Der vorliegende Auszug des wissenschaftlichen Textes aus „Im Netz des Indra“ von Annette Wilke und Esther Maria Guggenmos, aus dem siebten Band der Veröffentlichungen des Centrums für Religiöse Studien Münster, befasst sich unter anderem mit der neuen Disziplin der Religionsästhetik.
Der Untertitel „Das Museum of World Religions, sein buddhistisches Dialogkonzept und die neue Disziplin Religionsästhetik“ und der Begriff des „Indra“, verweisen auf die Auseinandersetzung mit der vedischen und somit der ältesten nachweisbaren Religion Indiens.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Museum of World Religion
3. Die Religionsästhetik als neues Forschungsfeld
3.1. Der Cultural Turn
3.2. Der Iconic Turn
4. Das Verhältnis von Religionsästhetik und Religionssemiotik
5. Analyse des Museums
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, das im Rahmen der Religionswissenschaft neu entstehende Forschungsfeld der Religionsästhetik anhand des "Museum of World Religions" in Taipeh zu untersuchen. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sich moderne Religionsformen, die Einbindung von Sinnen und Medien sowie das Dialogkonzept des Museums innerhalb dieses neuen wissenschaftlichen Ansatzes theoretisch und praktisch verorten lassen.
- Grundlagen und Diskurse der Religionsästhetik
- Bedeutung des "Cultural Turn" und "Iconic Turn" für die Religionsforschung
- Verhältnisbestimmung von Religionsästhetik und Religionssemiotik
- Das Museum of World Religions als Praxisbeispiel für moderne Museumskonzepte
- Wahrnehmung von Religion im Kontext von Erlebnisräumen und Medien
Auszug aus dem Buch
3.2. Der Iconic Turn
Der Abschnitt „6.1.2 Zurück zu den Sinnen: die Religionsästhetik und ihr ,iconic turn‘“ handelt von der Religionsästhetik und ihrem Ursprung bei verschiedenen Wissenschaftlern. Die Religionsästhetik ist erst 1988 durch Hubert Canciks und Hubert Mohrs Artikel „Religionsästhetik im ersten Band des Handwörterbuch religionswissenschaftlicher Grundbegriffe (HrwG)“ als eigenständiger Ansatz wahrgenommen worden. Deren Inspiration war wiederum Baumgartens Werk „Aesthetica“ aus dem Jahre 1750, in welchem es um die sinnliche Erkenntnis und die Ästhetik als Zeichenlehre geht, wodurch dieser einen neuen Begriff der Ästhetik schuf. Nach der Inspiration durch Baumgarten, erklären Cancik und Mohr ihren neuen Religionsästhetik-Begriff, nämlich das, was man sinnlich wahrnehmen kann, zu beschreiben. Nach Cancik und Mohr beschäftigt sich die Religionsästhetik mit der religiösen Kommunikation im Sinne von Zeichen, Gegenstände und Handlungen.
Auch die Studien von Daniel Münsters und Susanne Lanwerds werden beschrieben, wobei Susanne Lanwerds sich mit dem Verhältnis von Symbol und Sinnlichkeit auseinandersetzt, ganz anders als Anne Koch, welche sich mit der Signifikanz des menschlichen Körpers als natürliches Symbol beschäftigt.
Aber auch Alexandra Grießer führt einen neuen Aspekt ein, nämlich durch die Sexualität, Erotik und Liebe als eine zentrale Rolle der Religion. Viele Studien werden angerissen, welche sich alle mit der Fragestellung auseinandersetzen, wie und ob man Kunst und Medien mit der Religion verbinden kann, wobei deutlich wird, dass alle einen gewissen Kunstcharakter benennen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Werk von Wilke und Guggenmos ein und erläutert die Relevanz der Religionsästhetik sowie den Bezug zur vedischen Tradition.
2. Museum of World Religion: Dieses Kapitel thematisiert die konzeptionelle Ausrichtung des Museums unter Berücksichtigung eines buddhistischen Dialogansatzes und beschreibt dessen Funktion als Erlebnisraum.
3. Die Religionsästhetik als neues Forschungsfeld: Es werden die wissenschaftstheoretischen Hintergründe, Fragestellungen und methodischen Ansätze der neuen Disziplin dargelegt.
3.1. Der Cultural Turn: Dieser Unterpunkt analysiert die Abkehr von einer rein textzentrierten Religionsforschung hin zur Berücksichtigung von Körperlichkeit, Materialität und kulturellen Kontexten.
3.2. Der Iconic Turn: Das Kapitel widmet sich der historischen Herleitung des ästhetischen Ansatzes unter Bezugnahme auf Baumgarten und der Rolle der sinnlichen Wahrnehmung in der Religionsforschung.
4. Das Verhältnis von Religionsästhetik und Religionssemiotik: Es werden Diskurse zur Verbindung und Differenz zwischen der Analyse von Wahrnehmungssystemen und Zeichensystemen erörtert.
5. Analyse des Museums: Der Abschnitt verbindet die theoretischen Erkenntnisse der Religionsästhetik mit der konkreten Gestaltung und Wirkung des Museumsbesuchs.
6. Fazit: Das Fazit schließt mit der Erkenntnis, dass wissenschaftliche Konzepte und religiöse Repräsentationen stetigem soziokulturellen Wandel unterliegen.
Schlüsselwörter
Religionsästhetik, Museum of World Religions, Cultural Turn, Iconic Turn, Religionssemiotik, Religionsphänomenologie, Sinnlichkeit, Erlebnisraum, Religionswissenschaft, buddhistisches Dialogkonzept, Wahrnehmung, Medien, Zeichensysteme, kulturelle Konstruktion, Museumskonzeption
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Etablierung der Religionsästhetik als wissenschaftliche Disziplin und deren Anwendung auf das Museum of World Religions.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Verschränkung von Religion mit sinnlicher Wahrnehmung, Medien und Kunst sowie die moderne museumspädagogische Praxis.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Relevanz der Religionsästhetik für die Analyse moderner Religionsformen und die Vermittlung von Religion in musealen Räumen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine strukturierte Textzusammenfassung und Analyse wissenschaftlicher Diskurse zur Religionsästhetik und deren Anwendung auf Fallbeispiele.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, wie den Cultural und Iconic Turn, sowie die Analyse des Museums als spezifischen Erlebnisraum.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit besonders?
Zentrale Begriffe sind Religionsästhetik, Wahrnehmungspanorama, Erlebnisraum, kultureller Wandel und Religionssemiotik.
Welche Rolle spielt der Begriff "Indra" für die Arbeit?
Der Titel verweist auf das Netz des Indra, eine Metapher für die buddhistische Vorstellung von Vernetzung, welche das Dialogkonzept des Museums widerspiegelt.
Wie bewerten die Autoren die Gestaltung des Museums?
Das Museum wird als Beispiel für eine modernste Konzeption gewürdigt, die geschickt religiöse Inhalte in einer säkularen, urbanen Umgebung (Kaufhaus) präsentiert.
- Arbeit zitieren
- Jalicia Klasen (Autor:in), 2016, "Im Netz des Indra". Das Museum of World Religions, sein buddhistisches Dialogkonzept und die neue Disziplin Religionsästhetik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/366804