Die Psychologie des Kinderspiels. Warum ist das Spiel für die kindliche Entwicklung wichtig?


Hausarbeit, 2015
21 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition des Kinderspiels
2.1 Spieltheorien
2.2 Warum spielen Kinder?
2.3 Realistik und Phantasie im Kinderspiel

3. Spielformen und ihre Funktionen im Kinderspiel
3.1 Funktionen des Spiels
3.2 Spielen, Lernen und Arbeiten

4. Traumaverarbeitung von belastenden Erfahrungen

5. Fazit

6. Quellen

1. Einleitung

Das Thema meiner Hausarbeit ist die Psychologie des Kinderspiels. Damit verbunden werde ich der Frage nach gehen, warum das Kinderspiel wichtig ist für die kindliche Entwicklung.

Das Kinderspiel, ist eine grundlegende und für die Entwicklung unverzichtbare Verhaltens- weise der Kinder (vgl. Piaget, 1995), welches auf den Folgenden Seiten der Hausarbeit ü- berprüft und ausführlich dargestellt wird. Es ist ein soziales Thema, bei dem jeder mitspre- chen kann, jeder war einmal Kind, hat selber Kinder oder Kinder in näherer Umgebung. Doch wie komplex und wichtig das Spiel für die Kinder wirklich ist, wird erst bei genauerer Betrach- tung des Themas deutlich. In der Uni begann das Thema Kinderspiel mit der Bitte dieses zu Definieren und die eigene Vorstellung darzulegen. Es fiel nicht schwer treffende Worte zu finden, dies jedoch in eine Schlüssige Definition von ein paar Sätzen zu fassen, in der alle wichtigen Aspekte vorhanden sind, dagegen schon. Es wurden offensichtliche Punkte wie Freude, Freiheit und Freiwilligkeit genannt. Im späteren Verlauf der Seminare kamen sehr viel mehr Aspekte hinzu. Ich habe nach und nach erfahren, wie Komplex und wichtig das Thema ist, was mich zu der Entscheidung geführt hat, mich in meiner Hausarbeit mit dem Thema der Psychologie des Kinderspiels und der damit verbundenen Wichtigkeit für die kindliche Entwicklung, auseinander zu setzen.

Das Ziel meiner Arbeit ist einen guten Überblick über das komplexe Thema zu geben und vor allem Aspekte zu nennen, die diese Wichtigkeit verdeutlichen und klar machen welchen Stellenwert das Spiel im Leben der Kinder hat.

Den Beginn der Hausarbeit macht das Zitat zur Definition des Kinderspiels von Huizinga, das zum einen für ein besseres Themenverständnis sorgt und zum anderen schon wichtige As- pekt anspricht, die im weiteren Verlauf der Arbeit erläutert werden. Durch Ergänzungen and- derer Zitate erhält man hier schon einen umfassenden Eindruck über die Vielseitigkeit des Spiels. Die Spieltheorien von Wygotsky, Piaget und Freud stellen genaue Vorstellungen die- ser Theoretiker zum Thema dar. Gefolgt von der Frage, warum Kinder spielen und der Real- istik und Phantasie im Kinderspiel, bilden diese Themen den ersten Teil der Hausarbeit.

Darauf aufbauend werde ich im zweiten Teil verschiedene Spielformen und Funktionen des Spiels nennen und sie hinsichtlich ihrer Auswirkung auf die kindliche Entwicklung prüfen. Der Unterschied zwischen Spielen, Lernen und Arbeiten verdeutlicht, wozu das Spiel eigentlich dient und wo genaue Unterschiede, Überschneidungen und sogar gegenseitig unterstützen- de Funktionen bestehen.

Anschließend bildet das Thema der Traumaverarbeitung den dritten Teil, der noch einmal eine komplett andere Sicht auf das Kinderspiel zeigt. Eine die man gerne ausblenden möchte, die für die Entwicklung des Kindes jedoch von sehr großer Bedeutung ist.

Zuletzt wird ein Fazit gezogen, in dem alle Aspekte zusammen gefasst und auf die Bedeutung der kindlichen Entwicklung bezogen.

2. Definition des Kinderspiels

„Spiel ist eine freiwillige Handlung oder Beschäftigung, die innerhalb gewisser festgesetzter Grenzen von Zeit und Raum nach freiwillig angenommenen, aber unbedingt bindenden Regeln verrichtet wird, ihr Ziel in sich selber hat und begleitet wird von einem Gefühl der Spannung und Freude und einem Bewusstsein des Andersseins‘ als das gewöhnliche Leben.“ (Huizinga 1972, zit. n. Renner 2008, 31)

Dieses Zitat Huizingers dient der Veranschaulichung und Verdeutlichung des Themas. Das Kinderspiel wird in seiner Definition treffend erklärt und beinhaltet sechs Hauptmerkmale die das Kinderspiel ausmachen, weshalb es im Folgenden genauer untersucht und erläutert wird.

