Design oder Usability? Diese Arbeit untersucht und vergleicht die beiden Ansätze der Webseitengestaltung und versucht vor allem die Gründe und Ursachen des bestehenden Konfliktes der Methoden zu hinterfragen. Bereits bei der Recherche nach relevantem Informationsmaterial wird eines deutlich: Die Fronten sind eindeutig geklärt. Auf der einen Seite stehen die Designer, die den Erfolg von Webseiten darin sehen, den Nutzer zu überraschen und sich ihm einzuprägen. Usability-Experten hingegen glauben, eine Webseite ließe sich nur rentabel anbieten, indem man die Wünsche der Kunden möglichst schnell und unkompliziert erfüllt. Vielleicht ist auch eine Annäherung deshalb so schwer, weil nicht einmal die Zielvorgaben beider Parteien dieselben sind. Der erstgenannte Ansatz misst seinen Erfolg wohl nicht in Umsatz oder sonstigen wirtschaftlichen Größen, sondern in Image und Erkennungswert. Nun drängt sich dem Leser wohl schon das nahe Liegende auf: Man kann wohl beiden Seiten zustimmen, ohne darin einen echten Konflikt zu sehen, denn das eine steht fest: Es gibt wohl so viele Intentionen eine Webseite zu betreiben, wie es auch Seiten selbst gibt und diese Ziele muss jeder Anbieter neu und individuell für sich festlegen und verfolgen. In den seltensten Fällen wird „Schwarz“ oder „Weiß“ gewünscht. Es geht wohl in 99% aller Fälle um Seiten, die ein ausgewogenes Verhältnis von beiden Ansätzen beinhalten und in sich vereinen sollten. Die Zweiseitigkeit der Anforderungen ist inzwischen auch den meisten Experten auf beiden Gebieten bewusst geworden. Die Mehrheit der Designer ist sich darüber im Klaren, dass bestimmte Usability-Gesichtspunkte zu berücksichtigen sind und Usability- Experten wissen auch, dass eine völlig unästhetische Gestaltung, die aber an Nutzerfreundlichkeit nicht zu überbieten ist, auch nicht vom User akzeptiert werden wird. Nur einige wenige, aber dafür sehr populäre Vertreter stilisieren die Diskussion zu einem Glaubenskrieg. In dieser Arbeit soll es also nicht um ein Entweder-oder gehen, sondern eher um eine Untersuchung der Vor- und Nachteile beider Verfahren und den Versuch einer Annäherung. Hierzu werden die Ansätze vorgestellt und danach ein Vergleich der beiden Methoden angestrebt und besonders die Positionen angesprochen, bei denen gegensätzliche Vorstellungen und Zielsetzungen auftreten, um herauszufinden, wo wirkliches Konfliktpotenzial zu finden ist und evtl. die Möglichkeit zur Angleichung besteht. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung, Definitionen und Eingrenzung
1.1. Einleitung
1.1.1. Zum Aufbau dieser Arbeit
1.2. Definitionen
1.2.1. Homepage
1.2.2. Interface
1.2.3. Site / Website
1.2.4. Web Page
1.3. Eingrenzung des Untersuchungsgebietes
2. Usability vs. Design
2.1. Der Usability-Ansatz
2.1.1. Usability-Testing
2.1.2. Beispiel für eine Usability-orientierte Webseite:
2.2. Der Design-Ansatz
2.2.1. Besonderheiten des Web Design in Abgrenzung zum Grafikdesign
2.2.2. Beispiel für eine Design-orientierte Webseite
2.3. Gegenüberstellung der Gestaltungsansätze Usability und Design
2.3.1. Annäherung der Ansätze
2.4. Überleitung
3. Motive der Internetnutzung
3.1. Einführung
3.2. Warum wird das Internet genutzt?
3.3. Wofür wird das Internet genutzt?
3.4. Was beeinflusst die Nutzung?
3.4.1. Nutzerspezifische Merkmale
3.4.2. Zeitpunkt der Nutzung
3.4.3. Technische Gegebenheiten
3.4.4. Ort der Nutzung (Zuhause oder am Arbeitsplatz)
3.4.5. Situative Faktoren
3.5. Zusammenfassende Betrachtung der Nutzerstrukturen
3.6. Überleitung
4. Test der Webangebote von Fernsehsendern
4.1. Problemfelder
4.2. Testaufbau
4.2.1. Testmethode 1 – Web Usability Index (WUI)
4.2.2. Testmethode 2 – Design-Fragen
4.3. Testumgebung
4.3.1. Testpersonen
4.3.2. Rahmenbedingungen des Testings
4.3.3. Zu untersuchende Seiten
4.4. Ziele des Testings
4.5. Ergebnisse der Untersuchung
4.6. Wesentliche Ergebnisse der Untersuchung im Gesamtüberblick
4.6.1. Hypothesen
4.7. Überleitung
5. Leistungsfähigkeit der Untersuchungsmethoden
5.1. WUI
5.1.1. Instrumentimmanente Kritik
5.1.2. Anwendungsbezogene Kritik
5.2. Design-Fragen
5.3. Zusammenfassung und Überleitung
6. Abschließende Zusammenfassung und Ausblick
6.1. Fazit
6.2. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen den beiden Gestaltungsansätzen "Usability" und "Design" bei Webseiten. Ziel ist es, die Gründe für den methodischen Konflikt zwischen diesen Ansätzen zu hinterfragen, die Validität bestehender Testmethoden (insbesondere des Web Usability Indexes) kritisch zu prüfen und durch einen empirischen Vergleich mittels eines zweiten, designorientierten Testverfahrens eine fundiertere Bewertungsgrundlage zu schaffen.
