Bei der Reichstagswahl am 14. September 1930 konnte die NSDAP ihren Prozentanteil der Wahlstimmen von 2,6% auf 18,2% steigern. In der Geschichte der parlamentarischen Wahlen in Deutschland hatte es so ein Ereignis zuvor noch nicht gegeben. Zusätzlich stieg die Wahlbeteiligung um 6,4% gegenüber der Wahl am 20. Mai 1928. Während die NSDAP somit zur zweistärksten Partei nach der SPD wurde, verlor die Sozialdemokratie rund eine halbe Millionen Stimmen im Vergleich zu der Wahl von 1928. Infolge dieses eindrucksvollen Wahlergebnisses, beschäftigten schon die Zeitgenossen folgende Fragen: Wer wählte die NSDAP? Welche Schichten der Bevölkerung konnte die NSDAP überzeugen? Welche Ursachen und Faktoren waren verantwortlich für den großen Wahlerfolg?
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es nun, den Sozialdemokraten und Wahlforscher Carlo Mierendorff in diese Forschungsentwicklung der nationalsozialistischen Wahlverhaltensforschung einzuordnen. Dabei sollen zuerst die Thesen Mierendorffs zur nationalsozialistischen Wählerforschung 1930/31 skizziert werden, wobei anschließend die Thesen in Kontroverse zur zeitgenössischen, soziologischen und aktuellen Forschung gestellt werden. In diesem Zusammenhang wird aufgezeigt, inwiefern sich die Thesen Mierendorffs mit den Erklärungsansätzen der zeitgenössischen, soziologischen und aktuellen Forschung zur nationalsozialistischen Wählerforschung unterscheiden oder überscheiden. Dieses Feld ist in der bisherigen Forschung noch nicht bearbeitet worden.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Politische Situation der SPD 1930/31
- Carlo Mierendorff – Ein biographischer Überblick
- Carlo Mierendorff und die nationalsozialistische Wählerforschung 1930/31
- Mittelstand
- Nichtwähler
- Mierendorff und die nationalsozialistische Wählerforschung 1930/31 im Blick der zeitgenössischen, soziologischen und aktuellen Forschung
- Mierendorffs Thesen und zeitgenössische Erklärungsansätze
- Theodor Geiger
- Walther Scheunemann
- Mierendorffs Thesen und soziologische Erklärungsansätze
- Lipset Die klassentheoretische Position
- Bendix - Die massentheoretische Position
- Mierendorffs Thesen und aktuelle Erklärungsansätze
- Mittelstand
- Nichtwähler
- Mierendorffs Thesen und zeitgenössische Erklärungsansätze
- Fazit
- Quellen- und Literaturverzeichnis
- Quellen
- Literatur
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit analysiert die Thesen des Sozialdemokraten Carlo Mierendorff zur nationalsozialistischen Wählerforschung im Kontext der Jahre 1930/31. Die Studie beleuchtet Mierendorffs Forschung im Vergleich zu zeitgenössischen, soziologischen und aktuellen Erklärungsansätzen und untersucht, wie sich seine Ansichten von anderen Interpretationen des nationalsozialistischen Wahlverhaltens unterscheiden.
- Carlo Mierendorffs Thesen zur nationalsozialistischen Wählerforschung
- Vergleich von Mierendorffs Thesen mit zeitgenössischen, soziologischen und aktuellen Ansätzen
- Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Analyse des Wahlverhaltens der NSDAP
- Einordnung der Thesen Mierendorffs in die Forschungslandschaft der nationalsozialistischen Wählerforschung
- Bedeutung der Thesen Mierendorffs für das Verständnis des Aufstiegs des Nationalsozialismus
Zusammenfassung der Kapitel
- Die Einleitung stellt den historischen Kontext des Wahlerfolgs der NSDAP bei der Reichstagswahl 1930 dar und beleuchtet die Forschungslandschaft zur nationalsozialistischen Wählerforschung.
- Kapitel 2 beschreibt die politische Situation der SPD in den Jahren 1930/31 und unterstreicht die Bedeutung der nationalsozialistischen Bedrohung für die Sozialdemokratie.
- Kapitel 3 liefert einen biographischen Überblick über Carlo Mierendorff und seine Rolle als Sozialdemokrat, Schriftsteller und Widerstandskämpfer.
- Kapitel 4 stellt Mierendorffs eigene Thesen zur nationalsozialistischen Wählerforschung vor, insbesondere seine Analyse des Mittelstandes und der Nichtwähler.
- Kapitel 5 analysiert Mierendorffs Thesen im Kontext der zeitgenössischen, soziologischen und aktuellen Forschungsliteratur, indem es sie mit Ansätzen von Theodor Geiger, Walther Scheunemann, Seymour Lipset, Reinhard Bendix und anderen vergleicht.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Wählerforschung, Carlo Mierendorff, SPD, Theodor Geiger, Walther Scheunemann, Seymour Lipset, Reinhard Bendix, Mittelstand, Nichtwähler, Zeitgenössische Forschung, Soziologische Forschung, Aktuelle Forschung, Vergleichende Analyse, Forschungsgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Wer war Carlo Mierendorff?
Carlo Mierendorff war ein bedeutender Sozialdemokrat, Widerstandskämpfer und einer der ersten Wahlforscher, der sich intensiv mit dem Aufstieg der NSDAP auseinandersetzte.
Wie erklärte Mierendorff den Wahlerfolg der NSDAP im Jahr 1930?
Mierendorff analysierte insbesondere das Wahlverhalten des Mittelstandes und der ehemaligen Nichtwähler, die massiv zur NSDAP abwanderten.
Welche Rolle spielten die Nichtwähler laut Mierendorff?
Er erkannte, dass die NSDAP erfolgreich bisherige Nichtwähler mobilisieren konnte, was zu dem sprunghaften Anstieg der Wahlbeteiligung und der Mandate für die Nationalsozialisten führte.
Wie unterscheidet sich Mierendorffs Ansatz von der soziologischen Forschung?
Mierendorffs Thesen werden in der Arbeit mit klassischen Ansätzen wie Lipsets Klassentheorie und Bendix' Massentheorie verglichen, um seine Pionierrolle in der empirischen Wahlforschung aufzuzeigen.
Warum ist Mierendorffs Forschung heute noch relevant?
Seine Analysen bieten tiefe Einblicke in die politische Psychologie der Weimarer Republik und zeigen auf, wie soziale Ängste und politische Entfremdung radikale Parteien stärken können.
- Quote paper
- Michael Richter (Author), 2016, Carlo Mierendorff und die nationalsozialistische Wählerforschung 1930/31. Die Thesen Mierendorffs in Kontroverse zu zeitgenössischen, soziologischen und aktuellen Erklärungsansätzen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/366824