„Spiel ist eine freiwillige Handlung oder Beschäftigung [...]“ (Huizinga 1972, zit. n. Ren- ner 2008, 31) Die Freiwilligkeit der Spielhandlung ist in den meisten Definitionen leitender Gedanke und stellt einen wichtigen Punkt dar, die den Spiel ausmacht. Eltern können die Kinder gewissermaßen zum Auffordern, indem sie sagen „geh bitte Spielen“, jedoch können sie nicht bestimmen, was gespielt wird und mit welchen Gegenständen. Hierdurch wird das Spiel untrennbar von der Freiwilligkeit (vgl. Mogel 1991, 38 f.). Denn das ein Spiel frei ist, wird sichtbar in der Möglichkeit zu wählen, ohne dabei beeinflusst zu werden. Im Spiel hat das Kind keine Verantwortung und keine Konsequenzen zu erwarten, weshalb das Kind frei ist und beruhigt spielen kann, was es gerade möchte. Man muss genau unterscheiden, denn das Spiel hat in diesem Zusammenhang keine Zwecke, auf die es ausgerichtet ist, kann je- doch trotzdem zweckvolle Zusammenhänge enthalten (vgl. Renner 2008, 51).

„Die Freiwilligkeit des Spielens kann hinsichtlich ihrer Funktion für die psychische Entwicklung nicht hoch genug eingeschätzt werden. Etwas freiwillig, selbstständig aus eigenem Antrieb zu tun, ist ein Grundpfeiler der persönlichen, der eigenen, auf eine Sache von sich selbst aus bezogenen (= intrinsischen) Motivation.“ (Mogel 1991, 39)

Jedoch enthält die Freiheit bei genauerer Betrachtung einige Einschränkungen. Das Kind bestimmt zwar was es spielt, mit welchen Gegenständen es spielt und es definiert seine Zie- le im Spiel, jedoch kann es durch verschiedene Faktoren in seiner Freiheit eingeschränkt und unbewusst gelenkt werden. Dazu gehören die Spielsachen und Gegenstände. Denn die werden vom Kind schon als vorgegeben angesehen und sind durch ihre materiellen Gege- benheiten in gewisser Weise anleitend für das was mit ihnen gespielt werden kann. Beim zweiten Punkt handelt es sich um den Vergangenheitsbezug, bei dem alle Erlebnisse des Kindes eine Rolle spielen und das Spiel durch die persönliche Vorerfahrung gelenkt wird. Durch die Erfahrungen des Kindes werden bestimmte Spielgegenstände eher ausgewählt oder nicht beachtet, was auch dazu führt das das Kind unbewusst in bestimmte Richtungen gelenkt wird. Der Zukunftsbezug ist der dritte Punkt, der das Spielen dadurch beeinflusst, dass Kinder sich bestimmte Ziele setzen, die sie erreichen möchten und somit anderes spie- len als andere Kinder. Als letztes spielt die Umwelt eine entscheidende Rolle, die Spielen zulassen muss, in dem sie Spielzeiten, -räume, -gegenstände und -plätze ermöglicht (vgl. Mogel 1991, 46). Wo wir beim nächsten Punkt sind, den Grenzen von zeit und Raum.

„[...] innerhalb gewisser festgesetzter Grenzen von Zeit und Raum [...]“ (Huizinga 1972, zit. n. Renner 2008, 31) Die Grenzen von Zeit und Raum sind bedeutend, da Spielen ohne beides nicht möglich wäre. Vor allem kann die Eingrenzung von Zeit und Raum durch Eltern oder andere Betreuungs- und Erziehungspersonen stattfinden auf welche das Kind keinen Einfluss besitzt (vgl. Mogel 1991, 138). Wenn ein Kind nicht die Zeit zum Spielen erhält, so kann es seine inneren Beziehungen zur äußeren Welt nicht so intensiv entwickeln, wie wenn es genügend Zeit zur Verfügung gestellt bekommt (vgl. Mogel 1991, 138).