- Vergleichende Analyse der Ansätze "Usability" und "Design"
- Untersuchung von Nutzerstrukturen und Internet-Nutzungsmotiven
- Empirische Testreihe an 14 Webseiten von Fernsehsendern
- Kritische Evaluation der Leistungsfähigkeit von Web-Usability-Testmethoden
- Erörterung von Lösungsansätzen zur Versöhnung beider Gestaltungsansätze
Auszug aus dem Buch
2.1. Der Usability-Ansatz
Die DIN EN ISO Norm 9241 Teil 11 (1998) definiert den Begriff Usability folgendermaßen: „Usability ist die Effektivität, Effizienz und das Ausmaß der Zufriedenheit, mit denen bestimmte Benutzer spezifizierte Ziele in vorgegebenen Umgebungen erreichen.“7 Übersetzt man den Begriff wörtlich aus dem Englischen, ergibt sich „use ability“, also die Fähigkeit, etwas zu benutzen. Allerdings geht bei der simplen Übersetzung ins Deutsche der enge Zusammenhang zu den Begriffen Usefulness (engl. für Nützlichkeit) und Utility (engl. für Nutzen) verloren. Deshalb konnte sich der englische Begriff auch in Deutschland etablieren.8
Es geht also darum, es dem User zu ermöglichen, möglichst schnell und leicht ein Produkt zielgerichtet zu gebrauchen, zu nutzen bzw. anzuwenden, ohne ihn dabei zu frustrieren.9
Den Begriff Usability gibt es schon seit den 70er Jahren. Er gewann seine wirkliche Beachtung aber erst mit der Entwicklung des Internet10, denn durch die täglich wachsende Zahl von Websites nimmt auch der Orientierungsbedarf der Nutzer stetig zu. Klaus C. Hofer bringt die Bedeutung von Usability in Webangeboten folgendermaßen zum Ausdruck:
„Aufgrund des interaktiven Charakters des Mediums Internet ist ein Web-Angebot immer abhängig von der Bereitschaft des Anwenders zur aktiven Nutzung. Ziel des Anbieters muss es also sein, bei seiner Zielgruppe eine möglichst dauerhafte Nutzungsbereitschaft zu erzeugen. Keine leichte Aufgabe, denn gerade das WWW bietet dem Anwender Selektionsmöglichkeiten in bisher unbekanntem Ausmaß. […] Ohne Aufwand und Mehrkosten kann der User bei Nichtgefallen zu einem anderen Anbieter wechseln – denn: „Das nächste viel versprechende Angebot liegt nur einen Mausklick entfernt.““11
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung, Definitionen und Eingrenzung: Einführung in die Thematik der Webseitengestaltung, Definition zentraler Begriffe sowie Festlegung des Untersuchungsrahmens auf Fernsehsender.
2. Usability vs. Design: Theoretische Gegenüberstellung des Usability-Ansatzes und des Design-Ansatzes mit Analyse ihrer Ziele, Konflikte und Annäherungsmöglichkeiten.
3. Motive der Internetnutzung: Untersuchung der Nutzerstrukturen, der Beweggründe für die Internetnutzung sowie der Einflussfaktoren, die das Nutzungsverhalten prägen.
4. Test der Webangebote von Fernsehsendern: Empirische Testreihe mittels WUI und einer ergänzenden Design-Befragung an 14 Webseiten von Fernsehsendern zur kritischen Analyse der Methoden.
5. Leistungsfähigkeit der Untersuchungsmethoden: Kritische Reflexion der im Test verwendeten Untersuchungsmethoden hinsichtlich ihrer instrumentimmanenten und anwendungsbezogenen Validität.
6. Abschließende Zusammenfassung und Ausblick: Zusammenführung der Ergebnisse, Diskussion der Ausgangsfragestellung und Ausblick auf zukünftige Forschungsbedarfe.
Schlüsselwörter
Usability, Design, Webseiten, Internetnutzung, Web Usability Index, Nutzerfreundlichkeit, Screendesign, Nutzertests, Fernsehsender, digitale Medien, User Experience, Gestaltungsansätze, Interaktion, Informationsmanagement, Online-Studie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den methodischen Konflikt zwischen Usability-orientierter und designorientierter Webseitengestaltung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf dem theoretischen Verständnis beider Ansätze, dem Einfluss von Nutzersituationen und einer empirischen Überprüfung bestehender Testverfahren.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, ob die Ansätze Usability und Design im Widerspruch zueinander stehen oder komplementär harmonieren, und die Aussagekraft gängiger Usability-Tests zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Kombination aus Literaturanalyse und einem empirischen, zweistufigen Testverfahren an ausgewählten Webseiten von Fernsehsendern angewandt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Definition, die Nutzeranalyse sowie die detaillierte Durchführung und Auswertung der Testreihen (WUI und Design-Fragen).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen zählen Usability, Webdesign, Nutzerstruktur, Web Usability Index (WUI), Screendesign und Online-Rezeption.
Wie bewerten die Probanden die Nachrichtenseite des ZDF (heute.t-online.de) im Vergleich zu n-tv?
Die Nachrichtenseite des ZDF wird als professioneller, seriöser und angenehmer eingestuft, während das Angebot von n-tv oft auf Antipathie stößt und als überladen wahrgenommen wird.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der beiden Gestaltungsansätze?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass es keine endgültige Antwort gibt, da Nutzer und Anbieter zu vielfältig sind und jede Webseite als individueller Einzelfall betrachtet werden muss.
- Citation du texte
- Jana Wardag (Auteur), 2004, Usability und Design - Gegenüberstellung zweier Ansätze der Webseitengestaltung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36671