise, Wettbewerb, Monopol, Marktmacht, Distressed Mergers, Distressed Acquisition, Restrukturierung, Restructuring, Private Equity, Synergien, Synergies, Bloomberg, Mergermarket.com, Mergermarket, Equity, SME, debt, consolidation, Konsolidierung, Krise, Liquidität, Liquiditätsengpass, Financial distress, Distress, Market share, Marktanteil, Tier 1, Tier 2, Utilities, Energy, Consumer discretionary, Consumer staples, Investmentbanking, Investment banking, Transaktionen, Corporate finance, M&A transaktions, M&A Transaktionen, advisory, investments, Investition, Aktien, Share deal, Asset deal, Buy out, Management, Risk management, financing, Finanzierung, Refinanzierung, Refinancing
Arbeit zitieren
Josef Osterhammer (Autor), 2017, Eine Analyse krisengetriebener Konsolidierung und antizyklischer M&A-Aktivität kapitalmarktorientierter Unternehmen und deren Einfluss auf den Wettbewerb, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/366712

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