Der Erwachsene kann durch dieses Wissen also positiv auf das Spielverhalten des Kindes eingehen, indem er Räume optimiert und genau überlegt, wann es Sinn macht ein Spiel zu unterbrechen und wann es für das Kind besonders wichtig und schön ist weiter spielen zu dürfen. Jedoch muss das Spiel nicht den kompletten Alltag bestimmen. Das Kind lernt nicht nur im Spiel, sondern auch in anderen täglichen Situationen, weshalb sowohl das Kind, als auch das Spiel durch Unterbrechungen keinen Schaden nehmen (vgl. Mogel 1991, 138).

Nach dem zweiten Weltkrieg haben sich die Lebens und Arbeitsbedingungen stark verän- dert, was zu einem Zeit und Spielraum Problem führte. Durch die Veränderung von Umwelt- bedingungen sowie Familienbildern und sinkenden Kinderzahlen haben die Kinder weniger Möglichkeiten sich ihre Spielräume und Zeiten selbst auszusuchen. Straßen stehen kaum noch als Spielraum zur Verfügung, die Eltern Arbeiten meist in großer Entfernung zu dem Aufenthaltsort ihrer Kinder. Um Spielplätze aufzusuchen bedarf es der Zeit der Eltern, die das Kind begleiten. Weshalb Institutionen und andere Bezugspersonen hierbei die jenigen sind, die das Zeit und Raumverfügen der Kinder planen und bestimmen. Die Kinder haben so nicht die Möglichkeit selbst zu entscheiden, wann sie wo spielen wollen. Lediglich in den Schlaf- und Freizeitstädten, zwischen den Zeiträumen in denen die Erwachsenen kommen und gehen, haben die Kinder die Möglichkeit „frei“ zu spielen (vgl. Renner 2008, 169 ff.).

„[...] nach freiwillig angenommenen, aber unbedingt bindenden Regeln verrichtet wird [...]“ (Huizinga 1972, zit. n. Renner 2008, 31) bei diesem Abschnitt geht es um die Regeln die bestimmte Spielformen kennzeichnen. Wie die Regelspiele nach Jean Piaget. Die sen- somotorischen Kombinationsspiele, wie Lauf-, Murmel-, oder Ballspiele oder die intellektuel- len Kombinationsspiele wie das von Generationen überlieferte Schach- oder Kartenspiel sind mit einem Wettstreit zwischen den Individuen verbunden. Dabei werden die Regeln durch Normen von Generation zu Generation überliefert, oder durch im Augenblick getroffene Ab- sprachen festgehalten. (vgl. Piaget 2003, 185) Bei dieser Spielform sind Regeln unbedingt bindend, da sonst das Spiel keinen Sinn macht und nicht von jedem Spieler gleichermaßen ausgeführt werden kann. Auch bei anderen Spielformen, wie dem Rollenspiel sind Regeln notwendig, da sonst bei Spielen wie Vater, Mutter, Kind, der Vater auf einmal das Kind sein würde.

„[...] ihr Ziel in sich selber hat [...]“ (Huizinga 1972, zit. n. Renner 2008, 31) Das Ziel in sich selbst ist ein Wesensmerkmal des Spiels, was vielleicht selbstverständlich klingt, es je- doch nicht immer ist. Kahl Bühler begründet die kindliche Spieltätigkeit rein aus der Lust und Freude am Spiel, ohne dabei äußere Zwecke zu verfolgen. Diese Sichtweise auf das Spiel ist erst seit Bühler verbreitet und konnte auch in der Wissenschaft Fuß fassen. Dabei ist die Funktionslust im Spiel die treibende Kraft. (vgl. Mogel 1991, 25). Dabei ist das Handeln im Spiel frei von äußeren Zwecken und besitzt keine existenzielle Notwendigkeit. (vgl. Renner 2008, 31) Um das Spiel zu erläutern muss man nicht mehr nach einem Erklärungsprinzip suchen, es kann davon ausgegangen werden, dass es zu den Ursprungsphänomenen des Lebens gehört. Das einzige Ziel des Spiels ist demnach also die Spielfreude. (vgl. Flitner 1996, 29).

„Spiel verfolgt keinen außerhalb seiner selbst liegenden Zweck. Es ist dadurch von der Arbeit, vom Kampfe ums Dasein, von der Not, der Sorge, vom Ernst und den Objektiven Wer- und Zweckzuordnungen abgehoben.“ (Scheuerl 10/1977 zit n. Renner 2008, 49 f.)

Die Ernsthandlungen sind durch wesentliche Merkmale vom Spiel getrennt. Die Handlungs- strukturen von Ernsthandlungen sehen wie folgt aus: Zuerst bedarf es vorhandener oder ge- steckter Ziele, die die Spielmotivation darstellen. Dann folgen die eigentlichen Handlungen, die anschließenden Ergebnisse dieser Handlungen und den daraus resultierenden Folgen. Bei den Spielhandlungen sehen die Handlungsstrukturen ähnlich aus, mit einem dennoch entscheidenden Unterschied: Es gibt ebenfalls Ziele, auch folgen die Handlungen und diese führen zu einem Ergebnis, jedoch fehlen hier die Folgen. Deshalb ist das Spiel eine Aktivität, bei der es keine existenzielle Notwendigkeit bedarf. So ist es dem Kind möglich zu spielen, ohne in der Realität Folgen verantworten zu müssen (vgl. Renner 2008, 50).

„[...] begleitet wird von einem Gefühl der Spannung und Freude [...].“ (Huizinga 1972, zit. n. Renner 2008, 31) Spannung und Freude sind mit dem Spiel verbunden, da Kinder al- leine aus dieser Motivation heraus spielen. Bei der Freude die im Spiel so wichtig ist, können wir von dem Aktivierungszirkel sprechen, den das Kind als ausgesprochen lustvoll empfindet. Hierbei handelt es sich zum Beispiel um „Hoppe-hoppe-Reiter“, oder Hochwerfen und Auf- fangen. Das Spiel wird hier zu den Zweckfreien Tätigkeiten gezählt, die lediglich durch ihr eigenes Anregungspotenzial ausgeführt werden (vgl. Oerter 2008, 246). Anders als für Er- wachsene ist für die Kinder das Ergebnis ihrer Handlung nur zweitrangig. Wenn sie die Haa- re einer Person kämmen, dann nicht um die Frisur zu verbessern, sondern aus der Freude am Kämmen selber heraus. (Zimpel 2013, 41) Johann Huizinga ist der Annahme, dass Kin- der aus der reinen Lust und Freude heraus spielen und nicht weil sie es müssen (vgl. Renner 2008, 49). So hängt der Selbstzweck im Spiel mit der Freude und Spannung eng zusammen. Denn gerade durch die Spannung und Freude die im Spiel entsteht, wird zu einer freien Handlung ohne äußere Zwecke. „[...] und einem Bewusstsein des Andersseins‘ als das gewöhnliche Leben.“ (Huizinga 1972, zit. n. Renner 2008, 31) Das Anderssein kann man am Rollen spiel erläutern. Kindern ist es möglich spielerisch eine andere Figur und Rolle einzunehmen und so aus dem gewöhnlichen Leben herauszutreten um etwas anderes testen zu können. Auf das Rollenspiel wird bei den Spielformen unter Punkt 3 noch einmal ausführlich eingegangen.

Alle sechs Aussagen zusammengefasst erhält man hier schon einen sehr guten Überblick über einige wichtige Aspekte im Kinderspiel. Alle sechs Aspekte bauen aufeinander auf und sind untrennbar mit einander verbunden. Die Freiwilligkeit des Spiels in Kombination mit den freiwillig angenommenen aber bindenden Regeln in bestimmten Spielformen entstehen alle aus der Spannung und Freude heraus, weshalb sie ihr Ziel in sich selber haben und bei dem die Kinder die Möglichkeit erhalten aus ihrem Leben herauszutreten und anders sein zu kön- nen. All das funktioniert nur, wenn der Spielraum und die Spielzeit von Erwachsenen zur Ver- fügung gestellt und beachtet wird.

Spätestens hier wird klar, wie komplex und bedeutend dieses Thema ist. Dazu muss gesagt werden, dass sehr viele verschiedene Spieldefinitionen existieren, jedoch bis heute keine Einheitliche vorhanden ist (vgl. Flitner 1996, 75). Im Folgenden werden weitere Definitionen angeführt, um das Ausmaß der Bedeutung und der Vielschichtigkeit des Spiels zu verdeutlichen und Huizingers Definition gegenüber gestellt.

Weitere Definitionen

Im Gegensatz zu Huizinga, der den Inhalt des Spiels sehr undefiniert und offen lässt, findet sich im folgenden Zitat eine konkrete Vorstellung, von dem was Kinder spielen und zu wel- chem Zweck.

„Den Inhalt des Spiels bildet das, was das Kind als zentrales, als charakteristisches Moment der Tätigkeit von Erwachsenen und der Beziehung zwischen ihnen bei der Arbeit und im gesellschaftlichen Leben reproduziert. (Elkonin 1980 zit. n. Wegener-Spöhring 1995, 48 f.)

Hier wird das Spiel als realitätsorientierte Verhaltensweise erklärt. Da Elkonin davon ausgeht, dass im Kinderspiel lediglich Szenen nachgespielt werden, die das Kind in der Realität und vor allem bei Erwachsenen gesehen hat. Vor allem spielen sie das nach, was die Erwachsenen zwischen der Arbeit und dem gesellschaftlichen Leben darstellen. Das bedeutet, sie spielen weder Phantasievoll, noch Zweckfrei, es wird eher verstanden als eine Handlung zur Vorbereitung auf das gesellschaftliche Leben und die Arbeit.

Huizinga definiert das Spiel dagegen als Zweckfreie Tätigkeit des Kindes die lediglich zur Freude gespielt wird, in dem sich die Kinder die Regeln selber setzen und etwas sein können, was sie gerade möchten. Auch hier sind die Kinder in gewissem Maße abhängig von der Arbeit der Eltern, jedoch nur wenn es um die Spielzeiten und Räume geht, nicht im Bezug auf eine Vorbereitung auf die Zukunft.

Sowohl Huizinga, als auch Elkonin haben ein sehr fröhliches Bild vom Kinderspiel. Eine ganz andere Ansicht hat Lili Peller, welche den Fokus auf die Angstbewältigung legt und so ein Thema anspricht, das viele bei dem Gedanken an das Kinderspiel nicht bedenken.

„[...] Es ist ein Versuch, Angst und Beeinträchtigung zu kompensieren, Lustgewinn zu erzielen und zwar bei einem minimalen Risiko an Gefahren oder auch nicht wieder gutzumachenden Folgen“ (Peller 1981 zit. n. Wegener-Spöhring 1995, 39)

Der Aspekt der Angstkompension stellt eine ganz eigene Kategorie dar und wird auf nachfolgenden Seiten unter Punkt 4 in der Traumabewältigung intensiv behandelt, weshalb hier nicht genauer darauf eingegangen wird.

2.1 Spieltheorien

Spieltheorien gibt es viele, jedoch keine in sich geschlossene und allgemein gültige. (vgl. Renner 2008, 64) Im Folgenden nenne ich drei häufig genannte Theorien, die jeweils unterschiedliche Ansichten auf das Kinderspiel beinhalten.

Theorie von Siegmund Freud: Wunscherfüllung und Katharsis

Siegmund Freund entwickelte keine eigene Spieltheorie, legt seinen Schwerpunkt hierbei jedoch auf die wunscherfüllende Funktion. Im Spiel spricht Freud vom „Lustprinzip“ und außerhalb des Spiels vom „Realitätsprinzip“ (vgl. Oerter 2008, 238).

„Das Spiel erlaubt dem Kind, den Zwängen der Realität zu entfliehen und ermöglicht das Ausleben tabuisierter Impulse, vor allem Aggressiver Bedürfnisse.“ (Oerter 2008, 238)

Bei der Katharsishypothese spielt die Wunscherfüllung eine bedeutende Rolle. Bei ihr geht es um die Bewältigung von Problemen und unerlaubten Triebwünschen. Im Spiel können die Kinder diese ausleben wodurch eine „Reinigung“ entsteht und das Kind anschließend von seinen Ängsten befreit wird (vgl. Oerter 2008, 238). Mit der Katharsis ist also eine Reinigung und Abreaktion gemeint. Bezieht man die Katharsishypothese auf aggressive Spiele so kann man die These als widerlegt ansehen, da in dieser Form des Spielens die Aggressivität nicht abreagiert oder „gereinigt“ wird, sondern verstärkt werden kann. Im Bezug auf die Bewälti- gung von nicht verarbeiteter Alltagserfahrungen und Problemen durch Wiederholung, erhält diese Hypothese jedoch auch heute noch Gültigkeit (vgl. Oerter 2008, 238).

Theorie von Piaget: Assimilation und Akkumodation

Spiel ist für Piaget eine Technik der Weltaneignung. Sich gezielt Dinge anzueignen und andere wegzulassen ist eine Methode der Erwachsenen. Das Kind bewältigt die Einflüsse, in dem es durch das Spielen Abstand zur Realität gewinnt und sich so lange mit den Einflüssen auseinander setzt, bis es sich diese angeeignet hat (vgl. Flitner 1996, 61).

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Psychologie des Kinderspiels. Warum ist das Spiel für die kindliche Entwicklung wichtig?
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
21
Katalognummer
V366766
ISBN (eBook)
9783668453258
ISBN (Buch)
9783668453265
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
psychologie, kinderspiels, warum, spiel, entwicklung
Arbeit zitieren
Janna Matern (Autor), 2015, Die Psychologie des Kinderspiels. Warum ist das Spiel für die kindliche Entwicklung wichtig?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/366766

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